Obstproduktion und Obstmärkte im Deutschen Reich sind bis 1913 von einer eigentümlichen Rückständigkeit, die im Kontext der allgemeinen Entwicklung landwirtschaftlicher Produktion und Märkte in Deutschland überrascht. Ursache dafür ist der, teilweise auch von der zeitgenössischen obstwirtschaftlichen Literatur empfohlene, weitverbreitete Nebenerwerbscharakter der Obstproduktion in Kombination mit im Vergleich zu ausländischen Anbietern unterentwickelten Handelsstrukturen.
Angesichts der unzureichenden Datenlage ist es allerdings, anders als in vielen anderen Zweigen der Agrarproduktion des Deutschen Reiches, nur möglich, Modellberechnungen zur Entwicklung von Menge und Wert der Obstproduktion im untersuchten Zeitraum anzustellen. Insoweit muss das Forschungsdesiderat, von dem Spiekermann gesprochen hat, im Wesentlichen bestehen bleiben.
Inhalt
1 Summary
2 Einleitung / Forschungsstand
3 Quellenlage zur Obstproduktion und Obstpreisen
4 Obstproduktion
5 Obstmarkt und Obstpreise
6 Ergebnis
7 Literatur
7.1 Quellen und statistische Zahlenwerke
7.2 Darstellungen
1 Summary
Obstproduktion und Obstmärkte im Deutschen Reich sind bis 1913 von einer eigentümlichen Rückständigkeit, die im Kontext der allgemeinen Entwicklung landwirtschaftlicher Produktion und Märkte in Deutschland überrascht. Ursache dafür ist der, teilweise auch von der zeitgenössischen obstwirtschaftlichen Literatur empfohlene, weitverbreitete Nebenerwerbscharakter der Obstproduktion in Kombination mit im Vergleich zu ausländischen Anbietern unterentwickelten Handelsstrukturen.
Angesichts der unzureichenden Datenlage ist es allerdings, anders als in vielen anderen Zweigen der Agrarproduktion des Deutschen Reiches, nur möglich, Modellberechnungen zur Entwicklung von Menge und Wert der Obstproduktion im untersuchten Zeitraum anzustellen. Insoweit muss das Forschungsdesiderat, von dem Spiekermann gesprochen hat, im Wesentlichen bestehen bleiben.
2 Einleitung / Forschungsstand
Es ist kein Wunder das Spiekermann in seiner Arbeit zum Obst- und Gemüsemarkt die Feststellung des Ausmaßes von Obstkonsum und damit auch indirekt der Obstproduktion, trotz der Arbeiten von Teuteberg, als Forschungsdesiderat bezeichnet.1 Walter Hoffmann, auf dessen Angaben die Zahlen von Teuteberg wohl im Wesentlichen beruhen, stützt seine Berechnungen von Gesamtproduktion und Gesamtwert von Obst für das Deutsche Reich, ohne seine Berechnungsmethoden wirklich offen zu legen, auf wenige regionale Angaben deren Verallgemeinerungsmöglichkeit als problematisch bezeichnet werden muss. Gleiches gilt für die von Hoffmann veröffentlichten „Erzeuger- „ und Einzelhandelspreise.2
Kuczynski hat in seinen Arbeiten zur deutschen Nahrungsmittelproduktion von 1871 bis 1924 die existierenden offiziellen statistischen Daten genannt und teilweise auch in ihrer Qualität bewertet. Ähnliches gilt für Knöpfel in seiner frühen Arbeit aus dem Jahr 1907 für das Statistische Amt des Großherzogtums Hessen.3
Gleichwohl fehlt eine moderne Bearbeitung und Interpretation der vielfach nur rudimentär vorhandenen Daten.
Daher soll in Kapitel 3 zunächst das vorhandene statistische Material auf seine Aussagekraft und Repräsentanz hin untersucht werden um letztlich über die Verwendungsmöglichkeit der jeweiligen Datenreihen zu urteilen. Das gilt sowohl für die Zeitreihen zur Produktion der einzelnen Obstsorten als auch im Hinblick auf die vorhandenen oder berechenbaren Preisreihen. In Kapitel 4 wird dann der Versuch unternommen die mengenmäßige Obstproduktion für das Deutsche Reich zu berechnen um im Kapitel 5 die verschiedenen Formen der Vermarktung und Weiterverarbeitung in den Blick zu nehmen und so auch die wertmäßige Produktion zu berechnen. Dem letzten Kapitel ist es dann vorbehalten, die Grenzen der gewählten Vorgehensweise zu beleuchten.
3 Quellenlage zur Obstproduktion und Obstpreisen
Um die Obstproduktion des Deutschen Reiches für den Zeitraum von 1871 bis 1913 korrekt zu berechnen benötigt man valide Angaben zur Zahl der Obstbäume, zu ihrer durchschnittlichen Tragfähigkeit und zu den durchschnittlichen Preisen, die für die Produkte des Obstanbaues erzielbar waren. Ich konzentriere mich in diesem Zusammenhang auf die Hauptobstsorten, also Äpfel, Birnen, Pflaumen bzw. Zwetschgen und Kirschen, die auch im Fokus der historischen Statistik standen und zu denen daher vermehrt Angaben zu finden sind. Die weiteren Obstbaumarten werden nicht systematisch betrachtet, was auch wegen der geringen in Betracht kommenden Mengen nicht wirklich problematisch ist, sondern gegebenenfalls, sofern notwendig, summarisch berücksichtigt.45
Deutlich problematischer ist in Bezug auf die Relevanz für die erzeugte Obstmenge die Vernachlässigung von Beerenobst, dessen Produktion von Kuczynski für den Zeitraum von 1909 – 1913 immerhin auf ca. 450.000 t geschätzt wird.6 Allerdings lässt der fast vollständige Mangel an amtlichen statistischen Material eine andere Vorgehensweise kaum zu.
Zahl der Obstbäume
Die Reichsstatistik hat die statistische Erfassung der Obstproduktion, ganz im Gegensatz zur im internationalen Vergleich vorzüglichen sonstigen Agrarstatistik, lange vernachlässigt. Eine systematische reichsweite Erfassung der Zahl der Obstbäume wird erstmals im Jahr 1900 vorgenommen und dann nochmal mit gehörigem zeitlichen Abstand 1913.7 Da in diesen Zählungen die regionale Verteilung der Obstbaubetriebe, wie auch ihre Größe gut dokumentiert wird, sind allerdings durchaus wichtige Erkenntnisse in Bezug auf die Strukturentwicklung der Obstbaubetriebe nach der Jahrhundertwende möglich.8
Wirklich systematische Erhebungen zur Zahl der Obstbäume wurden nur dann vorgenommen, wenn ein besonderes wirtschaftliches Interesse bestand und fanden regional höchst unterschiedlich statt.
In Bayern wurde die 1878 von Reich empfohlene Obstbaumzählung wirklich durchgeführt, danach erfolgten aber bis zur Obstbaumzählung des Jahres 1900 nur noch Schätzungen des Umfanges und Wertes der Ernte. Auch diese Feststellungen wurden 1899 eingestellt.
In Sachsen wurde anlässlich der Obstbaumzählung von 1878 die Baumbestände nur geschätzt, nicht wirklich gezählt.9
Im Großherzogtum Baden wurden ab 1879, insbesondere als Reaktion auf den Frostwinter von 1879/80 insgesamt 8 Obstbaumzählungen durchgeführt.10
Die erste Obstbaumzählung im Großherzogtum Hessen fand 1864, danach kontinuierlich ab 1877 bis 1906 statt, die reichsweite Erhebung von 1913 wurde auch im Großherzogtum durchgeführt. Ab 1907 wurden die jährlichen Obstbaumzählungen wegen des großen Aufwandes und der nur trägen Veränderungen der Zahl der Bäume eingestellt.11 Als problematisch erweist sich bei den hessischen Daten, dass die Berücksichtigung der nicht-tragenden Bäume zu gewissen Zeiten erfolgte, zu anderen nicht.12 Der zuständige Mitarbeiter des statistischen Amtes vergleicht darüber hinaus die Daten seit 1864 miteinander und zieht die Richtigkeit der zum einen teilweise großen Schwankungen, zum anderen aber auch die große Konstanz bei den Meldungen einzelner Gemeinden in Zweifel.13
Die Obstbaumzählungen des Königsreichs Württemberg waren wohl die frühesten und systematischsten. Schon 1852 wurden erstmals die Obstbaumbestände gezählt.14 Seit 1878 wurde diese Zählung jährlich durchgeführt. Wurden bis 1899 noch weniger bedeutsamen Obstsorten wie Aprikosen und Pfirsichen ebenfalls erfasst, so wurden die Zählungen seit diesem Jahr auf die vier hauptsächlichen Baumarten beschränkt (Äpfel, Birnen, Pflaumen bzw. Zwetschgen und Kirschen).15
Obstmenge und Obstwert
In Bayern wurden die produzierte Obstmenge und ihr Wert zwischen 1878 bis 1899 berechnet. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse auf der Ebene der landwirtschaftlichen Distrikte, also höchst detailliert in der Zeitschrift des königlich bayrischen statistischen Bureaus. Analysiert man die Ergebnisse stichpunktartig, hier für die Erntejahre 1879 und 1888, so fällt auf, dass die aus den Mengenangaben der Ernte und ihrem angegebenen Gesamtwert berechenbaren Durchschnittspreise für die einzelnen Distrikte verdächtig rund sind. Sie schwanken darüber hinaus 1879 für Äpfel zwischen 1 RM/dz in Reichenhall, Griesbach und Münnerstadt und über 15 RM/dz für München, Bruck, Moosburg, Hilpoltstein, Roding und Schwabmünchen. 1888 gibt es große Differenzen zwischen Garmisch, Wasserburg, Mitterfels, Griesbach, Vilshofen, Hemau und Neu-Ulm (nicht mehr als 2 RM/dz) und Freising, Landau, Nittenau und Schwabach (nicht weniger als 15 RM/dz).16 Auch wenn sicher in Rechnung gestellt werden muss dass die einzelnen Distrikte möglicherweise unterschiedliche Qualitäten von Obst produziert haben, kann das nur bedeuten, dass entweder die Mengenangaben oder die Angaben zum erzielbaren Preis fehlerhaft sein müssen.
Beobachtbar ist darüber hinaus, dass die Distrikte mit kleineren Obsternten systematische und teilweise erhebliche Preisdifferenzen zu den obstreichen Distrikten aufweisen.17 Insgesamt muss man konstatieren, dass die bayrischen Daten weder im Hinblick auf die Erntemenge, noch in Bezug auf die Preise als verlässlich gelten können.
