Realisierung einer barrierefreien Internetpräsenz am Beispiel des Content-Management-Systems "Joomla! 1.5"


Projektarbeit, 2011

83 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Definition Internetpräsenz
2.2 Programmierung eines Webauftritts
2.2.1 Hypertext Markup Language (HTML)
2.2.2 Cascading Stylesheets (CSS)
2.2.3 Hypertext Preprocessor (PHP)
2.3 Barrierefreiheit
2.3.1 Definition
2.3.2 Verordnung
2.3.3 Richtlinien
2.4 Content-Management-Systeme

3 Projektdetails
3.1 Projektdefinition
3.2 Anwendungsbereich und Zielgruppen
3.3 Anforderungsspezifikation
3.3.1 Muss-Kriterien
3.3.2 Soll-Kriterien
3.3.3 Kann-Kriterien

4 Konzept
4.1 Administrative Planung
4.1.1 Nutzerklassifizierung
4.1.2 Benutzerverwaltung
4.2 Technische Planung
4.2.1 Hard- und Software Voraussetzungen
4.2.2 Software-Anpassungen
4.2.2.1 „.htaccess“
4.2.2.2 Joomla!-Grundsystem
4.2.2.3 Joomla!-Erweiterungen
4.2.2.4 Joomla!-Templates
4.3 Inhaltliche Planung
4.3.1 Website-Struktur
4.3.2 Inhalte
4.3.3 Grundsätzliches Layout und Design
4.4 Qualitätssicherung
4.4.1 Validierung
4.4.2 Verifizierung

5 Realisierung
5.1 Vorbereitung der Installation von Joomla!
5.2 Installation von Joomla!
5.3 Einrichtung von Joomla!
5.4 Implementierung der Inhalte
5.5 Modifizierung der Darstellung
5.5.1 Anpassung im Joomla!-System
5.5.2 Anpassung im HTML- und CSS-Code
5.6 Suchmaschinenoptimierung bei Joomla!
5.7 Qualitätssicherung

6 Zusammenfassung und Ausblick

Glossar

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anhang

WCAG 1.0 und WCAG 2.0

Pflichtenheft

Richtlinien für Websites und Webmaster

1 Einleitung

Die Selbsthilfe- und Patientenakademie (SPA) ist auf dem Gebiet des Sozial- und Gesundheitswesens tätig. Auf diesem Gebiet bietet sie hilfreiche Informations- und Beratungsveranstaltungen an. Ihr Ziel ist die Stärkung von Kompetenzen für Gespräche mit Fachkräften des Sozial- und Gesundheitswesens.

Die SPA ist aus einem Projekt des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit an der Hochschule Emden/Leer hervorgegangen. Sie wurde im August 2009 der breiten Öffentlichkeit im Nordwesten Niedersachsens vorgestellt Das Bestreben des Auftraggebers liegt darin, den Bekanntheitsgrad der SPA über die Grenzen Niedersachsens zu erhöhen.

Um den Bekanntheitsgrad der Akademie zu erhöhen, wird sich unterschiedlicher Medien bedient. Neben Printmedien, wie beispielsweise Flyer, Plakate oder Pressemitteilungen, ist hierbei auch der Einsatz digitaler Medien von hoher Bedeutung. Daher wird mittels einer Internetpräsenz (im Weiteren auch als Webauftritt oder Website bezeichnet) das Bestreben des Auftraggebers unterstützt die Gesundheitsbildungs- und Informationsangebote der SPA einem breiteren Personenkreis zugänglich zu machen.

Zu einem breiteren Personenkreis zählt die SPA unter anderem Menschen mit Behinderungen, insbesondere solche mit Sehbehinderungen. Diese Personengruppe, die zunehmende das Internet für sich entdeckt, stößt beim sogenannten „Surfen“ durch das World Wide Web an die Grenzen der effektiven Informationsbeschaffung.

Dies belegt eine Studie der „Einfach für Alle“ - Initiative der Aktion Mensch: „Chancen und Risiken des Internets der Zukunft aus Sicht von Menschen mit Behinderungen“ (Cornelssen & Schmitz, 2008: o. S.).

Die Einschränkungen, welche im Folgenden als Barrieren deklariert werden, liegen für Sehbehinderte dabei vornehmlich bei der visuellen Wahrnehmung und Bedienung des besuchten Webauftrittes.

