Vor dem Hintergrund eines erheblichen Infrastrukturbedarfs sowie eines Mangels an verfügbaren Mitteln der öffentlichen Haushalte, rücken immer mehr Unternehmen, welche mit ihren Leistungen zur Sicherstellung der Grundversorgung maßgeblich beitragen, in den Fokus von privaten Kapitalanlegern. Ausgehend von Australien und UK, die bereits Ende des letzten Jahrhunderts ihren Infrastrukturmarkt für diverse Investoren geöffnet haben, ist auch in Deutschland ein wachsendes Interesse an privat finanzierter Infrastruktur zu beobachten.
Diese Arbeit untersucht die Potenziale von Infrastrukturfonds als Anlagealternative für institutionelle Investoren.
Um Erkenntnisse des Anlagemarktes von Infrastruktur als Assetklasse zu gewin-nen, wird im ersten Abschnitt das gegenwärtige Verständnis des Infrastrukturbegriffs anhand der Fachliteratur analysiert. Hierbei werden wichtige Charakteristika und Produktmerkmale von Infrastruktur aufgezeigt, die für eine Abgrenzung zu traditionellen und alternativen Assetklassen bedeutsam sind. Die soziale und wirtschaftliche Bedeutung von Infrastruktur wird anhand einer Darstellung der weltweiten Bedarfssituation hervorgehoben. Hierbei werden einzelne Wirtschaftsräume eingehend betrachtet.
Im Anschluss wird im Rahmen einer empirischen Studie Infrastruktur als Assetklasse analysiert und deren Eigenständigkeit in Bezug auf Immobilien und PE nachgewiesen. In die Betrachtung fließt die Zielstellung der institutionellen Investoren ebenso wie die spezifischen qualitativen und quantitativen Anforderungen an ein Infrastrukturfondsinvestment ein. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für einen „optimalen“ Infrastrukturfonds aus Sicht institutioneller Investoren. Experteninterviews stützen die Ergebnisse der Studie.
Im dritten Abschnitt erfolgt mittels aktuellen börsennotierten (listed) und nicht börsennotierten (unlisted) Investitionsformen eine Abgrenzung der Infrastruk-turfonds zu allgemeinen (Aktien, Zertifikate, Indizes, REITs/Immo-AGs) und
infrastrukturspezifischen (offener/geschlossener Immobilienfonds, Private-Equity-Fonds) Anlagevehikeln. Zudem wird explizit auf die deutschen offenen Infrastrukturfonds (ÖPP-Fonds) eingegangen.
Im Ergebnis der empirischen und theoretischen Erkenntnisse werden im letzten Abschnitt Infrastrukturfonds als Assetklasse definiert. Darüber hinaus werden Investoren Handlungsalternativen aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Abschnitt: Aktuelle Situation im Infrastrukturbereich
A. Analyse des Infrastruktur-Begriffes
I. Eingrenzung des Begriffes-Infrastruktur
II. Grundlegende Merkmale von Infrastrukturinvestitionen
a) Nachhaltige Zahlungsströme
b) Risikoadäquate Renditen
c) Geringe Korrelation zu anderen Assetklassen
d) Hybride Strukturen
B. Stand der globalen Nachfragesituation
2. Abschnitt: Empirische Untersuchung am Kapitalmarkt
A. Datenerfassung am Kapitalmarkt
I. Datenbasis
II. Struktureller Aufbau
III. Inhaltlicher Aufbau
IV. Zielgruppen
V. Rücklaufquote
B. Auswertung der Befragung
I. Allgemeines Vorgehen bei der Analyse
II. Aktuelle Marktsituation
III. Einschränkungen von Infrastruktur als Assetklasse
IV. Entscheidungskriterien
a) Qualitative Entscheidungskriterien
b) Quantitative Entscheidungskriterien
c) Hinderniskriterien
V. Entscheidungskriterien für Investitionen
VI. Zukünftige Marktsituation
3. Abschnitt: Investitionsalternativen für institutionelle Investoren in Infrastruktur
A. Beteiligungsvarianten für Investitionen in Infrastruktur
I. Direkte Beteiligung in Infrastrukturprojekte
