Montessori und Waldorf

Grundgedanken und die Rollen der Erzieher und des Kindes in deren Pädagogik


Zwischenprüfungsarbeit, 2009
28 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Montessori-Pädagogik
1.1 Biografie Maria Montessoris
1.2 Grundlagen der Montesori-Pädagogik
1.3 Die Rolle des Erziehers in der Montessori-Pädagogik
1.4 Die Rolle des Kindes in der Montessori-Pädagogik

2. Waldorf-Pädagogik
2.1 Biografie Rudolf Steiners
2.2 Grundlagen der Waldorf-Pädagogik
2.3 Die Rolle des Erziehers in der Waldorf-Pädagogik
2.4 Die Rolle des Kindes in der Waldorf-Pädagogik

3. Montessori- und Waldorf-Pädagogik im Vergleich
3.1 Vergleich der Biografien von Montessori und Steiner
3.2 Vergleich der Grundlagen der Montessori- und Waldorf-Pädagogik
3.3 Vergleich der Erzieherrolle in der Montessori- und Waldorfpädagogik
3.4 Vergleich der Rolle des Kindes in der Montessori- und Waldorfpädagogik

4. Fazit

Literatur- und Abbildungsverzeichnis

Einleitung

In meiner Arbeit möchte ich mich mit der Pädagogik Maria Montessoris und Rudolf Steiners auseinandersetzen.

Zuerst möchte ich einen kurzen Einblick in die Biografie Maria Montessoris geben, um die Wurzeln bzw. die Entstehung ihres pädagogischen Konzepts zu verdeutlichen. Darauf aufbauend möchte ich die wesentlichen Grundlagen ihrer Pädagogik näher er­läutern, wie z.B. die vorbereitete Umgebung.

Ein wichtiger Aspekt dabei ist auch ein sich zurückhaltender Erzieher, womit ich auf den nächsten Punkt, die Rolle des Erziehers in der Montessori-Pädagogik, zu sprechen komme. Montessori geht davon aus, dass Kinder einen Bauplan in sich tragen und spricht von sensiblen Phasen im Alter von 0 bis 6 Jahren. In dieser Zeit zeigen Kinder eine außergewöhnlich hohe Sensibilität für bestimmte Lernprozesse. So ist also die Rolle des Kindes bzw. die Art und Weise, wie Montessori das Kind sieht, ein weiterer, sehr wichtiger Aspekt, dem ich mich im Anschluss widmen möchte.

Um eine Vergleichsbasis zu schaffen, setze ich für die Pädagogik nach Rudolf Steiner die gleichen Punkte an. Rudolf Steiner, der Gründer der Waldorfschule, entwickelte seine geisteswissenschaftliche Lehre aus seinen Erfahrungen in seinem Philosophie­Studium. Eine der Grundlagen der Anthroposophie beinhaltet die Unterscheidung des Menschen in vier Wesensglieder: den physischen Leib, den Ätherleib (Lebensleib), den Astralleib (Empfindungsleib) und den Ich-Leib (das „Ich“). Die Aufgabe der Er­zieher ist es beispielsweise, zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit unterschiedlichen Mitteln, auf diese Wesensglieder einzuwirken. Hierbei gehe ich, wie vorher bei Maria Montessori auch, auf die Rolle des Erziehers ein. Ähnlich, wie bei Maria Montesso­ri, läuft die Entwicklung der Kinder in bestimmten Phasen bzw. einem bestimmten Rhythmus ab.

Im dritten Punkt möchte ich die beiden pädagogischen Konzepte miteinander verglei­chen. Das heißt, ich untersuche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Biografien von Maria Montessori und Rudolf Steiner, den Grundlagen ihrer Pädagogik, der Rolle der Erzieher und der Kinder in beiden pädagogischen Konzepten. Daraus möchte ich dann abschließend ein Fazit ziehen.