Im Rahmen dieser Arbeit wird mittels Ermittlung von Charakteristika von Webauftritten die Barrierefreiheit verdeutlicht und das Content-Management-System Joomla! vorgestellt wird.

Im Anschluss folgen die Projektdetails mit dem Website-spezifische Anforderungskatalog. Die im Katalog aufgeschlüsselten Anforderungen werden in der darauffolgenden konzeptuellen Vorgehensweise berücksichtigt und abschließend in der Realisierung umgesetzt.

2 Grundlagen

Im Rahmen dieses Projektes treffen Experten auf dem Gebiet der Informatik und des Sozialwesens aufeinander. Da in dieser Arbeit verschiedene Begrifflichkeiten hinsichtlich beider Wissensgebiete genutzt werden, ergibt sich daher die Notwendigkeit, die beteiligten Parteien auf einen gleichen Wissenstand zu führen.

Beginnend mit der Erklärung des Begriffs „Internetpräsenz“ wird im Folgenden auf die Programmierungsbestandteile und die Barrierefreiheit eines Webauftrittes eingegangen. Den Abschluss bildet die „Content-Management-System“-Definition.

2.1 Definition Internetpräsenz

In der Brockhaus Enzyklopädie wird der Begriff „Internetpräsenz“ wie folgt definiert:

„Internetpräsenz, Website, ein Projekt im World Wide Web, das aus mehreren Dokumenten besteht, zwischen denen mit Hilfe von Hyperlinks navigiert werden kann. Die I. als Ganzes liegt meist auf einem Webserver, von dem die einzelnen Webseiten abgerufen und mit einem Browser betrachtet werden können […]“ (Brockhaus, 2006b: 422f).

Wie aus der Definition hervorgeht, ist eine Internetpräsenz eine Art Kombination mehrerer Dokumente, die im World Wide Web (im Weiteren abgekürzt WWW) zur Verfügung stehen. Um welche Art von Dokumenten es sich dabei handelt, wird in dieser Definition nicht weiter erläutert. Näheres ist unter dem Begriff „Webseite“ zu finden. Die Enzyklopädie schreibt hier- zu: „Webseite, ein Dokument (eine Seite) im World Wide Web […] beruht auf einer HTML- Datei und den damit verbundenen Dateien für Texte und Grafiken […]“ (Brockhaus, 2006d: 528f).

Daraus folgt, dass eine Internetpräsenz aus einem Zusammenspiel verschiedener Datei- en/Dokumente, Datenbankinformationen und dynamisch programmierten Elementen besteht.

Wie umfangreich die Verwendung einzelner Dokumente bei Websites ist, hängt vom jeweiligen Betreiber und den Zielen, die mit einer Internetpräsenz verfolgt werden ab. Die folgende Abbildung zeigt eine Auswahl von Webauftritten mit unterschiedlichen Zielsetzungen wie Nachrichtenpräsentation, Auktionen, Organisationsvorstellung, Verkaufsoberfläche oder Selbstdarstellung von Privatpersonen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Website-Beispiele

Um Internetpräsenzen, wie sie in Abbildung 1 zu sehen sind, zu programmieren, stehen heute zahlreiche Programme und Programmiersprachen zur Verfügung.

2.2 Programmierung eines Webauftritts

Um einen Webauftritt zu programmieren, werden heutzutage unter anderem die Auszeich- nungssprache HTML (Hypertext Markup Language), die Formatierungssprache CSS (Cas- cading Stylesheets) sowie Skriptsprachen, zum Beispiel PHP, JavaScript oder Ajax, benutzt. Jede dieser Sprachen umfasst dabei einen bestimmten Bereich der Webseitenrealisierung.

Die Grundstruktur eines dynamischen Webauftritts basiert auf „Hypertext Markup Language“. Auf diese HTML-Struktur greift das CSS zu und definiert damit das Design und das Layout. Um das Verhalten von Webseitenelementen zu steuern, beispielsweise um ein Formular abschicken zu können, werden unterstützend Skriptsprachen eingesetzt. Im Folgenden werden HTML, CSS und PHP näher erläutert.