Für das Königreich Sachsen wurden die Daten zu Erntemengen und Preisen im Zeitraum von 1873 bis 1898 erhoben, eine konzentrierte Veröffentlichung in den Statistischen Jahrbüchern unterblieb aber.18 Die mir vorliegenden Daten für die Jahre 1874, 1880, 1881, 1883 und 1885 weisen, bis auf das Jahr nach der Missernte von 1879/80, außergewöhnlich niedrige, kaum glaubhafte Wertangaben für die Gesamternte auf, die zu sehr niedrigen Durchschnittspreisen führen. (Äpfel 3,28 RM/dz, Birnen 2,94 RM/dz, Pflaumen 4,32 RM/dz und Kirschen 10,54 RM/dz)
Die Erntestatistik im Großherzogtum Baden begann schon 1865. Es wurden Um fang und Wert der Ernte ermittelt. Die in der Folge des Frostwinters von 1879/80 veranlasste Obstbaumzählung ergab allerdings, dass die bis dahin ermittelten Daten sicher deutlich zu niedrig waren, sie wurden dann bis 1883 um den Faktor 2 bis 3 erhöht. Ab 1883 wurde dann bei den Sondererhebungen auch der durchschnittliche Ertrag eines Obstbaumes gemeindeweise erfragt.19 In Bezug auf die Obstpreise ermittelten die Behörden seit 1884 die landesweiten Marktpreise für Äpfel. Birnen und Kirschen, ab 1892 sogar getrennt nach Most- bzw. Tafelobst. Ab 1910 wurden nur die Daten der 6 größten Marktorte dokumentiert.20
Im Statistischen Jahrbuch des Jahres 1900 wurden die Ernteerträge von 1865/70 und 1871 – 1898, mutmaßlich ex post korrigiert, veröffentlicht.21
Im Großherzogtum Hessen wurden seit 1873 kontinuierlich für jede Gemarkung und auch für das gesamte Land Umfang und Wert der Obsternte ermittelt.22 Da ab 1878 bis 1907 auch wieder die Zahl der Obstbäume kontinuierlich ermittelt wurden, können Aussagen zum Ertragswert / Baum (in kg und RM) gemacht werden.
Die württembergische Statistik erfasste die Zahl der Obstbäume und den Umfang und Wert der Ernte – zunächst nur mit der Unterscheidung von Stein- und Kernobst – zum ersten Mal 1852. Die ab diesem Datum erhobenen Daten werden allerdings selbst von zuständigen württembergischen Statistikern als wenig zuverlässig beurteilt.23 Ab 1878 wurden dann alle Obstsorten, neben Äpfeln, Birnen, Pflaumen und Kirschen auch Aprikosen, Pfirsiche, Walnüsse und Kastanien gezählt. Dabei stellten die Gemeindebehörden die Zahl der Obstbäume fest, und die landwirtschaftlichen Bezirksvereine den Obstertrag und den Wert der Ernte.24
Besondere Erhebungen zur Zahl der Obstbäume, oder zum Umfang oder Wert der Obsternte gibt es für das Königreich Preußen bis 1913 nicht. Auch die bekannten Anbaugebiete, also etwa das Alte Land bei Hamburg oder Werder bei Berlin liefern keine relevanten Daten. Immerhin sind Großhandelspreise für verschiedene Obstsorten auf dem Berliner Großmarkt für den Zeitraum von 1900 – 1913 dokumentiert.25
Als Resultat ist also festzuhalten:
Mit den Obstbauzählungen der Jahre 1900 und 1913 liegen zuverlässige Daten zur Zahl der Obstbäume für das ganze Deutsche Reich vor. Da sich die Bestände schon auf Grund der langen „Anlaufzeit“ bis zur Erntefähigkeit von Obstbäumen auch nicht sprunghaft ändern, kann die zwischenzeitliche Entwicklung, auch im regionalen Vergleich, relativ zuverlässig interpoliert werden. Erhöht werden kann die Plausibilität der Ergebnisse durch vorhandene jährliche Zählungen im Großherzogtum Hessen und dem Königreich Württemberg, ergänzt durch die zusätzlichen Zählungen des Großherzogtums Baden.
Vor der Jahrhundertwende liegen aber verwendbare Zahlenreihen nur aus den 3 oben genannten süddeutschen Staaten vor. Die für das Jahr 1878 vorgesehene und in den meisten Regionen des Deutschen Reiches auch vorgenommene Zählung der Obstbäume liefert, gerade auch im Vergleich zur Zählung von 1900, kaum plausibles und damit nicht verwendbares Zahlenmaterial, sodass zu prüfen sein wird, ob eine Extrapolation der vorliegenden Daten aus süddeutschen Staaten sowohl in regionaler als auch in zeitlicher Hinsicht sinnvoll vorgenommen werden kann.
Nochmal deutlich problematischer ist die Datenlage im Hinblick auf die Erntemenge. Die bayrischen und sächsischen Daten sind aus meiner Sicht nicht verwendbar, es bleiben also die Daten aus Baden, Württemberg und Hessen. Auch die badischen Daten sind hochproblematisch und sollten für Hochrechnungen für das gesamte Deutsche Reich sicher nicht verwendet werden, einzig die hessischen und württembergischen Daten verdienen in dieser Hinsicht einiges an Vertrauen. Allerdings weisen auch diese Daten in regionaler Hinsicht in einzelnen Erntejahren so deutliche, in der Regel meteorologisch verursachte Differenzen auf, dass eine Verallgemeinerung für das gesamte Deutsche Reich schwer zu begründen ist.26 Darüber hinaus ist festzuhalten, dass gerade die süddeutschen Staaten in nahe allen anderen Bereichen der landwirtschaftlichen Produktion von 1871 – 1913 deutlich unterdurchschnittliche Produktivitätszuwächse im Vergleich zu anderen Regionen des Deutschen Reiches auswiesen und es nicht als ausgeschlossen gelten kann, dass das auch im Obstbau der Fall war.27
Neben den Preisdaten aus Hessen und Württemberg, die stets entweder direkt angegeben werden oder aber aus den Angaben zur Erntemenge und Gesamtwert ermittelbar sind und als Erzeugerpreise interpretiert werden müssen, gibt es noch sehr vereinzelt Angaben zu Großhandelspreisen. Vorbildlich ist in dieser Hinsicht die badische Statistik, die Daten seit Mitte der 80ger Jahre liefert. Besonders wertvoll sind in diesem Zusammenhang die Differenzierungen von Preisen für Tafel- bzw. Mostobst, die immerhin für Baden von 1890 – 1913 und für Hessen von 1907 – 1913 vorliegen und dadurch ein realistischeres Bild für Obstpreise im Deutschen Reich ermöglichen.28
4 Obstproduktion
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
29
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
30
Absolut konstituierend für die im Deutschen Reich übliche Form der Produktion von Obst waren die außerordentlich stark schwankenden Ernteerträge. In Württemberg waren Abweichungen von der Durchschnittsernte um den Faktor 10 und mehr nach unten nicht selten, während Abweichungen nach oben immerhin bis zum Faktor 4,5 zu beobachten sind, im Großherzogtum Hessen sind Extreme in ähnlicher Größenordnung zu beobachten. Die Schwankungen der Ernteerträge waren in allen anderen Bereichen der Pflanzenproduktion des Deutschen Reich in der Zeit bis 1913, vielleicht mit Ausnahme der Hopfenproduktion, deutlich geringer.31
Den Obstproduzenten gelang es nicht, die meteorologischen Einflüsse auf die Ernten in den Griff zu bekommen. Während Methoden der Schädlingsbekämpfung mindestens in den Zentren der Produktion, also z. B. im Alten Land oder in Werder bei Berlin nach der Jahrhundertwende zunehmend bekannt waren und die entsprechenden Mittel ggf. auch eingesetzt wurden, war man insbesondere den in Deutschland vorkommenden Spätfrösten mit ihren drastischen Auswirkungen auf Qualität und Menge der Ernte noch im Wesentlichen hilflos ausgeliefert.32
In wie weit die leicht zurückgehenden Ernteschwankungen seit der Jahrhundertwende schon auf die oben genannten Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen zurückzuführen sind ist unklar.
Diese Volatilität der Ernten führte in vielen Regionen zu sehr spezifischen Formen der Produktion aber auch des Absatzes von Obst:
Obstproduktion war vielfach landwirtschaftliches Nebengewerbe, Betriebe waren klein und auch in der agrarwissenschaftlichen Literatur wurde lange Zeit vielfach die Empfehlung ausgesprochen, den Obstanbau keinesfalls ohne begleitende Unterkultur, etwa in der Form der Produktion von Heu (Streuobstwiesen), Hühnerhaltung oder auch Beerenobst bzw. Gemüseanbau zu betreiben um den scheinbar unausweichlichen Ernteschwankungen in betriebswirtschaftlicher Sicht nicht hilflos ausgeliefert zu sein.33
Diese Auffassungen hatten dann zum Beispiel Auswirkungen auf die Wahl der optimalen Abstände von Ostbäumen voneinander oder auch in Bezug auf die Beantwortung der Frage ob hoch- oder niederstämmige Sorten zu bevorzugen seien.34
Nicht nur im weit verbreiteten kommunalen Straßenobstbau sondern auch in vielen kleinen Betrieben war die jahresweise Verpachtung der Obsternte vom Baum üblich, was naturgemäß dazu führte, das Aufwände zur Pflege der Bestände, zur sinnvollen Neupflanzung ggf. ertragreicherer und besser vermarktbarer Sorten, aber auch zur schonender Ernte im Hinblick auf die Verwertung als Tafelobst, unterblieben.35
Darüber hinaus erwies sich die, traditionell vorhandene und auch gepflegte Sortenvielfalt des Obstanbaues im Deutschen Reich, zunehmend, mindestens beim Tafelobst, als bedeutsames Handelshemmnis in Konkurrenz zu ausländischen Anbietern.36
Der Vergleich der Produktivitätssteigerung zwischen den einzelnen Produktionszweigen der Landwirtschaft, also etwa dem Getreideanbau oder der Milchwirtschaft und dem Obstanbau ist allerdings auch unfair. Bis ein einmal gepflanzter Baum trägt vergehen, abhängig von der Baumart, einige Jahre und die wirtschaftliche Lebensdauer eines Baumes beträgt dann zwischen 10 (Pflaumenbäume) und 80 bzw. 200 Jahre (Apfel- und Birnbäume).37 Der Obstanbau ist also im Hinblick auf grundsätzliche Änderungen wie Sortenwahl deutlich weniger flexibel als z. B. der Getreidebau und selbst aus der Milchwirtschaft sind Beispiele für sehr rasche regionale Veränderungen des Milchviehbestandes hin zu produktiveren Milchviehrassen bekannt.38 Daher konnten auch die in vielen landwirtschaftlichen Versuchsanstalten vorgenommenen Versuchsreihen mit besser geeigneten Obstbaumsorten keinen kurzfristigen, durchschlagenden Erfolg haben, sondern allenfalls bei der Neuanlage von Plantagen berücksichtigt werden.39
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
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Die geschilderten Produktionsbedingungen hatten Auswirkungen: Der Vergleich der württembergischen und hessischen Erträge / Baum ergibt bei Äpfeln, Birnen und Kirschen eine weitgehende Übereinstimmung der Produktivitätsentwicklung. Für Äpfel ist in beiden Regionen ein Rückgang der Produktivität festzustellen, bei Birnen eine ganz leichte Steigerung, die bei Kirschen etwas deutlicher ausfällt. Einzig der Vergleich der Pflaumenproduktion deutet auf deutliche Unterschiede, nicht bei der Produktivitätsentwicklung, aber doch bei der Produktivität hin. In wie weit die unzureichende statistische Unterscheidung zwischen Pflaumen und Zwetschgen für diese Differenzen verantwortlich sind, ist unklar.41
Vergleicht man die Daten der amtlichen Statistik mit den Daten, die Janson liefert, aber auch mit anderen Schätzungen, so scheinen die Angaben zum Kernobst aus Württemberg und Hessen plausibel zu sein, die württembergischen Daten zu Pflaumen sind es aber sicher nicht, bei Kirschen sind ebenfalls großen Differenzen, hier für beide Regionen zu konstatieren. Allerdings muss festgehalten werden, dass bei den amtlichen Schätzungen stets auch Spalier- und Zwergbäume berücksichtigt wurden, die bei den anderen Feststellungen zumeist nicht berücksichtigt wurden.42
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
43
Nur für das Königreich Württemberg und das Großherzogtum Hessen liegen belastbare Zahlenreihen zur Obstproduktion vor. Schon Hoffmann hat diese Daten offensichtlich verwendet, um die Produktion für das Deutsche Reich „hochzurechnen“.44 Es gebietet in diesem Zusammenhang aber die wissenschaftliche Fairness darauf hinzuweisen, wie schwankend der Boden bei dieser Vorgehensweise ist. Bei Äpfeln sinkt der Anteil der auf diese Weise tatsächlich statistisch erfassten Obstbäume von 1900 bis 1913 von 14,2 auf 12 %, bei Birnen bleibt er konstant bei etwas über 11 % , bei Kernobst liegt er im mittleren bis unteren einstelligen Bereich. Schon die Unsicherheit in Bezug auf gleichförmige meteorologische Verhältnisse in den einzelnen Erntejahren im Deutschen Reich erhöht den Unsicherheitsgrad jeder Berechnung dramatisch, vor 1900 liegen aber auch keine repräsentativen Obstbaumzählungen vor, die in der Lage wären ggf. stattgefundene strukturelle Veränderungen zwischen den Regionen korrekt abzubilden.
