Bedeutung psychoanalytischer Theorieelemente für die Gestaltung von Beziehungen in der Sozialen Arbeit


Diplomarbeit, 2010

69 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Bezugsrahmen der Sozialen Arbeit - Arbeitsfeld Psychiatrie
1.1 Annäherung an das Arbeitsfeld
1.2 Anforderungen des Arbeitsfeldes an den psychiatrisch tätigen Sozialpädagogen
1.3 Verstehen eines Falles
1.4 Biographie und Verstehen eines Falles
1.5 Arbeitsbeziehung
1.6 Arbeitsbündnis
1.7 Beziehung und Psychoanalytische Sozialarbeit

2 Struktur und Abwehr
2.1 Begriffserläuterung Psychoanalyse
2.2 Instanzen Ich, Es und Über-Ich
2.3 Abwehr
2.3.1 Selbstrepräsentanz und Objektrepräsentanz
2.3.2 Abwehrmechanismen
2.4 Struktur nach OPD
2.4.1 Strukturbegriff nach OPD
2.4.2 Stufen des Integrationsniveaus der Struktur

3 Übertragung und Gegenübertragung
3.1 Geschichtliche Betrachtungen
3.2 Übertragung
3.2.1 Beispiel einer Übertragung
3.3 Gegenübertragung
3.3.1 Beispiel einer Gegenübertragung
3.4 Strukturniveaus im Zusammenhang mit Übertragung und Gegenübertragung

4 Psychoanalytische Theorie in ihrer Bedeutung für die Gestaltung von Beziehungen
4.1 Zum Verhältnis von Psychoanalyse und Sozialer Arbeit
4.2 Abwehr und Beziehungsgestaltung
4.3 Struktur nach OPD und Beziehungsgestaltung
4.4 Übertragung, Gegenübertragung und Beziehungsgestaltung
4.5 Supervision

5 Zusammenfasssende, persönliche Betrachtungen

6 Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Beziehungen gehören unmittelbar zur Sozialen Arbeit, damit ist die Beziehung zwischen dem Sozialpädagogen und seinem Klient gemeint. Diese Beziehungen sind oftmals nicht frei von Konflikten und müssen aufgenommen und gestaltet werden. In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern Elemente der psychoanalytischen Theorie Bedeutungen für die Gestaltung von Beziehungen haben können. Es ist herauszufinden, ob die Psychoanalyse Möglichkeiten des Verstehens von Verhalten und unbewussten Anteilen in einer Beziehung bietet und so zu einer professionellen Gestaltung von Beziehung beitragen kann.

Da die Soziale Arbeit ein breites Feld ist, wird diese Arbeit auf das Arbeitsfeld Soziale Arbeit in der Psychiatrie beschränkt. Mein Bezug zur Sozialen Arbeit in der Psychiatrie liegt darin, dass ich meine Praktika im Rahmen des Studiums in diesem Arbeitsfeld absolviert habe. Bei der Beschäftigung mit theoretischen Aspekten bezüglich des Arbeitsfeldes begegnete mir die Psychoanalyse, welche sich unmittelbar mit Beziehungen beschäftigt und dazu verschiedene Theorien und Theorieelemente bietet.

Im ersten Kapitel erfolgt eine Annäherung an das Arbeitsfeld Psychiatrie. Im Anschluss wird auf genaue methodische Aspekte und Verstehenszugänge mit dem Schwerpunkt Beziehungen eingegangen. Den Abschluss des Kapitels bilden eine kurze Zusammenfassung sowie eine Verbindung von Psychoanalyse und Sozialer Arbeit unter Berücksichtigung der psychoanalytischen Sozialarbeit.

Kapitel zwei und drei bilden zusammen den Teil der Arbeit, in dem psychoanalytische Theorieelemente vorgestellt werden.

Im zweiten Kapitel, welches zwei thematische Komponenten beinhaltet, geht es zunächst um das Instanzenmodell ‚Ich, Es und Über-Ich‘ von Sigmund Freud, mit dem Schwerpunkt auf der Instanz des Ich. Anschließend wird die Theorie der Abwehr und der Abwehrmechanismen vorgestellt, diese werden als Funktion des Ich verstanden. Verschiedene Abwehrmechanismen werden in einem Überblick, kombiniert mit einem Beispiel, erklärt. Das Instanzenmodell und die Abwehr sowie die Abwehrmechanismen bilden die erste thematische Komponente.

Die zweite Komponente besteht aus Ausführungen über die psychische Struktur mit ihren unterschiedlichen Integrationsniveaus.

Kapitel drei beinhaltet das Thema ‚Übertragung und Gegenübertragung‘. Die Phänomene der Übertragung und Gegenübertragung werden zuerst auf einer theoretischen Ebene erklärt, wobei anschließend Beispiele die Theorie abrunden.