2.2.1 Hypertext Markup Language (HTML)

„Hypertext Markup Language“ (abgekürzt HTML) ist eine sogenannte Auszeichnungsspra- che. Die Bestandteile von HTML sind Schlüsselworte sogenannte „Tags“. Diese Tags bilden die Struktur (zum Beispiel Überschrift oder Absatz) der Internetpräsenz und werden mittels Editor beispielsweise „Adobe Dreamweaver“ in ein Dokument eingefügt. Die eigentlichen Inhalte, in nachfolgender Abbildung schwarz dargestellt, befinden sich zwischen einem öff- nenden und einem schließenden Tag (siehe rot eingekreiste Bereiche in Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Beispiel eines HTML-Codes

Die Abbildung 2 zeigt ein HTML-Dokument. In der ersten Zeile des HTML-Codes (in der Abbildung 2 mit schwarzem Pfeil gekennzeichnet) befindet sich die DokumententypDeklaration. Diese Deklaration enthält die Dokumenttyp-Definition (abgekürzt DTD). Die Definition regelt, zum Beispiel welche Elemente ein HTML-Dokument enthalten darf (vgl. SELFHTML e. V., 2007a: o. S). Nach der DTD folgt der Inhalt der Website, eingeschlossen in den Tags „<html>“ beziehungsweise „</html>“.

Der in den <html>-Tag eingeschlossene Code unterteilt sich in zwei Bereiche. Der erste Be- reich, der sogenannte <head> enthält Meta-Informationen, die von Suchmaschinen genutzt werden. Diese Informationen sind für den Besucher der Website größtenteils nicht direkt sichtbar. Eine Ausnahme bildet der Titel beziehungsweise Namen der Internetpräsenz (vgl. Abbildung 6). Der zweite Bereich, der sogenannte <body>, enthält die Informationen, die später im Browser als Webseite wahrgenommen werden. Neben dem Absatztag aus der Abbildung 2 (rot eingekreist) gibt es weitere Elemente die Texte, Tabellen, Verweise, Formulare etc. strukturieren. Eine Übersicht aller Elemente bietet der Webauftritt von SELFHTML e. V. (SELFHTML, 2007b: o. S.).

2.2.2 Cascading Stylesheets (CSS)

Unter dem Begriff „Cascading Stylesheets” (abgekürzt CSS) wird nach dem World Wide Web Consortium, „a simple mechanism for adding style (e.g., fonts, colors, spacing) to Web documents“ (Bos, 2010: o. S.) verstanden.

Mit einem einzigen Stylesheet ist es so möglich, der zuvor festgelegten Website-Struktur eine einheitliche Darstellung zu geben. Dies bedeutet, dass beispielsweise Überschriften auf allen Seiten dieselbe Schrift, Schriftgröße und Textausrichtung aufweisen, solange immer auf das gleiche Stylesheet zugegriffen wird. Die Abbildung 3 zeigt einen beispielhaften Aus- zug eines Stylesheets.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Beispiel eines CSS-Codes

In dem obigen Beispielcode befindet sich an erster Stelle der Dokumentationsheader, in dem verschiedene Angaben zum Stylesheet zu finden sind. Danach folgen verschiedene Festlegungen, beispielsweise die Schriftgröße oder auch die Schriftfarbe für den <body>-Bereich, der im Kapitel „Hypertext Markup Language (HTML)“ kurz erläutert wurde. Diese Festlegungen gelten nun für die gesamte Internetpräsenz.

2.2.3 Hypertext Preprocessor (PHP)

Aufgrund der gestiegenen Anforderungen im World Wide Web, beispielsweise dem Wunsch nach der Anbindung von Datenbanken oder dynamischen Webapplikationen, wurde das PHP/FI in der Programmiersprache „C“ im Jahre 1995 realisiert und ständig erweitert. Nach der PHP Group (The PHP Group, 2010: o. S.) war dieses PHP/FI eine Sammlung von Perl- Skripten, die der „Zugriffserfassung“ auf der Internetpräsenz des Entwicklers Rasmus Lerdorf diente.

Mit der Veröffentlichung des PHP/FI-Codes ermöglichte der Entwickler die freie Nutzung, Weiterentwicklung und Fehlerbehebung für Jeden.

