'Wahrlich, dieser Mensch war Gottes Sohn'. Die Darstellung des Todes Jesu nach Mk.


Seminararbeit, 2000
19 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorbereitende Schritte
2.1. Kontextabgrenzung
2.2. Kontexteinordnung

3. Sprachlich-syntaktische Analyse
3.1. Phonetische Analyse
3.2. Textsyntax
3.3. Satzsyntax

4. Semantische Analyse
4.1. Narrative Analyse
4.2. Textsemantische Analyse
4.3. Wortsemantische Analyse

5. Pragmatische Analyse
5.1. Explizite Leserlenkung
5.2. Der historische Kontext

6. Nachwort

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Abschnitt Mk 15,22-39, die „Kreuzigung“, steht mit dem Tod Jesu erzähllogisch am Ende des Evangeliums, bildet aber nicht seinen Schluss. Dennoch ist mit dem Tod eines Menschen immer auch ein Kulminationspunkt einer Erzählung erreicht und der Sterbende selbst, wie auch andere Beteiligte werden zu einer Stellungnahme über diesen Menschen herausgefordert.

Interesse dieser Arbeit soll deshalb neben der Ermittlung der Aufbaus dieses Textes vor allem die Beantwortung der Frage sein, wie der Autor in diesen Versen das von ihm entworfene „Messiasgeheimnis“ auflöst und in welchem Zusammenhang dazu die einzelnen Akteure der Szenerie dazu stehen.

2. Vorbereitende Schritte

Für die exegetische Arbeit wurde Mk 15,22-39 gewählt. Die Arbeitsübersetzung beruht auf der griechisch-deutschen Interlinearübersetzung nach der 26. Auflage des Novum Testamentum Graece von Nestle-Aland[1].

22 Und sie führen ihn an den Golgota Ort,

was ist übersetzt werdend „Schädels Ort“.

23 Und sie wollten geben ihm mit Myrrhe gewürzten Wein;

er aber nicht nahm (ihn).

24 Und sie kreuzigen ihn, und sie verteilen unter sich – seine Kleider,

werfend (das) Los über sie, wer was nehmen solle.

25 (Es) war aber (die) dritte Stunde,

und sie kreuzigten ihn.

26 Und (es) war die Aufschrift – seiner Schuld daraufgeschrieben:

Der König der Juden.

27 Und mit ihm kreuzigen sie zwei Räuber,

einen zu (seiner) Rechten und einen zu seiner Linken.

29 Und die Vorübergehenden lästerten ihn,

schüttelnd – ihre Köpfe und sagend:

Ha, du Abbrechender den Tempel und Bauender binnen dreier Tage,

30 rette dich selbst, herabgestiegen vom Kreuz!

31 Gleichermaßen auch die Oberpriester, verspottend, zu- einander mit den Schriftgelehrten sagten:

Andere hat er gerettet, sich selbst nicht kann er retten;

32 der Gesalbte, der König Israels, steige herab jetzt vom Kreuz, damit wir sehen und glauben!

Und die Mitgekreuzigten mit ihm schmähten ihn.

33 Und (als) geworden war (die) sechste Stunde, Finsternis wurde über das ganze Land bis zur neunten Stunde.

34 Und in der neunten Stunde schrie – Jesus mit lauter Stimme:

Eloi eloi lema sabachtani?

was ist übersetzt werdend:

- Mein Gott, - mein Gott, warum hast du verlassen mich?

35 Und einige der Dabeistehenden, (dies) gehört habend, sagten:

Siehe, Elija ruft er.

36 Gelaufen aber einer und gefüllt habend einen Schwamm mit Essig, gelegt habend um einen Rohrstock,

wollte zu trinken geben ihm, sagend:

Lasst, wir wollen sehen, ob kommt Elija, herabzunehmen ihn!

37 – Aber Jesus, ausgestoßen habend einen lauten Schrei, hauchte aus (seinen Geist).

38 Und der Vorhang des Tempels zerriss in zwei (Teile) von oben bis unten.

39 (Dies) gesehen habend aber, der Zenturio – dabeistehende auf (der) gegenüberliegenden (Seite) von ihm,

dass so er ausgehaucht hatte (seinen Geist), sagte:

Wahrhaftig, dieser Mensch Sohn Gottes war.

2.1. Kontextabgrenzung

Der vorliegende Abschnitt weist innerhalb nur weniger Verse eine Reihe von szenischen Gliederungsmerkmalen auf. Zwei Ortswechsel, vom Palasthof nach Golgota (15,16-21) und von dort zu den von weitem zusehenden Frauen (15,40), grenzen den Umfang der eigentlichen Kreuzigungsszene ab. Innerhalb dieser Verse fallen jedoch zwei Unstimmigkeiten auf: In Vers 33 wird von einer Finsternis berichtet, die das „ganze Land“ erfasst. Da sie aber auch auf Golgota stattfindet und den Gang der Ereignisse nicht beeinflusst, also eher eine Hintergrundinformation darstellt, ist ihre Erwähnung nicht als eigentlicher Ortswechsel zu betrachten. Des weiteren berichtet Markus davon, dass zum Zeitpunkt des Todes Jesu der Vorhang des Tempels zerreißt (15,38), ein Vorgang, der sich innerhalb der Stadt ereignet, also abseits und nicht beobachtbar vom Ort der eigentlichen Erzählung. Auch dieser Einschub stört die Erzählung nicht und stellt deshalb keinen Ortswechsel im eigentlichen Sinne dar.

