Lexikologie: Die Sprache der RAF

Überlegungen und Untersuchungen zur Wortwahl der Roten Armee Fraktion anhand ausgewählter Kommandoerklärungen und anderen Dokumenten


Seminararbeit, 1998

37 Seiten

Anja Meisner (Autor)


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Vorverständigung
2.1. Einige Gedanken über Politik und politische Sprache
2.2. Sprache nach dem II. Weltkrieg und den Nationalsozialisten - 1968 als sprachgeschichtliche Zäsur
2.3. Der „Krieg von 6 gegen 60 000 000“ - Die RAF
2.4. Untersuchungs-„stoff“ und -methode

3. Entwicklung von Hypothesen und Fragestellungen zur Analyse der Texte der RAF
3.1. Die Wortwahl in Bezug auf Themen - welche Art von Begriffen ist zu erwarten?
3.2. Wie können sich Veränderungen, die im Laufe der zeit auftreten, auswirken?
3.3. Hypothesen zu Besonderheiten der Wortwahl der Textprodu-zenten und ihres Bildungsniveaus
3.4. Die Rolle der Rezipienten in der Wortwahl der Texte der RAF

4. Überprüfung der Hypothesen
4.1. Auffälligkeiten und häufige Wörter in Bezug auf die Themen der Texte
4.2. Überlegungen zu Veränderungen in den Texten durch die Zeit
4.3. Untersuchung der Wortwahl unter dem Aspekt der Bildung der Textproduzenten
4.4. Die Rezipienten und die Schriften der RAF

5. Abschlußbemerkungen
5.1. Zusammenfassung der Ergebnisse und Rückschlüsse auf politische Sprache - würde die Sprache der RAF diesen Ansprüchen gerecht?
5.2. Versuch einer Kritik der Arbeit und Überlegungen zu Grenzen und weiteren Möglichkeiten dieser Analyse

6. Anhang
6.1. Literaturverzeichnis
6.2. Bemerkungen zum Textkorpus
6.3. Die Abschiedserklärung der RAF

1. Einleitung

Am Anfang stand die Frage nach politischer Sprache, Sprachpolitik und dem Zusammenhang mit der RAF. Besonders interessant war dabei der Aspekt der linken Polemik und des Radikalismus, der sich auch in der Sprache ausdrücken mußte. Ziel war die Untersuchung dieser Sprache, sie in den Gesamtkontext der Politik und der politischen Sprache zu stellen und Erkenntnisse über die Wirksamkeit und Wirkung der Texte der RAF auch als Propagandamittel im weitesten Sinne zu erlangen.

Dieses Ziel war zu weit gefaßt, was sich aber erst während der Arbeit herausstellte. Um hier aber dennoch Politik- und Sprachwissenschaft zu verbinden, kann die Arbeit nur den Ansatz zur weiteren Analyse bieten.

Im ersten Kapitel werden - um überhaupt einen Zugang zu dem Thema RAF zu schaffen - begriffliche Klärungen vorgenommen,. Dazu gehören die Auseinandersetzungen mit Politik, politischer Sprache, den sprachlichen Entwicklungen nach dem Nationalsozialismus und den Entwicklungen in den ausgewählten Texten der RAF. Ich werde keinen geschichtlichen Abriß der Aktionen und Entwicklungen der Roten Armee Fraktion oder Neuen Linken integrieren, weil es den Umfang der Arbeit überschreiten würde.

Hauptteil ist die Untersuchung der Wortwahl der ausgewählten Texte der RAF unter bestimmten Hypothesen, die vorab entwickelt werden. Ein Überblick über die Schriften, die in der Hausarbeit verwendet wurden, befindet sich im Anhang, die Auswahl dieser Texte wird im Kapitel „Untersuchungs-‚stoff‘ und -methode“ erklärt.

Am Ende gibt es aufgrund der Schwierigkeiten der Arbeit neben einer Zusammenfassung den Versuch einer kritischen und umfassenden Auseinandersetzung mit meiner Untersuchung.

2. Vorverständigung

2.1. Einige Gedanken über Politik und politische Sprache

Dort, wo mehrere Menschen in einer Gemeinschaft zusammenleben, entstehen Probleme, die alle Mitglieder der Gemeinschaft betreffen und von allen ihren Mitgliedern geregelt werden müssen. Der Begriff „Politik“ bezeichnet diese Belange eines Gemeinwesens. Er umfaßt alle Erscheinungen, die nach der Ansicht der betreffenden Gemeinschaft das Private übersteigen und dieses Problem oder Phänomen ein öffentliches wird.

