Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse des Sound Designs in David Lynchs postmodernem Film Blue Velvet. In diesem Zusammenhang wird zunächst die Entwicklung des Tons im Medium Film aufgezeigt und daraufhin werden die Unterschiede zwischen der Tonspur im klassischen Hollywood und der Tonspur des New Hollywood herausgearbeitet. Hieran wird das Sound Design in den Kontext der Tonspur des New Hollywood eingebettet und die Terminologie dieses Konzepts gegeben. Anschließend werden die narrativen Funktionen der Tonspur ausgewiesen, woraufhin eine Auseinander- setzung mit Klangobjekten, welche eine Bedeutung höherer Ordnung beinhalten oder generieren, folgt. Den Abschluss des ersten Teils bildet die Darstellung der Möglich- keiten zur Klassifizierung beziehungsweise Beschreibung der Klangobjekte. Nachdem die theoretischen Grundlagen erarbeitet worden sind, erfolgt die Analyse in Hinblick auf das Sound Design in Blue Velvet unter besonderer Betrachtung des filmischen Grundthemas Gut gegen Böse. In diesem Zusammenhang steht weiterhin die Frage im Vordergrund, inwiefern die Tonebene ihren Teil zur unheimlichen und befremdlichen Stimmung des Werks beiträgt.
In der Schlussbetrachtung werden sowohl die theoretischen Grundlagen als auch die Analyse des Werks noch einmal übergeordnet reflektiert und in Bezug auf Blue Velvet eine besondere Betrachtung der Tonspur postuliert.
Inhaltsverzeichnis
1.) Synopsis
2.) Die Entwicklung des Tons im Medium Film
2.1) Vom Lichtton zu Dolby Stereo
2.2) Die digitale Tontechnik im Film
3.) Der Umbruch im Umgang mit der Tonspur
3.1) Die Tonspur im klassischen Hollywood
3.2) Die Tonspur im New Hollywood – der Beginn des Sound Design
4.) Sound Design
4.1) Terminologie Sound Design
5.) Narrative Funktionen der Tonspur
5.1) Orientierung
5.2) Desorientierung
5.3) Generalisierung vs. Dichotimisierung
5.4) Subjektivierung
5.5) Der Einsatz von Materialien im filmischen Kontext
5.5.1) Wind
5.5.2) Wasser
5.5.3) Metall
5.5.4) Donner
6.) Die Bedeutung höherer Ordnung
6.1) Das akustische Symbol
6.2) Leitmotive
6.3) Key Sounds
6.4) Das unidentifizierbare Klangobjekt
7.) Die Klassifizierung von Klangobjekten
7.1) Die Kategorisierung der Klangobjekte in der Akustik
7.2) Die Kategorisierung der Klangobjekte in der Psychoakustik
7.3) Die Kategorisierung der Klangobjekte in der Semiotik
7.4) Die Klassifizierung der Klangobjekte im Film nach Barbara Flückiger
8.) Die Analyse des Sound Design in Blue Velvet
8.1) Das Grundthema Blue Velvets
8.2) Das Sound Design Blue Velvets
8.3) Die Eingangssequenz als Paradebeispiel für das Sound Design
8.4) Narrative Funktionen der Tonspur
8.4.1) Orientierung
8.4.2) Desorientierung
8.4.3) Charakterisierung der Figuren
8.4.3.1) Sandy Williams
8.4.3.2)Dorothy Vallens
8.4.3.3)Frank Booth
8.4.3.4)Jeffrey Beaumont
8.4.4) Subjektivierung
8.4.4.1) Traumsequenz
8.4.4.2) Der extradiegetische Klang des Windes
8.4.4.3) Der Zoom in das abgeschnittene Ohr
8.4.4.4) Der Zoom aus Jeffreys Ohr
8.4.5) Bedeutung höherer Ordnung
8.4.5.1) Key Sounds
8.4.5.2) Leitmotive
9.) Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert das Sound Design in David Lynchs postmodernem Film Blue Velvet. Das primäre Ziel besteht darin, die Entwicklung der Tonspur vom klassischen Hollywood zum New Hollywood darzulegen und auf dieser theoretischen Basis die spezifische Rolle der Tonebene in Lynchs Werk zu untersuchen, insbesondere im Hinblick auf das Grundthema "Gut gegen Böse" und die Erzeugung einer befremdlichen Stimmung.
- Historische Entwicklung des Filmtons (Lichtton zu digitaler Technik).
- Narrative Funktionen der Tonspur (Orientierung, Desorientierung, Subjektivierung).
- Methoden der Klangobjekt-Klassifizierung und ihre Bedeutung.
- Analyse der Tonspur in Blue Velvet, inklusive Charakterisierung und Symbolik.