Im Jahre 1997 entschieden sich laut der PHP Group die Programmierer Andi Gutmans und Zeev Suraski die PHP/FI-Version neu zu schreiben (The PHP Group, 2010: o. S.). Diese Neuentwicklung galt als offizieller Nachfolger der „Lerdorf-Sprache“ und ist als PHP 3.0 be- kannt. Einhergehend mit dieser Version wurde „Personal Home Page Tool“ in „Hypertext Preprocessor“ umbenannt. PHP wird fortlaufend weiterentwickelt und ist derzeit als Version

5.3.5 veröffentlicht.

Heute bildet PHP nach Peter Winkler eine „[…] serverseitig ausgeführte Open-Source- Skriptsprache […]“ (Winkler, 2009: 638). Der PHP-Quellcode wird in den HTML-Code integriert und vom Server interpretiert, der dann wiederum den erzeugten HTML-Code an den Browser liefert. Die Abbildung 4 zeigt die Funktionsweise von PHP.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Funktionsweise von PHP

Ausgehend von dem Rechner eines Kunden, in der Abbildung 4 als Client dargestellt, schickt der Kunde eine Website-Anfrage über das Internet an einen Webserver. Dieser Webserver lädt daraufhin die angeforderte Datei und übergibt diese an den PHP-Interpreter. Der Inter- preter generiert den HTML-Code und schickt diesen zurück an den Webserver. Der generier- te HTML-Code wird anschließend an den Client zurückgesendet und erscheint als Website im Browser.

Ein Beispiel für den im Browser nicht angezeigten PHP-Code, (aus dem der anzuzeigende HTML-Code erzeugt wird), ist in der nächsten Abbildung zu sehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Beispiel eines PHP-Codes

Das PHP-Skript beginnt im Quellcode mit „<?php“ und endet mit „?>“(in der Abbildung 5 rot geschrieben). Die Befehle, die zwischen diesen beiden Tags liegen, werden dann vom PHPInterpreter in einen HTML-Code umgewandelt.

Der umgewandelte HTML-Code ist dann zusammen mit dem CSS-Code aus Abbildung 3 auf dem Webbrowser des Client sichtbar (siehe Abbildung 6).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Browseransicht

Die Ansicht aus Abbildung 6 zeigt die vom Server angeforderte Website im Webbrowser „Mozilla Firefox 1.5“. Der rote Pfeil weist auf den Titel der Website, welcher in den MetaInformationen des HTML-Codes enthalten ist.

2.3 Barrierefreiheit

Bei der Programmierung einer Internetpräsenz können unterschiedliche Barrieren für Website-Besucher entstehen. So haben beispielsweise Menschen mit einer Rot-Grün- Sehschwäche Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung von farbintensiven Webauftritten. Zur Vermeidung von Barrieren empfiehlt sich die Einhaltung von Barrierefreiheit, welche im Nachfolgenden erläutert wird.

2.3.1 Definition

Nach dem Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (Behindertengleichstellungsge- setz - BGG) definiert das Bundesministerium der Justiz im § 4 BGG die Barrierefreiheit wie folgt:

„Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsge- genstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquel- len und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind“(Bundesministerium der Justiz, 2007: 2).

Durch diesen Paragraphen wird deutlich, dass die Barrierefreiheit nicht nur im Bereich Bau und Verkehr für Menschen mit Behinderung wichtig ist, sondern auch zunehmend im Bereich der Informationstechnik. Dabei spielt es keine Rolle welche Art von Behinderung ein Mensch hat, sondern dass die Möglichkeit besteht, die täglich genutzten Werkzeuge, wie beispielsweise einen Computer, ohne fremde Hilfe zu bedienen.

Der § 11 BGG spezifiziert den Bereich der Informationstechnik genauer. Es heißt in § 11 Abs. 1 BGG:

„Träger öffentlicher Gewalt […] gestalten ihre Internetauftritte und -angebote sowie die von ihnen zur Verfügung gestellten grafischen Programmoberflächen […] technisch so, dass sie von behinderten Menschen grundsätzlich uneingeschränkt genutzt werden können […]“ (Bundesministerium der Justiz, 2007: 4f).

Das Behindertengleichstellungsgesetz fordert von den öffentlichen Trägern also eine barrierefreie Darstellung des Internetauftrittes, sagt aber nichts dazu aus, in welchem Umfang diese umzusetzen ist.