Im vierten Kapitel werden die vorangegangen Kapitel aus der Perspektive ihrer Bedeutung für die Gestaltung von Beziehungen zusammengeführt. Dazu wird zunächst das Verhältnis von Psychoanalyse und Sozialer Arbeit beschrieben und dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgestellt. Anschließend wird präzise auf die Theorieelemente Abwehr, Struktur sowie Übertragung und Gegenübertragung, in ihrer Bedeutung für die Gestaltung von Beziehungen, eingegangen.

Das fünfte Kapitel ist eine kurze Zusammenfassung unter dem Gesichtspunkt meiner persönlichen Ergebnisse.

Kapitel sechs beinhaltet einen Ausblick, der den Blickwinkel auf das Thema erweitert.

Zum besseren Verständnis von Bezeichnungen und Begriffen die in dieser Arbeit verwendet werden, seien hier einige Erklärungen angeführt.

Die Trennung von Sozialer Arbeit und Sozialpädagogik wird aufgehoben. Aus Gründen der flüssigeren Lesbarkeit wird die Bezeichnung Sozialpädagoge stellvertretend für Sozialpädagogen und Sozialpädagoginnen sowie Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen benutzt.

Die Termini Klient, Patient, Analysand und psychisch kranker Mensch werden, dem jeweiligen Kontext angemessen, verwendet. Klient und psychisch kranker Mensch bezieht sich vorrangig auf den Kontext der Sozialen Arbeit, Klient und psychisch kranker Mensch haben die gleiche Bedeutung. Die Termini Patient und Analysand finden hauptsächlich Verwendung im Zusammenhang mit der Psychoanalyse. Die Bezeichnung ‚psychisch kranker Mensch‘ oder ‚psychisch kranker Klient‘ wird benutzt, um der Ernsthaftigkeit und den oft schwerwiegenden Folgen psychischer Krankheit gerecht zu werden: ÄDenn wer Menschen mit schweren psychischen Symptomen in ihrem individuellen und sozialen Leid erlebt und begleitet hat, kann die Dimension der Erkrankung ermessen,...“ (Clausen/Dresler/Eichenbrenner, S. 63).

Bezeichnungen wie ‚psychisch beeinträchtigte Menschen‘ oder ‚Psychiatrie- Erfahrene‘ werden heute auch stellenweise verwendet. Diese Bezeichnungen beinhalten meinem Empfinden nach auch den Aspekt der Krankheit. Zudem findet sich in der aktuellen Fachliteratur fast durchgängig die Bezeichnung psychisch kranker Mensch. Daher wird in dieser Arbeit die Bezeichnung psychisch kranker Mensch verwendet.

Bei Zitaten aus älteren Büchern ist es möglich, dass diese nicht der neuen Rechtschreibung entsprechen oder fehlerhaft sind. Dennoch werden sie in ihrer ursprünglichen Form übernommen.

Einfache Anführungszeichen sollen zeigen, dass es sich nicht um ein Zitat sondern um besonders hervorzuhebende oder markierungswürdige Wörter und Formulierungen handelt.

1 Bezugsrahmen der Sozialen Arbeit - Arbeitsfeld Psychiatrie

Den Beginn dieses Kapitels bildet eine Annäherung an das Arbeitsfeld Psychiatrie. Sie dient einem thematischen Einstieg und Begriffsdefinitionen. Die Annäherung beinhaltet unter anderem einen Überblick über die psychiatrische Versorgung, eine Klärung des Begriffs Psychiatrie sowie institutionelle Gegebenheiten. Diese Annäherungen werden in weiteren Schritten um Anforderungen des Arbeitsfeldes, methodische Möglichkeiten und Verstehenszugänge in der Sozialen Arbeit mit psychisch kranken Menschen erweitert. Dazu gehört das Verstehen eines Falles, Biographie und Arbeitsbündnis. Der Schwerpunkt des Kapitelendes liegt in der Gestaltung von arbeitsfähigen Beziehungen zwischen dem Sozialpädagogen und psychisch krankem Menschen.

1.1 Annäherung an das Arbeitsfeld Psychiatrie

Der Begriff Psychiatrie bedeutet ÄLehre von den seelischen Störungen und den seelischen Erkrankungen. Sie befasst sich mit der Verursachung und Entstehung (Ätiologie), den Merkmalen (Symptomatologie), der Systematik (Syndromatik und Nosologie) sowie der Diagnostik, der Prävention und der Therapie der seelischen Krankheiten“ (Bosshard/Ebert/Lazarus, S.19).

Die psychiatrische Versorgung in Deutschland besteht aus einem breit gefächerten Angebot verschiedener Hilfen. Diese Hilfen lassen sich in die Bereiche Behandlung und Pflege sowie in psychosoziale Rehabilitation einteilen. Zum Bereich Behandlung und Pflege zählen psychiatrische Krankenhäuser, psychiatrische Stationen in Allgemeinkrankenhäusern, Tageskliniken, Institutsambulanzen, Nervenärzte und Psychotherapeuten sowie die ambulante psychiatrische Pflege.

Der Bereich der psychosozialen Rehabilitation lässt sich in Wohnheime, betreutes Wohnen, Tagesstätten, berufliche Rehabilitation, sozialpsychiatrische Dienste, ambulante Hilfen zum selbstständigen Wohnen und Selbsthilfegruppen unterteilen (vgl. Bosshard/Ebert/Lazarus S.134-143).

