Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der kultursensiblen Ernährungsberatung im Kontext von Typ-2-Diabetes bei einer indischen Migrantin und ihrer Familie in Deutschland. Im Rahmen einer systemischen Fallanalyse werden kulturelle und religiöse Einflussfaktoren, insbesondere der hinduistisch-brahmanische Hintergrund, sowie familiäre Strukturen, emotionale Aspekte und mögliche sprachliche Barrieren in ihrer Bedeutung für das Ernährungsverhalten untersucht. Ergänzend wird der Einfluss von Diabetes mellitus auf die Ernährung und das Selbstmanagement der Patientin dargestellt. Auf dieser Grundlage werden geeignete Ernährungserhebungsmethoden diskutiert und ein strukturierter Ablauf für ein Beratungsgespräch entwickelt, das die gesamte Familie einbezieht. Abschließend werden praxisorientierte Ernährungsempfehlungen formuliert, die sowohl medizinische Anforderungen als auch kulturelle und individuelle Präferenzen berücksichtigen. Ziel der Arbeit ist es, die Bedeutung kultursensibler Ansätze in der Ernährungsberatung aufzuzeigen und deren Umsetzung im praktischen Beratungskontext zu reflektieren.
Im Anhang ist ein zweisprachig (Deutsch/Englisch) gestalteter Fragebogen zur Ernährungsberatung beigefügt.
Inhaltsverzeichnis
I. Abkürzungsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse der einzukalkulierenden Hintergründe
2.1. Kulturelle und religiöse Hintergründe südindischer Brahmanen
2.2. Berücksichtigung der sozialen Strukturen im Hinblick auf die Familie
2.3. Einfluss von Emotionen auf das Essverhalten
2.4. Diabetes und seine Bedeutung für die Ernährung
2.5. Weitere zu berücksichtigende Faktoren bei Durchführung der Beratung
3. Datenerhebung und Ablauf der Beratung
3.1. Ernährungserhebungsmethode und Fragebögen
3.2. Ablauf der Beratung
4. Aussprache der Ernährungsempfehlungen für die Patientin und ihre Familie
5. Fazit
5.1 Ausblick für zukünftige Behandlung der Patientin
II. Literaturverzeichnis
III. Anhang
I. Abkürzungsverzeichnis
BMI body mass index
DM Diabetes Mellitus
EEM…. Ernährungserhebungsmethode
T2D Typ-2-Diabetes
In der vorliegenden Fallstudie wird an vielen Stellen das generische Maskulinum verwendet. Frauen sind an entsprechenden Stellen aber ebenso gemeint.
1. Einleitung
„Du bist was du isst“ ist ein Zitat, das in der Bhagavad Gita, einer zentralen Schrift des Hinduismus, zu finden ist (Meyer-Rochow, 2009). Ausgehend von diesem Zitat ist ersichtlich, dass die Hindus der Nahrung eine große Bedeutung zusprechen. So hat jede Gesellschaft ausgehend von religiösen und anderen kulturellen Faktoren eine eigene individuelle Esskultur entwickelt, welche sich von den Esskulturen anderer Gesellschaften unterscheidet (Aydınkoç-Tuzcu et al., 2023, S.292). Dadurch wird ersichtlich, warum Migranten oft ein anderes Ernährungsverhalten sowie auch ein abweichen-des Verständnis für Gesundheit, Gesundheitsvorsorge und Krankheit im Vergleich zu Einheimischen aufweisen (Aydınkoç-Tuzcu et al., 2023, S. 289).
Jedoch unterscheiden sich Migranten nicht nur durch die Esskultur von den Einheimischen, sie haben auch ein höheres Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken (Aydınkoç-Tuzcu et al., 2023, S.288). Das Erkrankungsrisiko für Migranten und Migrantinnen aus Südasien liegt nahezu um das Vierfache höher als das der Einheimischen ihres Wahllandes. Eine gesundheitsbezogene Herausforderung entsteht dadurch, dass im Gesundheitswesen oft kommunikative Barrieren auftreten (Barakat & Şat, 2020, S.705), da die Migranten der Sprache ihres Einwanderungslandes nicht mächtig sind. Dies wiederum führt zu Schwierigkeiten bei der Behandlung von Patienten und erschwert die Weitergabe von notwendigem Wissen über Diabetes (Mora & Golden, 2017, S.6).
Wissenschaftliche Zahlen zeigen, dass im Jahr 2021 etwa 22,3 Millionen Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund hatten (Aydınkoç-Tuzcu et al., 2023, S.287-288). Von diesen 27,2% der Bevölkerung sind mehr als 600.000 an Typ-2-Diabetes erkrankt. Indische Migranten haben dabei ein erhöhtes Risiko an Diabetes mellitus (DM) zu erkranken (Ahmad et al., 2022, S.1995). Eine Studie in UK zeigte, dass die Therapie bei DM von der kulturellen Zugehörigkeit abhängig ist (Aydınkoç-Tuzcu et al., 2023, S.289). Aufgrund der gestiegenen Diabeteserkrankungen und der steigenden Zahl an Migranten in Deutschland und den damit entstehenden Problemen und Kosten für das Gesundheitssystem, ist das Thema relevant.
