Individuelle Unterschiede beim Spracherwerb und wie Sprachspiele ihn beeinflussen


Hausarbeit, 2011

16 Seiten, Note: 11


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Sprachspiele
2.1.1 Monologische Sprachspiele
2.1.2 Dialogische Sprachspiele
2.1.2.1 Kind-Kind Interaktion
2.1.2.2 Erwachsenen-Kind Interaktion
2.2 Spracherwerb
2.2.1 Ablauf des Spracherwerbs
2.2.2 Einflüsse auf den Spracherwerb
2.2.2.1 Sprachspiele
2.2.2.2 Inputsprache
2.3 Andere Förderungsmöglichkeiten

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

Erklärung

1. Einleitung

Im Rahmen der Spracherwerbstheorie gibt es zwei große Positionen, die sich gegenüber stehen. Zum einen die nativistische Position zum anderen die epigenetische Position. Die nativistische Position geht davon aus, dass Sprache mit ihrer Grammatik bereits angeboren ist. Diese Position lässt dementsprechend auch keine individuelle Sprachentwicklung zu, sondern geht bei abweichenden Entwicklungen von einer Sprachstörung aus. Die epigenetische Position hingegen erkennt den Spracherwerb als Prozess, der von vielen Indikatoren beeinflusst werden und somit auch ganz individuell verlaufen kann. In der vorliegenden Arbeit soll unter Berücksichtigung ebendieser epigenetischen Position dargelegt werden, wie individuelle Unterschiede im Spracherwerb aussehen können und wodurch sie eventuell beeinflusst werden können.

In Kapitel 2.1 geht es um den großen Bereich der Sprachspiele und die Unterscheidungen zwischen verschiedenen Typen von Sprachspielen. In diesem Fall sind das monologische und dialogische Sprachspiele.

In Kapitel 2.2 wird näher auf den Prozess des Spracherwerbs eingegangen und wie man sich diesen Prozess und seinen Ablauf vorzustellen hat. Außerdem wird geschildert, welche Faktoren einen Einfluss auf den Spracherwerb haben können, mit besonderer Berücksichtigung der Sprachspiele und der Inputsprache.

Kapitel 2.3. zeigt kurz allgemeine Förderungsmöglichkeiten auf, mit denen Erwachsene Kinder beim Spracherwerb unterstützen können.

Die Arbeit endet in Kapitel 3 mit einer Stellungnahme und einem Fazit der Autorin. Desweiteren folgt das Verzeichnis der zugrundeliegenden Literatur.

2. Hauptteil

2.1 Sprachspiele

Zunächst einmal gilt es zu klären, wobei es sich bei dem Begriff Sprachspiel genau handelt. Mertens und Potthoff definieren ihn wie folgt:

„Wir verstehen den Begriff des ‚Lern- und Sprachspiels‘ als ein Handeln mit Sprache, mündlicher und schriftlicher Sprache, nach bestimmten Regeln. Die Verbindung der beiden Begriffe soll verdeutlichen, dass auch bei spielerischem Umgang letztlich Lernen angebahnt werden soll.“ (Mertens & Potthoff, 2000, S. 9)

Nach der Pädagogik unserer heutigen Zeit gehören Spielen und Lernen eng zusammen und werden nicht mehr als zwei strikt voneinander getrennte Elemente angesehen. Sie bedingen sich zum Teil sogar gegenseitig. „Im schulischen Bereich kann Spielen zum Lernen führen und ebenso Lernen zum Spielen.“ (Steffens, 1998, S. 30) Wenn Sprachspiele im schulischen Bereich sinnvoll in den Unterricht eingepasst werden und im Nachhinein auch reflektiert werden können, kann mit Sprachspielen ein Wissenszuwachs erreicht werden (vgl. Steffens, 1998, S. 26; Mertens & Potthoff, 2000, S. 8). Da Sprachspiele aber nicht nur im schulischen Kontext existieren, sollen im Folgenden auch Monologische Sprachspiele und Dialogische Sprachspiele unterschieden und definiert werden.