Sozialpädagogen arbeiten sowohl im Bereich Behandlung und Pflege als auch im Bereich der psychosozialen Rehabilitation. Für meine Arbeit ist die Vielfalt der psychiatrischen Versorgung nicht von Bedeutung. Daher führe ich an dieser Stelle meine Aufzählungen nicht weiter aus und verwende im Folgenden den Begriff ‚psychiatrische Einrichtungen‘ für alle verschiedenen möglichen Tätigkeitsbereiche von Sozialpädagogen im Arbeitsfeld Psychiatrie.

Die Teams in psychiatrischen Einrichtungen bestehen in der Regel aus verschiedenen Berufsgruppen, zu denen Angehörige der Pflegeberufe, Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter, Ergotherapeuten, Soziotherapeuten gehören können. Der Sozialpädagoge in der psychiatrischen Einrichtung arbeitet also gewöhnlich in einem multiprofessionellen Team. Folglich ist er mit anderen Professionen und Wissenschaften konfrontiert (vgl. Clausen, Dresler, Eichenbrenner, S. 108).

In psychiatrischen Einrichtungen haben es Sozialpädagogen mit ‚verrückten‘ Menschen zu tun. Dem Adjektiv ‚verrückt‘ kommt in diesem Zusammenhang eine zweifache Bedeutung zu. Zum einen meint ‚verrückt‘ den verrückten Menschen mit seinen für andere Menschen oft schwer nachvollziehbaren Verhaltensweisen, zum anderen ist in diesem Wort auch eine räumliche Dimension enthalten. Wenn ein Möbelstück nicht mehr an der gleichen Stelle steht, ist es ‚ver-rückt‘, so wie auch ein psychisch kranker Mensch ‚ver-rückt‘ sein kann.

Die psychiatrisch tätigen Sozialpädagogen sind mit psychischer Krankheit konfrontiert, was eine Auseinandersetzung mit psychischer Krankheit absolut nötig macht. Bei Dörner und Plog sind Krankheiten als Störungen im Ablauf der Lebensvorgänge definiert. Der kranke Mensch hat eine verminderte Leistungsfähigkeit und die Krankheit ist meist mit körperlichen Veränderungen verbunden (vgl. Dörner/Plog/Teller/Wendt, S. 36).

Bosshard, Ebert und Lazarus sprechen die Bereiche an, in denen die Symptome psychischer Krankheit auftreten können:

ÄDie psychischen Krankheiten und Erkrankungen treten als Symptome im Bereich der Emotionen, des Denkens und Wahrnehmens, des Verhaltens sowie des körperlichen Erlebens und Empfindens auf“ (Bosshard/Ebert/Lazarus, S.24). Es greift jedoch zu kurz, nur den psychisch kranken Menschen an sich zu betrachten. Im vorangegangenen Zitat klang bereits an, dass Symptome auch im Bereich des Verhaltens liegen, wodurch andere Menschen unmittelbar einbezogen sein können. Folglich muss der Begriff Krankheit um eine soziale Dimension erweitert werden. Dies bedeutet, dass auch die Beziehung des kranken Menschen zu seinem Umfeld zu betrachten ist. Nach diesem Verständnis ist die Bezeichnung Krankheit nicht auf den kranken Menschen reduziert, es ist denkbar, dass andere durch ihr Verhalten zur Krankheit beitragen oder beigetragen haben. Damit kann etwa die Familie oder die Gesellschaft gemeint sein (vgl. Dörner/Plog/Teller/Wendt, S.36-37). Psychische Krankheit hat immer eine Vorgeschichte, aber möglicherweise auch weitreichende Folgen, die auf biologischer, sozialer und psychischer Ebene liegen.

Ab wann ein Mensch als psychisch krank gilt, ist nicht genau zu definieren, da verschiedene Faktoren wie Alter, Geschlecht, Umgebung, Gesundheitssystem,...eine Rolle spielen. Es gibt neben der Bezeichnung psychische Krankheit auch die Bezeichnung psychische Störung, dimensional als die Steigerung von oder Hemmung von psychisch normal ablaufenden Prozessen verstanden wird. Es liegt aber keine einheitliche Definition von psychischer Störung vor (vgl. Stemmer-Lück, S. 23).

Die Autoren, die in dieser Arbeit herangezogen und zitiert werden, verwenden die Begriffe psychische Störung und psychische Krankheit, weshalb beide Begriffe in dieser Arbeit vorkommen. Es bedarf im Kontext dieser Arbeit keiner Unterscheidung der Begrifflichkeiten psychische Störung und psychische Krankheit.

