Medienpädagogik, Medienkompetenz, Medienbildung

Eine Analyse von Abhängigkeits- und Abgrenzungsverhältnissen


Hausarbeit, 2011
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 EINLEITUNG

1 DEFINITIONSANSÄTZE ALS GRUNDBAUSTEINE DER MEDIENPÄDAGO- GISCHEN DISZIPLIN
1.1 Medienpädagogik
1.2 Medienkompetenz
1.3 Medienbildung

2 ABHÄNGIGKEITS- UND ABGRENZUNGSVERHÄLTNISSE
2.1 Beziehung von Medienpädagogik und Medienkompetenz
2.2 Beziehung von Medienkompetenz und Medienbildung
2.3 Beziehung von Medienpädagogik und Medienbildung
2.4 Dreiecksverhältnis

3 SYNTHESE

4 LITERATURVERZEICHNIS

0 Einleitung

„Medienpädagogen sind eine Art eierlegende Wollmilchsau. Sie sind für alles zuständig.“1 In diesem Zitat aus einem Vortrag von Thorsten Lorenz wird bereits deutlich, dass der Beruf des Medienpädagogen in der Praxis kein eindeutig abgrenzbares Berufsbild darstellt. Vielmehr zeigt sich auch in der Theorie, dass die Medienpädagogik einen umfassenden Anspruch an ihre Disziplin erhebt. Dieser ergibt sich aus einer engen Verflechtung der Wissenschaftsfelder der Erziehungswissenschaft, Kommunikations- und Medienwissenschaft sowie Psychologie. Eine eindeutige Trennung voneinander erweist sich in der medienpädagogischen Betrachtung als schwer.

Im Folgenden soll die Aussage von Thorsten Lorenz, die auf die Komplexität der medienpädagogischen Disziplin hinweist, genauer analysiert und hinsichtlich ihrer saloppen Aussage revidiert werden. Doch wird der Schwerpunkt dieser Arbeit nicht allein auf der Analyse der Medienpädagogik liegen. Insbesondere wird die Frage zu behandeln sein, inwiefern sich die Beziehung zwischen der Medienpädagogik, Medienkompetenz und Medienbildung gestaltet.

Im ersten Kapitel werden die einzelnen Termini als Grundbausteine der medienpädagogischen Disziplin dargestellt. Zunächst sollen diese unter Einbezug von einschlägigen Werken der Medienpädagogik kurz definiert werden. Dabei wird insbesondere auf die spezifischen Eigenheiten und die Verbindung zur Umsetzung in der medienpädagogischen Praxis einzugehen sein. Im zweiten Kapitel gilt es zu untersuchen, ob diese Termini in einer bedingenden Beziehung zueinander stehen oder ob eine klare Abgrenzung voneinander vorgenommen werden kann. Zudem wirft sich die Frage auf, ob eine Abgrenzung von nur jeweils zwei Begriffen, beispielsweise der Medienpädagogik und Medienbildung, oder auch in einem größeren Rahmen möglich ist. Deshalb erscheint interessant es in diesem Zusammenhang zu analysieren, ob gar von einem Dreiecksverhältnis zwischen der Medienpädagogik, -kompetenz und - bildung gesprochen werden kann und inwiefern sich dieses gestaltet. Diese Analyse soll klar auf der Gegenüberstellung von Ansichten und dem Diskurs verschiedener Autoren aufbauen, die sich zu den Verhältnissen in der medienpädagogischen Disziplin geäußert haben. Daraus werden wiederum Schlüsse auf die unterschiedlichen Konstellationen in der Beziehung der medienpädagogischen Termini möglich sein.

In der Gesamtheit soll die Analyse einen differenzierten Standpunkt zur Thematik ermöglichen und unter anderem exemplarisch darstellen, welcher großen Bedeutsamkeit der eindeutige Definitionsansatz einer wissenschaftlichen Disziplin widerfährt. Ein weiteres Ziel dieser Arbeit wird der Ansatz sein, eine eigene Hierarchie aufzustellen und diese in ihrem komplexen Aufbau zu begründen. Dabei soll anhand der geführten Analyse, eine Einordung der Termini Medienpädagogik, -kompetenz und -bildung innerhalb ihrer Wertigkeit für die medienpädagogische Disziplin erfolgen.