Nähere Informationen dazu gibt die „Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung“, abgekürzt BITV, die im Folgenden betrachtet wird.

2.3.2 Verordnung

Der bereits erwähnte § 11 des BGG erfordert die nähere Spezifizierung der im Behindertengleichstellungsgesetz festgelegten Barrierefreiheit öffentlicher Internetauftritte und grafischen Programmoberflächen. Mit diesem Hintergrund wurde im Jahr 2002 die „Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz“ (Bundesministerium der Justiz, 2002: 1) vom Gesetzgeber beschlossen.

In der Anlage der Verordnung sind die anzuwendenden Standards bei der Realisierung von informationstechnischen Angeboten nach Anforderungen und Bedingungen priorisiert. Laut dem Bundesministerium der Justiz beziehen sich diese Anforderungen und Bedingungen allein auf die „angebotenen elektronischen Inhalte und Informationen“ (Bundesministerium der Justiz, 2002: 2). Diese basieren auf den Zugangsrichtlinien für Web-Inhalte 1.0 (Web Content Accessibility Guidelines 1.0, abgekürzt WCAG) des World Wide Web Consortiums aus dem Jahr 1999.

Obwohl die BITV nur für Bundesbehörden bindend ist, bildet diese Verordnung zusammen mit den nachfolgend betrachteten WCAG-Richtlinien die Grundlage für die Realisierung der Internetpräsenz mit dem Content-Management-Systems Joomla!.

2.3.3 Richtlinien

Als Teil des World Wide Web Consortium, bekannt als W3C, entwickelte die Web Accessibili- ty Initiative (abgekürzt WAI) Ende der 90er Jahre Richtlinien für den Zugang im Web. Laut den Experten Jan Eric Hellbusch und Thomas Meyer (Hellbusch & Mayer, 2009: 8) ist die WAI zuständig für die Überprüfung auf Zugänglichkeit der HTML- und CSS- Standards der W3C. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem barrierefreien Webdesign, welches die Richtlinien des Web Content Accessibility Guidelines 1.0 widerspiegelt. Die Richtlinien, be- kannt als WCAG 1.0, bestehen aus 14 Regeln mit insgesamt 66 Checkpunkten.

Obwohl die im Anhang aufgeführten Regeln seit über zehn Jahren existieren, sind die meisten Internetpräsenzen nach Hellbusch und Meyer „[…] nicht einmal annähernd barrierefrei gestaltet […]“ (Hellbusch & Mayer, 2009: 8).

Die WCAG 1.0-Richtlinien unterteilen sich in drei Prioritätsstufen, die im Folgenden genannt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Prioritäteneinteilung

Die Prioritätsstufen, wie in Tabelle 1 zu sehen, enthalten unterschiedlich viele Checkpunkte. Die Zuordnung dieser zu den einzelnen Prioritäten ist abhängig von dem Einfluss des jeweiligen Checkpunktes auf die Zugänglichkeit.

Die WAI hat im Jahre 2008 weitere Richtlinien, die sogenannten Web Content Accessibility Guidelines 2.0 (W3C, 2008: o.S.), veröffentlicht. Diese enthalten weitere Spezifikationen und Details zur Umsetzung. Besondere Beachtung gilt hierbei der neuen Struktur, die die Richtlinien in Wahrnehmung, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Robustheit unterteilt.

2.4 Content-Management-Systeme

Content-Management-Systeme, im Weiteren mit CMS abgekürzt, werden von Peter Winkler in seiner Publikation „Computerlexikon 2010“ wie folgt definiert:

„Ein CMS (Content Management System) dient der Verwaltung und gemeinsamen Bearbeitung von Inhalten (Content). Inhalte können Multimedia-Dokumente wie Videos, Grafiken, PDF-Dateien usw. oder Text sein“ (Winkler, 2009: 172).

CMS sind Systeme, welche die Inhalte in verschiedene Formate umwandeln und ausgeben. Mit ihnen ist beispielsweise eine Umwandlung von Texten in ein PDF- oder XML-Format möglich.

