The island of Batam, which belongs to the Indonesian Province Riau Kepulauan, has undergone an extreme transformation in the past fifty years. In the 1950s it was still a sparsely populated fishing community, whereas today it is - through continuous migration - a densely populated multi-ethnic and transnational industrial location. This is mainly due to its membership of the SIJORI Growth Triangle: an arrangement between Singapore, Johor (in Malaysia), and Riau Islands (in Indonesia). This growth has produced a new set of social problems for the island, in particular, the spread of HIV/AIDS.
In my thesis I will analyse the HIV/AIDS problem in Batam with a focus on the transnational situation of the island and I will point out how the HI-virus is spreading from Batam to other parts of Indonesia and surrounding countries. This thesis deals with the transnational and economic development of Batam; the mass migration to the island; its immense sex industry; the HIV-transmission, and in particular, how the virus is transmitting itself over the boundaries of Batam. In conclusion I will describe the governmental policies of Indonesia and Singapore regarding HIV, and also the approach of different non-governmental organisations. In both cases I consider closely the question of how they handle the transnational situation of the island.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die ökonomisch-transnationale Entwicklung der Insel Batam
2.1 Die Geschichte des Riau Archipels und seine Verbindung zu Singapur
2.2 Der Beginn der industriellen Entwicklung auf Batam
2.3 Das Indonesien-Malaysia-Singapur Wachstumsdreieck – ein transnationaler Wirtschaftsraum entsteht
2.4 Die Entwicklungen im Wachstumsdreieck und die Auswirkungen der Asienkrise
2.5 Aktuelle Entwicklungen auf Batam
3. Der soziale Aspekt – Leben und Arbeiten auf Batam
3.1 Der Batamindo Industriepark und die organisierte Migration nach Batam
3.2 Hoffnung auf ein besseres Leben – unorganisierte Migration nach Batam
3.3 Lebensumstände auf Batam und die Entstehung von transnationalen Gemeinschaften
3.3.1 Familienleben in einer Slumsiedlung
3.3.2 Batak-Frauen in einer privaten Unterkunft
3.3.3 Ein Wohnheim auf dem Gelände des Batamindo Industrieparks
4. Sexindustrie und HIV-Risiko auf Batam
4.1 „Island of Sin“ – Geschichte und Organisation der Prostitution auf Batam
4.2 Die Bedeutung von Scham bei Prostituierten auf Batam
4.3 Prostitution und HIV-Risiko auf Batam
5. HIV als transnationales Problem
5.1 Die Zusammenhänge von Bevölkerungsmobilität und HIV
5.1.1 Interne Bevölkerungsmobilität in Indonesien: Asienkrise, Menschenhandel und HIV-Ausbreitung
5.1.2 Indonesische Arbeiter im Ausland und ihr Risiko einer HIV-Infektion
5.1.3 Die Verbindung von hoher Mobilität, Sexindustrie und HIV-Ausbreitung in Indonesien
5.2 Von Batam ausgehende Verbreitungswege der HIV-Epidemie
5.2.1 Singapurische Männer als Kunden der Sexindustrie auf Batam
5.2.2 Prostituierte aus Batam in Singapur
5.2.3 Weitere Arten der grenz- und „insel“-überschreitenden Prostitution
6. Die HIV-Politik von Indonesien und Singapur in Bezug auf Batam
6.1 Die indonesische HIV-Politik auf Batam
6.2 Die HIV-Politik Singapurs in Bezug auf Batam
7. Nichtregierungsorganisationen als Akteure der HIV-Bekämpfung
7.1 Nichtregierungsorganisationen in Indonesien und auf Batam
7.2 Nichtregierungsorganisationen auf Batam als Akteure der HIV-Bekämpfung
8. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die HIV-Problematik auf der indonesischen Insel Batam vor dem Hintergrund der transnationalen Verflechtungen innerhalb des Wachstumsdreiecks zwischen Indonesien, Malaysia und Singapur. Ziel ist es, die Verbreitungswege des HI-Virus zu identifizieren, die durch sozio-ökonomische Dynamiken, Bevölkerungsmobilität und eine florierende Sexindustrie entstehen, und die politisch-reaktiven Strategien der beteiligten Staaten sowie Nichtregierungsorganisationen zu bewerten.
- Die ökonomisch-transnationale Transformation Batams vom Fischerdorf zum Industriestandort.
- Die soziologischen Lebensumstände von Migranten und die Entstehung transnationaler Identitätsräume.
- Die Mechanismen der kommerziellen Sexindustrie und deren Rolle als Risikofaktor für die HIV-Ausbreitung.
- Der Einfluss politischer Maßnahmen und gesetzlicher Regulierungen auf die HIV-Prävention über Landesgrenzen hinweg.
Auszug aus dem Buch
4.2 Die Bedeutung von Scham bei Prostituierten auf Batam
Viele der Menschen auf Batam haben einen ähnlichen Hintergrund, sie verlassen ihre Familien und ihr Dorf, um in der Ferne ihr Glück zu suchen. Dies wird mit dem indonesischen Begriff merantau beschrieben, was übersetzt so viel bedeutet, wie: in die Fremde gehen, auswandern. Da sich in den letzten drei Dekaden immer mehr Indonesier für diesen Weg entschieden, wurde merantau mehr und mehr mit Lohnarbeit und dem Konsum von Modernität assoziiert, und als kulturelle Form nationalisiert. Ursprünglich war merantau eine männliche Aktivität der ethnischen Minangkabau in Westsumatra. Doch seit den letzten beiden Dekaden ist es auch für junge Frauen üblich, ihre Heimat zu verlassen, um Arbeit zu suchen. Die Moralökonomie des merantau fordert, dass die Person nach einer Weile in der Fremde in einem ökonomischen Sinn erfolgreich nach Hause zurückkehrt.