1.1 Biografie Maria Montessoris

Maria Montessori wurde 1870 in Chiaravalle in Italien geboren. Ihr Vater, Alessandro Montessori, war ein hoher italienischer Staatsbeamter. Ihre Mutter, Renilde Montes­sori, stammte aus einer altitalienischen Gelehrtenfamilie. Als Schülerin interessierte Maria Montessori sich sehr für Mathematik und setzte durch, dass sie nach der Grund­schule nicht, wie damals für Mädchen üblich, das Gymnasium besuchte, sondern eine technische Schule für Jungen. Maria Montessori sollte nach dem Wunsch ihrer Eltern Lehrerin werden. Sie sträubte sich allerdings dagegen und wollte unbedingt Medizin studieren. Sie war die erste Frau, die in Italien Medizin studierte und begann ihre berufliche Laufbahn als Ärztin. Alsjunge Assistenzärztin an der Universitätsklinik in Rom (1897) beschäftigte sie sich mit der Erziehung von kleinen Kindern. Durch die Gründung ihrer eigenen Arztpraxis (1899) und ihre klinische Arbeit ergaben sich für sie erste Kontakte mit schwachsinnigen Kindern. Diese Kinder wurden zu dieser Zeit nicht gefördert oder pädagogisch betreut. Sie bemerkte, dass deren Behandlung nicht nur eine Frage der Medizin war, sondern auch eine der Pädagogik. Dieser Zeitpunkt wird als Geburtsstunde der Montessori-Pädagogik gesehen.

Nachdem sie mit ihrem zweiten Studium, der Pädagogik und Psychologie, begon­nen hatte, wurde sie Leiterin eines pädagogischen Instituts (Scuola Magistrale Or­tofrenica), das sie 1901 wieder verlies. Sie setzte sich zu dieser Zeit intensiv mit der Anthropologie auseinander. Aus ihren praktischen Erfahrungen entwickelte sie ihre eigene Pädagogik. Für sie war die Erziehung der Sinne vordergründig, danach die Er­ziehung des Verstandes. Ihre Materialien, die sie herstellte, vermittelten Erfahrungen über die Sinne. Während sie besondere Materialien entwickelte, erprobte sie auch eine neue Methode zum Lesen- und Schreiben lernen. Den Grundstein ihrer Erziehungsme­thode bildeten die von ihr entwickelten Materialien und deren Verwendung auch bei nicht behinderten Kindern.

In San Lorenzo wurde 1907 ihr erstes Montessori-Kinderhaus „Casa dei Bambini“ er­öffnet und die Presse berichtete über große pädagogische Erfolge. 1909 kam dann das erste Buch Maria Montessoris heraus; die deutsche Übersetzung 1913 „Selbsttätige Erziehung im frühen Kindesalter“. Sie hielt Vorträge und stellte aus den Manuskripten dafür weitere Bücher zusammen, wovon sie bis zu ihrem Tod noch einige veröffent­lichte. Maria Montessori begann ab dem Jahr 1909 Schülerinnen in der Montessori- Methode auszubilden. Aus aller Welt besuchten Teilnehmer ihre Kurse, woraufhin in vielen Ländern Montessori-Einrichtungen gegründet wurden. Selbst mit über 75 Jah­ren hielt sie noch selbst ihre Kurse.

Maria Montessori wurde international geehrt und für den Friedensnobelpreis vorge­schlagen. Sie starb im Jahr 1952 inNordwijk an Zee in Holland. (vgl. Seitz/Hallwachs 1996, S. 17 ff. und S. 174)

Das Erziehungskonzept Maria Montessori beruht vor allem auf einer bestimmten po­sitiven Grundhaltung dem Kind gegenüber. Die Hauptaufgabe der Erwachsenen bzw. der Erzieher sieht sie darin, die verborgenen schöpferischen Kräfte des Kindes zu wecken, zu entdecken und zu aktivieren. Daraus ergeben sich die folgenden, für die Montessori-Pädagogik wichtigen, Kernpunkte und Grundlagen. (vgl. Seitz/Hallwachs 1996, S.47 ff.)

Die vorbereitete Umgebung

Da Montessori in der Entwicklung ihrer Pädagogik, wie schon erwähnt, stets vom Kinde ausging, war es ihr auch ein Bedürfnis, die räumliche Umgebung der Kinder entsprechend deren Proportionen zu gestalten und einzurichten. Das bedeutete also kindgerecht, der Größe der Kinder angemessen und dem Aktivitätsbedürfnis der Kin­der entsprechende Ausstattung der Einrichtungen. Die angemessene vorbereitete Um­gebung dient gleichzeitig als äußeres Zeichen für Freiheit und erzieherisches Mittel. Das Kind hat die Möglichkeit, zum Spielen oder Arbeiten die ihm bequemste Haltung einzunehmen. Lernen wird von der jeweiligen Umgebung beeinflusst, wozu Montes­sori sagt, dass Unbeweglichkeit es dem Kind unmöglich macht zu lernen.