Die Funktionsweise von CMS wird in zwei Arten unterschieden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Arten von Content-Management-Systemen

Neben den Content-Management-Systemen unterscheidet Winkler noch in Web-Content- Management-Systeme (WCMS). Nach ihm dienen WCMS „[…] der Bearbeitung und Veröffentlichung von Webseiteninhalten in HTML […]“ (Winkler, 2009: 172).

Bruns und Meyer-Wegener spezifizieren das WCMS noch etwas näher:

„(Web)Contentmanagementsysteme ((W)CMS) sind in der Lage, die benötigten Inhalte auf Anforderung dynamisch zu generieren und bereitzustellen. Die Rohdaten, Layout- und Struk- turinformationen werden getrennt gehalten und verarbeitet“ (Bruns & Meyer-Wegener, 2005: 435).

Anhand dieser Definition wird ersichtlich, dass eine Trennung der Rohdaten also von Inhalt und Layout-/Strukturinformationen, unabdingbar ist. So hat zum Beispiel ein Upgrade des (W)CMS auf eine höhere Version keinen Einfluss auf das Erscheinungsbild oder den Inhalt einer Webseite.

Die Basis für die Realisierung einer Internetpräsenz bildet daher die (W)CMS-Definition.

Der Vorteil liegt unter anderem darin, dass der Redakteur selbst keine Programmier- oder HTML-Kenntnisse benötigt. Desweiteren bieten viele CMS mittels Rechteverwaltung eine Möglichkeit zur gemeinschaftlichen Gestaltung der Inhalte, so dass zum Beispiel die Pflege, Aktualisierung und Wartung eines Webauftrittes nicht mehr nur von einer Person abhängig ist.

Ein weiteres Merkmal zeigt sich im Aufbau von CMS. Es wird zwischen dem Frontend und dem Backend unterschieden. Unter dem Begriff „Frontend“ sind alle für die Benutzer sichtbaren Seiten zusammengefasst.

Hingegen ist das Backend (auch bekannt als Administrationsbereich) für den normalen Be- sucher einer Internetpräsenz unsichtbar. Da in diesem Bereich die Einrichtung, die Konfigu- ration und die Modifizierung des Systems erfolgt, kann hierauf nur über eine separate, pass- wortgeschützte Zugangsoberfläche zugegriffen werden. Näheres wird im Kapitel „Realisie- rung“ beschrieben.

Wie dem Titel dieser Arbeit zu entnehmen ist, wird die Internetpräsenz mit dem ContentManagement-System Joomla! realisiert. Joomla! zählt laut einer Statistik der AOE media GmbH mit 19 % zu den beliebtesten Anwendungen im Bereich der CMS. Die folgende Abbildung zeigt die prozentuale Verteilung in Bezug auf deren weltweite Nutzung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Weltweite Nutzung von CMS auf Websites [basierend auf (AOE media GmbH, 2010: o. S.)]

Wie in der Abbildung 7 dargestellt, ist Joomla! nach Wordpress die am zweithäufigsten genutzte CMS-Software bei der Erstellung von Internetpräsenzen.

Aufgrund dieser starken Verbreitung und den in den letzten Jahren gestiegenen Ansprüchen an barrierefreie Websites, ist es sehr wahrscheinlich, dass eine Barrierefreiheit mit Joomla! zu realisieren ist und damit eine erfolgreiche Umsetzung der Projektidee erfolgen kann.

3 Projektdetails

Nach der theoretischen Betrachtung wird im Folgenden genauer beschrieben, wie die Realsierung einer barrierefreien Internetpräsenz im Detail aussehen soll. Dazu werden neben der Erstellung der Projektdefinition und dem Pflichtenheft (siehe Anhang) die Anwendungsbereiche und Zielgruppen untersucht, um schließlich in den Anforderungsspezifikationen die Anforderungskriterien festzulegen.

3.1 Projektdefinition

Für die Selbsthilfe- und Patientenakademie (SPA) an der Hochschule Emden/Leer, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit, ist eine Internetpräsenz unter Berücksichtigung der im folgenden Kapitel 3.2 genannten Zielgruppen zu realisieren.

Als Auftraggeber fungiert Herr Prof. Dr. Knut Tielking, der der Sprecher und Mitbegründer der SPA ist.