Daher befasst sich diese Fallstudie mit der Beratung einer indischen Diabetikerin. Sie ist mit ihrer Familie vor 8 Jahren aus beruflichen Gründen von Südindien nach Deutschland gezogen und wohnt jetzt in Berlin. Sie und ihr Mann sind Vollzeit berufstätig, weshalb die traditionell eingestellte Schwiegermutter daheim das Essen zubereitet. Die Brahmanin, die keine genaue Vorstellung davon hat, was der Diabetes für ihren Alltag bedeutet, fühlt sich gesund und sucht Ratschläge für ihre Kinder. Der Sohn (17 Jahre alt) möchte nicht der vegetarischen Ernährungsweise der Familie folgen. Die Tochter (14 Jahre alt) ernährt sich hingegen streng vegan und klagt oft über Müdigkeit und Lustlosigkeit. Traditionelle Feste und Speisen sind Teil des Familienlebens.
Zu Beginn der Arbeit werden zunächst alle wichtigen Hintergründe analysiert. Zunächst liegt der Schwerpunkt auf dem kulturellen und religiösen Hintergrund südländischer Brahmanen. Darauffolgend werden die sozialen Strukturen innerhalb der Familie erörtert. Im Anschluss daran wird der Einfluss von Emotionen und der Diabetes-Diagnose ausgeführt. Den Abschluss der Analyse bildet die Betrachtung möglicher sprachlicher Barrieren und den Umgang mit diesen. Im darauffolgenden Abschnitt wird die Datenerhebung erläutert. Dafür wird zunächst die verwendete Ernährungserhebungsmethode analysiert. Daran anschließend wird ein grober Ablauf der Beratung dargestellt. Anhand der geleisteten Arbeit wird dann erörtert, welche Empfehlungen an die Klientin ausgesprochen werden können. Zum Abschluss wird noch ein Fazit gezogen und es erfolgt ein Ausblick in die Zukunft.
2. Analyse der einzukalkulierenden Hintergründe
Esskultur lässt sich wie folgt definieren: „Esskultur wird von geografischen, historischen, soziologischen, ökonomischen und psychologischen Merkmalen einer Gesellschaft geformt und von den entsprechenden Mitgliedern einer bestimmten Gesellschaft gestellt“ (Aydınkoç-Tuzcu et al., 2023, S.288). Dies führt dazu, dass Migranten/Migrantinnen häufig ein anderes Ernährungs-verhalten als die Bewohner des Einwanderungslandes haben (Barakat & Şat, 2020, S.705). Daher ist es für eine erfolgreiche Beratung vonnöten zunächst ausreichende Informationen über die Patientin und ihre Familie zu sammeln. Dafür ist die Analyse des Einflusses ihrer Kultur, ihrer Religion sowie des Familienlebens auf ihre Ernährung wichtig. Zusätzlich zu diesen Faktoren haben Emotionen und Diabetes ebenso einen Einfluss auf die Nahrungsaufnahme, weshalb diese ebenso in die Analyse einfließen.
2.1. Kulturelle und religiöse Hintergründe südindischer Brahmanen
Zunächst sollte für die Beratung in Erfahrung gebracht werden, wie sich der religiöse Hintergrund der Patientin darstellt und welchen Einfluss dieser auf ihre Ernährungsweise hat. Sowohl die Patientin als auch ihre Familie stammen aus Südindien und gehören der Kaste der Brahmanen an. Diese Kaste steht ganz oben an der Spitze des indischen Kastensystems (Mahadevan, 2003 S.22; Steinhilber, 2016, S. 9). Je nach Kastenzugehörigkeit gelten andere Regeln für die Menschen (Kakar und Kakar, 2007 zitiert nach Pahr-Hosbach, 2014, S.43). So entscheidet die Kaste unter anderem darüber, welche Bildung in Anspruch genommen werden kann, aus welcher Kaste der Ehepartner oder die Ehepartnerin stammen darf, sowie welche Lebensmittel verzehrt werden dürfen, in welcher Weise und mit wem.
Aber nicht nur die Kultur spielt eine entscheidende Rolle für das Ernährungsverhalten, sondern auch die, stark mit ihr zusammenhängende, Religion. Die Patientin und ihre Familie leben nach dem Hinduismus, dem Glauben von mehr als 80 Prozent der indischen Bevölkerung (Betz, 2021). Das wichtigste, die Ernährung betreffende, Tabu im Hinduismus ist der Verzehr von Rindfleisch (Meyer-Rochow, 2009), denn Rinder gelten für die Hindus als heilig (Mahadevan, 2003, S.22). Der Glaube an die Kuh als heiliges Tier ist auf die Vorstellung zurückzuführen, dass diese von Brahma am selben Tag wie die Brahmanen geschaffen wurde. 40 Prozent der Hindus leben daher vor allem aus religiösen Gründen vegetarisch (Elmadfa & Leitzmann, 2015, S.742), da für sie jedes Leben heilig ist (Meyer-Rochow, 2009). Besonders in der Kaste der Brahmanen ist der Glaube daran, keine Gewalt gegenüber anderen Lebensformen auszuüben, weit verbreitet, weshalb viele der Brahmanen Lacto-Vegetarier sind (Mahadevan, 2003, S.22). Neben dem Verzehr von Fleisch sind auch Fisch, Eier und Alkohol für Brahmanen tabu und Lebensmittel wie Knoblauch, Zwiebel und Pilze werden meistens vermieden (Meyer-Rochow, 2009). Für Brahmanen gibt es nicht nur Verbote bei der Auswahl der Nahrungsmittel, sondern ebenso Regeln für die Zubereitung. Zu Beginn der Beratung sollte in Erfahrung gebracht werden, welche Regeln bezüglich der Nahrungsaufnahme und der Nahrungszubereitung in der Familie der Klientin verfolgt werden.