Bei der Arbeit in psychiatrischen Einrichtungen ergibt sich, auch aus dem zuvor dargestellten Krankheitsverständnis heraus, dass es nicht nur um den psychisch kranken Menschen an sich geht. Dieser Mensch mit seinem Äoft nur begrenzt versteh- und einfühlbarem und dadurch irritierendem Erleben, Denken und Verhalten, (...), mit Ängsten, Zwängen, massiven Schuldgefühlen, Wahnideen, Aggressionen und Verwirrtheit, mit Phasen maßloser Euphorie oder schwerster Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit, selbstzerstörerischer Sucht und Suizid(gedanken), die wiederum eigene Ängste auslösen und hilflos machen“ (Kardorff, S.1434), begegnet dem Sozialpädagogen. Diese Begegnung zieht nahezu zwangsläufig Begegnungen mit der Lebenswelt und der Lebensgeschichte des psychisch kranken Menschen nach sich. Gesellschaftliche und sozialpolitische Aspekte psychischer Krankheit spielen bei der Arbeit in der Psychiatrie auch eine Rolle.

In dieser Arbeit geht es vorrangig um die Beziehung zwischen Sozialpädagoge und Klient, was Aspekte der Lebenswelt und der Lebensgeschichte beinhaltet. Sozialpolitische Aspekte werden in diesem Kontext keine Bedeutung haben.

1.2 Anforderungen des Arbeitsfeldes an den psychiatrisch tätigen Sozialpädagogen

Der in psychiatrischen Einrichtungen tätige Sozialpädagoge erlebt den psychisch kranken Menschen mit seinen Leiden und Einschränkungen. In seiner Arbeit beschränkt er sich jedoch nicht nur auf diesen Menschen sondern bezieht, wie im vorangegangenen Kapitel bereits angedeutet, lebensgeschichtliche sowie lebensweltliche Aspekte mit ein. Er beachtet die sozialen Folgen, welche psychische Krankheit mit sich bringen kann und versucht diese zu verringern.

Dabei zeichnet sich seine Fachlichkeit durch Äeine offene, unspezifische Aufgabenvielfalt, flexible und situativ abgestimmte Vorgehensweisen, umfassende Beschäftigung mit dem Alltag des Klienten, Bewegung im Sozialraum, Vielfalt der Orte der Begegnung und längere Zeitspannen der Begleitung, weniger Distanz und die sich daraus ergebende Gestaltung der Beziehung“ aus (Bosshard, Ebert, Lazarus, S. 122.).

Diese Aufzählung deutet die Komplexität des Gegenstandes von Sozialer Arbeit in psychiatrischen Einrichtungen an. In denen sind die Sozialpädagogen häufig mit umfassenden psychosozialen Problemlagen konfrontiert. Da ist nicht nur die Konfrontation mit der Person des psychisch Kranken Menschen, sondern auch mit vielfältigen Einschränkungen und Problemlagen, welche psychische Krankheit begleiten.

In den psychiatrischen Einrichtungen sind es die Sozialpädagogen, welche die Klienten betreuen und unmittelbar mit diesen Einschränkungen und Problemlagen konfrontiert sind. Sie gestalten den Alltag mit den Klienten, und nehmen somit Anteil an der Alltagswelt des Klienten.

Die Gestaltung der Alltagswelt durch den Klienten ist subjektiv und unterliegt dessen eigener Logik. In der Folge ist der Sozialpädagoge einerseits gefordert, den Klienten seinen Alltag nach seinen Vorstellungen gestalten und leben zu lassen, andererseits ihn auch in für ihn schwierigen Situationen und Einschränkungen zu unterstützen, ohne seine Autonomie und Subjektivität zu einzuschränken.

Durch die subjektive Lebensgestaltung des Klienten und durch die Alltagsnähe zwischen Klient und Sozialpädagoge sind die bereits erwähnten flexiblen und situativ abgestimmten Vorgehensweisen bedingt. Damit die Vorgehensweisen, die gerade im Alltag auch spontan eingesetzt werden, dem Wohl der Klienten dienen, sollten die Vorgehensweisen und Interventionen nicht ‚einfach so‘, sondern überlegt und begründbar eingesetzt werden. Um Vorgehensweisen und Interventionen begründbar einsetzen zu können, ist es hilfreich, Ziele zu haben an denen sich Sozialpädagoge und Klient orientieren können.

Für überlegte Interventionen ist neben der Beachtung von Zielen unmittelbar wichtig, Kenntnis von methodischen Methoden zu haben. Im Folgenden werde ich, für die Arbeit in psychiatrischen Einrichtungen wichtige, methodische Möglichkeiten und ihren Bezug zum Arbeitsfeld Psychiatrie vorstellen.

1.3 Verstehen eines Falles

Wie bereits aus den vorangegangen Ausführungen deutlich wurde, arbeiten Sozialpädagogen in psychiatrischen Einrichtungen in multiprofessionellen Teams. Dort werden in regelmäßigen Teamsitzungen Fälle besprochen. Es geht dabei sowohl um aktuelle Ereignisse den Klienten betreffend, als auch darum, in schwierigen Situationen Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

Ein sozialpädagogischer Fall kann sehr komplex sein. Bei der Fallarbeit müssen laut Müller auch die anderen Perspektiven, die mit dem Fall verknüpft sind, Beachtung finden ohne dass die Sozialpädagogik sich ihnen unterordnet. Damit ein Fall überhaupt als ein solcher bearbeitet werden kann, muss es für die Bearbeitung einen Raum geben, zum Beispiel die Supervision (vgl. Müller 2006, S. 32-36 und Kapitel 4.5).