3.2 Anwendungsbereich und Zielgruppen

Die Internetpräsenz wird für die nachfolgend genannten Zielgruppen barrierefrei im Internet zu Verfügung stehen. Die Nutzung der Website wird sowohl Anwendern ohne Behinderung als auch Anwendern mit starker Sehbehinderung ermöglicht.

Durch den Anspruch eine barrierefreie Internetpräsenz zu gestalten, definiert der Auftraggeber bereits zwei Zielgruppen.

Die Zielgruppe „Kunden des Auftraggebers“ impliziert im Sinne des Auftraggebers unter an- derem Menschen mit Interesse an der Gesundheitsförderung. Ebenfalls gehören Menschen, die bereits die Gesundheitsbildungs- und Informationsangebote der SPA nutzen in diese Gruppe. Es können sowohl Experten als auch Laien auf dem Sektor des Gesundheits- und Sozialwesens sein.

Als spezielle Zielgruppe werden sehbehinderte Kunden der SPA abgegrenzt. Daher ist für diese Zielgruppe die Internetpräsenz entsprechend barrierefrei zu gestalten.

3.3 Anforderungsspezifikation

Nachfolgend werden die Anforderungen an die Internetpräsenz in Muss-, Soll- und KannKriterien kategorisiert.

3.3.1 Muss-Kriterien

Die Muss-Kriterien sind verpflichtende Bestandteile der Website. Ohne deren Umsetzung ist die volle Nutzung des Webauftrittes nicht gegeben. Folgende Kriterien sind laut Auftraggeber zu realisieren:

1. Es muss übersichtlich und nutzerfreundlich strukturiert sein.
2. Es müssen sechs verschiedene Hauptbereiche mit den entsprechenden Unterseiten mittels Menü ansteuerbar sein.
3. Ein Terminkalender mit aktuellen Veranstaltungen muss auf der Titelseite integriert sein.
4. Es müssen 20 Seiten erstellt werden. (Die Inhalte/Bilder werden vom Auftraggeber geliefert.)
5. Das Corporate Design muss sich auf der Internetpräsenz wiederspiegeln.
6. Das Logo muss jederzeit sichtbar sein.
7. Die Programmierung muss für die Ladezeiten optimiert sein.
8. Der Webauftritt muss im „What You See Is What You Get-Modus“ (abgekürzt WYSIWYG-Modus) aktualisierbar sein.
9. Die Internetpräsenz muss den Zielgruppen angepasst sein.

3.3.2 Soll-Kriterien

Die Soll-Kriterien sind ebenfalls verpflichtende Bestandteile der Internetpräsenz. Ohne diese ist der Webauftritt nur eingeschränkt nutzbar. Die grundsätzliche Nutzung ist jedoch gegeben. Auf die Soll-Kriterien kann bei Auftreten von Unwägbarkeiten im Projektverlauf, beispielsweise bei technischen Schwierigkeiten oder Änderung der Anforderungen, verzichtet werden. Zu den Soll-Kriterien zählen:

1. Auf jeder Bildschirmseite soll es die Möglichkeit geben direkt zur Startseite zu gelan- gen.
2. Für Informationsseiten, die mehr Platz als eine Bildschirmseite benötigen, wird es ei- nen Hyperlink (englisch für „Verlinkung“) beispielsweise „Weiterlesen“ geben.
3. Die Internetpräsenz soll in Suchmaschinen gefunden werden.
4. Es soll eine Historie für Veranstaltungen angelegt werden, die nach Jahren angezeigt werden kann.
5. Die Veranstaltungen im laufenden Jahr sollen farblich nach Aktualität dargestellt wer- den. (Bereits verstrichene Termine sollen in grauem Farbton dargestellt werden.)
6. Es soll die Möglichkeit bestehen nähere Informationen zu den Veranstaltungen mit- tels PopUp-Fenster zu erhalten.
7. Es soll ein Upload/Download von Dateien bestehen.
8. Es soll ein Glossar integriert sein.
9. Ein Formular zur Kontaktaufnahme soll im Bereich der Ansprechpartner zur Verfü- gung stehen.

3.3.3 Kann-Kriterien

Die Kann-Kriterien sind Kriterien, die vom Auftraggeber als nicht notwendig eingestuft wer- den, sondern als optional für die Zukunft. Sie sind damit nicht verpflichtender Bestandteil des Webauftritts. Als Kann-Kriterien werden somit alle Kriterien eingestuft, deren technische Um- setzbarkeit nicht gewährleistet ist, beziehungsweise deren zeitlicher Aufwand nicht abge- schätzt werden kann.