Für die Beratung ist es aber nicht nur wichtig zu wissen, welche Tabus bestehen, sondern ebenso, welche Lebensmittel hauptsächlich verzehrt werden. Besonders für die Aufstellung möglicher Ernährungspläne sind diese Informationen unabdingbar. Da in der Familie der Patientin die traditionell eingestellte Schwiegermutter kocht, ist davon auszugehen, dass ausschließlich indische Speisen zubereitet werden. Das „staple food“ der hinduistisch-vegetarischen Ernährungsweise in Südindien ist Reis (Parthasarathi et al., 2022, S. 40; Ramasubramanian, 2011, S.2). Dies ist darauf zurückzuführen, dass dieser im Süden des Landes seit Generationen in großer Menge angebaut wird (Parthasarathi et al., 2022, S.2). Neben Reis finden auch Gemüse und Hülsenfrüchte als „complementary food“ stark Verwendung (Koctürk, 1995, S.3), aber auch Milch und Milchprodukte spielen für Hinduisten eine große Rolle (Pahr-Hosbach, 2014, S.44). Für einen guten Verlauf der Beratung ist es sinnvoll genauere Informationen zu verwendeten Lebensmitteln und bevorzugten Speisen in der Familie zu erfragen.
Neben der Auswahl der Lebensmittel spielt auch der Tagesrhythmus der Familie eine Rolle. Das Essensmuster in Südindien ist sehr vielfältig (Kittler et al., 2012 zitiert nach Pahr-Hosbach, 2014, S.39). Traditionell beginnen Inder ihren Tag mit einer Tasse Tee oder Kaffee mit Milch und Zucker. Die Hauptmahlzeit in Indien ist das Frühstück, welches üblicherweise zwischen 9 und 11 Uhr stattfindet. Bei diesem werden Idli oder Dosa zusammen mit typisch indischen Suppen, Saucen, sowie weiteren Speisen serviert. Zwischen 16 und 17 Uhr folgt dann ein Snack oder ein spätes Mittagessen, bei welchem teilweise Reste des Frühstücks einbezogen werden. Das Abendessen als letzte Mahlzeit des Tages findet zwischen 19 und 20 Uhr statt. Welche Lebensmittel verzehrt werden und nach welchem Muster Mittagessen und Abendessen ablaufen, ist in den Staaten verschieden. Da nicht klar ist, aus welchem Staat die Klientin kommt, können keine weiteren Informationen zum Essensmuster erarbeitet werden. Durch die Migration kann es zudem sein, dass sich die Mahlzeitenverteilung verändert hat. Deshalb sollte die Klientin zu ihrem Tagesablauf befragt werden.
Ein zusätzlicher Aspekt sind Feste. Die Familie der Brahmanin feiert noch die traditionellen südindischen Feste. Essen spielt bei diesen eine bedeutende Rolle und es gibt spezielle festbezogene Speisen (Dubois and Catt, 2002, zitiert nach Pahr-Hosbach, 2014, S.45). Aus diesem Grund sollten die Feste bei der Beratung genauer erfragt werden. Zusätzlich zu den Festen ist auch Fasten ein Thema der hinduistischen Kultur (Katone-Apte, 1975 zitiert nach Pahr-Hosbach, 2014, S.45). Dabei gibt es verschiedene Gründe für Fasten, weshalb das Thema mit der Klientin besprochen werden sollte.
Das Wissen zur kulturellen Lebensmittelpraxis wird durch die Eltern und das soziale Umfeld weitergegeben (Monterrosa et al., 2020, S.60). Dabei geht es darum, wann gegessen wird, welche Nahrungsmittel verzehrt werden und welche Regeln beim Essen einzuhalten sind. Neben den kulturellen und religiösen Aspekten ist zu beachten, dass es außerdem eine individuelle Nahrungswahl gibt. In der Familie der Klientin zeigt sich, dass ihre Kinder eigene individuelle Vorstellungen von Ernährung haben. Ihr Sohn möchte der traditionellen vegetarischen Ernährungsweise der Brahmanen nicht folgen und die Tochter ernährt sich streng vegan. Für die Beratung ist es daher wichtig auf die persönlichen Entscheidungen der Familienmitglieder einzugehen.