In einer Demokratie wie der in Deutschland, übernimmt eine gewählte Regierung die Aufgabe, verbindlich immer neu auftauchende Konflikte zu regeln und Vorkehrungen zu treffen, um Spannungen und unnötige Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Politik ist aus Fragen der Verständigung immer mit Sprache verbunden. Sie wird Bedürfnisse artikulieren, Konflikte verbal regeln, die Vorkehrungen formulieren und festklopfen, im Diskurs Meinungen vertreten und auch zu Entscheidungen verführen. Politische Sprache unterscheidet sich von anderen „Sprachen“ (wie der Jugend- oder der privaten Sprache). Ursache hat das in ihrer Funktion und in ihrem Ursprung. Josef Klein (1989) nennt neben Fachsprachen die Alltagssprache als Grundlage für politische Sprache.

Aus ihrer Funktion ergeben sich für die Produzenten/die Politiker bestimmte Erwartungen an diese Sprache, die sich von den Erwartungen der Rezipienten unterscheiden müssen. Während der Bürger Eindeutigkeit und Klarheit durch eine Stellungnahme oder Rede eines Politikers erwartet, wird er selbst Spielräume und Lücken suchen, um später dementieren zu können.1

Problematisch ist, nach der oben getroffenen Definition, politische Sprache auf die Regierung eines Landes zu beschränken, wie es einige Autoren anscheinend tun.

2.2. Sprache nach dem II. Weltkrieg und den Nationalsozialisten - 1968 als sprachgeschichtliche Zäsur

Die Frage, warum die Nationalsozialisten so viel Macht erlangen konnten, wurde schon oft gestellt. Wolf Schneider führt ihre umfassende Propaganda als eine Ursache an. Bis ins Detail überdacht, beeinflußte sie durch Wiederholungen und Umwertung von Begriffen das Unterbewußtsein der Menschen2. Diese von den Nazis neu besetzten Worte bildeten den Grundstock für Rassismus und Völkermord. Selbst nach dem Krieg waren die Menschen von diesem Sprachgebrauch geprägt, der sich nicht wesentlich geändert hatte bzw. geändert wurde.

Martin Wengeler (in Stötzel 1995: Kapitel 10) versteht 1968 (als Inbegriff der Studentenbewegung) als sprachgeschichtliche Zäsur, da erst hier umfassende Umorientierungen stattfanden. Die „(...)Gesellschaftskritik der Studentenbewegung(...) [hat](...)zu Änderungen des öffentlichen Bewußtseins und zur erhöhten Sensibilität gegenüber sprachlichen Benennungen(...)“ geführt. (Stötzel 1995: 384) Ursprung war eine sprachbezogene Ideologiekritk und Sprachkritik. Nicht zu vergessen: die Einflüsse der durch Protest gegen die Eltern entstandenen sprachlichen Veränderungen, die durch die Öffentlichkeitswirksamkeit der Studenten-bewegung in die Gesellschaft hinein getragen wurden.

Schelsky beobachtet das Eindringen privater und Jugendsprache mit Wörtern aus dem Fäkal- und Sexualbereich3. Für die Sprache der RAF ist diese Entwicklung Grundlage und Ausgangspunkt.

2.3. Der „Krieg von 6 gegen 60 000 000“ - Die RAF

Es dürfte kaum jemanden geben, dem nicht sofort zur RAF, was für Rote Armee Fraktion und einen Teil des Terrorismus in Deutschland steht, einiges einfällt. Dennoch bleibt unsere Kenntnis meist vage, obwohl die Auseinandersetzung mit diesem Thema in den letzten Jahren sicher nicht mehr so stark polemisiert wurde. Ursache für frühere oft unsachliche Auseinandersetzungen, bei denen selbst Autoren wie Heinrich Böll diffamiert und extrem angegriffen wurden4, war die Schwierigkeit des Themas Terrorismus überhaupt.

Aus der Studentenbewegung Ende der 60er Jahre, auf die an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden soll, gingen einige radikale Gruppierungen wie die RAF hervor. Langguth schreibt dazu, daß die Rote Armee Fraktion ohne die Protestbewegungen nicht denkbar gewesen wäre (Langguth 1984: 203).

Aus der Kritik am Verhalten der USA im Vietnamkrieg, der USA ansich, Deutschlands und der umfassenden, linken Systemkritik an den bestehenden westeuropäischen, industriellen Staaten entstand durch Radikalisierung der „bewaffnete Widerstand“ und Kampf gegen den Kapitalismus und „Ausbeutung“.5 Der Protest und „Kampf“ gegen das System bestand aus Diebstählen, Banküberfällen, Brandlegungen, Bombenattentaten gegen Armee, Staat und Wirtschaft.6

Die RAF beeinflußte über eine lange Zeit das politische Geschehen und die politische Debatte in Deutschland. Nach etwa 30 Jahren7 scheint dieses Kapitel mit der Abschiedserklärung im April 1998 abgeschlossen zu sein.