1. Es kann ein geschützter Forenbereich bestehen.
2. Ein barrierefreier Webauftritt für andere Behinderungsarten kann ermöglicht werden.
3. Es kann ein Anmeldesystem für Veranstaltungen integriert sein.
4. Ein Abonnement von Webseiten-Inhalten (bekannt als RSS-Feed) kann möglich sein.
5. Einen Newsletter-Bereich kann integriert sein.

Nach der Festlegung der Anforderungskriterien wird das Konzept zur Umsetzung erarbeitet und nachfolgend beschrieben.

4 Konzept

Das Content-Management-System Joomla! erfüllt wesentliche Anforderungen des Auftrag- gebers. Um bei der Installation und Konfiguration allen administrativen Anforderungen, ins- besondere dem Wunsch nach einer Benutzerverwaltung, gerecht zu werden, wird als erstes auf die Planung dieses Bereiches eingegangen. Darauf basierend wird die technische Um- setzung betrachtet. Der Planung der inhaltlichen Umsetzung folgt abschließend die Quali- tätsprüfung.

4.1 Administrative Planung

Nach ersten Gesprächen mit dem Auftraggeber stellte sich heraus, dass neben den im Kapitel „Projektdetails“ genannten Zielgruppen der Auftraggeber selbst eine eigene Gruppe darstellt. Dies ist in der Planung zu berücksichtigen. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird diese Gruppe als „CMS-Manager“ bezeichnet.

Die bereits genannten Zielgruppen „Kunden des Auftraggebers“, „Sehbehinderte Kunden“ und „CMS-Manager“ erzwingen eine differenzierte Nutzerverwaltung und damit verbunden eine angepasste Darstellung der Internetpräsenz. So wird beispielsweise gefordert, dass Redakteure Artikel verfassen, modifizieren und archivieren können. Im Gegensatz zum Ad- ministrator jedoch dürfen sie weder gestalterische Elemente, noch die Navigation oder Struk- tur verändern.

Die administrative Planung umfasst daher primär die Verwaltung der einzelnen Zielgruppen. Im Folgenden werden die Zielgruppen nach Mensch-Computer-Kommunikations- Gesichtspunkten klassifiziert und näher erläutert.

4.1.1 Nutzerklassifizierung

Um die Nutzer der zu realisierenden Internetpräsenz entsprechend einzustufen, spielen die individuellen Eigenschaften sowie die Erfahrungen im Umgang mit Computern/Internet laut Michael Herczeg in „Softwareergonomie“ (Herczeg, 2005: 65) eine entscheidende Rolle. Preim und Dachselt beziehen in ihrer Veröffentlichung „Interaktive Systeme 1“ neben den Eigenschaften und Erfahrungen ebenfalls die Bedürfnisse der Nutzer in eine Klassifizierung mit ein (vgl. Preim & Dachselt, 2010: 200). Ähnlich klassifizierte zuvor Herczeg die Nutzer in:

a) „Unerfahrene Benutzer/Anfänger
b) Gelegenheitsbenutzer
c) Routinebenutzer
d) Experten.“ (Herczeg, 2005: 67)

Die nachfolgende Übersicht verdeutlicht einzelne Charakteristika der jeweiligen Benutzer gruppe sowie die Anforderungen an ein System beispielsweise einer Software oder Internet- präsenz.

[...]

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Details

Titel
Realisierung einer barrierefreien Internetpräsenz am Beispiel des Content-Management-Systems "Joomla! 1.5"
Hochschule
Hochschule Emden/Leer  (Fachbereich Technik, Abteilung E+I)
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
83
Katalognummer
V173687
ISBN (eBook)
9783640939718
ISBN (Buch)
9783640942824
Dateigröße
2368 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Joomla, CMS, Content-Management-System, WCMS, Website, Internetpräsenz, Webauftritt, Internetauftritt
Arbeit zitieren
Jeannette Prescher (Autor), 2011, Realisierung einer barrierefreien Internetpräsenz am Beispiel des Content-Management-Systems "Joomla! 1.5", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173687

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