Müller unterscheidet die Dimensionen eines Falles als ein ÄFall von“, ein ÄFall für“ und ein ÄFall mit“. Dabei meint der ÄFall von“ die Kategorien in die man einen Fall einteilen kann, zum Beispiel einen Fall von Kindesmisshandlung, Obdachlosigkeit oder Ähnlichem (vgl. Müller 2006, S. 42-43). Bezogen auf das psychiatrische Arbeitsfeld bedeutet dies, dass der Sozialpädagoge es mit einem Fall von Zwangsaufnahme, Depression, Psychose oder Vergleichbarem zu tun haben kann. Mit dem ÄFall für“ ist nach Müller gemeint, dass der mit einem Fall konfrontierte Sozialpädagoge über entsprechendes Verweisungswissen verfügt, auf das er in einem erforderlichen Fall zurückgreifen kann. So kann er zum Beispiel gegebenenfalls den Klienten an einen Anwalt verweisen, wenn dies nötig ist (vgl. Müller 2006, S. 49- 52). In psychiatrischen Einrichtungen kann dies für den Sozialpädagogen bedeuten, dass er sein Wissen über die psychiatrische Versorgungslandschaft (vgl. Kapitel 1.1) nutzt und im gegeben Fall erkennt, dass dies ein Fall für die Klinik, die Tagesstätte, die berufliche Rehabilitation etc. ist.

Nach Müller geht es bei der Bezeichnung ein ÄFall mit“ um Wissen über Beziehungen: Ä Man kann es ÄBeziehungswissen“ oder auch ÄWissen über humanen Umgang miteinander“ nennen, sollte sich dann aber klar darüber sein, dass sich die professionellen Herausforderungen, die mit solchen scheinbar harmlosen Bezeichnungen verbunden sind, erst im konkreten Fall mit Menschen, die in Schwierigkeiten stecken, sichtbar werden“ (Müller 2006, S.62). Es geht also konkret um die Arbeit mit dem Klienten, die Beziehungsarbeit ist. Dazu gehören immer Sozialpädagoge und Klient mit ihren möglicherweise unterschiedlichen Vorstellungen und Interessen. Für den Sozialpädagogen bedeutet dies, dass seine Angebote nicht immer vom Klienten angenommen werden müssen, was einen Aushandlungsprozess erforderlich macht. Müller thematisiert auch, dass Vertrauen im ÄFall mit“ auch eine Rolle spielt. Vertrauen ist die Grundlage für die Beziehung und muss sich entwickeln (vgl. Müller 2006, S. 61-62).

Müller gliedert den Prozess der Fallarbeit in vier Schritte: Anamnese, Diagnose, Intervention und Evaluation.

- Anamnese:

Bei der Anamnese eines Falles geht es darum, Vergessenes wieder in Erinnerung zu rufen, wobei beachtet werden sollte, dass es auch Gründe für das Vergessen geben kann. Für den Sozialpädagogen der eine Anamnese zu einem Fall erstellt, bedeutet dies, dass er sich Informationen über frühere Krankheiten, die Vorgeschichte der jetzigen Erkrankung, Behandlungen, Belastungen usw. einholt.

- Diagnose:

Im Zusammenhang mit der Fallarbeit meint der Begriff Diagnose, sich ein Bild von möglichen Zielen und Lösungswegen zu machen. Die Begriffe Anamnese und Diagnose sind sowohl in anderen Disziplinen, zum Beispiel der Medizin, als auch in der Sozialpädagogik nicht genau voneinander zu trennen. So kann auch zunächst die Diagnose und dann die Anamnese durchgeführt werden.

- Intervention:

Müller erklärt den Begriff Intervention folgendermaßen: ÄIntervention kommt vom lateinischen Wort Äintervenire“, was soviel wie ‚dazwischen kommen‘, ‚dazwischen‘ treten bedeutet (Müller 2006, S. 68). Weiterhin zieht er den Begriff ‚Therapie‘ als Vergleich mit Intervention heran und beschreibt beide Begriffe als Dienstleistungen sowohl in Bezug auf die Person an sich, als auch auf das Problem der Person. Es kann ebenfalls sein, dass es bei der Intervention um ein Problem geht, welches die Person anderen Menschen macht. Eine Intervention oder Therapie als Dienstleistung betrachtet kann zum Beispiel die Betreuung oder Beratung eines Klienten oder ‚Falles‘, eine Überweisung oder eine Psychotherapie sein.

- Evaluation:

Bei der Evaluation eines Falles ist wichtig, ob man den Fall ‚von außen‘ durch zum Beispiel eine unabhängige Person am Ende einer Fallarbeit evaluieren lässt (Fremdevaluation) oder sich selbst bereits während der Fallarbeit evaluiert (Selbstevaluation). Gerade im pädagogischen Sinne geht es nicht um die simple Überprüfung eines Ergebnisses, sondern immer auch um die Werte, welche dem Handeln zugrunde liegen.