Jede Berechnung der Gesamtproduktion von Obst im Deutschen Reich muss seinen Ausgangspunkt bei den Obstbaumzählungen der Jahre 1900 und 1913 nehmen. Die Gesamtentwicklung sieht folgendermaßen aus:
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
45
Insgesamt ist eine eher mäßige Steigerung der Anzahl Obstbäume um ca. 13,5 % zu konstatieren. Die Vermehrung entfällt fast ausschließlich auf Apfelbäume, deren Bestand um ca. 42 % anstieg, alle anderen Obstsorten wiesen deutlich niedrigere Steigerungsraten auf (Birnen) oder gingen sogar in ihrem Bestand zurück.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
46
Im kurzen Intervall von 1900 – 1913 erreicht die deutsche Obsternte demnach maximal einen Umfang von 4,592 Mill. t (1900) und minimal von 0,4432 Mill t (1913).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
47
Verwendet man die württembergischen Daten zur Pflaumenproduktion wegen mangelnder Plausibilität im Vergleich zu den hessischen aber auch anderen vorliegenden Schätzungen nicht, so verändert sich zwar das Bild, aber nicht grundlegend.
Der Vergleich zu den hoffmannschen Daten ergibt folgendes Bild:
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
48
Wesentliche Differenzen zu den hoffmannschen Daten ergeben sich eigentlich nur im Jahr 1900, in dem sich die Zahlen um deutlich mehr als 50 % unterscheiden. Auffällig ist, dass die hoffmannsche Gesamtangabe für Obst in diesem Jahr ziemlich genau der von mir berechneten Zahl nur für die Apfelernte entspricht. (2,239 Mill t versus 2,210 Mill t ).49
In der Zeit vor 1900 fehlen repräsentative Angaben über die Zahl der Obstbäume im Deutschen Reich. Die Daten aus Württemberg, Hessen und Baden entweder einfach unverändert auf das Reich zu übertragen oder gar den Trend von 1900 bis 1913 einfach retrospektiv fortzuschreiben ist spekulativ. Vor 1878 fehlen darüber auch für die oben genannten Länder in der Regel sowohl vertrauenswürdige Daten zur Obsternte wie auch zur Anzahl der Obstbäume. Ein Ausweichen auf Modellrechnungen, die eher illustrierenden Charakter haben, ist unausweichlich:
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
50
Die Darstellung mag den Eindruck einer relativen Übereinstimmung machen – das täuscht aber. Die maximale Abweichung meiner Berechnung im Vergleich zu Hoffmann beträgt +107,8 % bzw. +128,6 % (1900, wahrscheinlich aus den bekannten Gründen) und +57,9 % bzw. + 73,8 % (1882). In die andere Richtung sind Abweichungen von – 46,4 bzw. -41 % (1886) und -42,4% bzw. 36,6 % (1895) zu beobachten. Die Trendlinien sind allerdings nahezu deckungsgleich.
Ab der Jahrhundertwende, unter Ausschluss des Jahres 1900, nimmt die Differenz deutlich ab.51
Zusammenfassend ist festzuhalten: Die Produktivitätssteigerung im Obstanbau ist, auch im Vergleich zu anderen Sektoren der Landwirtschaft, deutlich unterdurchschnittlich ja teilweise nicht einmal existent und durchaus mögliche, weil bekannte Verbesserungsmöglichkeiten des Anbaues wurden eher selten genutzt. Geschuldet war diese Entwicklung zu wesentlichen Teilen dem Nebenerwerbscharakter vieler Obstbaubetriebe.
5 Obstmarkt und Obstpreise
Im Jahr 1917, also mitten im Krieg, stellt Janson fest, dass von einer deutschen Obsternte im Mittel nur ca. 62 % und von einer reichen Obsternte sogar nur 40 – 50 % in den Verkehr kommt. Alles andere würde verfüttert, verfaulte oder würde mangels Absatzmöglichkeit im eigenen Haushalt, so gut es eben gehe, verwertet.52 Auch wenn die Verwertung im eigenen Haushalt, insbesondere angesichts der Fortschritte beim häuslichen Konservieren, als Verschwendung zu charakterisieren sicher verfehlt ist, er stellt damit dem Obstmarkt im Deutschen Reich ein verheerendes Zeugnis aus.
Welche Absatzformen gab es also im Deutschen Reich – insbesondere welches Maß an Flexibilität wies der deutsche Obstmarkt angesichts der sehr volatilen Ernten auf:53
Tafelobst
Ohne Zweifel die höchsten Erlöse waren beim Verkauf der Ernte als Tafelobst zu erzielen. Im Gegensatz zur ausländischen Konkurrenz wurde dieser Absatz im Deutschen Reich allerdings nur in den seltensten Fällen kollektiv, z.B. durch Absatzgenossenschaften, organisiert.54 Regional, besonders aber in den stadtnahen Zentren, war das anders. Die werderschen Obstbauern verfügten über lange Jahre über einen eigenen Handelsbereich auf dem Berliner Großmarkt und die Schnellzüge am Bahnhof Stade im Alten Land gingen in alle möglichen Richtungen ab. Die Obstbauern bzw. die vor Ort tätigen Einkäufer im Alten Land organisierten den Verkauf, sowohl nach Hamburg, als auch in fernere Gebiete des Deutschen Reich und selbst in das Ausland ebenfalls.55 Unter diesen Bedingungen lohnte es sich auch bald, Kühlmöglichkeiten für Obst zu schaffen, um den Verkauf nicht notwendigerweise zum Zeitpunkt der Ernte zu geringen Preisen, sondern Monate später zu deutlich höheren Preisen, vorzunehmen.56
Das war aber nicht der Standard: Wenn auf den badischen Großmärkten nur eine niedrige, einstellige Quoten des produzierten Obstes gehandelt wurde, wenn die Verpachtung bzw. Versteigerung des Obstes noch am Baum eine vielgeübte Praxis blieb und insbesondere kleine und kleinste Obstbaubetriebe sich auf Grund relativer ökonomischer Irrelevanz um die Vermarktung kaum kümmern konnten oder wollten, so war die Versorgung insbesondere der großen Städte mit Tafelobst nicht zu gewährleisten.57 Und so betrug der Anteil des inländischen Tafelobstes auf dem Berliner Großmarkt auch nur magere 15%, während auf Österreich–Ungarn 45%, auf Frankreich 20% auf Italien 7 % und selbst auf die USA und Kanada noch 5 % entfielen.58
Örtlicher Überproduktion, insbesondere in Zeiten übergroßer Ernten, stand mindestens im Bereich des Tafelobstes, kaum ein System flexibler Absatzorganisation gegenüber.59
Most bzw. Wirtschaftsobst
Obst das nicht als Tafelobst verwertbar war, galt als Wirtschafts- oder Mostobst. Zu unterscheiden ist in diesem Zusammenhang zwischen Obst, das dezidiert als Wirtschaftsobst angebaut wurde, häufig war in diesem Zusammenhang der Absatz über Lieferverträge, Liefergewohnheiten oder die beabsichtigte Verwertung im eigenen Wirtschaftsbetrieb schon geregelt, und Mengen, die dieser Verwertung nur als zweitbeste Lösung zugeführt wurden. Das betrifft zum einen Obst, das die Qualitätsmaßstäbe für Tafelobst nicht erreichte, zum anderen aber auch große Mengen an Obst, das in Jahren besonders guter Ernten anfiel.
Mindestens regional war der bedeutendste Zweig dieser Verwertung die Weiterverarbeitung zu Obstwein.60 Für Württemberg lässt sich festhalten, dass die Konzentration auf diesen Zweig der Verwertung dazu führte, dass die Eigenproduktion des Landes an Obst nicht ausreichte. Nur etwa 2/3 bis ¾ des für die Produktion des Obstweines benötigten Rohmaterials konnte im Land selbst produziert werden, der Rest musste, entweder aus anderen Teilen des Deutschen Reiches oder aus dem Ausland importiert werden.61 Parallel dazu exportierte Württemberg namhafte Mengen an Tafelobst nach Bayern bzw. Norddeutschland.62
Im Großherzogtum Baden war die Verwendung des Obstes in der Branntweinproduktion besonders bedeutend. Im Jahr 1913/14 existierten in Baden insgesamt 17.732 Brennereien, davon waren 14.549 Obstbrennereien und damit ca. 1/3 aller Obstbrennereien des Deutschen Reiches.63 Auch für Baden gilt, das umfangreiche Importe von Wirtschaftsobst zur Aufrechterhaltung des Produktionsvolumens notwendig waren.64
Die Konservenindustrie spielte für die Verwertung von Obst bis zum ersten Weltkrieg nicht einmal regional sondern allenfalls örtlich eine Rolle. Im Zentrum der Konservenindustrie, in der Region um Braunschweig, mag es Obstbaubetriebe gegeben haben, die, auch mittels fester Lieferverträge, vom allgemeinen Aufschwung der Konservenindustrie profitierten, aber insgesamt war der Umfang der Produktion einfach zu gering, um wirtschaftlich wirklich relevant gewesen zu sein. 1913 wurden reichsweit ca. 30 Mill. Obstkonserven produziert, was bei einem Gewicht von allenfalls 1 kg einem Bedarf der Fabriken von ca. 30.000 t Obst entspricht.65
Umgerechnet auf die Zahl der Einwohner des Deutschen Reiches ist das etwas weniger als ½ Dose pro Einwohner und Jahr, der Bedarf an Obst für diese Produktion entspricht also deutlich unter 1 % der durchschnittlichen Obstproduktion.
