Die vorliegenden Forschungen knüpfen an meine „Steinzeithöhle als Sprachquelle“ an. Mithilfe des Urworts <KU> für Kulthöhle kann ich die frühesten Muttergottheiten paläolinguistisch bestimmen und eine Kulturgeschichte erstellen.
Bereits die ältesten archäologischen Funde in Kleinasien zeigen eine Verbindung der Großen Mutter mit den Attributen Berg, Stein, Löwe und auch KU-Laut. In der Bronzezeit ist „Kubaba von Karkemisch“ wörtlich als <Höhlen-Mutter> zu erkennen. Ihre Fortsetzung findet sie in der „Matar kubile“ Phrygiens mit ihren grandiosen Felsheiligtümern, die zeigen, dass Anatolien als Wurzel der mutterzentrierten Spiritualität aufzufassen ist (Kapitel I-III).
Von den Griechen wird sie als „Mutter der Götter Kybele“ übernommen und in Tempeln verehrt. Die Römer holten sie 205 v. Chr. von Anatolien, da ihnen ‚die Mutter fehlte‘. Sie nannten sie „Magna Mater“ und verehrten sie im gesamten Römischen Reich bis in die Spätantike. Im Mittelalter sinkt sie zur „Hexe“ herab, aber im Barock wird sie in Deckengemälden und fürstlichen Gärten europaweit verehrt (Kapitel IV-VI).
Weitere Muttergöttinnen schließen sich sprachlich an die Höhlengöttin mit KU-Laut an: Da ist Aphrodite von Kypros zu nennen, deren Name zum ersten Mal sinnvoll gedeutet werden kann. Auch Kuh-Gottheiten sind einzubeziehen: Mondkuh Io in Griechenland, Wildkuh im Nahen Osten, wunscherfüllende Kamadhenu in Indien und in Ägypten drei Göttinnen mit Kuh-Geweih: Hathor, Nut und Isis (Kapitel VII-VIII).
Maria wird im Konzil von Ephesos im Jahr 431 zur Muttergottes erhoben und tritt damit die Nachfolge der inzwischen im Römischen Reich verbotenen Muttergöttinnen an, deren Titel, Hymnen, Tempel und Feste sie übernimmt. Dass Maria das Erbe der Muttergöttinnen fortführt, zeigen z. B. die Drei Marien Südfrankreichs, die Renaissance-Madonnen, die Schwarzen Madonnen und der Sternenkranz Mariens, den die Europaflagge übernahm. Die paläolinguistische Analyse des Namens Maria zeigt überdies, dass sie in der Tradition der baskischen Mari, ägyptischer Hieroglyphen und des Tempelbergs von Jerusalem steht. In der Grotte von Lourdes tritt sie uns 1858 als Rückkehr der Höhlengöttin entgegen (Kapitel IX-XI), sodass man schließen kann: Aus Kybele wird Maria.
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- Gert Heinz Kumpf (Auteur), 2026, Kulturgeschichte der Muttergöttin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1738899