II. Direkte Fonds-Beteiligung in Infrastrukturprojekte
III. Fund of Funds-Beteiligung in Infrastrukturprojekte
B. Beteiligungsvehikel für Investitionen in Infrastruktur
I. Index-Zertifikate
II. Immobilien-Aktiengesellschaften/REITs
III. Offener Immobilienfonds
IV. Geschlossener Immobilienfonds
V. Private-Equity-Fonds
VI. Infrastrukturfonds
a) Nicht börsennotierte Infrastrukturfonds
b) Börsennotierte Infrastrukturfonds
c) ÖPP-Fonds als neues Beteiligungsvehikel in Deutschland
4. Abschnitt: Empfehlungen für institutionelle Investoren
A. Definition von Infrastrukturfonds
B. Investitionsempfehlungen für Investoren
I. Einordnung der Investoren
II. Regionen der Investition
III. Lebenszyklusphase bei Investitionen
IV. Sektor der Investition
C. Voraussetzungen für erfolgreiches Fondsmanagement
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Potenziale von Infrastrukturfonds als neue Anlageklasse für institutionelle Investoren. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, inwieweit Investitionen in Infrastruktur eine Alternative zu etablierten Anlageformen darstellen und ob sie als eigenständige Assetklasse zu klassifizieren sind, basierend auf einer empirischen Marktanalyse.
- Markt- und Bedarfsanalyse für Infrastrukturinvestitionen weltweit
- Klassifizierung von Infrastruktur als eigenständige Assetklasse
- Empirische Erhebung bei deutschen institutionellen Investoren zu Auswahlkriterien und Hemmnissen
- Systematisierung von Investitionsformen und Beteiligungsvehikeln
- Strategische Investitionsempfehlungen für institutionelle Anleger
Auszug aus dem Buch
II. Grundlegende Merkmale von Infrastrukturinvestitionen
Die Vorteile von Infrastrukturinvestitionen werden bei der Betrachtung von typischen Merkmalen deutlich. Infrastrukturobjekte zeichnen sich durch eine sehr lange Lebensdauer aus. Sie werden über Jahrzehnte genutzt und sind damit weitgehend wertstabil. Die Bereitstellung von Infrastruktur wie Verkehrs-, Strom-, Wasser- und Telekommunikationsnetzen ist Grundlage der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung eines Landes. Die für die Grundversorgung unverzichtbaren Leistungen führen zu einer gesicherten, wirtschaftszyklusunabhängigen Nachfrage durch private, wie auch institutionelle Kunden mit geringer Preissensitivität.
Außerdem wird über langfristige Verträge mit solventen Abnehmern (staatliche Unternehmen) Planungssicherheit und weitere Risikominimierung ermöglicht. Dazu bietet diese Anlageform Wertsteigerungspotential, wenn man sie optimiert, restrukturiert und effizient gestaltet bzw. an sich verändernde Umstände anpasst, jedoch unterliegen Infrastruktureinheiten keinem ständigen Druck technischer Neuerung wie dies z.B. in der IT-Branche der Fall ist. Vergleicht man die Kostenstrukturen unterschiedlicher Industriezweige, wird deutlich, dass Infrastruktur einen geringen Betriebskostenanteil aufweist.
Ein weiterer Wettbewerbsvorteil ergibt sich aus der Tatsache, dass Infrastrukturbetreiberunternehmen in Sektoren angesiedelt sind, in denen keine bzw. wenige Alternativen existieren. Sie nehmen somit eine natürliche monopolartige Stellung ein. Unterstützend wirken dabei die langfristigen vertraglichen Bindungen, Konzessionen, begrenzte Verfügbarkeit von Grund und Boden sowie sehr hohe Investitionsvolumina, welche notwendig wären, um ein konkurrenzfähiges Asset aufzubauen. So existiert in Städten i.d.R. nur ein Wasser- und Abwassernetz, Straßennetze existieren nicht parallel und auch Gleise oder andere Verkehrsanlagen werden nicht doppelt angelegt.