Die Entwicklung der Kinder basiert auf Erfahrungen, die sie machen, und der Erwach­sene muss dem Kind die Freiheit lassen, diese Erfahrungen auf persönliche Art und Weise zu erleben. Die Brücke zwischen der Welt des Kindes und die der Erwachsenen schlägt die vorbereitete Umgebung. Den Kindern wird dort die Möglichkeit geboten, zu erfahren, dass Lernen etwas Schönes sein kann. Die vorbereitete Umgebung soll eine ganzheitliche, harmonische Einheit sein und kein Sammelsurium verschiedener Spiel-und Arbeitsmittel. (vgl. Seitz/Hallwachs 1996, S.47 ff.)

Es kommt auf das eindeutige Zueinander und Ineinander von vorbereiteter Umgebung, Freiheit, Disziplin und Ordnung an. Dabei ist es wichtig, die Bedingungen der Freiheit so zu gestalten, dass sie zu einem verantwortlichen Umgang sowohl mit den Dingen und somit auch der Freiheit befähigen. Montessori führt dazu aus, dass die Freiheit des Kindes als Grenze das Interesse der Gemeinschaft hat. Die Grenzen werden also durch die Bedürfnisse der anderen Menschen bestimmt, wie auch durch die „Würde der Dinge“ als Element der vorbereiteten Umgebung. Diese bietet dem Kind einen Gestaltungsspielraum für den Umgang mit Gegenständen, Menschen und sich selbst. (vgl. Steenberg 1997, S. 210 ff.) Dabei kommt es auch auf die Ordnung an, die Zuver­lässigkeit schafft.

[...] Zuverlässigkeiten schaffen Sicherheiten, Sicherheiten ermöglichen die verant­wortliche Wahrnehmung des Angebotes der vorbereiteten Umgebung.[...] Diese Zuverlässigkeit, Sicherheit und Gestaltungsfreiheit garantierende Ordnung ermög­licht dem Kind darüber hinaus auch ein psychisches Wohlbefinden. Hinreichend Platz zur freien Bewegung ist vorhanden und der übrige Raum ist so gestaltet, dass Sicherheit in der Bewegung gewährleistet ist. (Steenberg 1997, S. 213)

Die vorbereitete Umgebung steht immer auch in engem Bezug zu den sensiblen Pha­sen des Kindes, die im weiteren Verlauf der Arbeit aufgegriffen werden. Passen diese sensiblen Phasen nicht mit der vorbereiteten Umgebung zusammen, kann es in der Entwicklung des Kindes zu Defiziten kommen. (vgl. Steenberg 1997, S.212)

Das Montessori-Material

Teil der vorbereiteten Umgebung ist das Montessori-Material. Eine Überladung des Raumes und überfüllte Regale machen keinen Sinn für Maria Montessori. Die Ma­terialien, die sie entwickelte, fordern in ihrer Ästhetik zur Aktivität auf. Sie stellen allerdings keine Anhäufung von bunten, lustigen und phantasievollen Spielen dar. Bei der Entwicklung ihrer Materialien ging sie von dem Material Itards und Seguins (bei­des Ärzte) aus und entwickelte dies weiter, woraus ein autodidaktisches Material für Kinder entstand. Damit können Kinder selbstständig und selbsttätig ihre Erfahrungen machen. Durch Hantieren mit dem Material und durch wiederholtes Üben, lernen sie Aufgaben zu lösen. Die Materialien beinhalten eine innere und äußere Ordnung, die dem Kind zur inneren Ordnung verhelfen. Dadurch, dass von Erziehern und Kindern darauf geachtet wird, das Material nach Gebrauch wieder an den dafür vorgesehen Ort zu bringen und in sich zu ordnen, wird die äußere Ordnung erreicht. Dies dient als Hilfe, um jedem Kind ohne langes Suchen das Wiederfinden des Materials, das von allen genutzt wird und nur einmal vorhanden ist, zu erleichtern. Die Isolierung der Eigenschaften spielt bei dem Montessori-Material eine wichtige Rolle. Das dient dazu, das Kind bei der Erfahrung von Eindrücken nicht zu verwirren. So können seine Eindrücke besser gesteuert werden und die Sinneswahrnehmung verfeinert werden. Dabei sind die Materialien so konzipiert, dass die Kinder mit Hilfe einer direkten oder indirekten Fehlerkontrolle Lösungswege finden können. Für die Kinder ist diese Fehlerkontrolle konkret erfahrbar und macht sie unabhängig vom Erwachsenen. (vgl. Seitz/Hallwachs 1996, S. 50 f. und Montessori/Becker-Textor 1999, S. 32 f.)

