Dos epele falt nit vayt funem beymele - Ein Überblick über die jiddische Sprache und ihre Einflüsse aus der slawischen Sprachfamilie


Seminararbeit, 2009

15 Seiten


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Geschichtliche Entwicklung

3 Alphabet

4 Entlehnungen
4.1 Entlehnungen aus dem Polnischen
4.2 Entlehnungen aus dem Weißrussischen, Russischen und Ukrainischen
4.3 Entlehnungen aus dem Jiddischen ins Polnische
4.4 Entlehnung von Sprichwörtern und Schimpfwörtern
4.5 Einflüsse auf die Grammatik
4.6 Jiddisch als „slawische Sprache“

5 Heutige Verbreitung des Jiddischen

6 Jiddismen im Deutschen

7 Zusammenfassung

8 Bibliographie

9 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Das Jiddische ist die Sprache der aschkenasischen Juden und zählt wie etwa das Deutsche, das Englische oder das Niederländische, zu den westgermanischen Sprachen. Jedoch nimmt es in dieser Gruppe eine gewisse Sonderstellung ein, da es einerseits nicht in lateinischen, sondern in hebräischen Schriftzeichen notiert wird und andererseits über viele Einflüsse aus anderen Sprachfamilien verfügt - die wichtigste Rolle spielen hier die slawischen Sprachen.

Die Bezeichnung „Jiddisch“ wurde in den 1920er Jahren aus dem Englischen („Yiddish“) ins Deutsche übernommen. Bis dahin war die Sprache als „Judendeutsch“ oder auch „Jargon“ bekannt (Weinreich 1980, 322ff).

Unter den jüdischen Sprachen im europäischen und orientalischen Raum (z.B. das Ladino der sephardischen Juden oder das Judäo-Persisch der Juden im heutigen Iran) ist das Jiddische die einzige, die auch im offiziellen Kontext als „Muttersprache“, nämlich als „Mame Loschen“ (von hebr. laschon - Sprache, Zunge) bezeichnet wird (Landmann 1997, 44). Dies drückt die besondere Beziehung aus, die die relativ wenigen verbliebenen Sprecher zu ihr haben. Auch heute ist das Jiddische als Lingua Franca der Juden aus verschiedenen Weltgegenden, etwa aus Nordamerika, Israel oder den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion, in Gebrauch.

2 Geschichtliche Entwicklung

Vorformen des Jiddischen entwickelten sich bereits zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert im Südwesten Deutschlands. Es handelte sich hierbei um eine Anpassung der mittelhochdeutschen Dialekte; so wurden etwa Wörter aus dem Hebräischen entlehnt, die sich auf das religiöse Leben der Juden bezogen. Ab dem 13. Jahrhundert kam es vermehrt zu Pogromen gegen die Juden in Deutschland - eine Emigration vor allem Richtung Osten setzte ein. Die Juden flohen etwa nach Böhmen, Litauen und vor allem nach Polen, wo sie von den Königen mitunter sogar ins Land gerufen wurden, um den weitgehend fehlenden Mittelstand aufzubauen (Landmann 1997, 41f). Sie lebten dort zumeist in kleineren, geschlossenen Siedlungen und hatten eher wenig Kontakt zu Nichtjuden. Dies ist einer der Gründe, warum an der mittelalterlichen Form des Deutschen festgehalten wurde - ein weiterer Grund hierfür war, dass die Vertriebenen mit den in Deutschland Verbliebenen Kontakt halten wollten - auch dafür war das Beibehalten und die Weitergabe des Deutschen notwendig. Es war aber natürlich auch unabdingbar, die Landessprachen der neuen Heimatländer zu lernen. Dadurch kam es zur Herausbildung einer Mehrsprachigkeit und die umgebenden slawischen Sprachen beeinflussten das Jiddische stark. Die mit Abstand wichtigste Quelle für Slawismen im Jiddischen ist das Polnische, weitere Quellen sind etwa das Weißrussische und das Ukrainische. Nach den Teilungen Polens Ende des 18. Jahrhunderts (1772, 1793, 1795) wurde aber vor allem auch das Russische wichtig, da die östlichen jüdischen Siedlungsgebiete an Russland fielen. Entlehnungen erfolgten ab dem 19. Jahrhundert zumeist aus dem oder über das Russische (Lötzsch 1992, 5ff). Auch in die jiddische Sprache übernommene Internationalismen erhalten zumeist eine Endung slawischen Ursprungs. Beispiele hierfür sind etwa: asimilaciy - poln. asymilacja oder teoriy - poln. teorija (Birnbaum 1997, 59).

Insgesamt kam es zu einer Entwicklung von (im Wesentlichen) zwei Dialektgruppen: das West- und das (wesentlich bedeutendere) Ostjiddische, das zahlreiche Einflüsse aus den die Sprechergruppe umgebenden slawischen Sprachen enthält. Das Westjiddische hat nur noch sehr wenige Sprecher, ist dem Deutschen noch viel ähnlicher als das Ostjiddische und wird deshalb eher als eine Variante oder ein Dialekt des Deutschen denn als eigene Sprache betrachtet.

