Der 14-jährige Hamed Nastoh stürzt sich im März 2000 von der Pattullo Bridge in Kanada. Vor dem Selbstmord hinterlässt er seinen Eltern einen fünfseitigen Abschiedsbrief. Resigniert beklagt sich der Teenager im Brief über Bullying durch Mitschüler und sogar Freunde. Er bittet seine Mutter an Schulen über Mobbing und
dessen Konsequenzen aufzuklären und so Verzweiflungstaten wie die seine zu verhindern. (Vancouver – News & Features. Fatal Bridges)
August 2010 - Die Angst grassiert in Kolumbien: Auf Facebook wurde eine Todesliste mit 80 Namen von Teenagern veröffentlicht. Bereits drei Jugendliche, deren Namen auf dieser Liste standen, sind in der Stadt Puerto Asis getötet worden. Die Regierung ordnete inzwischen eine Untersuchung an, um herauszufinden, wer hinter den Listen
steht. Die meisten auf der Liste Genannten sind unter 18 Jahre alt. Sie wurden ultimativ aufgefordert, den Ort zu verlassen. („Todesliste auf Facebook wird Wirklichkeit“, 2010)
Eine Selbstmordserie unter homosexuellen Teenagern entsetzt viele Menschen in den USA. Mehrere Jugendliche nahmen sich in den vergangenen Monaten das Leben, nachdem sie zuvor im Internet von Schulkameraden und Kommilitonen wegen ihrer sexuellen Orientierung gemobbt wurden. Im September diesen Jahres wurde der Leichnam des 18-jährigen Tyler Clementi aus dem Hudson gezogen. Zwei seiner
Kommilitonen sollen ihn zuvor heimlich beim Sex mit einem Jungen gefilmt und das Video dann ins Internet gestellt haben. („Ellen DeGeneres kämpft gegen Cybermobbing“, 2010)
Betrachtet man genannte Beispiele, so scheint Mobbing mittlerweile an der Tagesordnung zu stehen. Die Rede ist hierbei jedoch nicht von kleinen Neckereien und harmlosen Streitigkeiten. Immer öfter wird die psychische Belastung der Opfer aufgrund aggressiven Bullyings so groß, dass enorme Konsequenzen folgen. Das Internet vervielfacht zusätzlich die Möglichkeiten der „Mobber“. Denn den Tätern
sind im World Wide Web nahezu keine Grenzen gesetzt. Sie handeln häufig anonym und belästigen das Opfer wann es ihnen passt. Denn anders als beim gewöhnlichen Mobbing in der Schule, können sich die Opfer nach Schulschluss nicht zu Hause verkriechen. Auch dort sind sie den Belästigungen ihrer Peiniger rund um die Uhr
ausgesetzt. (Fawzi, 2009, S.34)
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
Begriffsklärung
2.1 Was ist ein Akteur?
2.1.2 Was ist ein politischer Akteur?
Staatliche und überstaatliche Akteure
3.1 Staatliche Akteure
3.1.2 Akteure auf Bundesebene
3.1.3 Akteure auf Landesebene
3.2 Überstaatliche Akteure
3.2.2 Akteure auf europäischer Ebene
3.2.3 Akteure auf globaler Ebene
4 Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welche Rolle staatliche und überstaatliche Akteure im Kampf gegen Cyber-Mobbing einnehmen und welche konkreten Maßnahmen diese ergreifen. Ziel ist es, die Zuständigkeiten auf verschiedenen politischen Ebenen zu identifizieren und deren Effektivität sowie das vorhandene Handlungsrepertoire im Kontext mediatisierter Gewalt zu bewerten.
- Definition politischer Akteure in der Mediengesellschaft
- Analyse staatlicher Akteure auf Bundes- und Landesebene
- Rolle supranationaler Organisationen bei der Internetregulierung
- Gegenüberstellung von Präventionsmaßnahmen und rechtlichen Rahmenbedingungen
- Diskussion über Notwendigkeit und Umsetzung einer globalen Internet-Governance
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Akteure auf Bundesebene
Der Deutsche Bundestag mit Sitz in Berlin ist das Parlament der Bundesrepublik Deutschland. Im Rahmen der Gewaltenteilung in einer Demokratie, stellt das Parlament die gesetzgebende Gewalt im Staat dar, die sogenannte Legislative. Außerdem hat der Bundestag das Recht inne, die obersten Repräsentanten der Exekutive und Judikative zu wählen und mit Hilfe eines Haushaltsplans über die Finanz- und Ausgabenpolitik des Staates zu bestimmen.
