'Graeculus' Hadrian und das Panhellenion


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Philhellenismus des Kaisers Hadrian

3. Das Panhellenion
3.1. Gründung
3.2. Mitglieder und Aufgaben
3.3. Auswirkungen und Ende des Panhellenions

4. Hadrians Politik gegenüber Griechenland

5. Schlussbetrachtungen

6. Quellen

7. Literatur

1. Einleitung

Publius Aelius Hadrianus[1] stammte aus der Folge der Adoptivkaiser. Er gelangte im Jahr 117 n. Chr. als Nachfolger Traians an die Spitze des Römischen Reiches und regierte fast einundzwanzig Jahre lang.[2] Entgegen der erobernden und kriegerischen Bestrebungen seiner Vorgänger, war es Hadrians Anliegen für Frieden und Eintracht zu sorgen. Er sicherte die Grenzen des Reiches und war in der Ausübung seines Amtes als Reisekaiser bekannt.[3] Hinzu kommt, dass er ein Philhellene war.[4] Aufgrund des Seltenheitswertes dieser Eigenschaft macht ihn dies für wissenschaftliche Untersuchungen höchst interessant.

In dieser Hausarbeit steht demnach Kaiser Hadrians Philhellenismus im Vordergrund. Ich möchte deren Auswirkung auf seine Politik ergründen. Da dies jedoch ein zu großes Arbeitsfeld einnehmen würde, werde ich meine Ausführungen beschränken. So werde ich nicht weiter auf seine Innenpolitik und die restliche Außenpolitik eingehen. Im Mittelpunkt meiner Untersuchungen wird die Erschaffung des Panhellenions als exemplum seiner Herrschaft stehen. Da wenige Quellen zu Kaiser Hadrian existieren, werde ich mich der Historia Romana von Cassius Dio als informationsreichste Hauptquelle zuwenden. Außerdem werde ich die Historia Augusta sowie die Inscriptiones Graecae für meine Untersuchungen hinzuziehen.

Im Verlauf der Arbeit werde ich zunächst auf den Philhellenismus des Kaiser eingehen. Daraufhin werde ich auf das Panhellenion im Speziellen übergehen. Hierfür werde ich dessen Gründung sowie die Mitglieder und Aufgaben betrachten. Folgend gehe ich auf die Auswirkungen und das Ende des Panhellenions ein. Anschließend werde ich Kaiser Hadrians Politik gegenüber Griechenland näher betrachten. Zuletzt führe ich meine Schlussbetrachtungen an. In diesen werde ich das Untersuchte reflektieren und meine Schlussfolgerungen zu den Auswirkungen von Hadrian als Philhellene gegenüber seiner Politik formulieren. Auf diese Weise werde ich meine Untersuchungen und diese Arbeit abschließen.

2. Der Philhellenismus des Kaisers Hadrian

Hadrian war schon als Kind sehr wissbegierig sowie ehrgeizig und befasste sich mit verschiedenen Kulturen.[5] In seiner Jugend soll er im Osten des Reiches gewesen sein, da sein Vater dort tätig war.[6] Während dieser Zeit erlernte er die Sprachen Griechisch und Latein.[7] Aufgrund seiner enthusiastischen griechischen Studien nannte man ihn darauf graeculus, den „kleinen Griechen“[8].[9] Überdies neigte Hadrian beim Lernen zur Perfektion, sodass er sich mit viel Übung sogar seinem spanischen Akzent im Lateinischen entzog.[10]

