Das Jiddische ist die Sprache der aschkenasischen Juden und zählt wie etwa das Deutsche, das Englische oder das Niederländische, zu den westgermanischen Sprachen. Jedoch nimmt es in dieser Gruppe eine gewisse Sonderstellung ein, da es einerseits nicht in lateinischen, sondern in hebräischen Schriftzeichen notiert wird und andererseits über viele Einflüsse aus anderen Sprachfamilien verfügt – die wichtigste Rolle spielen hier die slawischen Sprachen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geschichtliche Entwicklung
3 Alphabet
4 Entlehnungen
4.1 Entlehnungen aus dem Polnischen
4.2 Entlehnungen aus dem Weißrussischen, Russischen und Ukrainischen
4.3 Entlehnungen aus dem Jiddischen ins Polnische
4.4 Entlehnung von Sprichwörtern und Schimpfwörtern
4.5 Einflüsse auf die Grammatik
4.6 Jiddisch als „slawische Sprache“
5 Heutige Verbreitung des Jiddischen
6 Jiddismen im Deutschen
7 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit gibt einen strukturierten Überblick über die jiddische Sprache, wobei ein besonderer Fokus auf den linguistischen Einflüssen der slawischen Sprachfamilie sowie der historischen Entwicklung und heutigen Situation des Jiddischen liegt.
- Historische Genese des Jiddischen und Diaspora-Entwicklung
- Linguistische Analyse slawischer Lehnwörter im Jiddischen
- Grammatikalische Interaktionen und Gemeinsamkeiten (Negation, Aspekt, Diminutiva)
- Status des Jiddischen heute und Gefährdung der Sprachweitergabe
- Einfluss des Jiddischen auf den deutschen Wortschatz (Jiddismen)
Auszug aus dem Buch
4.1 Entlehnungen aus dem Polnischen
Da Polen das Zentrum der jüdischen Emigration aus dem deutschen Sprachraum im 13. und 14. Jahrhundert war, enthält die jiddische Sprache so viele Entlehnungen aus dem Polnischen. Beispiele hierfür sind:
temp tępy stumpf
wonze wąsy Schnurrbart
rogatke rogatka Stadtgrenze
lonke łąka Wiese
pokrake pokraka Vogelscheuche, Missgestalt
pisk pysk Maul, Schnauze
plejce plecy Rücken/Schulter
jodle jodła Tanne
pempik pępek Nabel
(Beispiele aus: Geller 1994; Lötzsch 1992)
Bei der Anpassung von polnischen Wörtern an die jiddische Schreibweise lassen sich bestimmte Muster erkennen: So werden die Nasalvokale ą und ę durch die Buchstabenkombinationen om oder on bzw. em ersetzt; das a, wenn es als Endung von Feminina auftritt, wird oft zu einem e; das polnische y wird durch ein i, das ł durch ein l und die häufige Endung -ek durch -ik ersetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Jiddischen als westgermanische Sprache mit hebräischem Schriftsystem und slawischen Einflüssen.
2 Geschichtliche Entwicklung: Erläuterung der Entstehung im mittelalterlichen Deutschland und der späteren Migration in den Osten, die zur Mehrsprachigkeit führte.
3 Alphabet: Kurze Beschreibung der Verwendung hebräischer Schriftzeichen für das Jiddische.
4 Entlehnungen: Detaillierte Untersuchung slawischer Einflüsse in Wortschatz, Grammatik und Sprichwörtern sowie die kritische Betrachtung der These einer slawischen Herkunft.
5 Heutige Verbreitung des Jiddischen: Analyse des aktuellen Status des Jiddischen als bedrohte Sprache und dessen demografische Situation.
6 Jiddismen im Deutschen: Aufzählung zahlreicher jiddischer Lehnwörter, die fest im deutschen Sprachschatz, besonders im Österreichischen, verankert sind.
7 Zusammenfassung: Resümee über die Bedeutung der slawisch-jiddischen Sprachkontakte und den schwindenden Gebrauch der Sprache.
Schlüsselwörter
Jiddisch, Slawische Sprachen, Lehnwörter, Jiddismen, Sprachwandel, Aschkenasim, Mehrsprachigkeit, Grammatik, Linguistik, Diaspora, Sprachbund, Kulturgeschichte, Etymologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historischen und linguistischen Verbindungen zwischen dem Jiddischen und der slawischen Sprachfamilie.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die historische Entwicklung, Lehnwörter, grammatikalische Beeinflussungen sowie die heutige Verbreitung und den Erhalt der jiddischen Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie stark das Jiddische durch slawische Einflüsse geprägt wurde und wie sich diese Einflüsse in verschiedenen Sprachebenen manifestieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine linguistische Analyse auf Basis historischer Quellen und kontrastiver Sprachbetrachtung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entlehnung slawischer Wörter, der Beeinflussung der Grammatik (Negation, Aspekt, Diminutiva) und der historischen Einordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Jiddisch, Slawismen, Sprachwandel und Jiddismen beschreiben.
Was bedeutet die "doppelte Negation" im Jiddischen?
Die doppelte Negation ist ein Merkmal, das das Jiddische mit slawischen Sprachen teilt, bei dem ein Satz durch zwei negative Elemente verneint wird.
Warum wird das Jiddische als "bedrohte Sprache" bezeichnet?
Da die Weitergabe der Sprache an nachfolgende Generationen stark abgenommen hat und Sprecher in der Diaspora oft von dominierenden Mehrheitssprachen verdrängt werden.
Was ist das "Jüdische Autonome Gebiet" in Bezug auf die Sprache?
Es handelt sich um ein Gebiet im russischen Fernen Osten, in dem Jiddisch offiziell anerkannt ist, auch wenn der Anteil der jiddischsprachigen Bevölkerung dort heute sehr gering ist.
Wie beeinflusste das Jiddische das Deutsche?
Durch die Integration von ca. 1000 Jiddismen in den deutschen Sprachgebrauch, besonders in Österreich, ist ein nachhaltiger kultureller und sprachlicher Austausch feststellbar.
- Citar trabajo
- Karoline Pemwieser (Autor), 2009, Dos epele falt nit vayt funem beymele - Ein Überblick über die jiddische Sprache und ihre Einflüsse aus der slawischen Sprachfamilie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173967