Forschungsansätze und Methodik zur Gleichnisauslegung


Referat (Ausarbeitung), 2007

5 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Forschung

II. Methodik

Literatur

I. Forschung

Mit seinem 1899 erschienenen Werk „Die Gleichnisreden Jesu“ begründete Adolf Jülicher die moderne Gleichnisforschung. Als erster betrieb er eine methodisch kontrollierte Gleichnisauslegung und unterschied formkritisch[1] Gleichnis und Allegorie voneinander.[2] Bis dahin war eine allegorische Gleichnisauslegung üblich, die seiner Meinung nach jedoch nicht die primäre Lesart der christlichen Urgemeinde wiederspiegelte.[3]

Ein allegorisches Verständnis nimmt einen versteckten Sinn hinter den wörtlichen Aussagen der Gleichnisse an und sucht diese zu entschlüsseln. Jülichers Grundanliegen sei daher ein „entschiedene[s] Plädoyer für ein wörtliches Verständnis“[4], so Kurt Erlemann. Gleichnisse zeigten realistische Bilder und eine verständliche Sachaussage; für Jülicher gehen sie auf den historischen Jesus zurück.[5] Dieser hätte als Offenbarer Gottes seine Botschaft möglichst allgemein verständlich unter das Volk bringen müssen und nicht die verhüllende Redeweise der Allegorie verwandt. „[D]ie Allegorie ist eine der künstlichsten Redeformen“[6], so Jülicher, ihre Aussage sei nur Eingeweihten verständlich. Eine allegorische Auslegung wird daher als unsachgemäße Auslegung abgelehnt.[7] Dennoch ist Jülichers one-way-approach – die Feststellung eines einzigen Vergleichspunktes zwischen Bild- und Sachhälfte – inzwischen relativiert: Die Pointe kann um „bedeutsame Einzelzüge“ ergänzt werden, dazu zählen stehende Metaphern wie der Weinberg für Israel, ungewöhnliche Züge, die den zeitgenössischen Erwartungen zuwider liefen und die Verschränkung von Gleichnis- und Hörerrealität, die der Identifizierung dienen sollte. Dazu kann das Murren der Arbeiter im Gleichnis vom Weinberg gezählt werden.[8]

Die Forschung setzte sich mit verschiedenen Aspekten von Jülichers Gleichnisauslegung auseinander. Einige einflussreiche Ansätze der Forschungsgeschichte seien hier darum kurz skizziert.

Religionsgeschichtliche Ansätze verweisen auf die Tradition rabbinischer Gleichnisse – zu Jesu Zeiten waren sie eine populäre Form mündlicher religiöser Unterweisungen. Paul Fiebig[9] verwies darauf, dass es sich dabei im Normalfall um Mischformen aus Gleichnis und Allegorie handelte und keineswegs eine idealtypische Trennung vorgelegen hätte.[10]

Das historisierende Gleichnisverständnis unterstreicht die Bedeutung des Kontexts der Verkündigung.[11] Charles Harold Dodd[12] sah durch die Gleichnisse die Präsenz des Reichs Gottes in der Person Jesu verkündet. Die Hörenden seien vor die Entscheidung gestellt worden, das bisherige Leben aufzugeben und Jesus nachzufolgen. Joachim Jeremias[13] betont den häufig konkreten Ursprung der Gleichnisbilder. Adressat sei die Öffentlichkeit gewesen, erst nachösterlich wurden die Gleichnisse an die Jünger umadressiert.[14] Theißen sieht zwei Grundprobleme im kontextualisierenden Ansatz: Die Rekonstruktion des Kontextes bleibe stets hypothetisch und je stärker die Verankerung der Gleichnisse im historischen Kontext sei, desto schwerer falle es, „ihnen über diese einmalige Situation hinaus Bedeutung zuzuerkennen.“[15]

[...]


[1] D.h. biblische Texte mit Glaubensaussagen von denen mit Geschichtsaussagen zu trennen.

[2] Vgl. Erlemann, S.12.

[3] Vgl. Theißen/Merz, S.287.

[4] Erlemann, S.13.

[5] Vgl. Theißen/Merz, S.292f., Jülicher, I S.24.

[6] Jülicher, I S.63.

[7] Vgl. Erlemann, S.45f.

[8] Vgl. Theißen/Merz, S.293.

[9] Fiebig: Altjüdische Gleichnisse und die Gleichnisse Jesu, Tübingen 1904.

[10] Vgl. Erlemann, S.24.; Theißen/Merz, S.291.

[11] Vgl. Theißen/Merz, S.287.

[12] Dodd: The Parables of the Kingdom, 1935.

[13] Jeremias: Die Gleichnisse Jesu, 1947

[14] Vgl. Theißen/Merz, S.287f.

[15] Theißen/Merz, S.288.

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Forschungsansätze und Methodik zur Gleichnisauslegung
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Der Sohn Gottes
Autor
Jahr
2007
Seiten
5
Katalognummer
V173808
ISBN (eBook)
9783640940004
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gleichnisforschung, christentum, jesus, bibel
Arbeit zitieren
Silvio Schwartz (Autor), 2007, Forschungsansätze und Methodik zur Gleichnisauslegung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173808

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