Bei allen beschriebenen Aspekten ist es wichtig, die Akkulturation zu beachten. Akkulturation ist definiert als ein bidirektionaler Prozess, bei dem Migranten die Verhaltensweisen und Werte von zwei oder mehr Kulturen behalten, erwerben, oder aufgeben (Krondl und Coleman, 1986 zitiert nach Mahadevan, 2003, S.6). Im vorliegenden Fall spielt besonders die Ernährungsakkulturation eine entscheidende Rolle (Satia-Abouta et al., 2002, S.1105). Das ist ein Prozess bei welchem Migranten die Ernährungspraxis des Gastlandes annehmen. Diese Ernährungsbezogene Akkulturation wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst (Karim et al., 1986 definiert nach Mahadevan, 2003, S.7). So beeinflussen oder verändern Unterschiede in Ernährungsbräuchen und die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln des Heimatlandes im Gastland das traditionelle Ernährungsverhalten. In deutschen Supermärkten ist die Auswahl an Lebensmitteln anderer Kulturkreise gut ausgebaut, dennoch ist davon auszugehen, dass die Klientin nicht alle Lebensmittel ihres Heimatlandes in Deutschland erwerben kann. Für die Beratung sollte bedacht werden, dass die veränderte Lebensmittelverfügbarkeit einen Einfluss auf die Ernährung der Brahmanin hat.
2.2. Berücksichtigung der sozialen Strukturen im Hinblick auf die Familie
Aber nicht nur Religion und Kultur haben einen Einfluss auf die Ernährungsweise, ebenso haben Traditionen einen Effekt auf die Auswahl der Lebensmittel und deren Zubereitung. Wichtig ist darunter besonders die Betrachtung der sozialen Struktur innerhalb der Familie. In Indien sind die Frauen für den Haushalt verantwortlich (Kalra et al. , 2004 zitiert nach Pahr-Hosbach, 2014, S.48). Die älteste Frau im indischen Haushalt beeinflusst dabei Entscheidungen, welche die Ernährungsumstellung betreffen. Traditionell kocht die Schwiegertochter, wobei sie sich an die Essensgewohnheiten der Familie ihres Mannes halten muss (Kingsland, 2008 zitiert nach Pahr-Hosbach, 2014, S.48). In der Familie der Patientin ist die Aufgabenverteilung in diesem Bereich nicht traditionell ausgerichtet, da die Klientin berufstätig ist und die Schwiegermutter kocht. Genauere Informationen zur Hierarchie und den weiteren Verhältnissen innerhalb der Familie sollten innerhalb des Beratungsgespräches näher erfragt werden.
2.3. Einfluss von Emotionen auf das Essverhalten
Da das Essverhalten schon immer mit Emotionen verbunden ist, ist es notwendig diesen in der Ernährungsberatung Beachtung zu schenken (Macht, 2005b, S.304). Einerseits verändern die Emotionen das Essverhalten, andererseits verändert das Essverhalten die Emotionen. Frauen berichten häufiger von emotionsbedingten Veränderungen ihres Essverhaltens als Männer (Macht, 2005a, S. 9), da die Klientin eine Frau ist, sollte der Aspekt der Emotionen daher unbedingt berücksichtigt werden. Die Wirkung von Emotionen ist von Mensch zu Mensch verschieden, so kann dieselbe Emotion bei zwei verschiedenen Menschen unterschiedliche, wenn nicht sogar entgegengesetzte Emotionen hervorrufen. Außerdem haben Persönlichkeitsmerkmale einen großen Einfluss auf die Wirkung der Emotionen.
Aus einer von Macht durchgeführten Studie lässt sich ableiten, dass Freude das Vergnügen am Essen sowie das positive Geschmacksempfinden der Nahrung steigert (Macht et al., 2002, S.155). Traurigkeit hingegen vermindert das Vergnügen am Essen und senkt den Wohlgeschmack der Nahrung (Macht, 2005b, S.305). Nahrungsreize können auch Emotionen hervorrufen (Macht, 2005b, S. 304). Wenn die Reize positiv sind, fördern sie die Nahrungsaufnahme, wenn sie hingegen negativ sind, hemmen sie die Nahrungsaufnahme, d. h. sie fördern die Nahrungsvermeidung. Da die Schwiegermutter traditionelle Gerichte kocht ist davon auszugehen, dass der Geruch und der Geschmack des Essens an die Heimat und die Familie in Indien erinnern und somit positive Gefühle auslösen. Das fehlende Interesse des Sohnes, sich an die vegetarische Lebensweise zu halten, könnte hingegen negative Emotionen wie Ärger und Frustration bei der Klientin auslösen. Im Gespräch sollten die Emotionen sowie ihr Einfluss analysiert werden, da die genauen Wirkungen der Emotionen auf das Essverhalten von den Persönlichkeits- und Emotionsmerkmalen abhängig sind (Macht, 2005a, S.15).
2.4. Diabetes und seine Bedeutung für die Ernährung
Ebenso wie Emotionen hat ebenfalls Diabetes einen Einfluss auf die Ernährung. In Indien ist die Last durch Typ-2-Diabetes (T2D) größer als in jedem anderen Land der Welt (Misra, 2011, S.6). Es wird vermutet, dass bis 2025 57 Millionen erwachsene Inder von Diabetes betroffen sein werden. Südasiaten entwickeln T2D in jüngerem Alter und bei niedrigerem BMI (body mass index) und zeigen eine erhöhte Häufigkeit für zusätzliche gesundheitliche Komplikationen wie u. a. Retinopathie und Nephropathie (Mora & Golden, 2017, S.2). Für Patienten mit Diabetes ist ein Wissen über die Krankheit sowie über Hauptkohlenhydratlieferanten und deren Konsum unentbehrlich (Barakat & Şat, 2020, S.709). Da die Klientin sich nicht mit Diabetes auskennt, ist es wichtig ihr das notwendige Wissen zu vermitteln.