1 Definitionsansätze als Grundbausteine der medienpädagogischen Disziplin

Eine exakte und feststehende Definition gilt als Grundbaustein einer wissenschaftlichen Disziplin. In der Medienpädagogik existieren in der Profilfindung immer noch offene Stellen beziehungsweise Ungenauigkeiten. Aus diesem Grund soll in diesem Kapitel das Fundament, für die sich im zweiten Kapitel anschließende medienpädagogische Analyse der Beziehungen zwischen den jeweiligen Termini gelegt werden. Einzig so kann ein sicherer Umgang beispielsweise in der Gegenüberstellung der Termini gewährleistet werden. Deshalb gilt es zu untersuchen, welche Definitionsansätze renommierte Medienpädagogen für die Termini Medienpädagogik, Medienkompetenz und Medienbildung im medienpädagogischen Diskurs gebrauchen. Die Analyse der einzelnen Termini soll nur in kurzer und kompakter Form erfolgen, da ansonsten der inhaltliche Rahmen dieser Arbeit gesprengt würde.

1.1 Medienpädagogik

Zunächst lassen sich in der Medienpädagogik drei große Richtungen unterscheiden. Es handelt sich hierbei um die normative Medienpädagogik als Weiterführung der Bewahrpädagogik, die technologische Medienpädagogik und die handlungsorientierte Medienpädagogik. Diese verfolgen aufgrund unterschiedlicher Ausrichtungen auch verschiedene Defintionsansätze.2 Da die handlungsorientierte Medienpädagogik im medienpädagogischen Diskurs die aktuell wichtigste Richtung darstellt, soll sich die Analyse darauf stützen. Als Vertreter der handlungsorientierten Medienpädagogik erwartet Bernd Schorb vom Profil der Medienpädagogik, dass dieses fest im sozialen Raum verankert ist und zwischen Medienhandeln und Medienalltag vermittelt. Sie analysiert die inhaltlichen und funktionalen Bedingungen der Medien, deren Einsatz- möglichkeiten und gesellschaftliche Konsequenzen für die Rezipienten.3 Dieter Baacke sieht die Medienpädagogik als übergeordnete Kategorie, die all das pädagogische Wirken, welches in theoretischer oder praktischer Form mit Medien

in Verbindung steht, umfasst. Ebenfalls greift auch Baacke insbesondere den sozialen Charakter der Medienpädagogik auf, indem er

„alle sozialpädagogischen, sozialpolitischen und sozialkulturellen [...] Angebote für Kinder, Jugendliche, Erwachsene [und alte Menschen], die ihre kulturellen Interessen [...] und Entwicklungschancen [in Beruf, Freizeit und Familie], sowie ihre [...] politischen Ausdrucks- und Partizipationsmöglichkeiten betreffen“4 mit einbezieht.

Uwe Sander definiert die Medienpädagogik als keine selbstständige Disziplin, sondern als einen Teil der Erziehungswissenschaft, die einen medialen Bezug hat. Sander sieht einen enormen Schwerpunkt der Medienpädagogik in den Unterrichtsmedien wie beispielsweise dem Einsatz von Büchern oder den Neuen Medien in schulischen oder universitären Einrichtungen.5 Medien sind insbesondere für die Medienpädagogik von Interesse, wenn die

„Funktion[en] von Information, [...] Unterhaltung, Unterrichtung und Strukturierung des Alltags auf die Erziehung, Bildung [beziehungsweise] Sozialisation von Menschen Bedeutung erlangen“6.

Somit soll die Medienpädagogik zu einem kompetenten Umgang mit den Medien verhelfen. Das von Sander initiierte Projekt Schulen ans Netz7 ist ein Beispiel für praktische Umsetzung und den Einsatz von aktiver Medienarbeit.