Die Trocknung von Obst war im Deutschen Reich im Wesentlichen ein hauswirtschaftliches Phänomen. Über den heimischen Bedarf hinausgehende Produktion fand nur wenig statt, vielmehr wurde die städtische Nachfrage für dieses Obst im Wesentlichen im Importe befriedigt.66
Der Bedarf an gutem und vor allem preiswerten Mostobst führte dazu, dass die Zollrevision des Jahres 1902/06 – im Zeitraum zuvor war der Import von Obst, dass auf Grund der meteorologischen Gegebenheiten auch im Deutschen Reich angebaut werden konnte, stets zollfrei – auf die Bedürfnisse der verarbeitenden Industrie Rücksicht nahm.67 Im Zeitraum vom 25.9 – 31.12 jeden Jahres war der Import von unverpackten Äpfeln und Birnen aus wesentlichen Lieferländern zollfrei bzw. bei weiteren Obstsorten war der Zollsatz grundsätzlich deutlich reduziert.68
Im Ergebnis wurden 1908 auf Grund der vielfältigen Umgehungsmöglichkeiten des Zolls auch für Tafelobst von 180.074 t Äpfeln 86 % zollfrei eingeführt, bei Birnen von 23.570 t 50 % und bei Pflaumen von 22.451 t 88,9 %, bei Kirschen wurden nahe alle Kirschen verzollt, aber nur zum deutlich reduzierten Vertragszollsatz von 1 RM/dz.69
Über die Preisrelation von Tafelobst und Most- oder Fabrikobst gibt es relativ wenige verwendbare Aufzeichnungen. Die Preisangaben im badischen Statistischen Jahrbuch unterscheiden, nur bei Äpfeln und Birnen, seit 1890 zwischen Tafel- und Mostobst, im Großherzogtum Hessen wird diese Differenz seit 1907 dokumentiert. Für Baden ergeben sich für den Zeitraum von 1890 bis 1913 für Äpfel Durchschnittspreise von 18,96 RM/dz. bzw. 9,99 RM/dz, für Birnen sind es 20,75 RM/dz bzw. 10,79 RM/dz. Im Großherzogtum Hessen sind die analogen Angaben für den Zeitraum von 1907 – 13 18,21 RM/dz und 10,36 RM/dz (Äpfel) und 17,73 RM/dz und 8,86 RM/dz (Birnen).70
Der Wert des Mostobstes im Vergleich zum Tafelobst betrug also 52,69 % (Äpfel Baden) 52 % (Birnen Baden) 56,49 % (Äpfel Hessen) und 49,97 % (Birnen Hessen.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
71
Nur für den Zeitraum von 1900 bis 1913 liegen auch Großhandelspreise zu einem städtischen Großmarkt vor: Der Vergleich der verschiedene Zeitreihen zeigt, dass die württembergischen bzw. hessischen als Erzeugerpreise geltenden Landesdurchschnitte im Regelfall deutliche Analogien zu den badischen Mostpreisen aufweisen. Tafelobstpreise liegen deutlich darüber, das gilt nicht nur für die weitgereiste, nochmals deutlich teure ausländische Ware, sondern auch für badisches bzw. einheimisches Obst.72
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
73
Die Einzelhandelspreise für Obst, die Hoffmann mitteilt, sind deutlich niedriger als es die wenigen vorliegenden Angaben zu Obstpreisen, hier Apfelpreisen, vermuten lassen. Allerdings ist die Quellenlage sehr schlecht und kaum repräsentativ. In den Schriften des Vereins für Sozialpolitik (Band 145) zu den Kosten der Lebenshaltung in verschiedenen Städten des Deutschen Reiches liegen nur für die oben genannten Städte Daten vor, in allen anderen wird Obst wohl nicht zum Grundbedarf gezählt und daher nicht erwähnt oder aber nur kursorisch in Bezug auf die relative Preisbewegung abgehandelt.74
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
75
Die äußere Differenzierung in zwei Graphiken nach Kern- und Steinobst wird nur der besseren Übersichtlichkeit wegen vorgenommen.
Berechnet wurden die Zeitreihen ausschließlich aus den Angaben aus dem Königreich Württemberg und dem Großherzogtum Hessen. Weder die Verwendung der bayrischen bzw. sächsischen Daten noch die Verwendung der wenig repräsentativen badischen Großhandelspreise scheint sinnvoll zu sein. Es ist allerdings offensichtlich, dass eine Verallgemeinerung dieser Daten für das Deutsche Reich nicht unproblematisch ist, zumal sich auch die Preisentwicklung anderer landwirtschaftlicher Güter im Süden des Reiches systematisch von der in anderen Reichsteilen unterscheidet.76
Nehmen wir diese Einschränkungen als gegeben hin, so kann festgestellt werden, dass sich die Preise von Äpfeln und Kirschen insgesamt, teilweise sogar drastisch erhöhten, während die Birnen- besonders aber die Zwetschgenpreise eher stagnierten. Die auf die einzelnen Jahre bezogene Parallelität der Preisentwicklung war, wohl auch wegen der analogen Witterungsempfindlichkeit, beim Kernobst deutlicher ausgeprägt als beim Steinobst entwickelt.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
77
Exemplarisch sei hier einmal der Zusammenhang von Erntemenge und Höhe des Erzeugerpreises dargestellt.78 Die Preisreaktion bei besonders schlechten, ja fast ausfallenden Ernte ist stets deutlich unterproportional, was darauf hindeutet, das auf Obst als Gut des gehobenen Konsums dann eben verzichtet wird. Auch bei sehr großen Ernten sinkt Erzeugerpreis niemals unter 50 % des Durchschnitts.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
79
Bis zur Jahrhundertwende stagniert der Wert der Obsternte im Wesentlichen, was wegen der deflationären Tendenzen der 80ger und 90ger Jahre als eher positive Entwicklung zu interpretieren ist. Nach 1900 steigt der Wert der Ernte deutlich an. Ein wesentlicher Faktor ist sicherlich die deutlich ansteigende Zahl der Obstbäume, insbesondere der Apfelbäume, die durch die Obstbaumzählungen auf Reichsebene gut dokumentiert ist. Eine wirklich nachhaltige Produktivitätsentwicklung in der Fläche kann nicht konstatiert werden. Allerdings nehmen auch die Obstpreise an der allgemeinen Steigerung der Inflationsraten, insbesondere seit dem Inkrafttreten der höheren Agrarzölle teil, ohne das es Hinweise darauf gibt, dass die neuen, für Obst geltenden Zölle, eine Wirkung auf das Preisniveau von Obst gehabt haben.
Wegen der vielfältigen, statistischen Unsicherheiten in Bezug auf die Repräsentativität der verwendeten Grunddaten nimmt die Sicherheit in Bezug auf die Richtigkeit der Berechnung ab der Jahrhundertwende rückblickend deutlich ab. Vor 1878 habe ich, im Gegensatz zu Hoffmann, aus diesen Gründen auf eine Berechnung der Gesamtproduktion verzichtet.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
80
Insgesamt liegt das Niveau der Obstproduktion nach meiner Berechnung deutlich höher, als es das von Hoffmann berechnet wurde. Das Bild wandelt sich etwa seit 1906 - seit diesem Zeitpunkt übertreffen die hoffmannschen Berechnungen häufig die meinen.81
Die ernteabhängigen Schwankungen sind meinen Berechnungen zu Folge wesentlich deutlicher ausgeprägt.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
82
Die Außenhandelsstatistik des deutschen Reiches weist erst ab 1885 eigene Tarifpositionen für frisches Obst auf, zuvor wurden die Angaben von Obst und Gemüse zusammen veröffentlicht. Eine Trennung der verschiedenen Obstsorten erfolgt seit 1899. Eine Reaktion des Volumens des Außenhandels auf den Ernteausfall im Deutschen Reich ist in der Regel nicht, und wenn dann nur in geringem Ausmaß, zu beobachten, vielmehr scheint die allmähliche Steigerung der Importe dauerhaft strukturelle Gründe gehabt zu haben.83
Die Eisenbahntransportstatistik als Quelle zur Marktstruktur von Obst
Seit 1883 wird immer dann, wenn der Wasserweg aus den verschiedensten Gründen als Transportweg kaum oder gar nicht in Frage kam, mittels der Transportstatistik der deutschen Eisenbahnen ein nahezu vollständiges Bild von den überregionalen Warenströmen innerhalb des Deutsche Reiches erhoben.84
Bedauerlicher Weise fasst die Eisenbahnstatistik in manchen Fällen, so auch bei Obst, relativ heterogene Güter zu Warengruppen zusammen. Zu einer Kategorie von Gütern werden in der Statistik der Eisenbahnen sowohl frisches wie auch getrocknetes Obst, Beeren, Gemüse, Zwiebeln und andere Pflanzen zusammengefasst. Diese Vorgehensweise erschwert die Interpretation der vorliegenden Daten, ohne sie aber vollständig zu verhindern.
Im Jahr 1883, dem Jahr des Beginns der systematischen, reichsweiten Aufzeichnungen des Eisenbahngüterverkehrs wurden insgesamt 131.500 t Obst und Gemüse im Wechselverkehr zwischen den Verkehrsbezirken transportiert, im Lokalverkehr waren es 60.600 t und im Auslandsverkehr 36.500 t. Bis 1912/13, die Angaben werden auf Grund der exceptionellen Missernte des Jahres 1913 für beide Jahre gemacht, waren es im Wechselverkehr 1.112.500 t bzw. 1.229.900 t, im Lokalverkehr 501.800 t bzw. 589.400 t und im Auslandsverkehr 871.800 t bzw. 1.084.300 t. Insofern ist zu konstatieren, dass, insbesondere geprägt durch die stark steigenden Importe von Obst und Gemüse, die Marktintegration bei diesen Produkten zwar zunahm, aber gleichwohl hinter der anderer, auch landwirtschaftlicher Produkte, zurück blieb.
