Eine Analyse der Rechtfertigung für staatliche Regulierung im Finanzsektor


Studienarbeit, 2010

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Finanzmarktregulierung
2.1 Institutionen der Finanzmarktaufsicht in Deutschland und Europa
2.2 Maßnahmen der Regulierung

3. Besonderheiten des Finanzsystems
3.1 Finanzmärkte in der ökonomischen Theorie
3.2 Marktversagen im Finanzsektor
3.3 Die Bedeutung asymmetrischer Informationsverteilung

4. Argumente für staatliche Regulierung im Finanzsektor
4.1 Gläubiger- und Anlegerschutz
4.2 Regulierung systemischer Risiken

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die öffentliche Aufmerksamkeit für Fragen der Finanzmarktaufsicht ist durch deutliche Konjunkturschwankungen geprägt. Die jüngste Finanzkrise, die 2007 in den USA ihren Lauf genommen und sich zu einer ausgeprägten Weltwirtschaftskrise entwickelt hat, hat nach Jahren der Deregulierung die Diskussion nach angemessenen und effektiven Vorschriften für die nationalen, aber auch die weltweiten Finanzmärkte wiederaufleben lassen. Auch Umfang und Reichweite angebotener Finanzdienstleistungen haben sich im besonders im vergangenen Jahrzehnt deutlich erweitert. Neben klassischen Anlagemöglichkeiten wie Spargeschäften und Aktienkäufen können Anleger in mittlerweile in weitaus komplexere Wertpapierbündel in Form von strukturierten Finanzprodukten investieren. Die weitestgehend unkontrollierte Verbreitung derartiger Anlagen wird als Mitverursacher der jüngsten Verwerfungen an den Finanzmärkten verantwortlich gemacht.1

An diese Entwicklung knüpft die Fragestellung der vorliegenden Arbeit an. Ziel soll es sein, der Frage nach dem ‚Warum‘ staatlicher Aufsicht und Kontrolle im Finanzsektor nachzugehen. Kapitel 2 gibt dazu einen Überblick über den Status Quo der Finanzmarktaufsicht in Deutschland und Europa und zeigt die wichtigsten Regulierungsmaßnahmen auf. Kapitel 3 befasst sich mit dem Finanzmarktsektor als Aufsichtsobjekt. Neben der besonderen Bedeutung eines funktionierenden Finanzsystems werden hier mögliche Marktunvollkommenheiten herausgearbeitet. Diese werden im vierten Kapitel zur konkreten Rechtfertigung staatlicher Kontrolle im Finanzsektor herangezogen. In Kapitel 5 werden die gewonnen Erkenntnisse abschließend zusammengefasst und mit Bezug auf die aktuellen Ereignisse bewertet.

2. Finanzmarktregulierung

2.1 Institutionen der Finanzmarktaufsicht in Deutschland und Europa

In Deutschland wird die Aufsicht der Finanzmärkte gemeinsam von der Bundesbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ausgeübt. Die BaFin ist Hauptträger der Finanzmarktaufsicht und untersteht als Anstalt des öffentlichen Rechts der Rechts- und Fachaufsicht des Bundesministeriums der Finanzen.2 Unter ihrem Dach wurden im Jahr 2002 die Bundesaufsichtsämter für das Kreditwesen, das Versicherungswesen und den Wertpapierhandel mit ihren Aufgabenbereichen zusammengeführt. Gemäß §7 des Gesetzes über das Kreditwesen (KWG) arbeiten BaFin und Bundesbank bei der laufenden Überwachung zusammen. Die „Richtlinie zur Durchführung und Qualitätssicherung der laufenden Überwachung der Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute durch die Deutsche Bundesbank (Aufsichtsrichtlinie - AufsichtsRL)“ regelt die genauere Aufgabenteilung zwischen beiden Institutionen. Während sich die Bundesbank gemäß Artikel 2 AufsichtsRL vorranging mit der Sachverhaltsaufklärung sowie der Aus- und Bewertung aller eingehenden Informationen befasst, obliegt es der BaFin, die abschließenden Beurteilungen vorzunehmen und aufsichtsrechtliche Maßnahmen zu beschließen und umzusetzen. In allen Auslegungsfragen bankenaufsichtlicher Regelungen hat die BaFin die letztentscheidende Kompetenz. Die Zusammenarbeit beider Institutionen wird regelmäßig mit dem engen Zusammenhang von geldpolitischen und bankenaufsichtlichen Gesichtspunkten begründet, der eine genaue Trennung von Zielen und Aufgaben der Bankenaufsicht häufig unmöglich macht.3 Es wird in diesem Fall von dem Modell der Allfinanzaufsicht gesprochen.

Auf europäischer Ebene wird die Bankenaufsicht vor allem vom Committee of European Banking Supervisors (CEBS) koordiniert. Als vergleichbare Institution für den Versicherungsbereich arbeitet das Committee of European Insurance and Occupational Pensions Supervisors (CEIOPS), für die Aufsicht über den Wertpapierbereich der EU ist das CESR, das Committee of European Securities Regulators, zuständig. Alle Institutionen beschäftigen sich mit der Umsetzung von EU-Richtlinien in geltendes Recht mit dem Ziel, die Aufsichtsstandards innerhalb der EU anzugleichen.4

2.2 Maßnahmen der Regulierung

Eine erste Unterscheidung bankenaufsichtlicher Maßnahmen setzt an der ökonomischen Situation des zu kontrollierenden Akteurs an.5 Präventive Maßnahmen (prudential regulations) sollen vorbeugend wirken und die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Krisenfalls minimieren. So müssen Kreditinstitute gemäß §10 KGW über „angemessene Eigenmittel“ verfügen, um die Verpflichtungen gegenüber ihren Gläubigern jederzeit erfüllen zu können. Protektive Maßnahmen (protective regulations) hingegen sollen im konkreten Ernstfall das Kreditinstitut vor der Insolvenz oder den Einleger vor einem aus der möglichen Insolvenz drohenden Verlust seiner Einlagen schützen.6