Selbst die RAF, die „dem Volk dienen“ wollte, war eigentlich von der Zustimmung und Unterstützung der Massen abhängig, wenn sie das System verändern wollten. Information ist die Grundvoraussetzung für das Einverständnis der Bevölkerung, Propaganda kann ein Weg/eine Zugangsvoraussetzung sein. Thomas Niehr (1993: 9ff.) nennt als ein wesentliches Ziel politischer Sprache den Versuch, bestimmte Handlungsdispositionen zu schaffen, zu verstärken oder abzubauen, was sie auch unter Umständen erreicht, denn sie beeinflußt unterbewußt die Wertung der Menschen.

Propaganda, die einerseits Verführungs- und Manipulationsmittel ist8, ist aber auch einfach die systematische Verbreitung politischer, weltanschaulicher oder ähnlicher Meinungen und Ideen, und bedarf bestimmter publizistischer Mittel. Dazu zählen in der heutigen Zeit besonders die Medien (Hörfunk, Fernsehen, Printmedien).

Die RAF, als nichtstaatliche und illegale Gruppierung9, hatte nur geringe Maße dieser Mittel zur Verfügung. Flugblätter, Wandparolen (Graffiti) und anderes waren für sie sehr wichtig. Sie konnten nicht oder nur in geringem Maß über reguläre Tageszeitungen und Fernsehen ihre Nachrichten und Ziele an eine breite Masse übermitteln. Zwar wurden zum Teil ihre Schriften in Zeitungen und Magazinen wie dem Spiegel10 veröffentlicht, die auf dem Postweg direkt von der RAF die Texte bekamen, sie waren aber begleitet von Kommentaren der Redaktion und auch nicht vor Verfälschung gesichert.

Zu verschiedenen Anlässen gaben die Mitglieder der RAF meist in Gruppenarbeit entstandene Erklärungen ab. Besonders interessant sind diese Schriften, weil sie in wenigen Sätzen die Ideologie, Methoden, Rechtfertigungen und fast alles, was sie betraf und wichtig für die Öffentlichkeit war, beinhalten mußten. Erschwerend kam dazu, daß sie das auf eine Art und Weise erklären mußten, die sämtliche negative Meinungen, die vorher über sie durch die Medien und Politik verbreitet worden waren, relativieren hätten müssen.

Interessant wird natürlich auch die Sprache der RAF durch ihren polemischen und ideologischen Gehalt, denn revolutionäre Guerilla, als was sich die Mitglieder der RAF verstanden, ist politischideologisch motiviert und zielt gegen die Autoritäten eines Landes. Es könnte in diesem Zusammenhang auch untersucht werden, ob sich diese Prinzipien und der Protest auch durch Veränderungen der herkömmlichen Sprechweise und Wortwahl ausdrücken.

Wie in der Vorverständigung schon angemerkt, kann man den Begriff „politische Sprache“ nicht nur auf die Sprache der Regierung und Politiker anwenden. Da u.a. die RAF zu einem „Belang des Gemeinwesens“ wurde und als politische Gruppierung auch eine öffentliche Sprache hatte, die sich von der internen unterschied11, kann man auch bei der Roten Armee Fraktion von politischer Sprache reden.

Um Aussagen über die Massenwirksamkeit der Sprache der RAF zu treffen, muß die Sprache an einigen ausgewählten Texten untersucht werden.

2.4. Untersuchungs-„stoff“ und -methode

Obwohl die Menge der Texte, die die RAF publiziert hat, überschaubar ist, wäre eine Gesamtuntersuchung hier zu viel gewesen. Deswegen fand eine „zufällig gesteuerte“ Auswahl statt, die von Materialzugang, Datum und Inhalt abhing. Es sollte eine bestimmte Anzahl von Texten sein, die verschiedene Ursachen/Themen hatten, zu unterschiedlichen Zeiten im Laufe der etwa 30 Jahre geschrieben wurden (damit eine unterschiedliche Ausgangsposition und unterschiedliche Schreiber etc.) und mit RAF o.ä. unterschieben waren, d.h. nicht nur von einer der RAF angehörenden Einzelperson.

Eine Übersicht über die verwendeten Texte, mit Datum und Kurzzusammenfassung oder Kurzdarstellung der Zusammenhänge versehen, befindet sich im Anhang.