Schon früh verstarb dann sein Vater Aelius Hadrianus Afer, der ein Senator war und auch das Amt eines Praetoren innehatte.[11] Dieser war ein Vetter des Traian und stammte aus Italica.[12] So kam Hadrian etwa im Alter von zehn Jahren zu Traian, der darauf sein Vormund war.[13] Er wurde von Traian jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht adoptiert.[14] Eine weitere Vormundschaft für Hadrian übernahm P. Acilius Attianus.[15] Später ehelichte Hadrian dann Traians Nichte Sabina, wodurch ein noch engerer Familienbund bestand.[16] Im Jahre 117 n. Chr. verstarb sein Vormund Kaiser Traian. Dieser hatte keinen Nachfolger bestimmt und so wurde Hadrian mit Hilfe von Traians Ehefrau Plotina und Attianus nachträglich adoptiert. Plotina gab dazu als Kaiserin die Unterschrift, was sonst selten der Fall war.[17] Um die Legitimation des Geschehens festzuhalten soll der Tod des Kaisers Traian zunächst verheimlicht worden sein. Vor der Verkündung des Todes wurde die der Adoption ausgeführt.[18] Auf diese Weise wurde Hadrian der princeps des Römischen Reiches.

Er tätigte im Rahmen seiner Amtsausübungen als princeps viele Reisen.[19] Dies war ein sehr unrömischer Charakterzug. Normalerweise war ein Römer mehr auf seine Heimat als auf entlegene Gegenden bedacht.[20] Unterwegs versuchte er seinen Soldaten ein altrömisches starkes Vorbild zu sein. Es ist bekannt, dass er seine Wege nur zu Pferd oder Fuß auf sich nahm.[21] Bei seinen Reisen nach Gallien und Germanien legte er sogar zwanzig Meilen per pedes zurück.[22] Er war auch nach Sizilien gereist und bestieg dort den Berg Aetna, um den Sonnenaufgang zu betrachten, welcher einem Regenbogen gleich sein sollte.[23] Bei einer der Fahrten über Asien und die Inseln Griechenlands ließ er sich in die Eleusinischen Mysterien einführen.[24] Er wurde 130 n. Chr. auch „Epeptos bei den Mysterien“[25]. Vier Jahre vor seiner Werdung zum princeps hatte er dann auch die „Archontenwürde“[26] inne.[27] Somit war er höchster Beamter von Athen und führte auch die Dionysischen Spiele durch, wobei er die Gewänder der Hellenen trug.[28] An Festtafeln im Römischen Reich war er sogar teils in griechischen Gewändern oder der Toga gekleidet.[29] Die Dionysien zelebrierte er bei seinen Aufenthalten in Athen ebenfalls in der Bekleidung der Griechen.[30]

An seinem restlichen Äußeren war ebenfalls seine Vorliebe für das Griechentum zu erkennen. Kaiser Hadrian war nämlich einer der wenigen römischen Herrscher mit einem Bart. Diesen trug er als Vollbart. Hinzu kommen nicht von Natur aus gekräuselte Haare, die das klassische Bild eines Hellenen komplettieren.[31]

Eine weitere Äußerung seines Philhellenismus ist in seinem griechischen Jüngling Antinous erkennbar. Dieser stammte aus Bithynium und kam auf rätselhafte Weise während einer Ägyptenreise um. Eine Möglichkeit ist, dass Antinous geopfert wurde. Eine andere Variante ist die Selbstopferung des Knaben.[32] Kaiser Hadrian jedenfalls stellte den Tod seines Lustknaben als tragischen Unfall dar. Antinous sei in den Nil gestürzt und so umgekommen. Auf diesen Verlust hin ließ Hadrian eine Stadt für seinen Geliebten erbauen. Antinous wurde dann auch in Antinoopolis, der nach ihm benannten Stadt, begraben.[33] Außerdem ließ Hadrian Statuen von ihm aufstellen und dachte sich eine Geschichte aus. Antinous sei nach seinem Tode zu einem Stern geworden.[34] Auf diese Weise schien er dessen Tod verkraften zu wollen. Daran zeigt sich aber auch der humane Part und die Bedeutung des Antinous für den Kaiser. So schien dieser nicht nur ein griechisches Anhängsel für ihn, sondern ein wichtiger Teil seines Lebens gewesen zu sein.

[...]


