Die historische Entwicklung des islamistischen Terrorismus am Beispiel der al-Qaida


Hausarbeit, 2011
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Islamistischer Terrorismus und al-Qaida
2.1 Der Begriff des islamistischen Terrorismus
2.1.1 Islamismus
2.1.2 Terrorismus
2.2 Historischer Hintergrund des islamistischen Terrorismus
2.2.1 Ursachen
2.2.2 Internationalisierung
2.3 Al-Qaida
2.3.1 Anfänge
2.3.2 Struktur
2.3.3 Vorgehensweise

3 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Diese Arbeit behandelt das Thema des islamistischen Terrorismus. Anhand eines Beispiels, nämlich dem der al-Qaida, soll die historische Entwicklung dieses Phänomens nachgezeichnet werden. Es geht dabei um den Zeitraum vom Ende der 1980er Jahre bis zum Anfang der 2000er Jahre. Obgleich es zahlreiche dieser islamistischen Terrorgruppen auf der ganzen Welt gibt, so ist al-Qaida vermutlich die bekannteste, da sie sich zu den Anschlägen auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 bekannt hat. Dieses Thema hat ins- besondere durch den gewaltsamen Tod von Osama bin Laden durch US-amerikanische Spezialkräfte, dem geistigen Führer der al-Qaida, am 2. Mai 2011, erneut an Aktualität und Relevanz gewonnen. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die geschichtliche Entwicklung dieser dominierenden internationalen islamistischen Terrorgruppe zu beschreiben, um somit Anhalts- punkte für eine zukünftige Entwicklung derselben zu geben. Dabei wird folgende Vorgehens- weise gewählt: Zunächst werden die Begriffe „Islamismus“ und „Terrorismus“ erläutert und definiert. Im Anschluss wird der historische Hintergrund beleuchtet, vor dem das Phänomen des islamistischen Terrorismus, wie wir ihn heute wahrnehmen, entstehen konnte. Dazu wird auf seine Ursachen und seine Internationalisierung eingegangen. Danach wird al-Qaida portraitiert, indem die Anfänge der Gruppe, ihre Struktur sowie ihre Vorgehensweise dargestellt werden. Den Abschluss bildet ein Fazit.

2 Islamistischer Terrorismus und al-Qaida

2.1 Der Begriff des islamistischen Terrorismus

Da es sich beim islamistischen Terrorismus um zwei Konzepte handelt, nämlich dem des Islamismus und dem des Terrorismus, werden diese getrennt erläutert und definiert. In diesem Zusammenhang wird auch der für diese Arbeit wichtige Begriff des Dschihad erklärt. Zusätzlich wird außerdem die Internationalität des Terrorismus, die nicht zuletzt durch al-Qaida einen starken Auftrieb erfahren hat, dargestellt. Es wird dargelegt, dass islamistischer Terrorismus zwar religiöse Wurzeln hat, jedoch politische Ziele verfolgt.

2.1.1 Islamismus

Der Islamismus hat seine Ursprünge in den 1920er Jahren in Ägypten, wurde jedoch erst in den 1960ern zu einer relevanten, theoretisch fundierten Ideologie, die von Abu al-Ala Maududi (Pakistan), Sayyed Qutb (Ägypten) und Ruhollah Khomeini (Iran) entscheidend gestaltet wurde.1

Nach einer Definition des Nahost-Experten Jason Burke hat der Islamismus das Ziel, eine „reine […] islamische Gesellschaft dadurch aufbauen zu wollen, dass […] Macht über die Strukturen des modernen Staates“2 gewonnen werden. Er ordnet auch Osama bin Laden und seine Mitstreiter dieser Ideologie zu.3 Somit ist Islamismus ein politisches Programm und dem Konzept einer Ideologie näher als dem der Religion, wobei diese Ideologie religiös begründet wird. Er ist insofern mit den Ideologien des Faschismus und des Kommunismus vergleichbar, da auch der Islamismus einen Totalitätsanspruch hat und Mittel der Massenorganisation eingesetzt werden mit dem Ziel, die Staatsgewalt zu übernehmen.4 Der politische Aspekt des Islam erscheint laut Burke in einem religiösen Kontext mit der Vorstellung eines „kosmisches Krieges“ gegen den Unglauben, wobei mit Ungläubigen an dieser Stelle alle Nicht-Muslime gemeint sind.5 Es sei hier noch hinzugefügt, dass mit dem Begriff Islamismus in dieser Arbeit Konzepte wie Fundamentalismus, Reformismus, Restauration oder auch Salafismus und Wahhabismus eingeschlossen werden. Das liegt zum einen daran, dass sich diese Strömungen nur geringfügig unterscheiden und zum anderen von al-Qaida ideologisch vereint werden, um eine größere Bandbreite von Gläubigen anzusprechen.6

In diesem Zusammenhang erscheint es nötig, den Begriff des Dschihad ebenfalls zu erläutern. Das Wort ist arabischen Ursprungs und bedeutet Bemühen, Kampf, Streben, Fleiß, Eifer und nicht, wie oft verbreitet, „Heiliger Krieg“. Laut einem Hadith7 unterschied Mohammed zwischen dem großen Dschihad gegen sich selbst und dem kleinen gegen andere. Aufgrund verschiedener Stellen im Koran wird dieser Dschihad entweder als gewaltfrei oder als gewalttätig interpretiert. Islamisten berufen sich auf letztere, gewalttätige Stellen, um ihre Taten zu rechtfertigen.8 Das Konzept des Dschihad im Namen Allahs ist die Ideologie, die al-Qaida propagiert, um die Kämpfer weltweit zu vereinen.9

Es kann also das Fazit gezogen werden, dass der Islamismus zum Ziel hat, einen islamischen Staat zu installieren. Diese Politisierung der Religion wurde ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in vielen muslimisch geprägten Staaten populär.