Auszug aus dem Buch
8.3) Die Eingangssequenz als Paradebeispiel für das Sound Design
Die Stadt Lumberton wird zunächst als ein beschaulicher Vorort gezeigt, was mittels des süßen Klangs von Bobby Vintons Song „Blue Velvet“ und extradiegetischem Vogelgezwitscher untermalt wird. Auf der Bildebene werden rote Rosen und gelbe Tulpen vor einem weißen Zaun und unter blauem, nahezu wolkenlosem Himmel gezeigt, wobei sich diese Szenen durch ihre besonders intensive Farbgebung auszeichnen und somit einen surrealen Eindruck vermitteln. Ein Feuerwehrauto fährt geräuschlos vorbei, der Fahrer winkt und in der übernächsten Szene gehen Kinder lautlos über die von einem Lotsen freigehaltene Straße, obwohl weit und breit kein Fahrzeug zu sehen ist. Es wird demnach ein gewisses Gefühl der Sicherheit vermittelt, was jedoch durch die Geräuschlosigkeit der eigentlichen Bildinhalte wiederum surreal anmutet. Erst als Mr. Beaumont, Jeffreys Vater, den Rasen vor dem mittelständischen weißen Haus sprengt, sind die diegetischen Geräusche des Sprengers zusätzlich zum Vogelgezwitscher und dem Gesang Bobby Vintons auf der Tonspur verzeichnet.
Kurz darauf wird eine Nahaufnahme der Wasserleitung des Sprengers gezeigt, woraufhin auf der Tonebene das Vogelgezwitscher verstummt und scharfe Geräusche in Form eines Grummelns ertönen, welche den Überdruck in der Leitung markieren. Der Gartenschlauch verheddert sich in den Pflanzen, das Grummeln wird immer bedrohlicher und Mr. Beaumont erleidet einen Anfall. Es folgt ein leichtes bassiges Donnern und als der Mann am Boden liegt und ein Hund in Zeitlupe nach dem spritzenden Wasser des Sprengers über ihm schnappt, wird das Hundegebell auf der Tonspur verhallt und in Zeitlupe wiedergegeben. Die darauffolgende Kamerafahrt durch den Rasen, welche langsam unter die Erde geht, wird auditiv durch rhythmisches Knarren, Windgeräusche und Rascheln der Grashalme, wobei alles verhallt und bassig klingt, begleitet. Ein Zoom, der unter die Erde geht und krabbelnde, überdimensional große Insekten freigibt, sowie eine sehr laute Soundcollage, bestehend aus stetig dynamischer werdenden grummelnden Beißgeräuschen und Wind- und Wasserklängen, schließt die Eingangssequenz ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Synopsis: Einführung in das Thema der Sound-Design-Analyse in Blue Velvet und Überblick über den Aufbau der Arbeit.
2.) Die Entwicklung des Tons im Medium Film: Historischer Abriss der technischen Filmton-Innovationen von Lichtton bis hin zu digitalen 5.1-Systemen.
3.) Der Umbruch im Umgang mit der Tonspur: Gegenüberstellung der eher funktionalen Tonspur im klassischen Hollywood und der eigenständigen, expressiven Rolle im New Hollywood.
4.) Sound Design: Definition des Begriffs Sound Design und Abgrenzung des Arbeitsfeldes eines Sound Designers.
5.) Narrative Funktionen der Tonspur: Untersuchung, wie Töne zur Orientierung, Desorientierung oder Subjektivierung im Film beitragen.
6.) Die Bedeutung höherer Ordnung: Erläuterung von Symbolen, Leitmotiven und anderen Klangzeichen, die über die bloße Abbildung der Realität hinausgehen.
7.) Die Klassifizierung von Klangobjekten: Vorstellung verschiedener Ansätze zur systematischen Beschreibung und Kategorisierung von Klängen aus akustischer, psychoakustischer und semiotischer Sicht.
8.) Die Analyse des Sound Design in Blue Velvet: Detaillierte praktische Untersuchung der Tonspur in Blue Velvet unter Anwendung der erarbeiteten theoretischen Konzepte.
9.) Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Reflexion über die Bedeutung der Tonspur für die Interpretation von Blue Velvet.
Schlüsselwörter
Sound Design, Blue Velvet, David Lynch, Tonspur, Filmmusik, Klangobjekt, Narrativik, Psychoakustik, Semiotik, New Hollywood, Mehrwert, Subjektivierung, Leitmotiv, Key Sound, Audioästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion der Tonebene in David Lynchs Film Blue Velvet und analysiert, wie Sound Design zur filmischen Erzählung beiträgt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung der Filmtontechnik, narrative Funktionen von Ton im Film sowie die Kategorisierung von Klangobjekten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass die Tonspur in Blue Velvet nicht nur das Bild unterstützt, sondern einen eigenständigen, atmosphärischen Mehrwert erzeugt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden filmwissenschaftliche Ansätze, insbesondere die Theorien von Barbara Flückiger, sowie psychoakustische und semiotische Analysemodelle genutzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Klanganalyse und eine detaillierte, auf einem Sequenzprotokoll basierende Analyse von Blue Velvet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Sound Design, Narrativik, Klangobjekte, Subjektivierung und die spezifische Ästhetik von David Lynch geprägt.
Wie spielt das Thema "Gut gegen Böse" eine Rolle im Sound Design?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Kontrast zwischen "Gut" und "Böse" durch unterschiedliche Klangwelten (z.B. idyllische Klänge vs. bedrohliche Soundcollagen) auditiv untermauert wird.
Welche Funktion hat die Eingangssequenz von "Blue Velvet"?
Sie dient als Paradebeispiel für das Sound Design des Films, in dem idyllische Töne durch eine plötzliche, verstörende Soundcollage abgelöst werden, um die surreale Stimmung zu etablieren.
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- Susanne Resch (Autor), 2009, Die Analyse des Sound Design in David Lynchs postmodernem Film "Blue Velvet", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173917