Diese Arbeit untersucht Richard Powers’ Roman "Das große Spiel" als Form literarischer Wissensproduktion. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie der Roman unterschiedliche Wissensformen erzählerisch organisiert und erfahrbar macht. Auf der Grundlage von Konzepten wie Essayismus, Polyphonie und narrativer Kohärenz wird gezeigt, wie Powers naturwissenschaftliche, technologische und geisteswissenschaftliche Perspektiven in einer vielstimmigen Erzählstruktur miteinander verknüpft. Die Figuren Evelyne, Todd und Rafi repräsentieren unterschiedliche Zugänge zur Welt, die im Verlauf des Romans miteinander in Dialog treten. Verhandelt werden dabei unter anderem Ozeanografie, Künstliche Intelligenz und technologische Zukunftsentwürfe sowie die Frage, inwiefern Wissen stets auch emotional und biografisch geprägt ist. Besondere Bedeutung kommt der Spielmetapher zu, die als poetisches Organisationsprinzip des gesamten Romans fungiert. "Playground" bezeichnet nicht nur eine digitale Plattform, sondern zugleich einen Experimentierraum, in dem unterschiedliche Wissensformen, Zukunftsentwürfe und Lebensmodelle aufeinandertreffen. Das Spiel wird zum Modell einer Welt, die durch Kontingenz, Offenheit und die zunehmende Eigendynamik komplexer Systeme geprägt ist. Als zentrales Leitmotiv bündelt es die verschiedenen Wissens- und Erfahrungsräume des Romans und macht ihre Verflechtungen sichtbar. Die Arbeit zeigt, dass Literatur als eigenständige Form der Wissensgenerierung verstanden werden kann. Sie vermittelt wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurse nicht nur, sondern überführt sie in neue Zusammenhänge und eröffnet dadurch neue Perspektiven auf gegenwärtige Entwicklungen.
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- Julia Mehl (Autor), 2026, Poetische Strukturen und Wissen. Richard Powers' Roman "Das große Spiel", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1738653