[1] Im Folgenden wird er Kaiser Hadrian, princeps oder nur Hadrian genannt.

[2] Die genaue Zahl seiner Regierungszeit beläuft sich auf 20 Jahre und 11 Monate, vgl. Cass. Dio 69,23,1.

[3] Vgl. Hist. Aug. Hadr. 9,1. Auch vgl. Cass. Dio 69,9.

[4] Vgl. Hist. Aug. Hadr. 1,5.

[5] Vgl. Cass. Dio 69,3,2.

[6] Vgl. Anthony R. Birley, Hadrian. Der rastlose Kaiser, Mainz am Rhein 2006, S. 8.

[7] Es ist von „beide Sprachen“ die Rede, vgl. Cass. Dio 69,3,1.

[8] Historia Augusta, Römische Herrschergestalten, Band 1, von Hadrianus bis Alexander Severus. Eingeleitet und übersetzt von Ernst Hohl, Zürich/München 1976. S. 29.

[9] Vgl. Hist. Aug. Hadr. 1,5.

[10] Vgl. Schanz-Hosius, Geschichte der Römischen Literatur. Bis zum Gesetzgebungswerk des Kaisers Justinian, Dritter Teil, Die Zeit von Hadrian 117 bis auf Constantin 324, dritte neubearbeitete Auflage von Carl Hosius und Gustav Krüger, in: Walter Otto (Hrsg.), Handbuch der Altertumswissenschaft, begründet von Iwan von Müller, Achte Abteilung, Dritter Teil, München 1959, S. 3-9, S. 4.

[11] Vgl. Cass. Dio 69,3,1. Auch zu finden bei Hist. Aug. Hadr. 1,2.

[12] Vgl. Hist. Aug. Hadr. 1,2. Die Ortsangabe ist zu finden bei Birley, Hadrian, S. 7.

[13] Vgl. Hist. Aug. Hadr. 1,4.

[14] Vgl. Cass. Dio 69,1,1.

[15] Vgl. Birley, Hadrian, S. 8.

[16] Die Information der Ehelichung der Nichte Trajans durch Hadrian findet sich bei Cass. Dio 69,1,1. Der Name Sabina findet sich bei Hist. Aug. Hadr. 1,2.

[17] Vgl. Cass. Dio 69,1,2.

[18] Vgl. ebd.,1,3.

[19] Vgl. ebd.,9,1.

[20] Vgl. Schanz-Hosius, Geschichte der Römischen Literatur, S. 3.

[21] Vgl. Cass. Dio 69,9,3.

[22] Vgl. Hist. Aug. Hadr. 10,1-2 und 4.

[23] Vgl. ebd.. 13,3. Vgl. auch Schanz-Hosius, Geschichte der Römischen Literatur, S. 3.

[24] Vgl. ebd.. 13,1.

[25] Cass. Dio 69,11,1.

[26] Ferdinand Gregorovius, Geschichte des römischen Kaisers Hadrian und seiner Zeit, Königsberg 1851, S. 65.

[27] Sein Amt des Archons findet sich auch bei Hist. Aug. Hadr. 19,1.

[28] Vgl. Cass.Dio 69,16,1.

[29] Vgl. Hist. Aug. Hadr. 22,4.

[30] Vgl. Gregorovius, Hadrian, S. 65.

[31] Vgl. Hist. Aug. Hadr. 26,1.

[32] Vgl. ebd.. 14, 6.

[33] Vgl. Birley, Hadrian, S. 94.

[34] Vgl. Cass. Dio 69,11,3-4.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
'Graeculus' Hadrian und das Panhellenion
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften, Friedrich-Meinecke-Institut)
Veranstaltung
Adoptivkaiser
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V173697
ISBN (eBook)
9783640939763
ISBN (Buch)
9783640939633
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
graeculus, hadrian, panhellenion
Arbeit zitieren
Lisa Blech (Autor), 2011, 'Graeculus' Hadrian und das Panhellenion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173697

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