Viele entscheiden sich aufgrund der Geschichten Heimkehrender und kursierender Gerüchte nach Batam zu gehen. Doch im Kontrast zu den Geschichten, die im Umlauf sind, ist ökonomischer Erfolg auf Batam nicht einfach zu erreichen, und die Migranten schämen sich, mit leeren Händen nach Hause zu kommen. Dieses Gefühl der Scham oder Verlegenheit, malu im Indonesischen, ohne Erfolg nach Hause zurückzukehren, ist oft stärker als die Scham in unerlaubte oder unsittliche Aktivitäten involviert zu sein (LINDQUIST 2004b: 16, 17). Die Aussage einer auf Batam tätigen Prostituierten bestätigt dies: “of course I feel malu when I think about what I am doing – though it has become easier – but it is nothing compared to the malu I would feel if I returned home with nothing. Now, I can feel proud when I return home. I am sure some people suspect that I work as a prostitute, but no one ever asks” (LINDQUIST 2004b: 13).
Um dieses Gefühl der Scham und Verlegenheit zu überwinden nehmen viele der Frauen, gerade solche, die in Diskotheken auf Kunden warten, regelmäßig die Droge Ecstasy.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problematik Batams als transnationaler Raum, in dem eine florierende Sexindustrie und hohe Mobilität die HIV-Ausbreitung begünstigen.
2. Die ökonomisch-transnationale Entwicklung der Insel Batam: Historische und ökonomische Analyse des Wachstumsdreiecks und der Transformation Batams zum Industriestandort.
3. Der soziale Aspekt – Leben und Arbeiten auf Batam: Beleuchtung der Lebens- und Arbeitsumstände der Migranten im Batamindo Industriepark sowie in informellen Siedlungen.
4. Sexindustrie und HIV-Risiko auf Batam: Untersuchung der Strukturen der Prostitution, des kulturellen Konzepts der Scham und der direkten Faktoren für das HIV-Risiko.
5. HIV als transnationales Problem: Analyse der Zusammenhänge von Mobilität und HIV-Ausbreitung sowie der grenzüberschreitenden Dynamiken durch Arbeiter und Sexarbeiterinnen.
6. Die HIV-Politik von Indonesien und Singapur in Bezug auf Batam: Kritische Gegenüberstellung der nationalen Kontrollpolitiken beider Staaten zur Bekämpfung des Virus.
7. Nichtregierungsorganisationen als Akteure der HIV-Bekämpfung: Vorstellung der NRO-Landschaft und deren Wirken sowie Kooperationsansätze im transnationalen Kontext.
8. Schlussbetrachtung: Fazit zur Rolle Batams als transnationales Gebiet und Ausblick auf notwendige grenzüberschreitende Präventionsstrategien.
Schlüsselwörter
Batam, Transnationalismus, HIV/AIDS, Wachstumsdreieck, Migration, Sexindustrie, Prostitution, Arbeitsmigration, Menschenhandel, Prävention, Indonesien, Singapur, Gesundheitspolitik, Nichtregierungsorganisationen, Transmigranten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit thematisiert die HIV-Epidemie auf der indonesischen Insel Batam und analysiert diese als ein transnationales Phänomen, das eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung und der Migration innerhalb des Wachstumsdreiecks zwischen Indonesien, Malaysia und Singapur verknüpft ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die wirtschaftliche Entwicklung der Region, die sozio-ökonomische Situation von Arbeitsmigranten, die Strukturen der lokalen Sexindustrie sowie die politischen Strategien zur HIV-Prävention und -Bekämpfung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie sich das HI-Virus auf Batam ausbreitet, welche Rolle die grenzüberschreitende Mobilität dabei spielt und inwiefern die aktuellen politischen Ansätze der beteiligten Nationen den transnationalen Realitäten gerecht werden.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Es handelt sich um eine regionalwissenschaftliche Untersuchung, die auf einer fundierten Literaturanalyse, der Auswertung von Statistiken und Berichten sowie Erkenntnissen aus eigenen Feldforschungen und Gesprächen vor Ort basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die ökonomischen Grundlagen Batams, dann die Lebensbedingungen der Arbeiter sowie die spezifischen Bedingungen der Sexindustrie und deren Einfluss auf das Infektionsrisiko detailliert erörtert.
Was zeichnet die Arbeit besonders aus?
Die Arbeit verbindet Theorien des Transnationalismus mit einer sehr konkreten, lokalen Fallstudie über Batam und zeigt auf, dass HIV-Prävention nicht nur eine medizinische, sondern eine hochgradig soziale und grenzüberschreitende Herausforderung darstellt.
Welchen Einfluss hat die "Asienkrise" auf die Thematik?
Die Asienkrise von 1997/98 löste massive Migrationsbewegungen aus und führte zu einer Verschärfung der sozialen Not, was wiederum die Prostitutionsszene auf Batam durch einen verstärkten Zustrom von Frauen und Kunden (oft aus Singapur) wachsen ließ.
Welche Rolle spielt die "Scham" (malu) für die Prostituierten?
Das kulturell tief verwurzelte Gefühl der Scham, mit leeren Händen in die Heimat zurückzukehren, ist oft so groß, dass Prostituierte ihre Tätigkeit auf Batam fortsetzen, selbst unter riskanten Bedingungen, um den sozialen Druck zu vermeiden.
- Arbeit zitieren
- Yvonne Bach (Autor:in), 2008, HIV als transnationales Problem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174100