Die Beratung sollte dabei an die Bedürfnisse und Lebensumstände der Patientin angepasst sein (Klammer et al., 2023, S.62-63). Um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen ist es notwendig, die Klientin dabei zu unterstützen ein Diabetes-Selbstmanagement zu erlernen. Dafür ist es nötig, die Klientin über ihre Krankheit aufzuklären und auch den Zusammenhang zwischen Insulin und der Aufnahme von Kohlenhydraten darzustellen. Beim Aussprechen von Ernährungsempfehlungen sollten die Nahrungspräferenzen der Familie berücksichtigt werden und es sollten Hilfsmittel zum Einschätzen von Portionsgrößen zum Einsatz kommen. Das ist wichtig, da Migranten oft ein anderes Verständnis für Portionsgrößen aufweisen (Berger, 2018, S.248).
Zusätzlich können religiöse Einstellungen den Umgang mit Diabetes beeinflussen (Ahmad et al., 2022, S.1995). So ergaben Studien, dass Betroffene Beten, Mediation und Yoga praktizieren im Glauben daran, dass diese helfen den Blutzucker zu regulieren (Ahmad et al., 2022, S. 2000-2001). Diabetes ist eine chronische Erkrankung die kontinuierliche Überwachung und Kontrolle benötigt (Low et al., 2016 zitiert nach Ahmad et al., 2022, S.2004). Das Hauptziel einer Behandlung ist es daher den Blutzuckerspiegel aufrecht zu erhalten. Für die Regulierung des Blutzuckers kommt oft Insulin zum Einsatz. Da Insulin früher aus tierischen Quellen (u. a. Rinder- und Schweinepankreas) gewonnen wurde, kann seine historische Herkunft im Hinduismus zu unterschiedlichen Reaktionen geführt haben (Ahmad et al., 2022, S.2005). Heute wird Insulin überwiegend biotechnologisch hergestellt, dennoch können Wahrnehmungen über seine Herkunft die Akzeptanz beeinflussen. Für manche Hindus hat die Gesundheit Vorrang vor religiösen Erwägungen, für andere nicht. Für die Beratung ist es wichtig zu klären, ob die Patientin antidiabetische Medikamente einnimmt und wie ihre Einstellung gegenüber Insulin ist.
2.5. Weitere zu berücksichtigende Faktoren bei Durchführung der Beratung
Bei der Arbeit mit anderen Kulturen sind Sensibilität und Respekt eine Voraussetzung (Patton, 1990 zitiert nach Pahr-Hosbach, 2014. S.89). Die Normen und Werte bezüglich der Kommunikation innerhalb der indischen Kultur sollten daher in der Beratung der Patientin berücksichtigt werden. Entsprechende Gewohnheiten und Sitten der indischen Kultur sind der folgenden Tabelle 1 zu entnehmen.
Tab. 1: Zu berücksichtigende Sitten und Gebräuche innerhalb der Beratung
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Neben diesen kulturellen Aspekten der Kommunikation sollte auch bedacht werden, dass kommunikative Hürden vorliegen können. Ein Kommunikationshindernis kann sich negativ auf den diagnostischen Prozess sowie das Erklären von Gesundheitsproblemen auswirken (Kirkcaldy et al., 2006, S.880). Bei einer Beratung von Diabetespatienten ist ein optimaler Wissenstransfer von Nöten um die Eigenverantwortung der Patienten zu stärken (Aydınkoç-Tuzcu et al., 2023, S.291). Zusätzlich sind in der Kommunikation mit Patienten mit Migrationshintergrund eine „große Flexibilität in der Beratungsmethode, Empathie und Kultursensibilität“ ausschlaggebende Faktoren (Barakat & Şat, 2020, S.709). Da die Klientin und ihre Familie seit 8 Jahren in Deutschland leben und Englisch eine Landessprache in Indien ist, ist davon auszugehen, dass sie entweder Deutsch oder Englisch beherrscht, da sie sich im Berufsalltag verständigen können muss. Das Informationsmaterial kann daher bilingual in Deutsch und Englisch vorbereitet werden (Berger, 2018, S.249). Zusätzlich eignet sich z. B. eine „textlich einfach gehaltene, prägnante sowie bildliche Darstellung der Sachverhalte“ (Lorenz, 2020, S.716). Dies kann der Klientin helfen das Gesagte besser zu verstehen. Kinder sollten nicht als Dolmetscher zum Einsatz kommen, stattdessen ist darauf zu achten mit klaren, einfachen und kurzen Sätzen zu kommunizieren und allgemeingültige Begriffe einzusetzen (Aydınkoç-Tuzcu et al., 2023, S.291).
