Das Mutterrecht bei J.J. Bachofen und dessen Funktion im Historischen Materialismus bei F. Engels


Hausarbeit, 2005

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bachofen
2.1 Ausgangsposition
2.2 Darstellung des Mutterrechts bei Bachofen
2.3 Funktion des Mutterrechts für Bachofen

3. Engels
3.1 Zustimmung zu Bachofen
3.2 Unterschiede zu Bachofen
3.3 Funktion des Mutterrechts für Engels

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1861 veröffentlichte der Rechtshistoriker und Altertumswissenschaftler Johann Jakob Bachofen „Das Mutterrecht. Eine Untersuchung über die Gynaikokratie der alten Welt nach ihrer religiösen und rechtlichen Natur“. Darin beschreibt er, dass in früherer Zeit die weibliche Herrschaft im Inneren des Staates und im Kreise der Familie „lange ungeschmälert“ war.[1] Ein damals „unglaublicher Gedanke“[2], das Werk wurde verständnislos aufgenommen und bedeutete Bachofens Abschied aus seiner Zunft.[3]

Friedrich Engels lobte „Das Mutterrecht“ – im Vorwort zur 1891 erschienenen vierten Auflage von „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats“ nannte er es „eine vollständige Revolution“.[4] In diesem Werk, das den Historischen Materialismus erläutert, fließen Bachofens Thesen zu Mutterrecht und Matriarchat ein und erhalten teils eine neue Funktion bzw. Deutung durch Engels. Diese verschiedenen Sichtweisen aufzuzeigen ist das Ziel dieser Arbeit.

„Das Mutterrecht“ begründete schließlich Bachofens Berühmtheit[5], allerdings auf einem anderen Gebiet: Nicht die Geschichte, sondern die Sozialwissenschaften hat es revolutioniert.[6] Letztendlich wurde es zu einem Text, auf den man sich nach Cantarella beziehen musste, wenn man an die Matriarchatsgeschichte heranging, was an der Vielfalt der Themen, der Wahl des geschichtlichen Terrain und dem Reiz seiner Thesen liegt.[7]

Zu den von den Autoren gebrauchten Begriffen: Bei Bachofen bedeutet „Mutterrecht“ ein Übergewicht der Frau in der Familie und die Abstammungsfolge nach der Mutter, wodurch er ein Übergewicht im politischen und sozialen Leben und damit die Herrschaft über die Männer erklärt. Dies bezeichnet er auch als „Gynaikokratie“, was er analog zu „Mutterrecht“ gebraucht; Engels benutzt nur „Mutterrecht“ mit der gleichen Bedeutung wie bei Bachofen.[8] Zusätzlich bezeichnet er damit die Herrschaft der Frauen im urkommunistischen Haushalt.[9] Die beiden folgenden Kapitel zeigen die Darstellung des Mutterrechts jeweils aus Sicht Bachofens und Engels' auf.

2. Bachofen

Bachofen bezeichnet „Das Mutterrecht“ als „erste Urbarmachung“ eines Gebietes[10] und neben der Wahl der Thematik zeugt auch seine im folgenden dargestellte Herangehensweise davon, dass er gegen die liberale und positivistische Geschichtsschreibung seiner Zeit eingestellt war.[11] Für Bachofen gab es eine Gesetzmäßigkeit in der Ausbildung des menschlichen Geistes[12] – durch die Betrachtung von religiöser, rechtlicher und wirtschaftlicher Seite wollte er dies ergründen.[13]

2.1 Ausgangsposition

Bachofen ging von der Gleichartigkeit und Gesetzmäßigkeit der menschlichen Natur aus, die nicht durch völkische Verwandtschaft bedingt oder begrenzt war. Daraus folgt, dass er nicht die Gleichheit der Äußerungen, sondern die Übereinstimmung der Grundanschauungen betrachten wollte. Diese Grundanschauungen konnten nur einer geringen Anzahl von Tatsachen entnommen werden, doch erhielten sie Bachofen zufolge „unumstößliche Gewißheit“ durch immer reichlicher zuströmende Erscheinungen:[14] Isoliert betrachtet wirkt die große Anzahl von Erscheinungen des gynaikokratischen Grundgedankens rätselhaft, miteinander verbunden erhält sie den Charakter innerer Notwendigkeit. Insgesamt sei das gynaikokratische Familienrecht fremdartig sowohl dem heutigen als auch dem antiken Bewusstsein gegenüber.[15] Ein Altertumsforscher müsse darum den Anschauungen seiner Zeit entsagen und sich in andere Gedankenwelt versetzen.[16]

Eine große Bedeutung für das Mutterrecht sieht Bachofen in der mythischen Tradition, da die Stellung des Mutterrecht im Mythos der Stellung im Leben entsprechen müsse.[17] Überhaupt sind Mutterrecht und Mysterium für ihn „zwei verschiedene Seiten derselben Gesittung“.[18] So erklärt sich, dass Bachofen den Mythos als „wahre, hohe zuverlässige Geschichtsquelle“[19] bezeichnet: Er sieht ihn als Ausdruck des Lebensgesetzes jener Zeiten und größere Zuverlässigkeit erlangten Mythen durch den geringen Hang zu Kritik in Altertum. Bachofens Annahme hierbei: Selbst in Dichtungen folgt jede Zeit unbewusst den Gesetzen des eigenen Lebens.[20] Einen geschichtlichen Beweis sieht er in den reichen Mysterien bei Völkern, in denen lange das Mutterrecht galt.[21]

[...]


[1] Bachofen 45f.

[2] Wesel 9

[3] vgl. Wesel 10

[4] Engels 14

[5] vgl. Cantarella 262

[6] vgl. Wagner-Hasel 1

[7] vgl. Cantarella 262

[8] vgl. Wesel 33, Cantarella 275

[9] vgl. Engels 57

[10] Bachofen 1

[11] vgl. Wesel 10

[12] vgl. Bachofen 51

[13] vgl. Schmidt 292

[14] Bachofen 3

[15] vgl. Bachofen 1

[16] vgl. Bachofen 15

[17] vgl. Bachofen 4

[18] Bachofen, 22

[19] Bachofen 5

[20] vgl. Bachofen 5f.

[21] vgl. Bachofen 22

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Das Mutterrecht bei J.J. Bachofen und dessen Funktion im Historischen Materialismus bei F. Engels
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Kulturwissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
12
Katalognummer
V173800
ISBN (eBook)
9783640940622
ISBN (Buch)
9783640940356
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
matriarchat, altertum, Gynaikokratie
Arbeit zitieren
Silvio Schwartz (Autor), 2005, Das Mutterrecht bei J.J. Bachofen und dessen Funktion im Historischen Materialismus bei F. Engels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173800

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