2.1.1 Monologische Sprachspiele

Bei monologischen Sprachspielen handelt es sich um Sprachspiele, die ein Kind ganz alleine produziert. Auch wenn Kleinkinder bis zu einem Alter von etwa 3 Jahren nicht mit anderen Kleinkindern spielen, finden schon Sprachspiele im Monolog statt. Bei den frühen monologischen Spielen handelt es sich meist um Spiele mit Lauten (vgl. Andresen, 2002, S. 182f.). Andresen beschreibt die Stimme als frühstes Spielzeug eines Kindes, mit dem es sich gleichzeitig selbst unterhalten aber ebenso seine Artikulationsorgane sowie sein Gehör trainieren kann (vgl. Andresen, 2005, S. 206). Monologische Sprachspiele sind z.B. Vokalisationen, die durch eigene kleine Gedichte, Übungen der Aussprache von Worten, Abzählverse etc. ausgeführt werden können. Diese Sprachspiele haben meist eine ganz bestimmte rhythmische Abfolge und lassen die Möglichkeit offen, einzelne Elemente oder nur einzelne Laute auszutauschen und so zu variieren (vgl. Andresen, 2005, S. 207).

2.1.2 Dialogische Sprachspiele

Bei dialogischen Sprachspielen handelt es sich um Sprachspiele, die von einem Kind mit einem Partner im Dialog produziert werden. Da Sprache, wie vorausgehend bereits erläutert wurde, nicht angeboren ist, sondern Kinder in stetiger Interaktion mit ihrer Umwelt lernen, ist es förderlich, immer wieder Möglichkeiten für diese Interaktionen zu schaffen (vgl. DUDEN, 2009, S. 6). Dies kann besonders gut durch Sprachspiele gelingen. Diese Form der Sprachspiele lässt sich noch weiter unterscheiden in Sprachspiele mit Kind-Kind Interaktion und Sprachspiele mit Erwachsenen-Kind Interaktion. Besonders Babys benötigen einen Partner um allererste sprachliche Erfahrungen zu machen.

2.1.2.1 Kind-Kind Interaktion

Ab etwa 3,6 Jahren (vgl. Andresen, 2002, S. 182) beginnen Kinder schließlich mit anderen Kindern in Interaktion zu treten und verstärkt miteinander zu spielen. Dazu gehört häufig auch das Spiel mit der Sprache. Im Rahmen dessen spielen Kinder gerne mit Gesprächskonventionen indem sie scherzhaft Regeln verletzen. Man könnte vermuten, dass dieses Verhalten aus bloßer Unkenntnis der Konventionen und Regeln resultiert. Dass dies jedoch nicht der Fall ist, wird deutlich, wenn Kinder über ihre eigene Scherzkommunikation lachen und die von ihnen gebrochenen Regeln in anderen Situationen richtig anwenden können (vgl. Andresen, 2002, S. 182). Beliebte Sprachspiele unter Kindern sind z.B. Umbenennungsspiele, unwahre Behauptungen, Fragen, die keinen Sinn ergeben etc. All diese Spiele strukturieren Kinder untereinander selbst (vgl. Andresen, 2002, S. 193).

2.1.2.2 Erwachsenen-Kind Interaktion

Bei der Erwachsenen-Kind Interaktion tritt ein erwachsener Partner mit einem Kind in Form eines Sprachspiels in den Dialog. Zum Teil vollziehen Erwachsene solche Sprachspiele unbewusst (vgl. Andresen, 2005, S. 207), zum Teil aber auch ganz explizit, indem sie sich vorher genau überlegen, welches Sprachspiel auf das Alter und den Entwicklungsstand des Kindes passt. Eine weitere Überlegung im Vorfeld könnte sein, welches Ziel man mit dem Sprachspiel erreichen möchte und welche sprachlichen Fähigkeiten des Kindes damit angeregt werden sollen. Da sich die Spracherwerbsforschung bereits mit Sprachspielen beschäftigt hat, gibt es mittlerweile schon besonders aufbereitete Literatur, die Ideenvorschläge für die verschiedensten Sprachspiele liefert. Sie sind meist an besondere Personengruppen gerichtet wie etwa: Eltern, Lehrer, Kindergärtner etc. Wie genau so etwas aussehen kann, soll am Beispiel von

DUDEN. (2009). Mein Sprachspielbuch: Sprachförderung mit Liedern, Spielen und Reimen. Mannheim: Duden.

