In der vorliegenden Arbeit möchte ich das Werk „Sklepy cynamonowe“ von Bruno Schulz im Hinblick auf verwendete Motive untersuchen. Als besonders bedeutsam erscheinen hier Motive der chassidischen Volksliteratur wie etwa Legenden über die Zaddikim, auch Wunderrabbis genannt, oder die sogenannte Seelenwanderung, die im Rahmen von Tiergeschichten geschildert wird. Zu erwähnten Sagengestalten und deren Rolle im Werk werde ich kurze Erklärungen liefern. Weiters werde ich analysieren, welchen Einfluss das Motiv des Schtetls auf dieses Werk Schulz’ hat sowie die Rolle der auftretenden Frauenfiguren beschreiben. Die Frauen bei Schulz lassen sich mit dem bekannten Golem-Motiv verknüpfen – vor allem die bedeutendsten fungieren als übermächtige Lenkerinnen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Tiergeschichten – Seelenwanderung
3 Sagengestalten
4 Einfluss des Chassidismus – Wunderrabbis
5 Rolle der Frau – Golem-Motiv
6 Das Schtetl
7 Zusammenfassung
8 Bibliographie
9 Anhang
9.1 Eine Sabbatentweihung
9.2 Das verzauberte Pferd
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk „Sklepy cynamonowe“ von Bruno Schulz im Hinblick auf zentrale Motive der chassidischen Volksliteratur. Die Forschungsfrage fokussiert sich dabei insbesondere auf die literarische Adaption von Seelenwanderung (gilgul), Sagengestalten sowie die Golem-Thematik und deren Wechselwirkung mit dem Schtetl-Kontext.
- Analyse der Seelenwanderungs-Motive in den Tiergeschichten
- Untersuchung des Einflusses des Chassidismus und der Rolle der Zaddikim
- Interpretation der Frauenfiguren im Kontext des Golem-Mythos
- Beschreibung des Schtetls als atmosphärischer und symbolischer Raum
- Vergleich der chassidischen Vorlagen mit Schulz’ literarischer Verarbeitung
Auszug aus dem Buch
2 Tiergeschichten – Seelenwanderung
Tiergeschichten bzw. Tiere als Motiv in verschiedener Form treten im Zyklus „Sklepy cynamonowe“ besonders häufig auf – meist sind sie mit dem Motiv der Seelenwanderung (hebr. gilgul) verbunden. Beispiele sind etwa in den Einzelerzählungen „Nawiedzenie“, „Ptaki“, „Sklepy cynamonowe“ sowie „Nemrod“ zu finden.
In „Sklepy cynamonowe“ beginnt ein altes Droschkenpferd, mit dem kindlichen Erzähler zu sprechen:
Z trudem przekopywał się koń przez czystą i świeżą jego masę. Wreszcie ustał. Wyszedłem z dorożki. Dyszał ciężko ze zwieszoną głową. Przytuliłem jego łeb do piersi, w jego wielkich czarnych oczach lśniły łzy. Wtedy ujrzałem na jego brzuchu okrągłą czarną ranę. --Dlaczego mi nie powiedziałeś? - szepnąłem ze łzami. - Drogi mój - to dla ciebie - rzekł i stał się bardzo mały, jak konik z drzewa. Opuściłem go. Czułem się dziwnie lekki i szczęśliwy.
(Schulz 2003, 48)
Es kann sich hier um eine herumirrende Seele handeln, die auf der Suche nach Erlösung von (Tier-)Körper zu Körper wandert. Sproede schreibt zum Motiv des gilgul:
Nach dem physischen Tod des Menschen – aber auch während des Schlafes – bricht seine Seele zu einer irrenden Wanderung auf, die das Exil des erwählten Volkes spiegelt. Die Seele kehrt in den Menschen zurück, wenn die Verfehlungen bereinigt sind; […]
(Sproede 2000, 262)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstandes und der thematischen Schwerpunkte bezüglich der Motive in Bruno Schulz' Werk.
2 Tiergeschichten – Seelenwanderung: Analyse der Tiermotive im Kontext des jüdischen Konzepts der Seelenwanderung (gilgul) und deren symbolischer Bedeutung.
3 Sagengestalten: Untersuchung der im Werk erwähnten mythologischen Figuren wie Pomona, Nemrod und Demiurgos und deren Funktion im Erzählkontext.
4 Einfluss des Chassidismus – Wunderrabbis: Betrachtung der chassidischen Glaubenswelt und der Rolle der Zaddikim als Vermittler sowie deren Reflexion in der Erzählung.
5 Rolle der Frau – Golem-Motiv: Untersuchung der weiblichen Dominanz im Haushalt und deren Verknüpfung mit dem Golem-Mythos.
6 Das Schtetl: Beschreibung des Schtetls als chaotischer, von Armut geprägter Lebensraum und dessen Einfluss auf die Erzählstruktur.
7 Zusammenfassung: Synthese der Forschungsergebnisse, die den Vater als zentralen Protagonisten und die Bedeutung der chassidischen Tradition hervorhebt.
8 Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
9 Anhang: Bereitstellung der chassidischen Originallegenden als Vergleichsgrundlage.
Schlüsselwörter
Bruno Schulz, Sklepy cynamonowe, Chassidismus, Seelenwanderung, gilgul, Golem, Zaddikim, Wunderrabbis, Schtetl, Literaturwissenschaft, jüdische Volksliteratur, Erzähltradition, Mythologie, Metamorphose, Motivforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den chassidischen Motiven im Erzählzyklus „Sklepy cynamonowe“ des polnischen Autors Bruno Schulz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Motiv der Seelenwanderung, der Bedeutung von Sagengestalten, dem Golem-Mythos und der atmosphärischen Darstellung des Schtetls.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Einflüsse der jüdischen Volksliteratur und chassidischer Legenden auf die literarische Gestaltung des Werks von Bruno Schulz aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine motivgeschichtliche Analyse, kombiniert mit dem direkten Vergleich zwischen den Erzähltexten von Schulz und traditionellen chassidischen Sagen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Verwandlung des Vaters, die Rolle der Frauenfiguren, die Funktion des Schtetls als Handlungsort sowie die literarische Verarbeitung von Legenden über die Zaddikim.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Seelenwanderung (gilgul), Golem-Motiv, Zaddikim, Chassidismus und das Schtetl-Umfeld.
Wie wird das Golem-Motiv konkret auf die Frauenfiguren angewendet?
Die Autorin interpretiert die Dominanz der Haushälterin Adela und ihrer Kolleginnen als eine Form von ritueller Unterwerfung des Vaters, die dem Golem-Mythos ähnelt.
Welche Bedeutung haben die Legenden im Anhang?
Die Legenden dienen als Quellennachweise, um die Parallelen zwischen traditionellen Erzählungen über den Baal Schem Tow und den erzählerischen Motiven bei Bruno Schulz zu belegen.
- Citation du texte
- Karoline Pemwieser (Auteur), 2009, Von 'gilgul', Golem und Wunderrabbis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174016