Das Pferdegeschenk in Hartmann von Aues "Erec"

Symbolgehalt und Funktionen


Hausarbeit, 2011

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Pferdegeschenk
2.1. Kontextuelle Einordnung
2.2. Beschreibung von Pferd, Sattel und Zaumzeug
2.3. Historische Einordnung

3. Der Satte
3.1. Steigbügel
3.2. Satteldecke

4. Das Zaumzeug

5. Die Farben des Pferdes

6. Die narrative Funktion der Pferdbeschreibung13

7. Konklusion

1. Einleitung

Das zweite Pferdegeschenk an Enite wird von Hartmann von Aue durch die detailgenauen Beschreibungen sowohl des Pferdes als auch des Sattels und Zaumzeugs, durch die Erzählerfigur deutlich aus der Romanstruktur herausgehoben. Dies veranlasste bereits eine Vielzahl von Sprach- und Literaturwissenschaftlern, sich genauer mit dieser Passage zu befassen und Sinn und Funktion der Ausschweifungen zu beleuchten und zu hinterfragen.

In dieser Arbeit werden einige Aspekte der Forschungsliteratur zu diesem Thema zusammengetragen und miteinander verglichen. Aufgrund der weitumfassenden Thematiken, die die Beschreibungen des zweiten Pferdegeschenks beinhalten, kann sich hier nur auf einige wenige, aber dennoch wesentliche Punkte beschränkt werden.

Augenscheinlich ungewöhnlich ist die Farbgebung des Pferdes und wird vom Erzähler auch als erstes äußeres Merkmal des Pferdes hervorgehoben. Wie sich zeigen wird, werden hier in der Forschungsliteratur verschiedene Erklärungsansätze vertreten. Gleichermaßen lassen die Edelsteinfassungen des Zaumzeugs unterschiedliche Interpretationen zu, welche daher ebenfalls näher betrachtet werden sollen. Die Motive auf Sattel und Satteldecke hingegen scheinen eher konvergente Auslegungen zu erzeugen. Dennoch sollen sie aufgrund ihrer signifikanten Bedeutung für den Roman nicht außer Acht gelassen werden.

Ebenfalls berücksichtigt wird der Erzählrahmen, in welchem die Beschreibungen des Pferdegeschenks ausgeführt werden. Hier wird die Funktion des Erzählstils für das Gesamtwerk ersichtlich.

Dies alles wird untersucht mit Blick auf die Fragestellung, inwieweit das zweite Pferdegeschenk an Enite sowohl intertextuell als auch innertextuell als Symbolträger fungiert und wie Hartmann diese Passage gleichzeitig als Mittel nutzt, um den Fokus auf die Dichtung an sich zu richten.

Nicht geklärt werden wird die Frage, ob das Pferd im Rahmen der Erzählung ein erfundenes oder reales ist. Dennoch wird auf die Begebenheiten und Bräuche des Mittelalters in Bezug auf die Ausstattung der Pferde Bezug genommen, um einen Vergleich der mittelalterlichen Realität mit der Pferdbeschreibung herstellen zu können.

2. Das Pferdegeschenk

2.1. Kontextuelle Einordnung

Nachdem Erec durch seinen letzten Kampf mit zwei Riesen scheinbar zu Tode kam, wurde die bei ihm klagende Enite von dem Grafen Oringles im Wald aufgefunden und von ihm zusammen mit dem vermeintlich toten Erec auf des Grafen Schloss Limors gebracht. Dort soll Enite gegen ihren Willen mit dem Grafen vermählt werden. Nach Erecs Erwachen und seiner unverzüglich anschließenden Raserei unter den Hochzeitsgästen gelingt den beiden jedoch die Flucht. An dieser Stelle verliert Enite ihr Pferd.

Auf König Guivreiz´ Burg Penefrec erhält Enite dann von den zwei Schwestern des Königs ihr (zweites) Pferdegeschenk, das in seiner Gestalt und Ausstattung ihr erstes Pferd, welches Enite nach dem Sperberkampf am Artushof erhielt, noch zu übertreffen scheint.

2.2. Beschreibung von Pferd, Sattel und Zaumzeug

Das Pferd weist eine ungewöhnliche, ja sogar unnatürliche Farbgebung auf: Mit einer weißen und einer schwarzen Seite, voneinander getrennt durch einen grünen Strich, der sich über den gesamten Pferdekörper zieht, scheint das Pferd der Phantasie des Erzählers entsprungen zu sein. Mähne und Schweif sind ebenfalls von der eigenwilligen Tönung betroffen. Der Körperbau wird als in sich perfekt und der Rasse entsprechend beschrieben, er ist stark und grazil zugleich. Der Gang des Pferdes ist geräuschlos und gleitend.

Der Sattel des Pferdes ist ein Damensattel, gefertigt aus Elfenbein und verziert mit reinem Gold und Edelsteinen. Im Elfenbein sind die schicksalhaften Geschichten des Trojanischen Krieges sowie der Liebesbeziehung zwischen Königin Dido, Herrscherin von Karthago, und Eneas, Flüchtling aus Troja, eingeschnitzt.

Die goldenen Steigbügel formen jeweils einen Drachen mit Augen aus Hyazinthen. Mit dem eigenen Schwanz im Maul bilden sie jeweils einen Ring.

Auf dem Sattelkissen ist die Sage um Thisbe und Pyramus zu sehen, ebenfalls eine Liebesgeschichte, die ein unglückliches Ende nimmt.

Die bodenlange Satteldecke besteht aus schwerer Seide, Gold und Edelsteinen. Auf ihr sind die vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer mit den jeweils dazugehörenden Lebewesen und Kreaturen abgebildet.

Ein Netz aus Golddraht, in dem Rubine eingefasst sind, umfasst die Kruppe des Pferdes. Analog dazu ist der Brustriemen mit elf Edelsteinen und kleinen Goldglöckchen gefertigt. Ein Karfunkel im Stirnbereich der Trense ergänzt als zwölfter Edelstein das Zaumzeug.

2.3. Historische Einordnung

Diese umfassende Beschreibung von Pferd und Zaumzeug ist – so phantastisch und unwirklich sie auf den ersten Blick erscheinen mag – relativ nah an den üblichen Pferdeausstattungen des Adels im Mittelalter.

Vor allem der hervorgehobene besonders sanfte Gang des Pferdes ist typisch für den Zelter oder auch Passgänger: Dieser „diente damals adligen wie bürgerlichen Damen als Reittier […]. Die Paßgänger [sic!] erweckten den Eindruck dahinzugleiten, da der Reiter auf seinem Tier kaum geschüttelt wurde.“[1]

Für die fremdartig wirkende Färbung des Tieres findet Offizier und Schriftsteller Max Jähns eine mögliche Erklärung: Er zeigte,

dass es bis ins 16. Jahrhundert vorkam, dass Pferde bemalt wurden, um sie attraktiver zu gestalten. Da es im Erec-Text von dem grünen Strich heisst [sic!] ‚als ein penselstrich er gie…‘ (7317), könnte man eine solche Bemalung als mögliche Deutung annehmen […][2]

[...]


[1] Tavard 1975, S. 248.

[2] Lewis 1974, S. 27.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Pferdegeschenk in Hartmann von Aues "Erec"
Untertitel
Symbolgehalt und Funktionen
Hochschule
Universität Mannheim
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V174034
ISBN (eBook)
9783640944163
ISBN (Buch)
9783640944439
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pferdegeschenk, hartmann, erec, symbolgehalt, funktionen
Arbeit zitieren
Mareike Paulun (Autor:in), 2011, Das Pferdegeschenk in Hartmann von Aues "Erec", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174034

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