Das sei hier an Hand der Daten des Jahres 1913 illustriert:
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
85
Im innerdeutschen Eisenbahnwechselverkehr waren Lothringen, gefolgt von den Elbhäfen, Südbayern und Schleswig Holstein diejenigen Verkehrsbezirke, aus denen die meisten Güter in andere Landesteile verschickt wurden. Bei Lothringen, Südbayern und wohl auch bei den Elbhäfen kann man an Hand der Zufuhren aus dem Ausland in diese Verkehrsbezirke feststellen, dass es sich im Wesentlichen um Transitverkehr handelte.86
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
87
Bei den empfangenden Verkehrsbezirken sticht wenig überraschend Berlin heraus, gefolgt vom Königreich Württemberg, dem Königreich Sachsen, dem Ruhrgebiet und dem Großherzogtum Baden. Während im Fall Berlins und auch dem Königreich Sachsen die Versorgung der Bevölkerung mit Obst und Gemüse im Vordergrund gestanden haben dürfte, ist angesichts der Missernte des Jahres 1913 davon auszugehen, dass die hohen württembergischen und badischen Importziffern mit der Versorgung der obstverarbeitenden Industrien im Zusammenhang stehen sollten.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
88
Am Beispiel Berlin kann gezeigt werden, dass es einen einheitlichen deutschen Markt für Obst und Gemüse nicht gab. Weder die westdeutschen Überschussgebiete (Rheinland) noch die bekannten süddeutschen Obstproduktionszentren (Württemberg, Baden und Bayern) leisteten einen wirklich bedeutsamen Beitrag zur Versorgung Berlins. Vielmehr sind es, in der genannten Reihenfolge, Eisenbahndirekttransporte aus dem Ausland (90.300 t) die Elbhäfen (43.700 t), also Importe per Schiff aus dem Ausland oder ggf. auch Produkte aus dem Alten Land und darüber hinaus die unmittelbaren umgebenden Verkehrsbezirke (Brandenburg, Magdeburg, Merseburg) die die Versorgung Berlins sicherstellten.89
6 Ergebnis
Verglichen mit anderen Sektoren der landwirtschaftlichen Produktion war die Produktion von Obst, auch und gerade im internationalen Kontext, unproduktiv, unprofessionell und unmodern. Während die Getreide- und Kartoffelproduktion des Deutschen Reiches von einer Rekordernte zur anderen eilte und auch im internationalen Vergleich vorbildgebend wurde, während insbesondere die Schweinefleischproduktion mindestens regional mit der Entwicklung fast industrieller Produktionsverhältnisse, vielfach basierend auf umfangreichen Importen von Futtermitteln aus fernen Ländern, die Produktion stetig steigerte, stagnierte der Obstanbau.
Nicht nur der Anbau stagnierte, sondern auch ganz besonders die Fähigkeit der heimischen Produzenten die Versorgung der Großstädte zu gewährleisten, ließ zu wünschen übrig.
Das ist soweit sicher. Allerdings gelingt es angesichts des unzureichenden Zahlenmaterials nicht, eine zweifelsfreie Statistik in Bezug auf den Umfang und den Wert der Produktion zu erzeugen. Die in dieser Arbeit veröffentlichten Zahlenreichen sind für den Zeitraum von 1900 – 1913, bei zu berücksichtigen Einschränkungen, relativ zuverlässig. Diese Zuverlässigkeit nimmt allerdings für die Periode vor 1900 immer mehr ab, sodass der Begriff Modellrechnung für diese Zahlenreihen unvermeidlich ist. Als Platzhalter in volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen ist eine solche Berechnung sicher unvermeidlich, hat aber sehr großes Fehlerpotential.
Interessanterweise gibt es einen weiteren Teil der landwirtschaftlichen Produktion im Deutschen Reich, der ähnliche Defizite aufwies.
Auch die Versorgung der Städte mit Eiern wurde im Wesentlichen durch Importe gewährleistet, die heimische Produktion konnte im Hinblick auf ihre Produktivität in keiner Weise mit der ausländischen Konkurrenz schritthalten und die regionalen Preise waren auf Grund des unterentwickelten Binnenmarktes relativ heterogen und in zeitlicher Hinsicht hoch volatil.90
In beiden Fällen lagen den Entwicklungen ähnliche Ursachen zu Grunde.
Sowohl die Eierproduktion, als auch die Produktion von Obst sind ein eher kleinbäuerliches und häufig nebenbei betriebenes Geschäftsfeld. In beiden Fällen war die Protektionsrate, gerade im Vergleich zur Getreide- und Fleischproduktion, außerordentlich niedrig (Eier ca. 4% bis abnehmend 2 % des Produktionswertes), da beide Produkte in den Handelsvertragsverhandlungen stets als potentielles Kompensationsobjekt angesehen wurden.
Die geringe Bedeutung der jeweiligen Produktion für den betrieblichen Erfolg auch kleiner Betriebe führte auch dazu, dass sich eine schlagkräftige Interessenvertretung zu keinem Zeitpunkt entwickeln konnte.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die betriebliche Rentabilität des Obstanbaues zwingend zu wünschen übrig ließ. Die wenigen überlieferten Wirtschaftlichkeitsberechnungen z. B. aus dem Alten Land deuten genau wie die außerordentlich hohen Bodenpreise in den Zentren der Obstproduktion darauf hin, dass dieser Produktionszweig, trotz offensichtlicher Mängel bei Produktion und Vermarktung und von heftigen Schwankungen geprägt, durchaus profitabel sein konnte.91
Jeder Versuch einer historischen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung leidet darunter, dass es bei diesem Vorhaben unmöglich ist, bei unzureichendem statistischen Material einfach zu sagen: Ich weiß es doch auch nicht . Diese Tatsache erklärt ohne Zweifel die methodischen Verwegenheit Hoffmanns bei einer ganzen Reihe von Zahlenreihen und das gilt auch für seine Angaben zu Obstproduktion und Obstpreisen.
Ich hoffe durch Offenlegung der Berechnungsgrundlagen und durch hinreichende Relativierung der Ergebnisse dieser Falle entkommen zu sein.
7 Literatur
7.1 Quellen und statistische Zahlenwerke
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[...]
1 Vergleiche Spiekermann, Rationalisierung, Anmerkung 4 bzw. 5. Die Bemerkung bezieht sich explizit nur auf Gemüse, ist aber sicher auch für Obst richtig.
2 Zu den Schätzungen von Teuteberg vergleiche vor allem: Teuteberg, Verzehr, S. 225ff, die Gesamtproduktion an Obst schätzt Hoffmann nach eigenen Angaben im Wesentlichen an Hand der Angaben aus dem Großherzogtum Baden, dem Königreich Württemberg und dem Großherzogtum Hessen, Angaben zur wertmäßigen Produktion gehen in der Gesamtangabe zur pflanzlichen Produktion „unter“. Vergleiche Hoffmann, Wachstum, S. 283ff bzw. S.311ff. Die „Erzeugerpreise“ berechnet Hoffmann aus den badischen und hessischen, also ohne die württembergischen, Daten, die Einzelhandelspreise durch einfache Multiplikation mit dem Faktor 2,5, mathematisch fehlerhaft für das Jahr 1911. Vergleiche Hoffmann, Wachstum, S. 553ff und 579ff.
3 Vergleiche Kuczynski, Versorgung, Band 1-4, Knöpfel, Statistik des Obstbaues
4 Grundlage dieses Aufsatzes sind umfänglich gesammelten Daten zur Obstproduktion, zum Obstmarkt und zu Obstpreisen. Nicht alle diese Daten sind in die Arbeit eingeflossen. Bei Interesse können sie unter der Mailadresse Abel@abelbley.de angefordert werden.
5 Vergleiche die Angaben von Kuczynski, Pflanzenproduktion S. 363 zum Verbrauch von Obst für den Zeitraum von 1909 – 1913. Zur Möglichkeit aus den vorhandenen statistischen Daten ein sicheres Bild von Obstproduktion und ihrem Wert zu gewinnen vergleiche auch noch 1929: Ausschuss, Absatzverhältnisse, S. 3ff
6 Kuczynski, Pflanzenproduktion, S. 363 Zahn schätzt den Anteil der statistisch nicht erfassten Obstsorten an der Gesamternte im Durchschnitt auf 23,2%. Vergleiche Zahn, Obstanbau, S. 76
7 Nicht von gleicher Qualität war die 1878 veranlasste reichsweite Zählung, die in den Bundesstaaten auf verschiedene Weise, oder auch gar nicht, umgesetzt wurde. In Preußen wurden zum Beispiel nur Obstbäume in den Gemeinden gezählt, in denen der Obstanbau eine gewisse Bedeutung hatte. Diese Schätzung ergab eine Gesamtzahl der Obstbäume von 58.219.979 Obstbäumen und ist damit kaum kompatibel mit dem Ergebnis der Obstbaumzählung für die vier Hauptobstbaumarten aus dem Jahr 1900 (168.388.853). Vergleiche: Behre, Bedeutung, S. 257ff.
8 Vergleiche dazu besonders die Arbeit von Petersilie, der die Obstbaumzählung des Jahres 1900 für Preußen auswertet. Teuteberg zieht die Verwendbarkeit der reichsweiten Statistik an Hand von Vergleichen aus dem Alten Land von 1900 bzw. 1930 in Zweifel indem er z.B. den Rückgang der Zahl der Apfelbestände problematisiert (1900: 219.143, 1930: 38.621) Vergleiche Teuteberg, Obst, Anmerkung 28. Allerdings wurde für die Kriegszeit von umfangreichen Rodungen gerade im Alten Land wegen des Getreidebedarfs im Weltkrieg berichtet, sodass der vorgenommene Vergleich schief ist. Vergleiche: Alpers, Obstanbau, S. 24
9 Kuczynski, Grundlagen, S. 55 Warum Behre nach dem auch von ihm Gesagten die sächsischen Daten von 1878 und 1900 hingegen vergleicht und Steigerungsraten berechnet, erschließt sich mir nicht. Vergleiche Behre, Bedeutung, S. 261
10 Statistisches Jahrbuch des Großherzogtums Baden, 1914, S. 122 (1879,1880,1883,1894,1899,1900,1904 und 1913). Die Ergebnisse der Ernteschätzungen vor 1878 wurden nach der ersten Zählung stark in Zweifel gezogen da auf der Grundlage der Obstbaumzählungen rechnerisch nur außerordentlich geringe Erträge/Baum zu konstatieren wären. Vergleiche Kuczynski, Grundlagen, S. 56. Er erwähnt auch die Zählung von 1880 als erste Obstbaumzählung, möglich also, dass die Daten von 1879 nur als amtliche Schätzungen einzuordnen sind.
11 Vergleiche Knöpfel Statistik, S.12
12 Vergleiche Kuczynski, Grundlagen, S.57. Die Differenzierung wurde von 1878 – 1899 und 1904 - 1906 vorgenommen, in den anderen Jahren aber nicht.
13 Vergleiche Knöpfel, Statistik, S. 11
14 Trüdinger, Obstbau, S. 212
15 Trüdinger, Obstbau, S. 213
16 Vergleiche Zeitschrift des königlich bayrischen statistischen Bureaus, 1879, S. 88f und 1889, S. 36f
17 Berechnet man die Durchschnittspreise für die verschiedenen Obstsorten zum einen durch Division von Gesamterntemenge und Preis, zum anderen aber durch Mittelwertbildung der lokal gemeldeten Preise so ergeben sich gravierende Unterschiede: 1879 (in RM/dz) Äpfel 5,53 bzw. 6,67, Birnen 5,65 bzw. 6,24, Pflaumen 7,08 bzw. 10,40, Kirschen 11,63 bzw. 16,80, die Zahlen für 1888 lauten: Äpfel 4,88 bzw. 6,45, Birnen 2,67 bzw. 5,28, Pflaumen 3,91 bzw. 6,09, Kirschen 11,29 bzw. 14,79.