Die Methode, die zur hier Untersuchung angewendet wird, erschließt sich aus eigenen Erfahrungen (auch allgemeinem Weltwissen) und erarbeitetem Wissen. Grundlage für die Rechtfertigung der Methode ist einmal die Ansicht, das aufgrund der Positionen der RAF12 schwer durchschaubare Mehrdeutigkeiten in den Formulierungen auszuschließen sind. Reine Zählungen würden Wortgruppen und Zusammenhänge zwischen den Wörtern zu stark vernachlässigen. Andererseits sind auch die Möglichkeiten, andere Methoden anzuwenden gering.

Die Texte werden vergleichend auf bestimmte Hypothesen, die im Anschluß aufgeführt sind, hin untersucht. Dabei sollen nicht nur einzelne Wörter sondern auch die Zusammenhänge betrachtet werden.

3. Entwicklung von Hypothesen und Fragestellungen zur Analyse der Texte der RAF

3.1. Die Wortwahl in Bezug auf Themen - welche Art von Begriffen ist zu erwarten?

Wie weiter oben schon erwähnt, versteht sich die Rote Armee Fraktion als Guerilla, die bestehende Herrschaftsverhältnisse ändern will. Deshalb muß in den Texten, die als Propaganda gedacht waren (Langguth 1984: 205), einerseits Position zu den herrschenden Verhältnisse bezogen werden, was sich in negativ konnotierten Wörtern und Ausdrücken, die spezifisch für diese Zeit sind oder allgemein gelten niederschlagen dürfte. Andererseits müssen, um Akzeptanz und Legitimation zu finden, Lösungsvorschläge gemacht werden. Damit verbunden sind politikwissenschaftliche Fachausdrücke (die verständlich bleiben müssen - siehe Zielgruppe), Ideologiesprache, kritischer Wortgebrauch u.a.

Da vorher schon bekannt ist, daß es sich um eine radikal-linke Gruppierung handelt, sind Wörter wie Genossen, Klassenkampf, Proletariat, Kapitalismus etc. zu erwarten, die aus dieser politischen Linie stammen.

3.2. Wie können sich Veränderungen, die im Laufe der zeit auftreten, auswirken?

Da Texte miteinander verglichen werden, die über einen längeren Zeitraum entstanden, ergeben sich auch daraus Erwartungen und Ideen, wie diese Zeitspanne die Sprache beeinflußt.

Zu nennen wären in diesem Fall zu allererst Modeerscheinungen. Mit der Zeit ändert sich die politische Lage, unterschiedliche Probleme beherrschen die Köpfe und Medien und auch persönliche Grundeinstellungen entwickeln sich. Das bedeutet, daß einerseits zwar bestimmte Wörter (zum Beispiel aus der Ideologiesprache) bestehen bleiben werden, auch wenn sie sich zum Teil verändern, aber andere Namen und Schlagwörter genannt werden. Hier dürfte sich aber auch der Zweck der Schrift auswirken - wenn ein Rückblick erfolgt, werden Personen und ideologische Begriffe sicher noch genauso verwendet.

Zu nennen ist auch der persönliche Reifeprozeß einer Person, der zu einerseits mehr Bildung (und dadurch eventuell mehr Fachsprache) und andererseits in den meisten Fällen zu weniger Radikalismus führt.

Gerade bei einer Gruppierung wie der RAF, die zum Teil wechselnde Mitglieder hatte und auch letztere betreffend eine Grauzone existierte, wird sich die Art und Weise der Verwendung der Wörter und die Wörter selbst verändern, sofern sich die Schreiber verändern. Hier würde auch die These eines Reifungsprozesses nicht greifen, da die Gruppe nicht konstant ist, und sich auch weniger stetig entwickeln kann. Genannte Veränderungen wären dann wohl eher auf politische Entwicklungen etc. zurückzuführen.

Da viele Themen unter den Mitgliedern abgestimmt wurden, könnte es sein, daß die durch die Personenwechsel bedingten Schwankungen nicht beträchtlich sind. Das ist auch Voraussetzung für die Akzeptanz einer politischen Gruppe (wenn man hier von so etwas reden kann). Andererseits wäre es aber auch eher „traurig“, wenn es ein Kollektivdenken gegeben hätte, daß persönlichen Vorstellungen und Ideen keinen Spielraum ließ und deshalb Veränderungen und Lernprozesse unmöglich gewesen wären.

Man kann also nicht bestimmt voraussagen, wie die Sprache sich im Laufe der Zeit entwickelt hat, da bestimmte Notwendigkeiten aber auch Einflüsse bestehen, die wenig beeinflußbar sind.