Mit allen Materialien arbeitet das Kind ganz konkret, hantiert, schüttelt, legt Tei­le auf, steckt Teile in Öffnungen, sortiert, findet Unterschiede, Ähnlichkeiten, legt Reihen, wiegt, mißt, baut. und wiederholt dies, bis es das Material mit all seinen Möglichkeiten erfahren hat und sich einer schwierigeren Aufgabe zuwendet. (Seitz/Hallwachs 1996, S.51)

Drei-Stufen-Lektion

Montessori-Materialien schulen besonders die Sinnejedoch nicht einseitig. Dies ver­läuft parallel mit der Spracherziehung. Nach Montessori werden die Materialien mit der „Drei-Stufen-Lektion“ eingeführt.

1. Stufe: Die Assoziation der Sinneswahrnehmung mit dem Namen. Das Kind be­kommt zwei Farbtäfelchen. Wir sagen: Das ist rot. Das ist blau. 2. Stufe: Erkennen des den Namen entsprechenden Gegenstandes (Zustandes). Wir sagen: Gib mir das rote Täfelchen. Gib mir das blaue Täfelchen. 3. Stufe: Erinnerung an den Gegen­stand (Zustand) bezeichnenden Namen. Man zeigt dem Kind das Täfelchen und fragt: Welche Farbe hat das Täfelchen? Das Kind antwortet: Dies ist rot. Dies ist blau. (Montessori/Becker-Textor 1999, S. 33)

Nach dieser Einführung in das Material wird das Kind damit vertraut und kann nun selbständig damit arbeiten und seine Arbeit kontrollieren und weiterentwickeln. Ma­ria Montessoris Materialien lassen sich in folgende Bereiche einteilen: Übungen des praktischen Lebens, das Sinnesmaterial, mathematische Übungen, Materialien zum Lesen und Schreiben, das Biologiematerial und das Geografiematerial. (vgl. Montes­sori/Becker-Textor 1999, S. 5 u. S. 33 f.)

Einfühlungsvermögen, Geduld, natürliche Autorität, Sachverstand, Flexibilität, Phan­tasie, Humor und Achtung vor dem Kind sind Eigenschaften, über die ein Montes- sori-Pädagoge verfügen sollte. Zumindest sollte er sich diese immer wieder ins Be­wusstsein rufen, was eine ständige Selbsterziehung und Selbstbewusstwerdung des Erziehers erfordert. Für eine gesunde Entwicklung des Kindes und auch die Interakti­on zwischen Erwachsenem und Kind ist für Montessori die liebevolle und verständnis­volle Zuwendung des Erwachsenen zum Kind etwas sehr Entscheidendes. Dies kann sogar auch von therapeutischer Bedeutung sein. Maria Montessori meint damit keine reine gefühlsmäßige Erziehung, sondern eine disziplinierte Liebe mit angewandtem Verstand. (vgl. Seitz/Hallwachs 1996, S. 54)

Die Grundsätze wissen, lieben und dienen sind notwendig, um dem Kind in der vorbe­reiteten Umgebung zu verhelfen, die eigenen Kräfte harmonisch und normal zu entwi­ckeln. (vgl. Montessori/Becker-Textor 1999, S.15)

Nach Montessori sollte die Erziehung auf der Entwicklung der Personalität basieren, wobei der Mensch selbst Mittelpunkt der Erziehung werden sollte. Geist und Intelli­genz sind das Zentrum der Existenz und der Entwicklung des kindlichen Menschen. Unter deren Führung bildet sich die Personalität in ihrer psycho-physischen Ganzheit. Dieses menschliche Werden zu leiten ist die Aufgabe des Erziehers. Die erzieheri­sche Haltung beruht auf dem anbieten unterstützender Hilfe. Das Kind bzw. derjunge Mensch soll als werdende Person gesehen werden, als aktives Wesen, das aus sich selbst heraus danach strebt, sich Wissen anzueignen. Die Erziehungsbeziehung und die Rolle des Erziehers lässt sich folgendermaßen skizzieren:

a) Diener des menschlichen Geistes.

Diese Umschreibung verdeutlicht Montessori an einem heute ungewohnten Beispiel. „In der seelischen Beziehung zwischen Kind und Erzieher ähneln Verhältnis und Tech­nik denen des Dieners. Er hält all das bereit, dessen der „Herr“ bedarfjedoch in einer solchen Haltung, dass dieser die Freiheit der Inanspruchnahme des Vorbereiteten selbst behält. (vgl. Holstiege 1994, S. 158 ff. und Steenberg 1997, S. 48 ff.) Diese Art nennt Montessori „Dienen, gut dienen, dem Geist dienen“, dem die Wahl und Entscheidung nicht abgenommen wird.“ (Holstiege, Hildegard in Steenberg 1997, S. 49)

b) Mitarbeiter.