18 Vergleiche Kuczynski, Grundlagen, S. 55 Teilweise wurden die Daten z. B. einfach in der sächsischen Obstbauzeitung veröffentlicht. Vergleiche Sächsische Obstbauzeitung, 1876, S. 29ff. Letztlich hatten die Daten keinen wirklich amtlichen Charakter. Stöhr weist insgesamt abweichend darauf hin, dass es seit 1885 keine fortlaufenden Aufzeichnungen gebe. Vergleiche Stöhr, Obstbau, S. 58
19 Vergleiche Kuczynski, Grundlagen, S. 56. Die badischen Sondererhebungen fanden noch 1894, 1899 und 1904 statt.
20 Vergleiche Statistisches Jahrbuch des Großherzogtums Baden, verschiedene Jahrgänge
21 Vergleiche Statistisches Jahrbuch des Großherzogtums Baden, 1900, S. 70
22 Vergleiche zur Vorgehensweise: Knöpfel, Statistik, S. 6ff
23 Vergleiche Trüdinger, Obstbau, S. 212
24 Zur Vorgehensweise vergleiche Kuczynski, Grundlagen, S. 55 und Trüdinger, Obstbau, S. 212ff
25 Vergleiche Statistisches Jahrbuch der Stadt Berlin, verschiedene Jahrgänge. Von 1873 bis 1877 wurden in Preußen die geernteten Obstmengen erhoben und in der Statistik des Deutschen Reiches auch veröffentlicht, die Statistik wurde aber wegen Zweifels an der Aussagekraft der Daten nicht fortgeführt. Vergleiche Statistisches Jahrbuch des Deutschen Reiches, 1916, S. XIII
26 Vergleiche z. B. Trüdinger, Obstbau, S. 222, der für verschiedene württembergische Gebiete 1901 höchst unterschiedliche Erntemengen je Baum konstatiert.
27 Zur generellen regionalen Produktivitätsentwicklung vergleiche Bley, Agrarmärkte, Kapitel 8.5. Besonders relevant ist in diesem Zusammenhang der nachweisbare Rückstand im Hinblick auf die Düngung der Böden, insbesondere mit Mineraldünger. Vergleiche Bley, Agrarmärkte, S. 299ff
28 Die mengenmäßige Relevanz gerade der badischen Preisdaten sollte allerdings reflektiert werden. Im Zeitintervall von 1890 – 1899 wurden auf den badischen Obstmärkten durchschnittlich (Tafel- und Mostobst zusammengerechnet) 6671 Doppelzentner Äpfel, 7669 Doppelzentner Birnen und 1540 Doppelzentner Kirschen gehandelt. Vergleiche Statistisches Jahrbuch des Großherzogtums Baden, 1900, S. 291. Es liegen für diesen Zeitraum keine nach Obstsorten aufgeschlüsselten Ernteergebnisse vor, aber gemessen an der Durchschnittsernte von 1880 – 1888 entspricht das einem Prozentsatz von 1,43 % bei Äpfeln, 2,19 % bei Birnen und 1,59 % bei Kirschen. Im Vergleich dazu wurden nur dem nur Hamburger Markt z. B. 1923 218.525 dz Obst umgesetzt, also mehr als die 10 fache Menge. Vergleiche Alpers, Obstanbau, S. 46
Eine Hochrechnung auf den Gesamtwert der Ernte oder eine Festlegung des regionalen Preisniveaus sollte also nicht nur an Hand dieser Daten erfolgen. Die Angaben zur Durchschnittsernte stammen aus dem Statistischen Jahrbuch des Großherzogtums Baden, verschiedene Jahrgänge und eigenen Berechnungen.
29 Vergleiche Kuczynski, Versorgung, S. 330 und eigene Berechnungen
30 Vergleiche Kuczynski, Versorgung, S. 332, Zahn, Obstanbau S. 57, Knöpfel, Statistik, S. 6ff und eigene Berechnungen
31 Vergleiche Bley, Agrarmärkte, zur Hopfenproduktion besonders S. 138ff
32 Zu den beginnenden Bemühungen zur Schädlingsbekämpfung vergleiche z. B.: Leithinger, Landwirtschaft, S. 468ff (Versuchsreihen zur Bekämpfung von Schädlingen) und Verbreitung dieser Erkenntnisse in Obstbau-Lehrgängen im Großherzogtum Hessen. Schilling weist darauf hin, dass mindestens für das Großherzogtum Badens festzuhalten ist, dass man sich mit Schädlingsbekämpfung nur vereinzelt befasst hat. Vergleiche Schilling, Absatzverhältnisse, S. 39
Janson weist zurecht darauf hin, dass die Zentren der Obstproduktion, wie etwa im Alten Land, in Werder bei Berlin, aber auch zahlreiche Gebiete am Rhein, Main, Elbe oder am Bodensee eben in der Nähe von Gewässern liegen, die sowohl die sommerliche Hitze, besonders aber die Spätfröste abmildern. Vergleiche Janson, Obstversorgung, S. 288f oder z.B. auch Alpers, Obstanbau, S. 21 und Holst, Obstbau, S. 30ff
Von besonderer Bedeutung für die deutsche Obstwirtschaft war in diesem Zusammenhang der Frostwinter 1879/80, der auch zu massenhaftem Absterben von Obstbäumen führte. Nach den Angaben von Knöpfel betrug der Verlust in Hessen bzw. Baden bei Äpfeln 25 % bzw. 21 % des Bestandes, bei Birnen 13 % bzw. 11 %, bei Pflaumen 40 % bzw. 47 % und bei Kirschen 14 % bzw. 22 %. Vergleiche Knöpfel, Statistik, S. 5
Für Franken analog Folger, Obstbau, S. 3, für Preußen konstatiert das preußische statistische Bureau ebenfalls starke Ernteausfälle, Berichte über erfrorene Bäume gibt es aber nicht. Darüber hinaus sei das Rheinland kaum betroffen gewesen. Vergleiche Zeitschrift des königlich preußischen Bureaus, 1881, S.LVI Für das Großherzogtum Hessen konstatiert Knöpfel, das die Bestände bis 1905, also dem Zeitpunkt der Veröffentlichung seiner Arbeit, bei keiner Obstsorte wieder den Stand des Jahres 1864 erreichten. Vergleiche Knöpfel, Statistik, S. 5
Behre betont mindestens für die Großherzogtümer Baden und Hessen, dass auch der Winter 1870/71 ähnliche Folgen hatte. Vergleiche Behre, Bedeutung, S. 262, der Winter des Jahres also 1878/79 keinesfalls singulär war.
In seinem Lehrbuch für den Handelsobstbau berichtet Thiem über den Beginn des Einsatzes von „Räucherungen“ zur Verhinderung der Folgen von Spätfrösten am Mittelrhein bzw. in Österreich. Vergleiche Thiem, Handelsobstbau, S. 97f .
Ein wichtiger Standortvorteil für die Produktion in der Nähe von Großstädten bestand auch darin, dass die Versorgung mit Naturdünger im Umfeld großer Städte deutlich einfacher war. So betrugen die „Düngerexporte“ Berlins 1913 ca. 1,05 Mill t, davon gingen 498.000 t in die Berliner Vororte und 387.000 t nach Brandenburg. Die Elbhäfen, also wohl im wesentlichen Hamburg, exportierten 464.000 t .Vergleiche Statistik der Güterbewegungen auf deutschen Eisenbahnen, 1913.
33 Vergleiche zum gesamten Komplex der Betriebsstrukturen z. B. für Preußen Petersilie, Obstbau : Im Zuge der Auswertung der Obstbaumzählung von 1900 stellt er fest, dass es in Preußen etwas über 6,8 Millionen Obstbäume auf Chausseen, Bahndämmen oder ähnlichem gibt, also im öffentlichen Raum, bei denen man von eher extensiver Bewirtschaftung ausgehen muss (S. 185), etwa 9/10 der Betriebe hatten einen Baumbestand von unter 51 Obstbäumen (S. 186), waren also Klein- bzw. Kleinstbetriebe. Große Betriebe mit über 500 Obstbäumen wiesen nur einen Anteil von 11,7 % des Baumbestandes auf, während auf die Betriebe unter 51 Bäumen über 42 % des Bestandes entfielen. (S. 189) Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die regionale Verteilung von Plantagen (über 2000 Obstbäume) darauf hindeutet, dass es weder Standortfaktoren noch meteorologische Gegebenheiten sind, die modernere Betriebsformen in Preußen verhinderten. (S. 197ff)
Für das Alte Land beschreibt Holst die Betriebsstrukturen. Nach seiner Analyse sind in der Regel allenfalls Betriebe von 0,5 – 10 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche als Obstbetriebe zu bewerten, während größere Betriebe eher einen klassischen Schwerpunkt der Wirtschaft aufweisen (Ackerbau bzw. Viehzucht). Dabei geht er davon aus, dass die kleineren von ihm genannten Betriebsgrößenklassen häufig nur Nebenerwerbsbetriebe waren. Vergleiche Holst, Obstbau, S. 67ff
Den Obstbau aus wirtschaftlichen Gründen in der Regel nur als Nebenerwerb zu betreiben und nur bei besonderer Gunst der geographischen Lage zum Plantagenanbau überzugehen fordert noch 1929 der Ausschuss zur Untersuchung der Erzeugungs- und Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft in seiner Arbeit zum Obstbau. Vergleiche Ausschuss, Erzeugungs- und Absatzverhältnisse, S. 59ff. Auch Alpers beschreibt diesen hybriden Charakter der Obstbaubetriebe für das „Alte Land“. Vergleiche Alpers, Obstanbau, S. 34ff
34 Den Verlauf der wissenschaftlichen Diskussion um dieses Thema fasst Mante in seiner Arbeit über die betriebswirtschaftlichen Vorstellungen im deutschen Obstbau zusammen. Der Nebenerwerbscharakter wird auch noch bis ins 20. Jahrhundert von einigen Autoren vehement geradezu gefordert, während andere, gerade die amerikanischen Obstbauverhältnisse im Blick habend, eine Umstellung der Betriebsformen vom Neben- zum Haupterwerb fordern. Betrachtet man die Entwicklung der Betriebsgrößen und auch der regionalen Konzentration von Obstbaubetrieben, so ist festzustellen, dass die Realität des Obstbaues die Theorie mindestens regional zum Teil überholte, dominant blieb aber der Nebenerwerb im Kleinbetrieb. Vergleiche Mante, Entwicklung, S. besonders S. 9ff
Die zeitgenössische Literatur zu den als Vorbild hingestellten amerikanischen Verhältnissen im Hinblick auf die Produktions- und Absatzbedingungen ist, spätestens seit der Jahrhundertwende, Legion. Genannt seien hier nur: Behre, Obstbau, S. 265f, Sandmann, Obstbau, Semler, Obstverwertung, Engel, Obstbau, S.3f
35 Vergleiche zur Bedeutung des Straßenanbaues von Obst, auch für die kommunalen Finanzen, Mante, Entwicklung, S. 13ff und die dort genannte Literatur.
36 Das galt nicht nur im Hinblick auf die überseeische Konkurrenz, sondern auch die Obstproduzenten der Nachbarländer waren der deutschen Konkurrenz in dieser Hinsicht überlegen. Vergleiche z. B. Alpers, Obstanbau, S. 65, der auch betont, dass die Obstkulturen in diesen Ländern häufig im Hinblick auf den Fernhandel strukturiert worden seien.
37 Vergleiche Teuteberg, Obst, S. 177f bzw. Engel, Obstbau, S. 10. Teuteberg geht von einer 6 jährigen „Wartezeit“ bis zur wirtschaftlichen Ertragsfähigkeit von Obstbäumen aus, Engel, den er (falsch) zitiert, bei Kernobst von 14 Jahren.
