Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirkung gemeinsamen Singens auf das Wohlbefinden von Grundschulkindern im Schulalltag. Ausgangspunkt ist die Forschungslücke, dass bisherige Studien vielfach Erwachsene betrachten, während systematische Untersuchungen im Primarbereich kaum vorliegen. In einer zweiwöchigen quantitativen Interventionsstudie mit einer vierten Klasse (N = 22) wurden die Kinder an mehreren Erhebungstagen zufällig einer Sing- oder Vergleichsgruppe zugeteilt. Das Wohlbefinden wurde jeweils am Ende des Schultages mithilfe eines standardisierten Fragebogens erfasst. Die Auswertung umfasste deskriptive Statistiken, t-Tests, Varianzanalysen (ANOVA) sowie Post-hoc-Tests. Die Ergebnisse zeigen, dass Singen das Wohlbefinden insgesamt steigern kann, wobei insbesondere die Mädchen signifikant profitierten, während sich für Jungen keine Veränderungen ergaben. Damit weist die Studie auf geschlechtsspezifische Unterschiede hin, die in bisherigen Arbeiten kaum auftraten. Praktisch lassen die Ergebnisse den Schluss zu, dass gemeinsames Singen im Grundschulalltag eine niedrigschwellige Ressource zur Förderung des Wohlbefindens darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Rahmen
2.1 Wohlbefinden
2.1.1 Allgemeine Definition des Begriffes „Wohlbefinden“
2.1.2 Kindliches Wohlbefinden
2.1.3 Schulisches Wohlbefinden in der Grundschule
2.1.4 Umgang mit dem Begriff des Wohlbefindens in dieser Arbeit
2.2 Musik in der Grundschule
2.2.1 Musik im Lehrplan der Grundschule in Bayern
2.2.2 Bedeutung von Musik für die Grundschule
2.2.3 Singen im Unterricht und dessen Funktionen
2.2.4 Soziale und emotionale Funktionen des Singens
2.2.5 Fazit des Kapitels 2.2
2.3 Psychologische und physiologische Wirkung von Musik und Singen
2.3.1 Die Wirkung der Musik
2.3.2 Die Wirkung des Singens
2.4 Forschungsstand zu den Effekten von Singen auf das Wohlbefinden
2.4.1 Forschungsergebnisse mit dem Schwerpunkt Befragung und subjektiven Einschätzungen
2.4.2 Forschungsergebnisse mit dem Schwerpunkt der neurobiologischen und physiologischen Untersuchung
2.4.3 Weitere Erklärungsansätze für die Steigerung des Wohlbefindens durch Singen
2.4.4 Ergebnisse zu Singen und Wohlbefinden bei Kindern
2.4.5 Kritik, Forschungslücken, Forschungsfrage und Hypothesen
3 Methodik
3.1 Forschungsdesign
3.2 Gütekriterien
3.2.1 Validität
3.2.2 Objektivität
3.2.3 Reliabilität
3.3 Entwicklung des Messinstruments
3.4 Stichprobe
3.5 Durchführung
3.5.1 Rahmenbedingungen
3.5.2 Interventionen
3.5.3 Besonderheiten
3.6 Datenanalyse
4 Ergebnisse
4.1 Reliabilität
4.2 Deskriptive Statistik
4.3 t-Tests
4.3.1 Ergebnisse Tag 4
4.3.2 Ergebnisse Tag 5
4.4 Varianzanalysen (ANOVA) und Post-hoc-Tests
4.4.1 Ergebnisse zum Einzelitem „Gefühl“
4.4.2 Ergebnisse zur „Feeling“-Skala
5 Diskussion
5.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
5.2 Interpretation der Ergebnisse und Vergleich mit bestehenden Studien
5.2.1 Beantwortung der ersten Hypothese (H1)
5.2.2 Beantwortung der zweiten Hypothese (H2)
5.2.3 Einordnung und Erklärungsansätze der Befunde
5.3 Beschränkungen
5.4 Empfehlung für weiterführende Forschung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen gemeinsamen Singens auf das Wohlbefinden von Grundschulkindern im Schulalltag mittels einer quantitativen Interventionsstudie. Die zentrale Forschungsfrage lautet, wie sich Singen im schulischen Kontext auf die Befindlichkeit der Lernenden auswirkt, wobei insbesondere geschlechtsspezifische Unterschiede beleuchtet werden.
- Wirkung von Musik und gemeinsamem Singen auf das kindliche Wohlbefinden
- Methodische Konzeption und Durchführung einer Interventionsstudie im Schulalltag
- Vergleich von Singgruppen und Vergleichsgruppen in der Primarstufe
- Analyse psychologischer und physiologischer Indikatoren (Selbstberichte)
- Untersuchung von geschlechtsspezifischen Unterschieden bei der Wirkung von Singaktivitäten
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Singen im Unterricht und dessen Funktionen
Das Singen ist für das Musizieren in Schulen besonders wichtig, wird im Lehrplan explizit hervorgehoben und als tägliche Praxis empfohlen (ISB, o. D.b). Diese Bedeutung spiegelt sich in den vielfältigen Funktionen wider, die das Singen im Unterricht erfüllen kann. Da unterrichtliches Tun stets eine Legitimation benötigt, wie auch Baumann und Forge (2011) beschreiben, werden nun die Funktionen, die Singen im Unterricht bzw. in der Schule erfüllt, dargelegt (S 181).