2.1.2 Terrorismus

Betrachtet man die gängigen Definitionen handelt es sich beim Terrorismus um eine Schre- cken verbreitende massive Gewaltanwendung gegen Zivilisten, die überwiegend aus politischen, religiösen oder ideologischen Motiven von Gruppen oder Einzelpersonen, die in der Regel nicht direkt durch Regierungen kontrolliert werden, verübt werden, mit dem Ziel, eine be- stimmte Absicht zu erreichen.10 Kepel, ein Spezialist für den Islam der Gegenwart, bezeichnet das folgende Phänomen als Terrorismus: neue Formen der militanten Mobilisierung, die gleich- zeitig längst überholte Chiffren wie den Märtyrertod und die religiöse Indoktrinierung wieder- beleben. Wobei wichtig hervorzuheben ist, dass sie speziell über den Terrorismus von al-Qaida sprechen.11 Der Terrorismus-Forscher Hirschmann bezeichnet Terrorismus als illegale und menschenverachtende Methode, betont aber gleichzeitig, dass er damit keine Aussage über die Legitimität oder Nachvollziehbarkeit dieser Handlung macht.12 Eine weitere Definition aus völkerrechtlicher Perspektive bietet sich ebenfalls an. Zwar gibt es keine einheitliche, verbind- liche Definition, jedoch wurde in einer Deklaration der Generalversammlung der Vereinten Nationen (VN) von 1999 der Versuch einer solchen für den Begriff des Terrorismus unternommen:13

„Any other act intended to cause death or serious bodily injury to a civilian, or any other person not taking an active part in the hostilities in a situation of armed conflict, when the purpose of such act, by its nature or context, is to intimidate a population, or to compel a government or an international organization to do or to abstain from doing any act.”14

In Abgrenzung hierzu steht der Guerillakrieg. Er bezeichnet eine Kampfform nicht regulärer einheimischer Truppen gegen eine feindliche Armee, Besatzungsmacht oder im Zusammen- hang mit einem Bürgerkrieg gegen die eigene Regierung. Der Terrorismusforscher Wördemann beschreibt den Unterschied recht treffend: „Guerilla besetzt tendenziell den Raum, um später das Denken gefangen zu nehmen, der Terrorist besetzt das Denken, da er den Raum nicht nehmen kann“.15

Terrorismus wird dann als international bezeichnet, wenn sich Ziele, Begründungen und der Aktionsradius der Terroristen nicht auf eine bestimmte Region oder ein bestimmtes Land be- ziehen.16

[...]


1 Moghadam, Assaf: The Globalization of Martyrdom. Al Qaeda, Salafi Jihad, and the Diffusion of Suicide Attacks, Baltimore, 2008, S. 115.

2 Burke, Jason: Al-Qaida: Wurzeln, Geschichte, Organisation, Düsseldorf, 2004, S. 70.

3 Ebd.

4 Burke, Jason (2004): S. 82; Moghadam, Assaf (2008): S. 47.

5 Burke, Jason (2004): S. 53.

6 Burke, Jason (2004): S. 70.

7 Überlieferung über Mohammed.

8 Burke, Jason (2004): S. 60.

9 Schweitzer, Yoram: Al-Qaeda and Epidemic of Suicide Attacks, in: Pedahzur, Ami (Hg.) (2006): S. 135.

10 Burke, Jason (2004): S. 49.

11 Kepel, Gilles: Der Kern von Al-Qaida, in: Kepel, Gilles und Milelli, Jean-Pierre (Hg.): Al-Qaida: Texte des Terrors, München, 2006, S. 13 f.

12 Hirschmann, Kai: Internationaler Terrorismus [http://www.bpb.de/publikationen/HMYBJN.html], (Erstelldatum: k. A., Verfügbarkeitsdatum: 15.05.2011).

13 Schweisfurth, Theodor: Völkerrecht, Tübingen, 2006, S. 498 f.

14 Schweisfurth, Theodor (2006): S. 499.

15 Wördemann, Franz und Löser, Hans-Joachim: Terrorismus. Motive, Täter, Strategien, München und Zürich, 1977, S. 57.

16 Hirschmann, Kai: Internationaler Terrorismus [http://www.bpb.de/publikationen/HMYBJN.html], (Erstelldatum: k. A., Verfügbarkeitsdatum: 15.05.2011).

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Details

Titel
Die historische Entwicklung des islamistischen Terrorismus am Beispiel der al-Qaida
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts – Zur Notwendigkeit der Überwindung eurozentrischer Denkmuster
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V173833
ISBN (eBook)
9783640940059
ISBN (Buch)
9783640940073
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, terrorismus, islamismus, al-qaida
Arbeit zitieren
Christine Löser (Autor), 2011, Die historische Entwicklung des islamistischen Terrorismus am Beispiel der al-Qaida, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173833

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