Das Geschehen wird durch drei Zeitangaben gegliedert: Die dritte Stunde (15,25) ist der eigentliche Zeitpunkt der Kreuzigung, mit der sechsten Stunde (15,33) beginnt ein quasi ereignisloser Zeitraum bis zur neunten Stunde (15,34), in der sich der „Schlussakt“, das Sterben Jesu abspielt.

Komplexer stellt sich die Untersuchung der handelnden Personen dar. Verständlicherweise ist Jesus der einzige, der durchgängig von Anfang bis Ende Handlungsträger ist. Da er mit zwei Ausnahmen (15,34 und 15,37) nur passiv-erleidend bzw. reagierend beschrieben wird, wird die Aufmerksamkeit stärker auf die Handlungen gerichtet, mit denen die übrigen Akteure zu Jesus in Beziehung treten. Die erste Konstellation ergibt sich mit den ihn kreuzigenden Soldaten und schließt mit Vers 27 ab, in dem auch die beiden mit ihm gekreuzigten Räuber eingeführt werden. Daran schließen sich die Verse 29-36 an, die von der Lästerung Jesu durch bei der Kreuzigung Anwesende bestimmt sind („Vorübergehende“ 15,29-30; „Oberpriester/Schriftgelehrte“ 15,31-32; „Räuber“ 15,32; „Dabeistehende“ 15,35; „Einer“ 15,36). Die letzten drei Verse 37-39 beschreiben den Sterbensmoment Jesu und die unmittelbar darauf folgenden Reaktionen. Die größte Aufmerksamkeit erregt in diesen Versen zweifellos der der Kreuzigung gegenüberstehende römische Hauptmann mit seinem Gottessohnbekenntnis (15,39).

2.2. Kontexteinordnung

Der vorliegende Abschnitt stellt ohne Zweifel den dramatischen „Höhepunkt“ des Markusevangeliums dar. Er steht sowohl chronologisch im Leben Jesu als auch in seiner Stellung im Evangelium am Schluss – die Darstellung des Todes Jesu hätte auf keinen Fall an einer früheren Stelle des Evangeliums erfolgen können[2] – so dass es nahe liegt, hier einen der Brennpunkte des Evangeliums zu suchen. Die Einordnung des Abschnitts in seine nähere Umgebung stellt sich wie folgt dar:

Die Schlussphase der Passion beginnt mit Mk 14,53: Jesus wird zum Hohepriester gebracht, Petrus folgt in den Palasthof. Der Hohepriester verhört Jesus, der gegenüber den Vorwürfen schweigt, sich aber selbst als „o9 xristo\j o9 ui9o_j tou= eu0loghtou=“ (14,61) und – indirekt – als „Menschensohn“ bezeichnet und daraufhin verurteilt und misshandelt wird.

Die Verleugnung Jesu durch Petrus ab 14,66 bildet den Schlussteil dieses Kapitels und steht gemeinsam mit der Misshandlung durch die Priester und Diener konträr zum Selbstbekenntnis Jesu.

Kapitel 15 beginnt mit der Übergabe Jesu an Pilatus und dem Prozess gegen ihn. Jesus bekennt sich in diesem Rahmen dazu, „König der Juden“ zu sein (15,2), worauf Pilatus der im Palasthof wartenden Menge ein Freilassungsangebot zwischen Jesus und Barabbas macht. Die Menge entscheidet sich jedoch für den Aufrührer und Jesus wird nach seiner Geißelung den Soldaten übergeben.

Der Abschnitt 15,16-21 beinhaltet die Verspottung Jesu durch die Soldaten. Diese huldigen ihm, nachdem sie ihn mit einer Dornkrone und einem Purpurmantel versehen haben, als König der Juden und misshandeln ihn gleichzeitig. Es schließt sich der Weg zum Golgota an.

[...]


[1] Das Neue Testament. Interlinearübersetzung griechisch-deutsch; griechischer Text nach der Ausgabe von Nestle-Aland (26. Auflage)/ übersetzt von Ernst Dietzfelbinger. 3., vom Übersetzer durchgesehene Auflage. Neuhausen/Stuttgart 1989, 215-217.

[2] Iersel, Bas van: Markus, Kommentar. Düsseldorf 1993, S. 213-214. (Künftig abgekürzt: Iersel, Kommentar)

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
'Wahrlich, dieser Mensch war Gottes Sohn'. Die Darstellung des Todes Jesu nach Mk.
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Seminar für Zeit- und Religionsgeschichte des Neuen Testaments)
Veranstaltung
Unterseminar: Gottes Bund mit den Menschen
Note
gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
19
Katalognummer
V17416
ISBN (eBook)
9783638220019
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Exegese zu Mk 15,22-39.
Schlagworte
Wahrlich, Mensch, Gottes, Sohn, Darstellung, Todes, Jesu, Unterseminar, Bund, Menschen
Arbeit zitieren
Christoph Osterholt (Autor), 2000, 'Wahrlich, dieser Mensch war Gottes Sohn'. Die Darstellung des Todes Jesu nach Mk., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17416

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