In der heutigen Zeit kommt Bewegung bei Kindern und Jugendlichen allgemein zu kurz. Toben und Spielen im Freien wird zunehmend durch Fernsehen und Computer verdrängt, kaum noch ein Kind läuft oder fährt mit dem Fahrrad zur Schule. Dieser Bewegungsmangel wird als ein wesentlicher Grund für die Zunahme übergewichtiger Kinder in den letzten Jahren gesehen. Eine Untersuchung von Sigrid Dordel und Wilhelm Kleine der Sporthochschule Köln mit Kindern der vierten Jahrgangsstufe (n=360, 8-11 Jahre) ergibt auf Grund der Berechung des BMI (=Body Mass Index) folgende Verteilung: 10,6% der Kinder sind übergewichtig, 5,9% sind sogar adipös (Dordel, Kleine, 2005). Allgemein spricht man von 10-12% übergewichtiger und adipöser Kinder in Deutschland- Tendenz steigend. Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, welche Konsequenzen dieser Trend für den Schulsport mit sich bringt. Wie soll der Schulsport auf diese Entwicklung reagieren, welche Möglichkeiten gibt es, welche Grenzen sind zu beachten? Hierbei soll der Schwerpunkt auf dem Umgang mit adipösen Kindern im Rahmen des Schulsports liegen. Dazu soll zunächst eine Klärung des Begriffs Adipositas in Kapitel 2.1 erfolgen, anschließend sollen allgemeine Daten und mögliche Ursachen des Krankheitsbildes Adipositas aufgeführt werden, um einen Überblick zu schaffen. In Kapitel 3 geht es schließlich um die Wechselwirkungen zwischen Sport und Adipositas, welche zunächst aus zwei Blickwinkeln beleuchtet wird. Welche Konsequenzen hat die Adipositas einerseits für Bewegung und Sport der Betroffenen, inwiefern sind sie eingeschränkt und wo liegen die Risiken? Und welche Auswirkungen kann Sport umgekehrt auf adipöse Kinder und Jugendliche haben, welche Rolle spielen Bewegung und Sport in der Bewältigung von Adipositas und Übergewicht? In Kapitel 3.3 werden die bisherigen Erkenntnisse zusammengefasst und es wird versucht, Konsequenzen und Ideen für den Umgang mit adipösen Kindern im Schulsport zu entwickeln. Inwiefern kann der Schulsport dazu beitragen, die Alltagsaktivität und das Sportverhalten der betroffenen Kinder zu steigern, und worauf muss er Rücksicht nehmen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Krankheitsbild Adipositas
2.1 Begriffsklärung
2.2 Häufigkeit und mögliche Ursachen
3. Adipositas im Schulsport
3.1 Physische und psychische Auswirkungen von Adipositas auf Sport und Bewegung
3.2 Auswirkungen von Sport und Bewegung auf Adipositas
3.3 Sport für adipöse Kinder und Jugendliche
4. Zusammenfassung und Ausblick
5. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen von Adipositas auf den Schulsport und analysiert, wie Lehrkräfte angemessen auf die Bedürfnisse betroffener Kinder und Jugendlicher reagieren können, um deren Freude an Bewegung zu fördern.
- Medizinische Definition und Klassifizierung von Adipositas im Kindesalter
- Soziale und physische Einflussfaktoren auf die Entstehung von Übergewicht
- Die Wechselwirkungen zwischen Sport, Bewegung und Adipositas
- Herausforderungen und pädagogische Lösungsansätze im Schulsport
- Förderung von Motivation, Körperwahrnehmung und Selbstvertrauen bei adipösen Schülern
Auszug aus dem Buch
3.1 Physische und psychische Auswirkungen der Adipositas auf Sport und Bewegung
„Während im Erwachsenenalter die medizinischen Komplikationen einer Adipositas wie Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- und orthopädische Erkrankungen im Vordergrund stehen, leiden Kinder und Jugendliche vorwiegend unter den psychosozialen Folgen. Aber auch die genannten medizinischen Probleme können schon frühzeitig auftreten“ ( Kamper, Lawrenz, 2002, S. 221).
Leider bringt die Krankheit Adipositas oft eine Art Teufelskreis physischer und psychischer Auswirkungen mit sich: Übergewicht hat nicht selten die Vermeidung körperlicher Aktivität zur Folge, wodurch sich die Inaktivität immer mehr steigert und schließlich die Leistungsfähigkeit sinkt. Muss dann, z.B. in der Schule, doch Sport getrieben werden, führt das zu Misserfolgserlebnissen und Frustration, welche zu weiterer Meidung von Bewegung und schließlich zur Steigerung des Übergewichts führen (vgl. Koch, 2005, S.139). Im Folgenden sollen sowohl die motivationalen Aspekte, als auch die körperlichen Einschränkungen thematisiert werden.