Baumann und Forge (2011) unterteilen die Argumente in zwei zentrale Frage. Als erstes die Frage danach, welche Erfahrungen mit Singen erlebt werden können, und als zweites wie sich Singen im unterrichtlichen Lernprozess einbinden lässt (S. 181-185).
1. Welche Erfahrungen könne beim Singen gemacht werden?
Hierzu werden vier Argumente dargestellt:
Argument 1: Singen ermöglicht eine positive Selbsterfahrung.
Die eigene Stimme ist Ausdruck der Persönlichkeit. Sie spiegelt sowohl körperliche Voraussetzungen wie Atemvolumen oder Stimmlage, als auch die aktuelle Gefühlslage wider. Das Singen bietet die Möglichkeit, den Umgang mit der eigenen Stimme zu erlernen und diese bewusst einzusetzen, aber auch sie wahrzunehmen und neue Klangmöglichkeiten zu entdecken. Dadurch kann an der eigenen Persönlichkeit gearbeitet werden. So kann das Singen bspw. eher introver tierten Kindern die Möglichkeit geben, die Erfahrung von mehr Extrovertiertheit zu gewinnen. Auch fördert das Singen die Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Körper, etwa durch bewusstes Atmen oder Stehen. So können Kinder einen guten Umgang mit sich selbst erlernen, was als sinnvoller Beitrag zur Gesundheitserziehung betrachtet werden kann (Baumann & Forge, 2011, S. 181–182).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Singens als Ressource im schulischen Alltag ein und erläutert die Forschungsrelevanz aufgrund mangelnder systematischer Studien im Primarbereich.
2 Theoretischer Rahmen: Das Kapitel klärt zentrale Begriffe wie Wohlbefinden und schulisches Wohlbefinden und legt die musikpädagogischen sowie psychologischen Grundlagen für die Wirkung des Singens dar.
3 Methodik: Hier wird das quantitative Interventionsdesign der Studie beschrieben, inklusive der Stichprobe, der Datenerhebung mittels Fragebogen und der statistischen Analyseverfahren.
4 Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die statistischen Resultate der Studie, insbesondere die signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen und geschlechtsspezifische Effekte.
5 Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert, in den bestehenden Forschungsstand eingeordnet und hinsichtlich ihrer Bedeutung sowie methodischer Einschränkungen kritisch diskutiert.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, beantwortet die Forschungsfrage und leitet Handlungsempfehlungen für den schulischen Alltag ab.
Schlüsselwörter
Grundschule, gemeinsames Singen, Wohlbefinden, Interventionsstudie, Musikunterricht, Kindesentwicklung, geschlechtsspezifische Unterschiede, psychische Gesundheit, schulischer Alltag, Emotionen, soziale Integration, Musikpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Einfluss von gemeinsamem Singen auf das Wohlbefinden von Grundschulkindern während des Schultages.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das schulische Wohlbefinden, die musikpädagogische Bedeutung des Singens im Unterricht sowie die psychologischen Auswirkungen von Singaktivitäten auf Kinder.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Die Arbeit zielt darauf ab, zu klären, ob gemeinsames Singen im Primarbereich als niedrigschwellige Ressource zur Steigerung des Wohlbefindens fungieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde ein quantitatives, experimentelles Interventionsdesign mit einer vierten Klasse in einem natürlichen Schulumfeld gewählt, wobei Daten mittels standardisierter Fragebögen erhoben wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst den theoretischen Rahmen inklusive Forschungsstand, die detaillierte Beschreibung des methodischen Vorgehens sowie die statistische Auswertung der erzielten Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Grundschule, Wohlbefinden, gemeinsames Singen, Musikunterricht und geschlechtsspezifische Unterschiede.
Welches Hauptergebnis liefert die Studie hinsichtlich der Geschlechter?
Die Studie zeigt, dass insbesondere Mädchen signifikant vom gemeinsamen Singen profitierten, während bei Jungen in dieser Untersuchung keine Steigerung des Wohlbefindens messbar war.
Warum wird Singen als „niedrigschwellige Ressource“ bezeichnet?
Singen erfordert keine teuren Materialien oder komplexe Vorkenntnisse; es lässt sich leicht in den Schulalltag integrieren, um Gemeinschaft und Wohlbefinden zu fördern.
- Arbeit zitieren
- Saskia Wagenfeld (Autor:in), 2025, Auswirkungen von gemeinsamem Singen auf das Wohlbefinden von Grundschulkindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1736727