Zur Evaluation gehört ebenfalls die Supervision wie sie auch in

multiprofessionellen Teams in psychiatrischen Einrichtungen praktiziert wird (vgl. Müller 2006, S. 67-69, S. 75).

Bei vorangegangener Beschreibung des Begriffes Anamnese wurde deutlich, dass es dabei um die Erhebung von Daten bezüglich des Falles, etwa Daten aus der Biographie des Falles oder des Klienten geht. Im Folgenden wird genauer auf die Bedeutung der Biographie für das Fallverstehen eingegangen.

1.4 Biographie und Verstehen eines Falles

Die Biographie kann eine Blickrichtung auf das Verstehen eines Falles sein. Sie liefert uns simple Daten wie Geburtsdatum, Heirat und Ähnliches., die primär über die Person informieren. Darüber hinaus kann eine Beschäftigung mit der Biographie des Klienten unter anderem Einblicke in seine familiären und beruflichen Verhältnisse, seine sozialen Beziehungen, seine persönlichen Bewältigungsversuche von Misserfolgen, seine Ressourcen und dergleichen verschaffen.

Die Daten und einer Lebensgeschichte können also sehr vielfältig sein und im Voraus ist zunächst nicht deutlich, welche Informationen für den jeweiligen Fall und ‚pädagogischen Zweck‘ wichtig sind. Um aus den Daten einen Nutzen zu ziehen, ist es jedoch sinnvoll, die jeweils relevanten Daten mit dem Ziel, den Klienten in seiner momentanen Situation zu verstehen, auszuwählen. (vgl. Bosshard/Ebert/Lazarus, S. 398).

In der Psychiatrie war lange nur die Krankengeschichte der Patienten von Bedeutung, die Lebensgeschichte wurde erst später etabliert. Dies bedeutet aber nicht, dass heute die Krankengeschichte in der Psychiatrie keine Bedeutung mehr hat. Vielmehr bietet sich für den Klienten durch die Krankengeschichte und die Lebensgeschichte die Möglichkeit, Zusammenhänge zwischen beiden zu erkennen: ÄFür den Betroffenen ist sie die Chance, die mehr oder weniger verborgenen Lebensausrichtungen als kohärent mit der eigenen Krankengeschichte zu erkennen und akzeptieren zu lernen sowie ggf. eine neue und sinnvolle Lebensperspektive zu entwerfen und zu verwirklichen“ (Bosshard/Ebert/Lazarus, S. 377).

Aus meiner Sicht macht dieses Zitat deutlich, dass die Beschäftigung mit der Lebensgeschichte nicht nur Bedeutung für den Sozialpädagogen haben kann, sondern insbesondere für den Klienten, sodass der Beschäftigung mit der Biographie eine zweifache Bedeutung zukommt.

Der in psychiatrischen Einrichtungen arbeitende Sozialpädagoge begegnet psychisch kranken Menschen mit ihren ganz eigenen Verhaltensweisen (vgl. Kapitel 1.1) und eigenen Biographien. Daher gibt es kein festes Schema im Umgang mit dem psychisch kranken Menschen. Ebenso hat die Fallarbeit nicht den Anspruch ein festes Schema zu liefern, mit dem der Sozialpädagoge Fälle einfach nur ‚bearbeitet‘. Vielmehr ist die Betrachtung eines Falles auf verschiedenen Ebenen und aus verschiedenen Sichtweisen wichtig. Es gibt folglich kein ‚Grundrezept‘ für die Bearbeitung eines Falles und für den Umgang mit psychisch kranken Menschen. Dann wäre sozialpädagogisches Handeln nicht professionell.

1.5 Arbeitsbeziehung

Wie aus vorangegangenen Ausführungen bereits deutlich wurde, sind die psychiatrisch tätigen Sozialpädagogen direkt am Alltagsleben der Klienten beteiligt, ihre Arbeit ist personenbezogen, was eine professionelle Gestaltung der Beziehung zum psychisch kranken Menschen absolut notwendig macht. Im Folgenden möchte ich herausarbeiten, was eine professionelle Beziehungsgestaltung meiner Meinung nach ausmacht.

Für eine Beziehung und eine professionelle Beziehungsgestaltung zwischen Sozialpädagoge und Klient ist Vertrauen essentiell. Vertrauen ist jedoch nicht sofort von Beginn der Beziehung an vorhanden, sondern muss sich erst entwickeln und kann ein langwieriger Prozess sein, der viel Geduld von beiden Seiten erfordert. Clausen, Dresler und Eichenbrenner benennen die Schwierigkeit der Beziehungsgestaltung mit psychisch kranken Menschen:

ÄWenn der Klient sich selbst nicht trauen kann, muß er wenigstens der Sozialarbeiterin trauen können. Er wird sie testen, immer wieder neu. Dabei wird er mit unheimlicher Sicherheit ihre wunden Punkte treffen: Ist sie böse? Ist sie gekränkt? Nimmt sie mich ernst? Weil sie eine professionelle Ersatzspielerin ist, kann sie sich ein solch verletzendes und wechselhaftes Verhalten erklären. Deshalb wird sie nicht einfach gekränkt reagieren und sich zurückziehen, sondern immer wieder neue Angebote machen. Ganz allmählich wird sich so Vertrauen in der Beziehung entwickeln“ (Clausen/Dresler/Eichenbrenner, S. 116).