38 Vergleiche Bley, Agrarmärkte, S. 228, Anmerkung 598 für Mecklenburg.
39 Vergleiche zusammenfassend Zahn, Obstanbau, S. 65ff
40 Die Angaben zum Königreich Württemberg wurden entnommen aus Kuczynski, Versorgung, S. 330, die hessischen Daten aus Kuczynski Versorgung, S. 332, ergänzt für die Zeiträume von 1873 – 77 und 1905 - 13 aus Zahn, Obstanbau, S. 57f .
Aus den Daten ergeben sich langfristige Durchschnittsernten für Äpfel von 16,2 kg/Baum für Württemberg und 17,8 kg/Baum für Hessen, für Birnen sind die Zahlen 14,4 bzw. 18,4, für Pflaumen 2,7 und 7,1 und für Kirschen 7,7 bzw.9,3.
Auf der Grundlage umfangreicher, langfristiger Untersuchungen an fast 1 Mill Obstbäumen kommt Janson auf folgende, von den genannten Daten abweichende, reichsweit als gültig aufgefasste, Durchschnitte: Äpfel 11,85 kg/Baum, Birnen: 10,4 kg, Pflaumen: 9,05 und Kirschen 13,5 kg. Vergleiche Janson, Obstversorgung, S. 282
Die württembergischen und hessischen Zeitreihen beruhen aus der Aufteilung der Ernte auf alle Obstbäume, während die Daten von Janson nur tragfähige Bäume berücksichtigen. Aus der Obstbaumzählung des Jahres 1913 für Preußen ergeben sich folgende Quoten der Ertragsfähigkeit: Äpfel 64,59 %, Birnen 69,96 %, Pflaumen 79,3 %, Kirschen 74,2 %, Aprikosen 62,94 %, Pfirsiche 58,52 % und Walnüsse 69,53 %, Durchschnitt über aller Obstbäume 71,43 %. Zu beachten ist, dass naturgemäß bei stark wachsenden Obstbaubeständen, wie es bei Äpfeln von 1900 – 1913 der Fall ist, die Quote der nicht-tragfähigen Bäume erhöht ist. Vergleiche Preußische Statistik, Band 252, S. 16f. Berücksichtigt man diese Quoten, so ergeben sich für Janson folgende Werte: Äpfel: 7,65 kg/Baum, Birnen: 7,28 kg/Baum, Pflaumen: 7,17 und Kirschen 10,02. Die Angaben sind also für Kernobst deutlich niedriger als die Durchschnittsangaben aus Württemberg und Hessen, für Steinobst deutlich höher. Interessant ist, dass auch Janson offensichtlich keinerlei Steigerung der Obsterträge im Zeitverlauf in Rechnung stellt.
Andere Schätzungen liefert Eltzbacher im Enqueteausschuss 1929 vor. Er geht für die Vorkriegszeit pro Baum von 18 kg für Äpfel, 16 kg für Birnen, 3 kg für Pflaumen und 9 kg für Kirschen aus, orientiert sich also offensichtlich an den württembergischen und hessischen Ergebnissen. Vergleiche Ausschuss, Absatzverhältnisse, S.5, ähnlich und auch mit ähnlicher statistischer Grundlage: Behre, Obstbau, S. 264
Das Problem diskutiert auch Zahn, Obstanbau, S. 56ff. Die Erträge in Musteranlagen sind vielfach deutlich höher als die Durchschnittserträge aus Württemberg und Hessen. Vergleiche Zahn, Obstanbau, S. 65ff
41 Den deutlichen Unterschied in der Produktivität der Pflaumenbäume stellt schon, Württemberg und Hessen vergleichend, Knöpfel fest, ohne dafür eine Erklärung zu suchen. Vergleiche Knöpfel, Statistik, S. 6
42 Vergleiche Kuczynski, Pflanzenproduktion, S. 329.
43 Vergleiche die Ergebnisse der Obstbaumzählungen von 1900 und 1913 und eigene Berechnungen.
Die Daten zu den Zählungen sind entnommen aus Trüdinger, Obstbau, S. 214 (1900) und Vierteljahreshefte zur Statistik des Deutschen Reiches 1915 II, S 49 ff (1913).
44 Vergleiche Hoffmann, Wachstum, S. 283. Offensichtlich hat er auch die Daten aus dem Großherzogtum Baden, trotz der Skepsis der badischen Statistiker, verwendet. Die tatsächliche Berechnungsmethode bleibt aber im Dunklen. Würde man die badischen Daten mit berücksichtigen, erhöhte sich der Repräsentationsgrad um durchschnittlich ca. 5 % Punkte, also in durchaus relevanten Umfang.
45 Vergleiche Trüdinger, Obstbau, S. 213ff und Vierteljahreshefte zur Statistik des Deutschen Reiches, 1915, II, S,. 49ff. Die Zahlen beziehen sich auf alle Obstbäume, also ertragsfähige und (noch) nicht ertragsfähige Obstbäume. Nur bei der Erhebung von 1913 wurde zwischen diesen beiden Kategorien unterschieden.
46 Vergleiche Kuczcynski, Pflanzenproduktion, S. 330ff und Zahn Obstanbau, S. 57f und eigene Berechnungen. Berechnet wurden die Daten mittels der interpolierten regionalen Anteilen am Obstbaumbestand des Deutschen Reiches und den regionalen Ernteergebnissen aus Württemberg und Hessen.
47 Verwendet wurden für diese Berechnung bei Pflaumen nur die Ertragsdaten aus dem Großherzogtum Hessen, was die Repräsentativität der Daten naturgemäß noch einmal als problematischer erscheinen lässt.
48 Vergleiche Hoffmann, Wachstum, S. 285f. Die um 10 % erhöhte Kurve berücksichtigt Aprikosen-, Pfirsich- und Walnussbäume. In der Darstellung fehlt alles Beerenobst.
49 Insofern ist ein Rechenfehler bei Hoffmann wahrscheinlich.
50 Grundlage der Darstellung sind bis 1878 unveränderten Obstbaumquoten von Württemberg und dem Großherzogtum Hessen aus dem Jahr 1900 und die jeweiligen Angaben zur Obsternte aus diesen Gebieten.
Hoffmann führt die Datenreihe, mit welchen Mitteln auch immer, bis 1852 fort.
51 Der Mittelwert der Abweichung beträgt im Intervall von 1878 – 1912 9,1 %, von 1901 – 1912 betrug er 6,3 %.
52 Vergleiche Janson, Obstversorgung, S. 285
53 Allgemein dazu: Bode, Erwerbsobstbau, S. S 49ff, Für Baden: Engel, Obstbau, S. 72ff. Aus der Perspektive des Jahres 1926 allgemein: Ausschuss, Absatzverhältnisse, S. 102ff
54 Vergleiche Bode, Erwerbsobstbau, S. 59ff, Behre, Bedeutung, S. 277 ff. Behre zählt für das Jahr 1903 die 35 Obstverwertungsgenossenschaften mit 3454 Mitgliedern.
55 Für Hamburg und den dortigen Großmarkt bzw. das Alte Land: Vergleiche Alpers, Obstanbau, S. 38ff, Teuteberg, Obst, S. 183, Für Berlin: Behre, Bedeutung, S. 272,
56 Bode, Erwerbsobstbau, S. 64, der betont, dass Kühlhäuser in der Regel nur für die Aufbewahrung besserer Obstsorten rentabel waren, Mante datiert die Errichtung der ersten Kühlhäuser auf die Zeit kurz vor dem ersten Weltkrieg. Vergleiche Mante, Entwicklung, S. 23. Alpers bezeichnet in seiner Arbeit aus dem Jahr 1927 die Existenz eines Kühlhauses in den einzelnen Betrieben im Alten Land als Normalität. Vergleiche Alpers, Obstanbau, S. 50
Zur geographischen Verteilung des Obstanbaues weist Bode mit Verweis auf eine Karte des statistischen Reichsamtes darauf hin, dass es nahezu für alle großen Städte gilt, dass im Weichbild dieser Städte der Anbau von Obst deutlich weiter verbreitet war als in weiterer Entfernung. Vergleiche Bode, Bedeutung, S. 258.
57 Vergleiche zur badischen Marktquote Anmerkung 27.
Mindestens nach der Jahrhundertwende gab es natürlich Bemühungen, die Vermarktung im Interesse der Betriebe zu verbessern. Eine Darstellung für das Königreich Sachsen bietet dazu z. B. Döge, Obstbau, S. 4ff. und auch Stöhr, Obstbau, s. 42ff
58 Behre, Bedeutung, S. 278 Behre betont, dass weder die Menge noch der doch sehr hohe Preis des ausländischen Obst auf eine Bevorzugung wegen der Provenienz beruhte, sondern das das Angebot einheimischer Produzenten einfach mengenmäßig unzureichend war und zudem qualitativ abfiel. Dezidiert berichtet Behre darüber hinaus über die Klagen in Bezug auf die Qualität norddeutscher Äpfel auf dem Berliner Großmarkt, insbesondere wegen der Heterogenität des Angebots auf Grund der Sortenvielfalt. Vergleiche Behre, Bedeutung, S. 278
59 Vergleiche schon früh (1885) Lämmerhirt, Obstverwertung. Er regt schon 1885 die Bildung länderspezifischer Obstgenossenschaften an, die insbesondere bei der Vermarktung der zuweilen sehr reichen Obsternten eine Rolle spielen sollten und ergänzt diese Idee um eine umfängliche Darstellung der sonstigen Verwertungsmöglichkeiten von Obst bei überreichen Ernten.
60 Vergleiche Lämmerwirt, Obstverwertung, S. 31ff, Stern, Obstbau S. 41ff
61 Vergleiche Stern, Obstversorgung, S. 54 und Trüdinger Obstbau, S. 223 Die eingeführte Menge verteilte sich zu ca. 30% auf das Inland und ca. 70 % auf das Ausland. Analoges gilt für Baden, vergleiche Engel Obstbau, S. 77
62 Trüdinger, Obstbau, S. 233.
63 Stern, Obstverwertung, S. 65f
64 Vergleiche Hartmann, Most, S. 32
65 Vergleiche Humbert, Konservenindustrie, S. 68 Wie „marktfern“ dieser Obstanbau war, lässt sich schon am Umstand ablesen, dass 1911 bzw. 1913 unter Mithilfe des Pomologen-Vereins Mindestpreises für Obst im Zusammenarbeit mit der Konservenindustrie festgelegt wurden. Vergleiche Humbert, Konservenindustrie, S. 69
66 Vergleiche für Baden: Engel, Obstbau, S.75, allgemein: Ausschuss, Absatzverhältnisse, S. 76. Im Jahr 1900 wurden im Deutschen Reich insgesamt 62.000 t konserviertes Obst im Gesamtwert von 25,5 Mill RM eingeführt, 1913 waren es 92.808 t im Wert von 52.35 Mill. RM (1913: Wert für Äpfel, Birnen, Aprikosen, Zwetschgen, Korinthen und Rosinen) . Vergleiche Statistisches Jahrbuch des Deutschen Reiches, verschiedene Jahrgänge und eigene Berechnungen.