Montessori versteht die Aufgabe des Erziehers als Mitarbeiter am selbstschöpferischen Erziehungswerk des Kindes. Dabei soll der Erzieher die Wege der Kindheit auch von den Kindern lernen und deren Entwicklung folgen. Der Erzieher ist hier einmal Mitar­beiter mit der Natur, d.h. die sensiblen Perioden werden beachtet. Aus religions pädagogischer Perspektive ist er zum anderen Mitarbeiter des Schöpfer-Geistes. Das bedeutet er hilft und arbeitet von der Position des Geschöpfes und nicht des Schöpfers.

c) Gehilfe und Beistand.

Da derjunge Mensch selbst seine sittliche Persönlichkeit bildet, soll der Erzieher sich als Helfer dazu verstehen. Er soll dem Kind helfen, selbst zu handeln, was eine andau­ernde Abmessung des eigenen Handelns erfordert.

d) Leiter und Organisator.

Dabei gilt es, um das Leben und die Aktivität der Kinder zu leiten, zwei Faktoren zu beachten. Zum einen ist das die Führung als Aufgabe des Erziehers und zum zweiten die individuelle Übung als Werk des Kindes. Ohne, dass das Kind die Gegenwart des Erziehers zu sehr spürt, muss dieser es leiten. Genauso muss er zur gleichen Zeit aber zu erwünschter Hilfe bereit sein. Dabei ist als Grundregel zu beachten, sich als Erzie­her niemals hindernd, zwischen ein Kind und seine Erfahrungen zu stellen. Über die altersgemäße Anregungsumwelt verläuft die aktive Leitung indirekt. Als Organisator gestaltet der Erzieher eine komplexe Lernsituation, innerhalb derer das Kind in der Wahl der Arbeit und der Arbeit selbst frei sein muss. (vgl. Holstiege 1994, S. 158 ff. und Steenberg 1997, S. 48 ff.)

e) Anreger kindlicher Freiheit.

Der Mensch bedarf des Menschen, damit seine geistige Potentialität - durch einen inneren Sinn geleitet zu werden - sich entwickeln kann. ,Die echten Beziehungen zwischen Mensch und Mensch, obgleich sie über die Sinne eindringen, bilden sich im Gemüt‘ [...] Die Gemütsbildung ist abhängig vom Aufbau und der Gestaltung dieser Beziehungen. In Bezug auf junge Menschen sagt Montessori: ,Wir sind ihre Anreger, an denen sich ihre Gefühle üben müssen. Für den Verstand gibt es viele Gegenstände, aber für den Geist sind wir selbst da‘ [...] Es geht um das eigene Gewordensein, die Qualität personaler Existenz des Erziehers, aus der der jun­ge Mensch die ihm gemäßen Anregungen wählen kann. (Holstiege, Hildegard in Steenberg 1997, S. 50)

Weiterhin lassen sich fünf Aufgabenbereiche für Erzieher in der Montessori-Pädago- gik erkennen.

a) Selbstvorbereitung.

Dabei stellt sich der Erzieher bewusst auf das, was ihn erwartet, ein. Er muss dazu die Arbeit, die auf ihn wartet und die Aufgabe, die dem Material innewohnt, gut kennen. Dies bedeutet vor allem ein bestimmtes Maß an selbstreflexiver Vor- und Nachberei­tung. Zudem gehört eine innere Ausrichtung auf eine positive Sicht der Kinder dazu.

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Montessori und Waldorf
Untertitel
Grundgedanken und die Rollen der Erzieher und des Kindes in deren Pädagogik
Hochschule
ecosign/Akademie für Gestaltung
Note
1,2
Autor
Jahr
2009
Seiten
28
Katalognummer
V174002
ISBN (eBook)
9783640947515
ISBN (Buch)
9783640947430
Dateigröße
707 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Montessori, Waldorf, Rudolf Steiner, Maria Montesori, Pädagogik, Erzieher, vorbereitete Umgebung, Montessori-Material, Drei-Stufen-Lektion, sensible Phasen, Wesensglieder
Arbeit zitieren
Carina Groth (Autor), 2009, Montessori und Waldorf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174002

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