Sind die Regeln eindeutig definiert, wird von quantitativen bzw. regelgebundenen Vorschriften gesprochen. Sie dienen der Begrenzung von Geschäftsrisiken. Beispiele hierfür finden sich mit der Berechnung der Eigenmittelunterlegung in der Solvabilitätsordnung (SolvV) oder dem Standardverfahren zur Ermittlung der Liquiditätskennzahl in der Liquiditätsverordnung (LiqV).7 Qualitative Normen beziehen sich auf die Ziel- und Organisationsrisiken. Sie werden individuell an die Situation des Instituts angepasst und lassen dem Management, aber auch den Aufsichtsbehörden, einen größeren Ermessensspielraum.8

3. Besonderheiten des Finanzsystems

Dieses Kapitel hat die besondere Bedeutung des Finanzsektors als Aufsichtsmotiv zum Gegenstand. Es gilt daher herauszustellen, ob und warum ein funktionierender Finanzsektor für eine Volkswirtschaft wichtig ist und deshalb beaufsichtigt werden sollte.

Zu diesem Zweck soll der Finanzsektor zunächst in der theoretischen Form seinem realen Erscheinungsbild gegenübergestellt werden, um mögliche Marktunvollkommenheiten herauszustellen. Kapitel 4 wird sich dann mit konkreten Argumenten für staatliche Regulierung beschäftigen.

3.1 Finanzmärkte in der ökonomischen Theorie

Der Begriff des Finanzmarktes umfasst hier alle Märkte, auf denen Handel mit Kapital stattfindet. Als Finanzintermediäre im weiteren Sinne werden Institutionen verstanden, deren Tätigkeit in Produktion, Handel und Vermittlung von Finanzdienstleistungen liegt.

In einer Modellwelt, in der derartige Finanzintermediäre existieren, erfüllen diese wichtige, wohlfahrtssteigernde Funktionen, sowohl auf der Aktiv- als auch auf der Passivseite ihrer Bilanz.9 Auf der Aktivseite führen asymmetrisch verteilte Information zugunsten der Kreditnehmer zu einer Situation, in der der Finanzintermediär den Kreditgebern die Überwachung der finanzierten Projekte abnimmt.10 Die Kosten für die Überwachung der Kreditnehmer fallen so nur einmal an. Des Weiteren wird das Risiko eines Kreditausfalls durch die Überwachung verringert und die Verteilung des Ausfallrisikos auf verschiedene Anleger wirkt wohlfahrtssteigernd. Auf der Passivseite ermöglichen Finanzintermediäre durch Transformation von Fristen, Losgrößen und Risiko die Finanzierung langfristiger Projekte mit kurzfristigen Einlagen.11 Die Einleger möchten kurzfristig über ihre Einlagen verfügen können und besitzen genauere Informationen über auftretende Liquiditätsengpässe. Der Finanzintermediator hält zu diesem Zweck eine gewisse Liquiditätsreserve vor und kann aus dem verbleibenden Pool langfristige Kredite vergeben.12

In beiden Fällen sind asymmetrisch verteilte Informationen Grundlage für die Begründung der Vorteilhaftigkeit von Finanzintermediären für eine Volkswirtschaft. Sie können Probleme, die aus der Unvollständigkeit von Finanzierungsverträgen resultieren, im Rahmen langfristiger Finanzierungsverhältnisse besser bewältigen als direkte Finanzierungsbeziehungen und Risiken besser diversifizieren.13 Im Ergebnis ist die Existenz von Finanzintermediären, insbesondere von Banken, welche die genannten Funktionen besitzen, theoretisch belegt und als eindeutig effizienzfördernd herausgestellt.

[...]


1 Vgl. Roubini (2010), S. 91-98.

2 Vgl. Hartung/Sell (2008), S.9.

3 Vgl. dazu beispielsweise Hartmann-Wendels/Pfingsten/Weber (2010), S. 456.

4 Vgl. Hartmann-Wendels/Pfingsten/Weber (2010), S. 408 - 410.

5 Vgl. Burghof/Rudolph (1996), S. 39.

6 Vgl. Bieg/Krämer/Waschbusch (2009), S. 63.

7 Vgl. Hartmann-Wendels/Pfingsten/Weber (2010), S. 410.

8 Vgl. Burghof/Rudolph (1996), S. 52.

9 Vgl. Bhattacharya/Boot/Thakor (1998), S. 747.

10 Vgl. Diamond (1984), S. 393-414, Hartmann-Wendels/Pfingsten/Weber (2010), S. 142.

11 Vgl. Diamond/Dybvig (1986), S. 55-68.

12 Vgl. Hartmann-Wendels/Pfingsten/Weber (2010), S. 241.

13 Vgl. Diamond/Dybvig (1983), S. 404.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Eine Analyse der Rechtfertigung für staatliche Regulierung im Finanzsektor
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Genossenschaftwesen)
Veranstaltung
Volkswirtschaftspolitik
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V173682
ISBN (eBook)
9783640939435
ISBN (Buch)
9783640939169
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzmarktregulierung, Finanzkrise, Rechtfertigung der Regulierung
Arbeit zitieren
Max Hanisch (Autor), 2010, Eine Analyse der Rechtfertigung für staatliche Regulierung im Finanzsektor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173682

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