3. Datenerhebung und Ablauf der Beratung
Um die für die Beratung notwendigen Informationen zu erheben, kommen ein Fragebogen und ein Ernährungsprotokoll zum Einsatz. Die Beratung geschieht in Form eines persönlichen Gespräches mit der Klientin. Im Prozess der Datenerhebung ist es wichtig die kulturellen Hintergründe der Patientin zu beachten und auf mögliche sprachliche Barrieren vorbereitet zu sein.
3.1. Ernährungserhebungsmethode und Fragebögen
Für das Erheben von wesentlichen Fakten kommt ein Fragebogen zum Einsatz, der der Klientin im Erstgespräch ausgehändigt wird. Der Bogen findet sich im Anhang.
Zur Erfassung des Lebensmittelverzehrs gibt es verschiedene Möglichkeiten (Straßburg, 2010, S.422). So lassen sich grundlegend direkte und indirekte Verfahren unterscheiden. Je nach Ernährungserhebungsmethode [EEM] gibt es verschiedene Vor- und Nachteile, die beachtet werden müssen. Die indirekten EEM beruhen auf Daten, die ursprünglich für andere Zwecke gesammelt wurden. Das führt dazu, dass sie nicht den tatsächlichen Lebensmittelverzehr einer Person oder einer Personengruppe aufzeigen. Somit ist die indirekte EEM nicht für den vorliegenden Fall geeignet.
Stattdessen eignet sich die direkte EEM um den tatsächlichen Verzehr einer Person oder einer Personengruppe zu erheben (Straßburg, 2010, S.422). Ein Nachteil dieser EEM ist es, dass die Befragten durch das Verfahren beeinflusst werden, es kann zum sogenannten Under- und Overreporting bzw. Under- und Overeating kommen (Straßburg, 2010, S.424). Diese Begriffe sagen aus, dass als gesellschaftlich gesund eingestufte Lebensmittel überschätzt oder mehr verzehrt werden. Lebensmittel, die gesellschaftlich als ungesund eingestuft werden, werden hingegen unterschätzt oder in geringerem Maße konsumiert. Das stellt eine Fehlerquelle dar.
Die Auswahl der geeigneten Methode ist vom Untersuchungsziel, der Zielgruppe und deren Teilnahmebereitschaft sowie dem Vorhandensein von Geld und Zeit abhängig (Straßburg, 2010, S.429). Um die richtige Methode zu finden, muss damit zunächst die Zielgruppe ermittelt werden. Diese wird im vorliegenden Fall von der Brahmanin und ihrer Familie, einschließlich der Schwiegermutter, gebildet, da nach dem Prinzip der systemischen Beratung alle in das Verfahren einbezogen werden. Zudem muss das Ziel der Untersuchung bedacht werden (Straßburg, 2010, S.429). Dieses liegt in der Erfassung der aufgenommenen Lebensmitteln, um daraus die Menge der Makronährstoffe und Energie berechnen zu können. Diese Daten sind relevant, um die Patientin bezüglich ihres Diabetes angepasst beraten zu können. Zur Erfassung der notwendigen Daten eignet sich das Wiegeprotokoll, da es eine hohe Genauigkeit aufweist (Straßburg, 2010, S.430). Dieses wird über einen Zeitraum von drei bis vier aufeinanderfolgenden Tagen geführt, wobei sowohl Tage unter der Woche als auch am Wochenende in das Protokoll einfließen sollten (Straßburg, 2010, S.428). Da Wiegeprotokolle kosten- und zeitintensiv sind, sollte mit der Klientin erörtert werden, wie hoch ihre Motivation sich an der EEM zu beteiligen ist. Wenn die Brahmanin die notwendige Bereitschaft aufweist, bekommt sie ein auszufüllendes Protokoll mit nach Hause, welches sie über einen Zeitraum von 4 Tagen ausfüllt.
Sollte die Motivation der Klientin nicht ausreichen, kann stattdessen ein 24-h-Erinnerungsprotokoll erstellt werden (Straßburg, 2010, S.425). Da die Klientin Vollzeit arbeitet, könnte Zeit ein Problem sein, wodurch das 24-Stunden-Protokoll eine passendere, wenn auch ungenauere Erhebungsform, darstellen könnte. Für die erste Beratungsstunde werden Dokumente für beide Verfahren zurechtgelegt, damit zusammen mit der Klientin die passende Methode ausgewählt werden kann. Da die Tochter Symptome eines möglichen Nährstoffmangels zeigt, wird sie ebenfalls gebeten die ausgewählte EEM auszufüllen. Das Ausfüllen eines EEM vom Sohn kann auf Nachfrage der Patientin ebenso umgesetzt werden, der Ehemann und die Schwiegermutter müssen keine Protokolle ausfüllen.
3.2. Ablauf der Beratung
Zur Beratung der Patientin wird die systemische Beratung gewählt. Die Wahl begründet sich darin, dass in der systemischen Beratung das Problem nicht bei einem einzelnen Menschen gesucht, sondern die ganze Familie miteinbezogen wird (Schwing & Fryszer, 2016). Der Mensch ist aus systemischer Perspektive betrachtet ein Teil „übergeordneter sozialer Systeme“ (Bornemann, 2014, S.46). Jegliches Verhalten der Menschen wird von jenen Systemen beeinflusst und steht mit ihnen in Zusammenhang. Da die Klientin Ratschläge für ihre Kinder sucht und die Schwiegermutter kocht sind alle in das Thema eingebunden und sollten an der Beratung teilhaben können.