Dieses Zitat verdeutlicht meiner Meinung nach sehr gut den Anspruch, den die Gestaltung von Beziehungen mit psychisch kranken Menschen für den Sozialpädagogen haben kann.

Durch die von Clausen/Dresler/Eichenbrenner angesprochenen neuen Angebote kann sich Vertrauen entwickeln.Immer wieder neue Angebote zu machen, obwohl sich der Klient vielleicht verletzend verhalten hat, bedeutet Stabilität und Sicherheit für den Klienten. Stabilität und Sicherheit sind meiner Ansicht nach grundlegende Voraussetzungen für Vertrauen und daher wichtig für den Aufbau einer Beziehung. Durch die neuen Angebote, die der Sozialpädagoge immer wieder macht, ist er aktiv, was Klienten benötigen. Es ist aber nicht in jeder Situation angemessen wieder auf den Klienten zu zugehen, der Sozialpädagoge braucht auch Sensibilität um zu spüren, wann der Klient seine Ruhe haben möchte (vgl. Günter/Bruns, S. 166).

Bei der Beziehungsgestaltung kann sich der Sozialpädagoge einer Grundhaltung bedienen. Es ist wichtig, dass er bei sich selbst eine Angst vor der Begegnung zulässt. Unter Angst wird ein lebenswichtiges Gefühl verstanden, dass in als bedrohlich empfundenen Situationen auftauchen kann. In einer solchen Situation richtet sich unsere Aufmerksamkeit auf die Quelle der Gefahr. Dies sollte nicht bedeuten, dass wir vor einer angstauslösenden Situation weglaufen, uns von dieser Situation abwenden, sondern die Angst nutzen, um mit der Situation umzugehen. Habe ich also, vielleicht gerade als Anfänger im Arbeitsfeld Psychiatrie Angst vor der Begegnung mit den ‚verrückten‘ Menschen, aber auch als Sozialpädagoge mit Erfahrung in diesem Arbeitsfeld, Angst vor einer Begegnung mit einem neuen Klienten, so ist diese Angst gesund. Angst ist kein Gefühl, was der Anfänger oder der erfahrene Sozialpädagoge leugnen muss. Sie ist vielmehr ein Gefühl, mit dem ich umgehen muss und welches ich für die Gestaltung von Beziehungen nutzen kann (vgl. Dörner/Plog/Teller/Wendt, S. 42-43).

Aus meiner Sicht ist das Zulassen und Erkennen von Angst ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer gelungenen Beziehungsgestaltung mit dem psychisch kranken Menschen, weil Zulassen von Angst für mich eine Sensibilität für die eigenen Gefühle bedeutet, die durch Begegnungen ausgelöst werden können. Durch Sensibilität, Wahrnehmung und Reflexion von eigenen Gefühlen kann ein Zugang zu einer Beziehung entstehen, aus der Angst wäre somit ein Nutzen gezogen: ÄAngst sollte immer als Impuls zum Nachdenken, zum Suchen genutzt werden“ (Dörner/Plog/Teller/Wendt, S. 43).

Jede Begegnung, welche der Sozialpädagoge in einer psychiatrischen Einrichtung hat, verändert ihn. Von Bedeutung ist, wie er damit umgeht. Zieht er sich zurück und errichtet eine Mauer oder lässt er sich ein: Ä...löse ich auch Gefühle und riskiere mich auch wenn ich mich panzere, verstecke, zurückziehe, mich bemühe, in großer Distanz zu bleiben. Allerdings schaffe ich dann nicht wirklich Bedingungen für eine hilfreiche Beziehung“. (Dörner/Plog/Teller/Wendt, S. 36). Um eine arbeitsfähige, hilfreiche Beziehung zum Klienten aufzubauen, darf sich der Sozialpädagoge also nicht zurückziehen, auch dann nicht, wenn die Beziehung konflikthaft ist.

Was macht denn nun eine gelungene, tragfähige, professionelle Arbeitsbeziehung zwischen Sozialpädagoge und psychisch krankem Menschen aus? Von Seiten des Sozialpädagogen gilt:

ÄDie Arbeitsbeziehung ist so zu gestalten, dass Schaden von dem Klienten abgewendet und die Vertrauenswürdigkeit zwischen ihm und dem professionellen Helfer nicht beschädigt, sondern gefördert und bestärkt wird.“

(Bosshard/Ebert/Lazarus, S. 381). Um eine Arbeitsbeziehung gestalten zu können, muss ich diese zunächst aufnehmen um dann meine Hilfe in ganz konkretes, dem Fall angemessenes Handeln umzusetzen. Beim angemessenen Handeln ist es wichtig, die vergangene Situation und die aktuelle Situation zu kennen (vgl. Bosshard/Ebert/Lazarus, S.385).