1.2 Medienkompetenz

Bernd Schorb definiert den Begriff der Medienkompetenz als

„die Fähigkeit, sich Medien auf [der] Basis strukturierten zusammenschauenden Wissens und einer ethisch fundierten Bewertung der medialen Erscheinungsformen und Inhalte anzueignen“8.

Bereits an diesem Defintionsansatz Schorbs wird deutlich, dass in der Medien-i kompetenz insbesondere die mediale Wissensaneignung und deren reflexiv- kritische Bewertung oberste Priorität erfährt. Diese Kritikfähigkeit gegenüber den Medien schließt sowohl ein, mediale Erscheinungsformen genussvoll und zugleich begründet zu rezipieren oder sie eben auch bewusst kritisch abzulehnen.

[...]


1 Lorenz, Thorsten: Das Chaos der Medienpädagogik. Vom Mythos einer universellen Medienkompetenz 2000, S. 2. URL: http://www.ph- heidelberg.de/wp/lorenz/ChaosderMedienkompetenz1.pdf. [letzter Zugriff: 21.02.2011].

2 Vgl. Schorb, Bernd: Medienalltag und Handeln. Medienpädagogik im Spiegel von Geschichte, Forschung und Praxis. Opladen: Leske + Budrich 1995, S. 50 ff.

3 Vgl. Hüther, Jürgen; Schorb, Bernd (Hrsg.): Grundbegriffe Medienpädagogik. München: kopead 2005, S. 265 ff.

4 Baacke, Dieter: Medienpädagogik. Tübingen: Niemeyer 2007, S. 5.

5 Vgl. Sander, Uwe: Einführung in die Medienpädagogik. Modul: Grundlagen II, Lerneinheit: Einführung in die Medienpädagogik. Rostock: Univ.-Verl. 2003, S. 3f.

6 Sander, Uwe 2003, S. 3f.

7 Nähere Informationen finden sich auf der Internetseite: http://www.schulen-ans-netz.de/.

8 Schorb, Bernd: Gebildet und kompetent. Medienbildung statt Medienkompetenz? 2009, S. 1. URL: http://www.mediaculture- online.de/fileadmin/bibliothek/schorb_gebildet/schorb_gebildet.pdf. [letzter Zugriff: 22.02.2011].

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Details

Titel
Medienpädagogik, Medienkompetenz, Medienbildung
Untertitel
Eine Analyse von Abhängigkeits- und Abgrenzungsverhältnissen
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Medienpädagogik
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V173880
ISBN (eBook)
9783640941544
ISBN (Buch)
9783640941438
Dateigröße
828 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienpädadogik, Medienkompetenz, Medienbildung, Dreiecksverhältnis, Bernd Schorb, Definition, Gegenüberstellung, Bewahrpädagogik, technologische Medienpädagogik, handlungsorientierte Medienpädagogik, Profil, Medienalltag, Medienhandeln, Dieter Baacke, Kategorien, Uwe Sander, Erziehungswissenschaft, Medienwissenschaft, Unterrichtsmedien, aktive Medienarbeit, mediale Wissensaneignung, Kritikfähigkeit, Basisqualifikation, Wissen, Bewerten, Handeln, Medienkompetenzmodell, Funktionswissen, Orientierungswissen, Medienbewertung, Strukturwissen, demokratische Kompetenz, kommunikative Kompetenz, reflexiv-praktische Medienaneignung, Mediennutzung, Medienaneignung, Medienpartizipation, Mediengestaltung, Jürgen Habermas, kritisch-reflexiver Medienumgang, Winfried Marotzki, Benjamin Jörisen, Strukturale Bildungstheorie, Bildungsraum, mediale Räume, Bildungstheorie, Bildungsprozesse, Dieter Spanhel, Interaktionsprozess, Wissenskluft, Profilfindung, Medienkunde, Klafki, Verfügungswissen, Heinz Moser
Arbeit zitieren
Christian Roos (Autor), 2011, Medienpädagogik, Medienkompetenz, Medienbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173880

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