Der größte Teil der parlamentarischen Aufgaben wird in Ausschüssen erledigt. Da es keinen konkreten Ausschuss für Medien gibt und auch ein Bundesminister für Kommunikation in der Exekutive fehlt, werden Medienfragen in verschiedenen anderen Ausschüssen erörtert. Beispielsweise im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, dem Ausschuss für Kultur und Medien, dem Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend oder dem Unterausschuss Neue Medien. (Tonnemacher, 2003, S.75-76)
Wie sich der Bundestag eigentlich mit dem Thema Cyber-Mobbing befassen könnte beziehungsweise sollte, führt Fawzi (2009) wie folgt aus: Auch der Gesetzgeber hat sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Eine gesetzlich Definition von Cyber-Mobbing, sowie Bestimmungen für eine rechtliche Handhabung des Themas ist notwendig. Ähnlich dem Anti-Stalking Gesetz könnte der Gesetzgeber sich des Cyber-Mobbings annehmen und einen entsprechenden Strafbestand schaffen. Insgesamt gilt es die Rechte der Opfer im Internet zu stärken. Eine Möglichkeit wäre, den Plattformbetreiber selbst schadensersatzpflichtig gegenüber den Opfern zu machen, wenn sie Bild- oder Schriftmaterial einstellen, das Straftatbestände verletzt und trotz entsprechender Aufforderung dieses Material nicht sofort entfernen. Des Weiteren ist eine Stärkung des Jugendmedienschutzes unerlässlich. (S.120)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die zunehmende Relevanz von Cyber-Mobbing anhand erschütternder Fallbeispiele und verdeutlicht die Notwendigkeit einer politischen Auseinandersetzung mit dem Phänomen.
2 Hauptteil: Der Hauptteil erläutert zunächst theoretische Grundlagen zu Akteuren und politischen Akteuren, um anschließend die verschiedenen staatlichen und überstaatlichen Akteure sowie deren Handlungsfelder detailliert zu untersuchen.
4 Schlussteil: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen und kritisiert die bisherige Konzentration auf präventive Initiativen bei gleichzeitigem Mangel an verbindlichen gesetzlichen Regelungen gegen Cyber-Mobbing.
Schlüsselwörter
Cyber-Mobbing, Cyber-Bullying, politische Akteure, Internetregulierung, Gesetzgebung, Medienpolitik, Jugendmedienschutz, Internet-Governance, Landesmedienanstalten, Europäische Union, Europarat, Safer Internet Day, Bundesregierung, Kommunikationspolitik, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Handlungsspielräume und Maßnahmen staatlicher sowie überstaatlicher Akteure im Hinblick auf die Bekämpfung von Cyber-Mobbing.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Definition politischer Akteure, die Kompetenzverteilung zwischen den politischen Ebenen (Bund, Land, EU, global) und die Herausforderungen bei der Regulierung des Internets.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, was politische Akteure gegen Cyber-Mobbing unternehmen können und in welchem Umfang sie bereits aktiv sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine deskriptive Analyse und Typologisierung der Akteure, ergänzt durch Beispiele aus der aktuellen Politik und Medienpraxis sowie Literaturrecherchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Begriffe definiert und dann eine strukturierte Aufzählung staatlicher (Bund/Länder) und überstaatlicher (EU/Global) Akteure vorgenommen, um deren Rolle im Kontext von Cyber-Mobbing zu beleuchten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Cyber-Mobbing, Internetregulierung, politische Akteure, Medienpolitik und Jugendmedienschutz sind die prägendsten Begriffe der Arbeit.
Wie gehen deutsche Bundesländer mit Cyber-Mobbing um?
Die Länder nutzen ihre Kulturhoheit, um eigene Initiativen zu starten, wie zum Beispiel den Leitfaden des Schulministeriums in Nordrhein-Westfalen oder die Arbeit der Landesmedienanstalten.
Welche Kritik übt die Autorin an den globalen Akteuren?
Die Autorin bemängelt, dass internationale Übereinkommen oft nicht verbindlich sind und es an durchsetzbaren Sanktionsmöglichkeiten fehlt, um Cyber-Mobbing auf globaler Ebene effektiv zu regulieren.
Welche Rolle spielt die ICANN bei der Internetregulierung?
Die ICANN verwaltet zentrale technische Ressourcen wie IP-Adressen und Domain-Namen, steht aber aufgrund ihrer US-Dominanz und mangelnden internationalen Rechtbindung in der Kritik.
- Citar trabajo
- Nathalie Wilk (Autor), 2011, Akteure auf staatlicher und überstaatlicher Ebene und ihr Vorgehen gegen Cyber-Mobbing, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173732