Adipositas im Kindes- und Jugendalter und ihre Auswirkungen auf den Schulsport


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

20 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Das Krankheitsbild Adipositas
2.1 Begriffsklärung
2.2 Häufigkeit und mögliche Ursachen

3. Adipositas im Schulsport
3.1 Physische und psychische Auswirkungen von Adipositas auf Sport und Bewegung
3.2 Auswirkungen von Sport und Bewegung auf Adipositas
3.3 Sport für adipöse Kinder und Jugendliche

4. Zusammenfassung und Ausblick

5. Literatur

1. Einleitung

In der heutigen Zeit kommt Bewegung bei Kindern und Jugendlichen allgemein zu kurz. Toben und Spielen im Freien wird zunehmend durch Fernsehen und Computer verdrängt, kaum noch ein Kind läuft oder fährt mit dem Fahrrad zur Schule. Dieser Bewegungsmangel wird als ein wesentlicher Grund für die Zunahme übergewichtiger Kinder in den letzten Jahren gesehen. Eine Untersuchung von Sigrid Dordel und Wilhelm Kleine der Sporthochschule Köln mit Kindern der vierten Jahrgangsstufe (n=360, 8-11 Jahre) ergibt auf Grund der Berechung des BMI (=Body Mass Index) folgende Verteilung: 10,6% der Kinder sind übergewichtig, 5,9% sind sogar adipös (Dordel, Kleine, 2005). Allgemein spricht man von 10-12% übergewichtiger und adipöser Kinder in Deutschland- Tendenz steigend. Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, welche Konsequenzen dieser Trend für den Schulsport mit sich bringt. Wie soll der Schulsport auf diese Entwicklung reagieren, welche Möglichkeiten gibt es, welche Grenzen sind zu beachten? Hierbei soll der Schwerpunkt auf dem Umgang mit adipösen Kindern im Rahmen des Schulsports liegen. Dazu soll zunächst eine Klärung des Begriffs Adipositas in Kapitel 2.1 erfolgen, anschließend sollen allgemeine Daten und mögliche Ursachen des Krankheitsbildes Adipositas aufgeführt werden, um einen Überblick zu schaffen. In Kapitel 3 geht es schließlich um die Wechselwirkungen zwischen Sport und Adipositas, welche zunächst aus zwei Blickwinkeln beleuchtet wird. Welche Konsequenzen hat die Adipositas einerseits für Bewegung und Sport der Betroffenen, inwiefern sind sie eingeschränkt und wo liegen die Risiken? Und welche Auswirkungen kann Sport umgekehrt auf adipöse Kinder und Jugendliche haben, welche Rolle spielen Bewegung und Sport in der Bewältigung von Adipositas und Übergewicht? In Kapitel 3.3 werden die bisherigen Erkenntnisse zusammengefasst und es wird versucht, Konsequenzen und Ideen für den Umgang mit adipösen Kindern im Schulsport zu entwickeln. Inwiefern kann der Schulsport dazu beitragen, die Alltagsaktivität und das Sportverhalten der betroffenen Kinder zu steigern, und worauf muss er Rücksicht nehmen?

2. Das Krankheitsbild Adipositas

2.1 Begriffsklärung

Im Lexikon wird Adipositas als „Fettsucht“ oder „Fettleibigkeit“ bezeichnet, außerdem als „übermäßige Bildung von Fettgewebe“ (Dudenredaktion, 2004, S.23). Bei Adipositas handelt es sich um eine spezielle Form von Übergewicht. Eine sehr allgemeine Definition hierfür könnte lauten: „Übergewicht stellt ein Kalorien- Missverhältnis dar, es spiegelt einen Überfluss an Fettmasse wider, welche in einem Ungleichgewicht von Energiezufuhr und Energieverbrauch wurzelt“ (Dubius, 2002. S.1). Mit anderen Worten wird durch Nahrung mehr Energie aufgenommen, als durch Stoffwechselprozesse wieder verwertet wird. Auch Mäueler beschreibt diesen Zustand als „Ungleichgewicht zwischen der Gesamt-Fettabsorption und der Gesamt- Fettoxidation“ (Mäueler, 2006, S. 15) und nennt hierfür drei mögliche Ursachen: 1. Erhöhte Fettaufnahme bei scheinbar normaler Fettverwertung. 2. Eingeschränkte Fettverbrennung bei scheinbar normaler Fettaufnahme, „aufgrund eines niedrigen Grundumsatzes, eines erhöhten respiratorischen Quotienten oder mangelnder Bewegung“. 3. „Eine Kombination aus den Punkten 1 und 2“ (Mäueler, 2006, S. 16). Mäueler verweist in seinem Text außerdem auf ein vermehrtes Interesse am Fettgewebe selbst in den letzten Jahren. So kann Fettgewebe nach neusten Erkenntnissen als „hochaktives endokrines Gewebe“ verstanden werden, welches durch „eine Vielzahl metabolisch wirksamer Stoffe (...) in die Regulation des Stoffwechsels eingreift“ (Mäueler, 2006, S. 8). Bei Adipositas könnte hiernach eine Funktionsstörung dieses Gewebes vorliegen und eine Beeinträchtigung der Stoffwechselprozesse zur Folge haben.