67 Zur zeitgenössischen Diskussion: Engel, Obstbau, S. 107ff, Bode, Erwerbsobstbau, S. 71ff
68 Das vollständige, recht komplizierte Zolltarifschema nach Abschluss der jeweiligen Handelsverträge ist dokumentiert in : Ausschuss, Absatzverhältnisse, S. 123ff (Anlage 1)
69 Vergleiche Bode, Erwerbsobstbau, S. 72ff, dort auch Angaben zu weiteren Obstsorten und zur relativ geringen Verzollung von verarbeiteten Obstprodukten.
70 Vergleiche Statistische Jahrbücher des Großherzogtums Baden, verschiedene Jahrgänge und Mitteilungen der Zentralstelle für Statistik des Großherzogtums Hessen verschiedene Jahrgänge und eigene Berechnungen.
71 Vergleiche Statistisches Jahrbuch des Großherzogtums Baden, Trüdinger, Obstbau, S. 223 und Statistisches Jahrbuch des Königreichs Württemberg, Statistisches Handbuch des Großherzogtums Hessen 1909 und 1924, ergänzt durch die Angaben in den Statistischen Mitteilungen der Zentralstelle Hessen und dem Statistisches Jahrbuch der Stadt Berlin, verschiedene Jahrgänge.
72 Eine sehr ähnliche Spannweite weisen auch die, allgemein als eher unzuverlässig geltenden, Importpreise aus. Sie schwanken z.B. für 1912 für Äpfel von durchschnittlich 100 RM/t für französische, 105 RM/t für österreichische 80 RM/t für schweitzer Äpfel und 319,9 für nordamerikanische und 450 RM/t für australische Äpfel. Vergleiche: Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich, 1913, S. 176 und eigene Berechnungen ähnlich Engel, Obstbau, S. 109 für mehrere Obstsorten und für das Jahr 1900.
Für das Jahr 1891 gibt Böttner regionale Preisdifferenzen pro Zentner für „gute Sorten“ von 27,25 RM (Werder), 13,31 RM (Ostpreußen), 12,84 RM (Schleswig-Holstein), 12,43 RM (Rheinprovinz), 12,20 RM (Brandenburg), 10,10 RM (Sachsen), 8,70 RM (Württemberg), 8,53 RM (Thüringen) und 8,15 RM (Baden) an. Demnach gäbe es also ein Nord- Südgefälle in Bezug auf die Großhandelspreise. Vergleiche Böttcher, Lehrbuch, S. 518
73 Vergleiche Hoffmann, Wachstum, S. 577, Preise für Leipzig aus Tägtmeier, Entwicklung, S. 233 und für München aus Morgenroth, Kosten, S. 294. Analoge Preise liegen auch für Birnen vor.
74 Keinerlei Erwähnung findet Obst u.a. in Halle, Lübeck, Kiel, Magdeburg, Königsberg, Breslau, Straßburg, und Mannheim. Für Nürnberg existieren Preise für den Zeitraum von 1909 – 12, die die deutlich höheren Preise aus Leipzig und München im Vergleich zu den hoffmannschen Angaben bestätigen. Vergleiche Meyer, Lebensmittelpreise, S. 18.
75 Dargestellt sind die gemittelten, nicht gewichteten Preisen aus dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Württemberg
76 Vergleiche Bley, Entwicklung und Bley, Agrarmärkte, Kapitel 8.5
77 Berechnet aus den Abweichungen der Durchschnittsernten und dem Durchschnittspreise aus Württemberg und Hessen. Bei Birnen liegt die analoge preisliche Abweichungsspitze nach unten bei 39,7 % des Durchschnittspreises (1888) und nach oben 156,3 % (1913). Die analogen Zahlen für Kirschen lauten 56,3 % (1894) und 231,4 % (1913) und bei Pflaumen 50,1 % (1894) bzw. 170,9% (1899). Die entsprechenden Graphiken liegen vor.
78 Bewusst verzichte ich hier auf eine weitergehende Analyse der Preisreaktion auf veränderte Erntemengen, da ich die Daten für weitergehende ökonometrische Analysen aller Art nicht für gesichert genug halte.
79 Berechnet aus den regionalen Daten zur Produktion für das Königreich Württemberg und dem Großherzogtum Hessen. Von 1900 – 1913 wurden die unterstellten Anteile an der gesamten Produktion des Deutschen Reiches an Hand der interpolierten Daten der Obstbaumzählung dynamisiert. Für die Berechnung der Produktion vor der Jahrhundertwende wurde die Konstanz der Produktionsanteile der beiden Länder unterstellt.
Die deutliche Abweichung der festgestellten Ertragskraft von Pflaumenbäumen in Württemberg wurde nicht nur wegen der abweichenden Daten aus Hessen, sondern auch wegen abweichender Feststellungen in der zeitgenössischen obstwirtschaftlichen Literatur nicht verwendet. Hier liegen nur die hessischen Daten der Berechnung zu Grunde. Als Preisdaten wurden durchgängig die gemittelten Daten aus Württemberg und Hessen verwendet.
80 Für Obst gibt Hoffmann keinen Wert der Gesamtproduktion von Obst an. Die Berechnung erfolgt daher aus seinen Angaben zu den Erzeugerpreisen (S. 553ff) und der von ihm berechneten Ernteerträge (S.285ff). Die eigene Berechnung fußt auf den Preis- und Mengenangaben der einzelnen Obstsorten, korrigiert um einen 10 % Aufschlag für die nicht berücksichtigten Obstbaumarten. Eine Berücksichtigung des Beerenobstes erfolgt nicht.
81 Janson berichtet von zeitgenössischen Schätzungen die, mutmaßlich unter Berücksichtigung der Ernte an Beerenobst, zu deutlich höheren Werten kommen. Der Durchschnitt der Schätzungen liege zwischen 320 und 380 Mill RM, seine eigene Schätzung liegt bei 390 bis 400 Mill RM für eine mittlere Ernte. Vergleiche Janson, Obstversorgung, S. 281ff .
Zu beachten ist in diesem Zusammenhang der Zeitpunkt der Veröffentlichung (1917) und die damit einhergehende Preisproblematik.
82 Vergleiche Statistisches Jahrbuch des Deutschen Reiches, verschiedene Jahrgänge und eigene Berechnungen. Zu wesentlichen Teilen abhängig vom inländischen Ernteausfall schwankte die Importquote für frisches Obst im Zeitraum von 1885 – 1913 zwischen 50 % (1913) und 2,4 % (1888). Die durchschnittliche Importquote stieg in diesem Zeitraum von ca. 10 % auf ca. 17%.
83 Durchaus als Ausnahme ist das Jahr 1913 zu bewerten, in dem auf den großen Ernteausfall mit der Steigerung des Importes von Äpfeln von 197,300 t (1912) auf 440.000 t (1913) reagiert wurde. In Bezug auf die relativ schlechte Ernte des Jahres 1911 ist ähnliches zu beobachten. Vergleiche Statistisches Jahrbuch des Deutschen Reiches.
84 Vergleiche dazu auch Bley, Agrarmärkte S. 393ff
Bei Obst sprechen die Empfindlichkeit des Produktes und die zuweilen unsichere Dauer des Transportes (Wasserstände) sicher im Regelfall gegen die Beförderung auf dem Wasserweg, sodass davon auszugehen ist, dass der Eisenbahntransport im überregionalen Handel vorherrschend ist.
Laut Statistik des Deutschen Reiches wurden 1913 bei der Einfuhr von Obst und Gemüse 1.084.287 t per Bahn transportiert und 44.502 t per Schiff, bei der Ausfuhr waren es 50.086 t per Eisenbahn und 7.615t per Schiff. Im Inlandsverkehr wurden 2,95 Mill t Obst und Gemüse per Eisenbahn transportiert und 0,195 Mil, t auf den Wasserstraßen. Vergleiche Statistik des Deutschen Reiches, Bd. 274 II, S. XIX bzw. XXV.
Berlin erhielt 1913 auf Wasserstraßen eine Zufuhr 26.400 t Obst und Beeren, die im Wesentlich aus Hamburg kamen, der hamburgische Verkehrsbezirk lieferte von insgesamt 52.800 etwas weniger als 50 % seiner Ausfuhren nach Berlin. Vergleiche Statistik des Deutschen Reiches, Bd. 274 II. Angesichts der Gesamtzufuhren per Eisenbahn (s. u). waren das also ca. 10 % der Gesamtzufuhren.
85 Vergleiche Statistik der Güterbewegungen auf deutschen Eisenbahnen, 1913
86 Lothringen importierte 1913 per Eisenbahn 195.300 t Obst und Gemüse aus Frankreich, ausweislich der Importstatistik wird klar, dass es sich im Wesentlichen um Äpfel handelt, Südbayern erhielt im Wesentlichen aus den süd-östlichen Nachbarländern über 75.000 t Obst und Gemüse, bei den Elbhäfen ist klar, das neben den ggf. vorhandenen Überschüssen des Alten Landes die Importe aus Übersee relevant gewesen sein müssen, nur bei Schleswig–Holstein lässt sich ein Auslandsbezug nicht nachweisen.
87 Vergleiche Statistik der Güterbewegungen auf deutschen Eisenbahnen, 1913
88 Vergleiche Statistik der Güterbewegungen auf deutschen Eisenbahnen, 1913
89 Ähnliche Feststellungen lassen sich auch für andere Verkehrsbezirke mit Importüberschuss machen.
Das Königreich Sachsen erhielt 1913 insgesamt 57.700 t über Eisenbahndirektimporte aus dem Ausland, davon fast 50.000 t aus den angrenzenden südöstlichen Staaten, aber nur 6.900 t aus den Niederlanden. Auch im innerstaatlichen Verkehr dominierten nahegelegene bzw. verkehrsgünstig gelegene Liefergebiete (Südbayern, Schleswig-Holstein). Dem gegenüber stammen die Eisenbahndirektimporte des Ruhrgebiets in der Rheinprovinz im wesentlich aus den Niederlanden (76.700 von 88.400 t) und die innerstaatlichen Importe von 70.200 t stammen zu deutlich über 50 % aus dem Rheinland links des Rheines (39.200 t )
Württemberg erhielt seine Importe in Höhe von über 220.000 t zu deutlich über 90 % direkt aus dem Ausland oder aus Lothringen, das wiederum die entsprechenden Waren im Wesentlich aus Frankreich erhielt. Hauptlieferländer waren insgesamt Frankreich und Italien.
90 Zum gesamten Komplex vergleiche Bley, Agrarmärkte, Kapitel 5.4, S. 268ff.
91 Vergleiche Holst, Obstbau, S. 81ff und besonders Tabelle 20 im Anhang, Janson, Großobstbau, S. 299ff oder Engel, Obstbau, S. 113ff. Allgemein zur Rentabilitätsberechnung: Christ, Junge, Wert- und Rentabilitätsberechnung
Zu den Bodenpreisen von Obsthöfen in Werder z.B. Behre, Obstbau, S. 272 allgemein z.B. Janson Großobstbau, S. 6ff
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- Abel Bley (Autor:in), 2026, Obstmarkt und Obstproduktion im Deutschen Reich 1871–1913, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1741719