Für mich ist eine professionelle Arbeitsbeziehung durch beiderseitiges Vertrauen gekennzeichnet. Desweiteren halte ich die Reflexion der Beziehung durch den Sozialpädagogen und eine angemessene, auf die Person abgestimmte Hilfe, als grundlegend für eine professionelle Arbeitsbeziehung.

Zum Thema Begegnung möchte ich ergänzend Carl R. Rogers heranziehen. Für ihn ist Erfolg nicht an technisches Wissen und Können gebunden, sondern hängt von den Einstellungen ab (vgl. Rogers, S. 22). Für ihn sind drei Einstellungen bedeutend. Unter präzisem, einfühlendem Verstehen (Empathie) versteht er eine präzise und sensible Erfassung von persönlichen Bedeutungen, ein Hineinversetzen in die Welt des Klienten. Dadurch kann Vertrauen gefördert werden. In dieser Absicht, Menschen zu verstehen, sieht Rogers eine besondere Bedeutung für Psychotiker, also für Menschen mit einer psychischen Krankheit.

Eine weitere Einstellung für Rogers ist die Wertschätzung oder das bedingungsfreie Akzeptieren. Darunter versteht er eine Zuwendung ohne Beurteilungen und Bewertungen des Gegenübers. Durch diese Haltung ist es wahrscheinlich, dass der Klient Vertrauen aufbaut. Hierin sehe ich die Verbindung zur von mir eben erwähnten Bedeutung von Vertrauen für eine professionelle Beziehung.

Als dritte grundlegende Einstellung beschreibt Rogers die Echtheit oder Kongruenz, womit gemeint ist, dass der Therapeut sich seinen Empfindungen bewusst ist und sie dem Klienten mitteilen könnte, wäre dies angebracht (vgl. Rogers, S. 23-32).

1.6 Arbeitsbündnis

In der Literatur findet sich ein weiterer Begriff, der die Beziehung zwischen einem professionellen ‚Helfer‘ und einem Klienten charakterisiert, das Arbeitsbündnis. Der Begriff wird sowohl in der Sozialpädagogik als auch in der Psychoanalyse (eine Begriffsklärung von Psychoanalyse folgt in Kapitel 2) verwendet. In der Psychoanalyse meint Arbeitsbündnis Ä...eine Arbeitsbeziehung zwischen Analytiker und Analysand bzw. Patient..., die in den Rahmenbedingungen und Vereinbarungen eine psychoanalytischen Behandlung gründet (Stundenfrequenz, Liegen auf der Couch, Honorarregelung,...)“ (Deserno, S. 73).

Es geht also um die unmittelbare Beziehung zwischen Analytiker und Analysand, übertragen auf die Sozialpädagogik geht es um die unmittelbare Beziehung zwischen Sozialpädagoge und Klient. Jedoch ist der Gegenstand von Sozialpädagogik diffus und nicht nur auf die Beziehung zwischen Sozialpädagoge und Klient bezogen, aber das Arbeitsbündnis kann eine in diesem Kontext wichtige Begrenzung auf die Beziehung liefern. Das Arbeitsbündnis bietet einen Rahmen für professionelles Handeln (vgl. Hamburger, S. 179-182).

Um den Begriff des Arbeitsbündnisses explizit auf das Arbeitsfeld Psychiatrie zu beziehen, ziehe ich im Folgenden Ausführungen von den Autoren Bosshard/Ebert/Lazarus heran. Nach ihnen gibt es mehrere Merkmale, die ein gelungenes Arbeitsbündnis ausmachen. Sie betrachten den Sozialpädagogen als Experten im Umgang mit seinen Klienten und stellen die Entwicklung einer Beziehung als Qualitätsmerkmal heraus, in welcher der Sozialpädagoge mit Veränderungen des Klienten umgehen und mit diesen weiterführend arbeiten kann. Bei Schwierigkeiten in der Beziehung ist der Sozialpädagoge gefordert, seinen eigenen Anteil an den Schwierigkeiten zu überprüfen und zu hinterfragen und nicht den Klienten als Auslöser zu betrachten (vgl. Bosshard/Ebert/Lazarus, S. 383).

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Details

Titel
Bedeutung psychoanalytischer Theorieelemente für die Gestaltung von Beziehungen in der Sozialen Arbeit
Hochschule
Evangelische Hochschule Darmstadt, ehem. Evangelische Fachhochschule Darmstadt
Note
1,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
69
Katalognummer
V174031
ISBN (eBook)
9783640943869
ISBN (Buch)
9783640943562
Dateigröße
849 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, theorieelemente, gestaltung, beziehungen, sozialen, arbeit
Arbeit zitieren
Uta Dittmar (Autor), 2010, Bedeutung psychoanalytischer Theorieelemente für die Gestaltung von Beziehungen in der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174031

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