Zu Beginn wird die Klientin zusammen mit ihrer Familie zu einem Erstgespräch geladen. Zweck dieser Stunde ist es zunächst einen guten Kontakt zu allen Beteiligten herzustellen sowie Vertrauen und Zuversicht zu vermitteln (Schwing, 2023, S.159). Des Weiteren spielt die diagnostische Funktion eine wichtige Rolle. Für diese kommen die im vorhergehenden Unterkapitel erwähnten Mittel zum Einsatz. Der Klientin werden sowohl ein Fragebogen ( Anhang 1) als auch ein Informationsblatt zum Thema Diabetes beigelegt, welche beide bilingual auf Deutsch und auf Englisch sind. Das Informationsblatt zu Diabetes ist mit bildlichen Darstellungen ergänzt, um der Klientin so das Thema Diabetes näher bringen zu können. Der Ablauf der systemischen Beratung ist lösungsorientiert und setzt es als Ziel die Handlungskompetenzen der Klienten und Klientinnen zu erweitern (Bornemann, 2014, S. 45-46). Als Grundannahme wird davon ausgegangen, dass das Klientensystem über alle zur Lösung notwendigen Ressourcen verfügt, diese aber noch nicht nutzt. In einem systemisch orientierten Beratungsgespräch werden den Klienten verschiedene Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt anhand derer konkrete Lösungen abgeleitet und umgesetzt werden können
Da die Klientin in erster Linie nur Ratschläge für ihre Kinder sucht, sollte ihr in der ersten Stunde ebenso nahegelegt werden, warum eine Beratung für Sie sinnvoll ist. Für den Verlauf der Beratung ist es dabei wichtig, dass die Patientin sich wohlfühlt. Dafür kann für den Einstieg in das erste Gespräch Small Talk zum Einsatz kommen (Schwing, 2023, S.164). Auf diese Weise ist es leichter ins Gespräch zu kommen und erste Informationen über die Klientin und ihre Familie zu sammeln. Bereits in diesem Gespräch wird deutlich, welche Sprache als Behandlungssprache zum Einsatz kommen kann, um eine möglichst gute Verständigung zu gewährleisten (Aydınkoç-Tuzcu et al., 2023, S.291). Das Gespräch sollte kultursensibel gehalten werden und es sollten kulturelle Faktoren beachtet werden (Berger, 2018, S.245). Dafür sind die in Tabelle 1 aufgelisteten Aspekte zu berücksichtigen. Zusätzlich werden die Basisvariablen Empathie, Echtheit und Wertschätzung von Carl Rogers im Gespräch integriert (Rohr, 2017, S.125). Dadurch soll das gute Verhältnis zur Patientin und ihrer Familie gestärkt werden.
Es lassen sich zwar viele Informationen zu Hinduisten und deren Ernährungsweise finden, dennoch sind die Patientin und ihre Familie die besten Ansprechpersonen. So sollte auf religiöse, kulturelle, soziale und emotionale Aspekte eingegangen werden, um so die offenen Fragen zu klären (siehe 2.1.). Die Auswahl der EEM sollte mit der Klientin gemeinsam erfolgen. Bei Wahl des 24-Stunden Protokolls wird dieses in der ersten Beratungsstunde durchgeführt, bei Auswahl des Wiegeprotokolls bekommen sowohl die Klientin als auch ihre Tochter das auszufüllende Protokoll mit nach Hause.
4. Aussprache der Ernährungsempfehlungen für die Patientin und ihre Familie
Wie bei der Beratung selbst sollten auch bei der Aussprache der Empfehlungen die kulturellen, religiösen, sozialen und emotionalen Hintergründe der Patientin beachtet werden.
Bei der Aussprache der Empfehlungen sollte die Diabetes-Diagnose der Klientin Beachtung finden. Die Verteilung der Makronährstoffe sollte sich dabei an den Ernährungsgewohnheiten und den Nahrungspräferenzen der Familie sowie am Bewegungsverhalten der Patientin orientieren (Klammer et al., 2023, S.63). Es hat sich gezeigt, dass die Planung der Mahlzeiten und das Zubereiten beeinflusst, wie Patienten mit ihrem Diabetes umgehen (Mora & Golden, 2017, S.6). Das Kochen von gesunden Mahlzeiten für die ganze Familie erhöht dabei das Einhalten von den Ernährungsvorschriften. Deshalb wird die ganze Familie in die Änderung der Ernährung einbezogen. Sollte die Klientin übergewichtig sein, ist es empfehlenswert, das Gewicht zu reduzieren (Aydınkoç-Tuzcu et al., 2023, S.298).
Bei DM sollte auf die Ernährung geachtet werden. Für die Aufnahme von Nährstoffen gilt, dass nährstoffreiche, ballaststoffreiche und wenig verarbeitete Kohlenhydrate bevorzugt werden sollten (Klammer et al., 2023, S.63). Allgemein sind ballaststoffreiche Lebensmittel mit niedriger glykämischer Last und niedrigem glykämischen Index empfehlenswert (Brede & Lehnert, 2019, S.51). Zudem hat eine ausreichende Aufnahme von Vitaminen und Spurenelementen einen positiven Einfluss auf die Gesundheit (Klammer et al., 2023, S.66).