3.3. Hypothesen zu Besonderheiten der Wortwahl der Textprodu-zenten und ihres Bildungsniveaus

In der Sprache einer Person, oder hier in der Sprache einer Gruppe artikulieren sich neben Einstellungen, Meinungen und Inhalten auch emotionale Befindlichkeiten und - bedingt durch die Entwicklung eines Menschen - das Bildungsniveau dieses Menschen.

Es wird wahrscheinlich die Sprache von Intellektuellen sein, da Linke meist eher gebildeteren Schichten entspringt, und eine extreme Ideologie, Ideologie überhaupt, mit philosophischen Auseinandersetzungen verbunden ist, die eine höhere Intelligenz und einen bestimmten Sprachschatz (auch Fachsprachschatz) voraussetzen. So weist auch die Verwendung vieler oder mehrerer Synonyme für einen Begriff auf einen gebildeten Textproduzenten.

Zu Irritationen kann es durch Vermischungen mit Jugend- und anderen Spezialsprachen führen, die vielleicht auch bewußt vom Intellektuellen wegweisen wollen, und auch durch besondere Aggressionen vulgär wirken kann.

[...]


1 Jüngste Ereignisse der Tagespolitik (Affäre um Clinton) sowie eine endlose Reihe Beispiele vergangener Zeiten bestätigen dies.

2 Vgl. Wolf Schneider 1996: Kapitel 14 ff. Hier sind die Methoden von Marx, Goebbels und Hitler ausführlich beschrieben.

3 Vgl. Schelsky, zitiert in Stötzel 1995: 393, der mit dieser Aussage den neuen öffentlichen Sprachgebrauch kritisierte und in diesem Zusammenhang feststellte, daß dadurch die „...Arbeiter ihrer ureigenen Sprache beraubt würden...“.

4 Vgl. Musolff in Stötzel 1995, Kapitel 11: Böll kritisiert in einem Artikel im Spiegel 1972 die Berichterstattung der Bildzeitung, die früher schon zu Lynchjustiz im Rahmen der Studentenbewegung Ende der 60er Jahre und zum Tod Rudi Dutschkes geführt hatte. Böll nennt den „Kampf“ der RAF einen „Krieg 6 gegen 60 000 000“, nimmt die RAF aber keineswegs - entgegen den Vorwürfen - in Schutz. Andere Intellektuelle, die diese Argumentation mittrugen wurden in der Folge als Sympathisanten dargestellt und von Presse und Staat dementsprechend behandelt.

5 Vgl. dazu Stötzel, Langguth u.a., besonders auch RAF selbst (besonders in: „Dem Volk dienen...“ in: Tolmein 1997: 217 ff.)

6Siehe auch Zeittafel im Anhang.

7 Ich gehe davon aus, daß bereits vor 1970 (Banküberfälle und Brandanschläge durch die RAF) und 1971 („Das Konzept Stadtguerilla“) - wenn auch nicht unter dem Namen RAF - die Gruppe oder zumindest der harte Kern existierte. (Vgl. dazu auch Langguth 1984.)

8 Vgl. Schneider 1996, Stötzel (1995), Niehr (1993).

9 Ich möchte weder den Terminus „Baader-Meinhof-Bande“ noch einen anderen negativ konnotierten Titel benutzen, weil ich versuchen möchte, mich ohne Bewertungen oder Urteile diesem Thema zu nähern.

10 Zum Beispiel der Text „Dem Volk dienen/Rote Armee Fraktion: Stadtguerilla und Klassenkampf“ im April 1972.

11 Vgl. Bittermann 1987: 22.

12 Die Mitglieder der RAF strebten ein Gesellschaftssystem an, in dem alle Menschen gleichberechtigt wären. Sie „wollten“ das „Establishment“ mit seinen bestehenden Werten und auch Verhaltensweisen nicht. Sie wollten Offenheit Ehrlichkeit, weshalb man das auch von ihren Texten erwarten kann.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Lexikologie: Die Sprache der RAF
Untertitel
Überlegungen und Untersuchungen zur Wortwahl der Roten Armee Fraktion anhand ausgewählter Kommandoerklärungen und anderen Dokumenten
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Lexikologie
Autor
Jahr
1998
Seiten
37
Katalognummer
V174025
ISBN (eBook)
9783640943838
ISBN (Buch)
9783640943494
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprache, Sprachpolitik, RAF, Terrorismus, Polemik, Propaganda, Germanistik, Sprachanalyse, politische Sprache
Arbeit zitieren
Anja Meisner (Autor), 1998, Lexikologie: Die Sprache der RAF, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174025

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