Durch die jüdische Diaspora verbreitete sich das Jiddische etwa auch im angloamerikanischen Raum, wo es auch heute noch innerhalb einiger jüdischen Gemeinden (z.B. in New York) als Umgangssprache gepflegt wird.

3 Alphabet

Das Jiddische wird - wie bereits erwähnt - in hebräischen Buchstaben notiert. Neben den Standardzeichen werden auch einige Sonderzeichen bzw. Buchstabenkombinationen verwendet, die im Hebräischen selbst so nicht vorkommen. Weiters wird es wie auch das Hebräische oder das Arabische von rechts nach links geschrieben bzw. gelesen. Ein Überblick über die in der jiddischen Sprache verwendeten hebräischen Schriftzeichen und ihren jeweiligen Lautwert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Das jiddisch-hebräische Alphabet (Birnbaum 1988, 11ff)

Der Einfachheit halber werde ich im Folgenden bei den jiddischen Beispielwörtern zumeist nur die jeweilige Transkription verwenden.

4 Entlehnungen

Neben dem deutschen Grundstock enthält die jiddische Sprache zahlreiche Entlehnungen aus anderen Sprachfamilien. Es sind dies die semitischen Sprachen (v.a. das Hebräische und das Aramäische), zu einem sehr kleinen Teil die romanischen Sprachen und vor allem die slawischen Sprachen (Birnbaum 1997, 39 ff). Hier wiederum ist die bei weitem wichtigste Quelle das Polnische.

4.1 Entlehnungen aus dem Polnischen

Da Polen das Zentrum der jüdischen Emigration aus dem deutschen Sprachraum im 13. und 14. Jahrhundert war, enthält die jiddische Sprache so viele Entlehnungen aus dem Polnischen. Beispiele hierfür sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Beispiele aus: Geller 1994; Lötzsch 1992)

Bei der Anpassung von polnischen Wörtern an die jiddische Schreibweise lassen sich bestimmte Muster erkennen: So werden die Nasalvokale ą und ę durch die Buchstabenkombinationen om oder on bzw. em ersetzt; das a, wenn es als Endung von Feminina auftritt, wird oft zu einem e; das polnische y wird durch ein i, das ł durch ein l und die häufige Endung -ek durch -ik ersetzt.

4.2 Entlehnungen aus dem Weißrussischen, Russischen und Ukrainischen

Geringer sind die Einflüsse anderer slawischer Sprachen (Birnbaum 1997, 58f); es seien hier noch einige Beispiele von Entlehnungen aus den Sprachen Ukrainisch, Weißrussisch und Russisch genannt. Die Entlehnung eines jiddischen Wortes aus dem Weißrussischen oder Ukrainischen ist vor allem dann offensichtlich, wenn es den Laut h ( z ) enthält (Lötzsch 1992, 9):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.3 Entlehnungen aus dem Jiddischen ins Polnische

Der umgekehrte Einfluss - der des Jiddischen auf die slawischen Sprachen - ist gering. Während die slawischen Sprachen das Jiddische nicht nur im Bereich des Wortschatzes, sondern auch etwa dessen Grammatik stark beeinflusst haben, gibt es umgekehrt keine oder kaum Beispiele für Entlehnungen Syntax, Morphologie oder Phonologie / Phonetik betreffend (Eggers 1998, 348f). Lediglich beim Wortschatz gibt es gewisse Einflüsse - Magdalena Sitarz gibt Beispiele für solche Entlehnungen aus dem Jiddischen ins Polnische (Sitarz 2000):

cymes - Leckerbissen; Sahne

kapcan - Tollpatsch

mecyja - Belanglosigkeit (vor allem in der Wendung „ Wielkie mecyje! “ - „Das sind ja Belanglosigkeiten!“)

Andere Beispiele für diese Richtung der Entlehnung sind die Wörter: kliger, pikes, pome ł ech, szaba ś nik. Diese werden jedoch in der heutigen polnischen Schrift- und Umgangssprache so gut wie nicht mehr verwendet - ihre Bedeutungen sind den Sprechern zumeist nicht mehr bekannt und sie sind auch in gängigen Wörterbüchern nicht mehr zu finden.

4.4 Entlehnung von Sprichwörtern und Schimpfwörtern

Den engen Kontakt zwischen der jiddischen und den slawischen Sprachen spiegelt auch die Tatsache wieder, dass es zahlreiche ähnliche Sprichwörter und Redensarten gibt, wie z.B. (Sitarz 2000):

[...]

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Details

Titel
Dos epele falt nit vayt funem beymele - Ein Überblick über die jiddische Sprache und ihre Einflüsse aus der slawischen Sprachfamilie
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V173967
ISBN (eBook)
9783640942756
ISBN (Buch)
9783640942787
Dateigröße
638 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jiddisch, Entlehnungen, Polnisch
Arbeit zitieren
Karoline Pemwieser (Autor:in), 2009, Dos epele falt nit vayt funem beymele - Ein Überblick über die jiddische Sprache und ihre Einflüsse aus der slawischen Sprachfamilie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173967

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