dargelegt werden. Da Sprachspiele an die Entwicklung des Kindes angepasst sein sollten, wird auch von DUDEN nach verschiedenen Kategorien zwischen den Sprachspielen unterschieden. Zum einen findet eine Einteilung in Altersklassen statt, die wie folgt gestaffelt ist:
0-1 Jahr, 1-2 Jahre, 2-3 Jahre, 3-4 Jahre, 4-6 Jahre. Da das Alter aber nicht das einzige Kriterium sein sollte, nach dem Sprachspiele ausgewählt werden, wird weiterhin innerhalb der Altersklassen nochmal in zehn verschiedene Förderkategorien entschieden. Diese Kategorien sind folgende: Wahrnehmung des eigenen Körpers, Sinneswahrnehmungen, Konzentrationsfähigkeit, Wahrnehmung des Sprachrhythmus, Artikulationsfähigkeit, Lauterwerb, Wortschatzarbeit, Satzbildung, Erzählfähigkeit und logisches Denken. Diese Zusammenstellung der Altersklassen und Förderkategorien sind beispielhaft aber zeigen, dass die gezielte Auswahl von Sprachspielen zur Förderung einigen Vorüberlegungen bedarf und nicht vollkommen wahllos geschehen sollte, um dem Kind tatsächlich die Möglichkeit einer positiven Entwicklung zu ermöglichen. Die jeweiligen Sprachspiele können nun auf ganz unterschiedliche Weise realisiert werden. Die Sachverständige für Frühpädagogik Dr. Ilse Wehrmann beschreibt das folgendermaßen:

„Es bietet eine Vielzahl an (Such)spielen, Wimmelbildern, Übungen, Reimen, Liedern, Bastelanregungen, und viele Überraschungen, die Kinder jeder Altersgruppe dazu anregen, spielerisch und mit viel Spaß ihre Sprachkenntnisse zu erweitern und zu vervollkommnen.“ (DUDEN, 2009, S. 8)

Die hier genannten Formen des Spiels können noch erweitert werden z.B. durch Fingerspiele, Abzählverse, Kindergedichte etc. Zur besseren Vorstellung soll exemplarisch auch noch eines der von DUDEN vorgeschlagenen Sprachspiele vorgestellt werden. Das nachfolgende Spiel wurde in der Altersklasse 4-6 Jahre eingestuft und der Kategorie Konzentrationsspiel zugeordnet. Die Aufgabe ist es, nicht etwa die ausgeschriebenen Wörter vorzulesen, sondern jeweils die Schriftfarbe zu benennen.[1]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ausschnitt aus dem Spielfeld: Farben lesen

Das hier beschriebene Sprachspiel soll die Konzentrationsfähigkeit sowie das Abstraktionsvermögen fördern. Außerdem bietet es dem Kind einen außergewöhnlichen aber spannenden und mit Spaß verbundenen Zugang zur Sprache.

[...]


[1] „Bei diesem Spiel sind Kinder, die noch nicht lesen, wohl aber Farben unterscheiden können, gegenüber Erwachsenen eindeutig im Vorteil. Schließlich sind es Erwachsene gewohnt, Texte zu lesen und nicht nach ihren Farben zu identifizieren. Hier geht es aber genau darum: Es dürfen nämlich nicht die Worte (also gelb, blau, rot usw.) vorgelesen werden, sondern die Farbe, in der das Wort jeweils geschrieben ist. Und das ist gar nicht so einfach! Die aufgeschlagene Buchseite liegt auf dem Tisch, und nun benennen die Spieler der Reihe nach möglichst zügig jede Farbe, Wer eine Farbe verwechselt, gibt an den nächsten Spieler ab. Gleichzeitig wird notiert, wie weit er beim Vorlesen gekommen ist (etwa: 3. Reihe, 2. Wort). Der nächste Spieler beginnt wieder beim ersten Wort. Gewonnen hat der Spieler, der die meisten Farben fehlerfrei benennen konnte.“ (DUDEN, 2009, S. 166)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Individuelle Unterschiede beim Spracherwerb und wie Sprachspiele ihn beeinflussen
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Germanistik)
Veranstaltung
Seminar: Konzepte der Sprachreflexion im Deutschunterricht
Note
11
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V173784
ISBN (eBook)
9783640940592
ISBN (Buch)
9783640940233
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
individuelle, unterschiede, spracherwerb, sprachspiele
Arbeit zitieren
Katharina Hock (Autor), 2011, Individuelle Unterschiede beim Spracherwerb und wie Sprachspiele ihn beeinflussen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173784

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