Aber ab welchem Grad von Übergewicht spricht man von Adipositas? Zur genaueren Definition ist es nötig, den Körperfettanteil eines Menschen genau zu bestimmen. Dies kann unter anderem durch die Berechnung des BMI (= Body Mass Index) bestimmt werden. Der BMI wird wie folgt errechnet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die folgende Tabelle ermöglicht eine Klassifizierung des Wertes:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hiernach kann man also ab einem BMI von 30 von Adipositas sprechen. Der BMI stellt aber nur das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße, die Körperzusammensetzung wird dabei nicht berücksichtigt. Es ist durchaus möglich, dass Jemand einen sehr hohen BMI aufweist, weil er durch eine große Muskelmasse für seine Größe relativ schwer ist. So ein Mensch würde aber nicht als adipös eingestuft, da Muskelmasse, nicht Fettzellen das Übergewicht bestimmen. Aus diesem Grund sollte zusätzlich der Körperfettanteil bestimmt werden, welcher Auskunft über das Verhältnis von Fett- und Magermasse im Körper gibt. Die Bestimmung kann auf verschiedene Arten vorgenommen werden, wie z.B. Kernspintomographie, Bioelektrische Impedanzanalyse oder die Messung der Hautfaltendicke. Bei letzterer Methode handelt es um eine relativ leicht durchführbare, die jedoch auch mit höherer Wahrscheinlichkeit zu Fehlmessungen führen kann (Kamper, Lawrenz, 2002, S. 22).

Allgemein spricht man bei Frauen ab einem Körperfettanteil von 25%, bei Männern ab 30% von Adipositas. Zusätzlich werden zwei Typen der Adipositas anhand typischer Fettverteilungsmuster im menschlichen Körper unterschieden:

1. Abdominale Adipositas (Apfelform): Fettansammlung vorrangig am Bauch, häufig bei Männern.
2. Periphere Adipositas (Birnenform): Fettansammlung vorrangig in der Po- Region, häufig bei Frauen.

Bereits an dieser Stelle wird deutlich, dass es einige Messungen benötigt, um einen Menschen eindeutig als adipös einzustufen. Es ist darauf hinzuweisen, dass die genannten Messmethoden in dieser Form auf die Klassifizierung von Erwachsenen, nicht aber von Kindern und Jugendlichen ausgerichtet sind. Neben dem Geschlecht ist auch das Alter ein wichtiger Indikator für die Bestimmung des Übergewichtes. Im Kindes- und Jugendalter ändert sich der relative Fettanteil an der Gesamtkörpermasse relativ schnell, wodurch eine sehr differenzierte Klassifizierung nötig ist. So ist eine enorme Zunahme von Körperfettzellen in den ersten Lebensmonaten zu verzeichnen, danach ein Abfall, ab dem 4. bis 8. Lebensjahr wieder eine leichte Zunahme und zwischen dem 17.-19. Lebensjahr eine kleine Abnahme. Diese Entwicklung ist zusätzlich stark geschlechtsabhängig. Während der durchschnittliche Fettanteil bei Jungen zwischen dem 10. und 15. Lebensjahr von 18% auf 12% sinkt, steigt er bei Mädchen von 17% auf 24% an. Diese Schwankungen macht eine zuverlässige Bestimmung mit einfachen Messmethoden unmöglich (Wirth, 2000, S. 307). Aus diesen Gründen muss bei der Berechnung des BMI sowohl das Alter als auch das Geschlecht mit berücksichtigt werden.

Nach einem in Geschlechter unterteilten Diagramm, welches von der EUROPEAN CHILDHOOD OBESITY GROUP zur Klassifizierung empfohlen wird, ist der Körperfettanteil in Perzentilen ( Prozenteinteilung) eingeteilt. Hiernach ist ein Kind bzw. Jugendlicher ab einer Perzentile von 90 übergewichtig, ab der 97. gilt er als adipös. Eine Perzentile von 97 entspräche beispielsweise einem zehnjährigen Jungen mit einem BMI von 20. Dieser BMI-Wert klassifiziert einen Erwachsenen in der oben aufgeführten Tabelle als normalgewichtig. Erst ab dem 21. Lebensjahr beginnen sich die Werte der BMI-Tabelle für Erwachsene anzunähern, so gilt eine einundzwanzigjährige Jugendliche mit einem BMI von 27 als adipös. An dieser Stelle ist jedoch noch zu erwähnen, dass es bisher keine international akzeptierte Klassifikation für Übergewicht und Adipositas im Kindesalter gibt, die es ermöglicht, eine eindeutige Grenze zwischen Übergewicht und Adipositas zu ziehen.