Durch die fehlende direkte Konkurrenz unterliegt die Nachfrage weder Preisschwankungen noch Preiswettbewerb. Dadurch können Infrastrukturinvestments einen natürlichen Schutz vor typischen Risiken (Inflations-, Marktrisiko) bieten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Abschnitt: Aktuelle Situation im Infrastrukturbereich: Dieser Abschnitt analysiert das theoretische Verständnis von Infrastruktur als Begriff und Gegenstand, beleuchtet die weltweite Bedarfssituation sowie spezifische Merkmale wie langfristige Lebenszyklen und monopolartige Marktstellungen.
2. Abschnitt: Empirische Untersuchung am Kapitalmarkt: Hier werden die Ergebnisse einer Expertenbefragung unter institutionellen Investoren dargestellt, die sich auf qualitative und quantitative Auswahlkriterien sowie Hindernisse bei Infrastrukturinvestments konzentriert.
3. Abschnitt: Investitionsalternativen für institutionelle Investoren in Infrastruktur: Dieses Kapitel systematisiert verschiedene Beteiligungsformen (direkt, Fonds-Beteiligung, Dachfonds) und Vehikel (Zertifikate, REITs, offene/geschlossene Immobilienfonds, Infrastrukturfonds) und bewertet deren Eignung.
4. Abschnitt: Empfehlungen für institutionelle Investoren: Der letzte Abschnitt fasst die Ergebnisse zusammen und gibt konkrete Investitionsempfehlungen für deutsche institutionelle Anleger hinsichtlich Einordnung, Regionen, Sektoren und Lebenszyklusphasen.
Schlüsselwörter
Infrastrukturfonds, Institutionelle Investoren, Assetklasse, Infrastrukturinvestitionen, Kapitalmarkt, Diversifikation, Risikoadäquate Rendite, Greenfield, Brownfield, Public-Private-Partnership, ÖPP-Fonds, Risikomanagement, Immobilien, Private Equity.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Eignung von Infrastruktur als neue, eigenständige Assetklasse für deutsche institutionelle Investoren und analysiert deren Potenziale und Herausforderungen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Die zentralen Felder umfassen die begriffliche Einordnung von Infrastruktur, die Analyse der globalen Bedarfssituation, die Auswertung einer empirischen Investorenbefragung sowie die Untersuchung von Investitionsvehikeln und -alternativen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, inwieweit Infrastrukturinvestitionen eine echte Alternative zu anderen Anlageformen darstellen und ob diese Investitionen einer eigenständigen Assetklasse zugeordnet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine Kombination aus einer umfassenden Literaturanalyse und einer eigenen empirischen Studie, die durch Fragebögen und Experteninterviews mit Branchenvertretern gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition und Marktanalyse, die detaillierte Auswertung der empirischen Erhebung bei Investoren sowie eine umfassende Systematisierung und Zweckmäßigkeitsanalyse verschiedener Anlagevehikel.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Infrastrukturfonds, Risiko-Rendite-Profil (RRP), Asset Allokation, Greenfield-/Brownfield-Investments und institutionelle Investoren geprägt.
Warum wird Infrastruktur als "hybride" Assetklasse bezeichnet?
Infrastruktur vereint Merkmale aus verschiedenen traditionellen Anlagebereichen: Sie weist Immobiliencharakteristika (Sachwerte), Rentenpapiereigenschaften (stabile Zahlungsströme) sowie Private-Equity-Elemente (aktive Entwicklung/Wertsteigerung) auf.
Welche Bedeutung haben ÖPP-Fonds für den deutschen Markt?
ÖPP-Fonds wurden geschaffen, um privates Kapital für staatliche Infrastrukturprojekte zu mobilisieren, doch aufgrund von Regulierung und Markthindernissen zeigen sich deutsche Investoren bisher zurückhaltend gegenüber diesem speziellen Modell.
- Arbeit zitieren
- David Pestel (Autor:in), 2008, Infrastrukturfonds als neue Assetklasse für institutionelle Investoren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173856