Allgemein ist der passive Bewegungsapparat beim Kind weniger belastbar als beim Erwachsenen, da sich das Skelett noch im Wachstum befindet. Beim adipösen Kind ist zu beachten, „dass die orthopädische Belastung von manchen Sportarten durch das Übergewicht noch verstärkt wird, was zu Schädigungen von Knochen und Gelenken führen könnte“ (Lawrenz, 2005, S.317). Leider gibt es aber bisher keine Langzeitstudien über die „Nebenwirkungen von Sport bei Adipösen insbesondere auf das Skelettsystem“ (Kamper, Lawrenz, 2002, S. 222), welche genauere Erkenntnisse liefern könnten. Weiterhin ist die Muskulatur bei diesen Kindern meist nicht ausreichend entwickelt, um den Gelenken genügend Schutz zu bieten. Diese orthopädischen Risiken schränken das Sporttreiben für adipöse Kinder und Jugendliche also in Hinblick auf Belastung bei z.B. Sprung- oder hohen Kraftbelastungen ein. Um jedoch Arthrose und Gelenkverschleiß vorzubeugen, ist regelmäßige Bewegung wichtig. Adipöse Kinder sollten versuchen, Bewegungsformen zu finden, die die Gelenke beweglich halten, ohne sie zu stark zu belasten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet den allgemeinen Bewegungsmangel bei Kindern und die steigende Adipositas-Rate und stellt die Frage nach der Rolle des Schulsports.
2. Das Krankheitsbild Adipositas: Das Kapitel definiert den Begriff der Adipositas, erläutert die Berechnung mittels BMI und diskutiert Ursachen wie genetische Veranlagung und verändertes Freizeitverhalten.
3. Adipositas im Schulsport: Hier werden die körperlichen und psychischen Barrieren für adipöse Kinder im Sportunterricht sowie positive Effekte gezielter Bewegungsangebote dargestellt.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Das Kapitel resümiert, dass Sport eine zentrale Rolle in der Therapie spielt und betont die Verantwortung der Schule, Kindern durch motivierende und differenzierte Ansätze die Angst vor dem Sport zu nehmen.
5. Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Fachliteratur und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Adipositas, Übergewicht, Schulsport, Bewegungsapparat, Körperfettanteil, BMI, Bewegungsmangel, Sportunterricht, Motivation, Körperwahrnehmung, Prävention, Kindesalter, Jugendalter, Gesundheitsförderung, Lebensstil.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Zunahme von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen und untersucht deren spezifische Auswirkungen auf den Sportunterricht an Schulen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die medizinischen Grundlagen von Übergewicht, die körperlichen sowie psychosozialen Hindernisse beim Sport und pädagogische Strategien zur Motivation adipöser Schüler.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Kernfrage ist, wie der Schulsport gestaltet werden kann, um adipösen Kindern trotz Einschränkungen Freude an der Bewegung zu vermitteln und sie bei einer gesünderen Lebensweise zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse wissenschaftlicher Studien und fachmedizinischer Erkenntnisse basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die medizinischen Risiken für Gelenke und Herz-Kreislauf-System, die psychosozialen Folgen von Misserfolgen im Sport und bietet konkrete didaktische Differenzierungsmöglichkeiten für den Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Adipositas, Schulsport, Bewegung, Motivation, Differenzierung und Gesundheitsförderung charakterisiert.
Warum ist der BMI als alleiniges Maß bei Kindern oft unzureichend?
Da sich Kinder im Wachstum befinden und die Körperzusammensetzung (Muskel- zu Fettmasse) sehr individuell variiert, ist eine reine Gewichtsberechnung ohne Einbeziehung von Alter und Geschlecht nicht aussagekräftig genug.
Welche Rolle spielt die Motivation für das Sporttreiben adipöser Kinder?
Motivation ist entscheidend, da betroffene Kinder häufig negative Erfahrungen wie Ausgrenzung gemacht haben; ein Fokus auf Spaß statt auf puren Leistungsdruck ist notwendig, um einen Teufelskreis aus Inaktivität zu durchbrechen.
Wie kann ein Sportlehrer im Unterricht differenzieren?
Durch verschiedene Schwierigkeitsniveaus an Stationen oder die Bereitstellung von unterstützenden Materialien (z.B. Hilfestellungen am Reck oder bodennahe Übungsformen) können Erfolgserlebnisse individuell ermöglicht werden.
Ist der Sportunterricht allein ausreichend, um das Gewicht signifikant zu senken?
Nein, der Autor betont, dass Sport nur einen Teil der Lösung darstellt. Eine dauerhafte Gewichtsreduktion erfordert zusätzlich eine Ernährungsumstellung und die aktive Mitwirkung des Elternhauses.
- Citation du texte
- Boris Stoev (Auteur), 2009, Adipositas im Kindes- und Jugendalter und ihre Auswirkungen auf den Schulsport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174066