2.2 Häufigkeit und mögliche Ursachen

Etwa 10-20% der deutschen Kinder sind übergewichtig oder adipös. Viele von ihnen leiden bereits an ersten Folgeschäden wie einer Fettleber oder Atemnot bei Belastung. Außerdem sind diese Kinder stark in ihrer Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit eingeschränkt und leiden häufig unter wenig sozialen Kontakten als Folge eines geringen Selbstwertgefühls (T.O.M.-Programm für Kinder und Jugendliche, 2005, S.1).

Alarmierend ist zudem, dass die Anzahl adipöser Kinder und Jugendlicher in den letzten Jahren enorm gestiegen ist und weiter zunimmt. In Deutschland ist die Anzahl adipöser Jungen von 1975 bis 1995 um 55% gestiegen, bei den Mädchen sind es erschreckende 111% (Dubius, 2002, S. 3).

Außerdem ist das Risiko der Persistenz für Adipositas relativ hoch. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein adipöses Kind im Erwachsenenalter adipös bleibt, beträgt vor der Pubertät 20-50%, jedoch 50-70% nach der Pubertät“ (Dubius, 2002, S.4). Mit anderen Worten steigt das Risiko der Persistenz mit dem Alter des Kindes an. Umso wichtiger ist es, bereits im Kindes- und Jugendalter einzugreifen. Woran kann es liegen, dass die Zahlen übergewichtiger Kinder in den letzten Jahren so stark zugenommen haben? „Adipositas ist ein multifaktorielles Leiden, sie ist die Folge einer möglichen genetischen Veranlagung verbunden mit dem Einfluss verschiedener Umweltfaktoren“ (Dubius, 2002, S.1). Wie bereits in der Einleitung erwähnt, vertreiben sich Kinder und Jugendliche ihre Zeit immer mehr mit Fernsehen und Computerspielen und verbringen damit immer weniger Zeit im Freien. „Die tägliche Zeit vor dem Bildschirm übersteigt bei deutschen Jugendlichen mittlerweile drei Stunden. (...) Lediglich ein Viertel der Kinder spielt einmal oder mehr pro Woche im Freien“ (Nething, 2006, S.43). Diese Erkenntnisse spiegeln einen deutlichen Rückgang der Alltagsaktivität von Kindern und Jugendlichen in der heutigen Zeit wider. Nach einer Studie von Dietz wurden innerhalb von vier Jahren „Jugendliche mit >5h Fernsehkonsum pro Tag 4,6 mal häufiger adipös als solche mit einem Konsum <2h“ (Wirth, 2002, S.309).

Einen weiteren Grund könnte die Vererbung darstellen: „Übergewicht ist zu etwa 30- 50% vererbt“ (Wirth, 2002, S.309). So beträgt z.B. die Wahrscheinlichkeit, dass ein 1- 2 jähriges übergewichtiges Kind ein adipöser Erwachsener wird, bei normalgewichtigen Eltern etwa 10%, bei einem adipösen Elternteil steigt sie auf 45% und bei zwei adipösen Elternteilen auf 75% (Dubius, 2002, S.3). Hinzu kommt, dass auch sportliche Aktivität und ein insgesamt sportlicher Lebensstil weitergegeben wird, da die Kinder ihn von ihren Eltern übernehmen. „Kinder von körperlich aktiven Eltern sind 2 bis 3,4 mal aktiver als Kinder von inaktiven Eltern“ (ebd., vgl. auch Moore et al. 1991).

Wirth führt als weitere mögliche Ursachen kritische Lebensphasen auf, in denen Kinder und Jugendliche besonders gefährdet sind, übergewichtig zu werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Adipositas im Kindes- und Jugendalter und ihre Auswirkungen auf den Schulsport
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Training und Prävention im Kindes und Jugendalter
Note
1.7
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V174066
ISBN (eBook)
9783640944583
ISBN (Buch)
9783640944736
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adispositas, Jugendalter, Schulsport, Training, Prävention, Kindesalter, Kinder, Jugendliche, Übergewicht, BMI, Sportuntericht
Arbeit zitieren
Boris Stoev (Autor), 2009, Adipositas im Kindes- und Jugendalter und ihre Auswirkungen auf den Schulsport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174066

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