Der Tochter wird empfohlen ein Blutbild bei ihrem Hausarzt machen zu lassen, um so zu überprüfen, welche Nährstoffmängel sie hat, da es bei veganer Ernährung kritische Nährstoffe, darunter Vitamin B12, Eisen und Calcium, gibt (Elmadfa & Leitzmann, 2015, S.745). Müdigkeit und Abgeschlagenheit sind Symptome eines Eisenmangels (Elmadfa & Leitzmann, 2015, S.701). Ein Arzt sollte dies aber überprüfen und auch weitere Nährstoffe kontrollieren, um zu entscheiden, wie die Mängel behoben werden können. Innerhalb der Beratung kann der Tochter und der Familie erklärt werden, wie sie die nötigen Nährstoffe durch vegane Ernährung decken kann. Für den Sohn wird empfohlen, dass er sich der vegetarischen Lebensweise der Familie anpasst, um so den Stress für die Klientin gering zu halten. Da er sich für Bodybuilder interessiert ist es sinnvoll ihm vegetarische Proteinquellen zu empfehlen, da auch auf deren Basis ein Muskelaufbau erfolgen kann. Protein findet sich so unter anderem in Ei, Milch, Bohnen, Kartoffeln, Mais und Reis (Elmadfa & Leitzmann, 2015, S.227). Bei allen Ernährungsempfehlungen ist es wichtig, die Schwiegermutter einzubeziehen, da sie für die Mahlzeitenzubereitung verantwortlich ist.
5. Fazit
Anhand der Fallstudie zeigt sich, dass bei der Ernährungsberatung von Menschen mit anderen kulturellen und religiösen Hintergründen verschiedene Faktoren Beachtung finden sollten. Um die notwendige Kultursensibilität aufzuweisen, bedarf es Wissen über die Ernährungsgewohnheiten anderer Kulturen (Raj et al., 1999, S.1106). Neben den kulturellen und religiösen Hintergründen spielen auch die emotionale Funktion, die Hierarchie innerhalb der Familie sowie die Vorbereitung auch mögliche sprachliche Hürden eine wichtige Rolle. Vor Beginn der Beratung ist es sinnvoll, bereits Informationen zu diesen Aspekten über den entsprechenden Klienten/die Klientin ausfindig zu machen, um so eine Basis für das Beratungsgespräch aufzubauen.
Nicht nur im Laufe der Beratung sollten die kulturellen Aspekte beachtet werden, sondern ebenso beim Aussprechen von Ernährungsempfehlungen. Für diese sollten mögliche religiöse oder kulturelle Ernährungsgewohnheiten sowie die Tages- und Mahlzeitenstruktur berücksichtigt werden. Zusätzlich ist es relevant, ob es Regeln für die Zubereitung von Speisen gibt, wer das Essen zubereitet und ob es Feste oder Feiertage gibt, die einen Einfluss auf das Ernährungsverhalten haben. Da alle Familienmitglieder in die Ernährungsumstellung eingebunden sind, sollte auf die Ernährungsgewohnheiten der Familie und auf die T2D-Diagnose der Klientin Rücksicht genommen werden. Da die Brahmanin nach Empfehlungen für ihre Kinder fragt, werden diese im Verlauf der systematischen Beratung ebenso beraten. Die Wahl der passenden EEM sollte auf Basis der Motivation und der Teilnahmebereitschaft der Klientin erfolgen.
5.1 Ausblick für zukünftige Behandlung der Patientin
Nach dem ersten Gespräch mit der Klientin und ihrer Familie erfolgt zunächst die Auswertung der gewählten EEM. Anhand dieser und anhand des offenen Gesprächs ist es möglich einen Ernährungsplan aufzustellen, welcher der Familie in einem zweiten Beratungsgespräch zur Verfügung gestellt wird. Die Umsetzung dieses Planes sollte die Klientin über den Verlauf von zwei bis drei Wochen testen. Im darauffolgenden Beratungsgespräch kann so über mögliche Schwierigkeiten gesprochen werden damit der Plan weiter angepasst werden kann. Es ist empfehlenswert, dass die anderen Familienmitglieder an dieser Beratungsstunde teilhaben. Die Tochter erhält zusätzlich die Empfehlung nach dem Erstgespräch einen Hausarzt aufzusuchen, um ein Blutbild machen zu lassen. Ausgehend von den Blutwerten kann für sie ein, etwas von der Klientin abgewandelter veganer Ernährungsplan erstellt werden. Dieser ist mit dem Plan der Familie kompatibel und deckt alle notwendigen Nährstoffe.
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III. Anhang
Abb. 1: Fragebogen für die Ernährungsberatung
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Quelle: Eigene Darstellung
[...]
- Quote paper
- Konstanze Köditz (Author), 2024, Der Umgang mit kulturellen, sozialen und emotionalen Einflüssen auf das Ernährungsverhalten in der Beratung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1737463