Ratings in ihrer heutigen Form feierten in diesem Jahr ihr einhundertjähriges Bestehen. Die Aktualität dieses Themas ist im Zuge der weltweiten Wirtschafts- und Finanzmarktkrise so groß wie nie zuvor. Die Rolle der großen Ratingagenturen in der jüngsten Krise sowie die Eigenkapitalvorschriften nach Basel II heben die Grundsätze des Ratings in das Rampenlicht vieler Diskussionen.
Auf diesem Hintergrund möchte die vorliegende Arbeit die Idee des Ratings kritisch analysieren. Hierfür wird zunächst auf Grundlagen und Methodik des Ratings eingegangen. Daran anschließend erfolgt eine Betrachtung des Prozesses zur Erstellung einer Ratinganalyse. Diese Aspekte werden jeweils mit Hinblick auf Implikationen für Kreditnehmer im Allgemeinen untersucht. Ferner wird das Thema Rating in das oben genannte aktuelle Umfeld eingeordnet. Abschließend wird der erarbeitete Inhalt kritisch bewertet und ein Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen gegeben.
Ziel dieser Arbeit ist also neben Darlegung der Grundlagen und Methodik, die Relevanz des Themas Rating in der aktuellen Krisensituation zu beleuchten. Dem Leser sollen nicht nur eine generelle Sensibilisierung für dieses Thema geboten, sondern auch Ansatzpunkte zur kritischen Hinterfragung der Grundkonzepte aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Fragestellung und Abgrenzung des Themas
1.2 Begriffsdefinitionen
1.3 Internes versus Externes Rating
2. Grundlagen
2.1 Die Geschichte des Ratings
2.2 Die Relevanz für das Kreditvergabegeschäft
2.3 Die Ratingklassen der externen Ratingagenturen
2.4 Die verschiedenen Arten von Ratings
3. Die Erstellung eines Ratings
3.1 Der Ratingprozess
3.2 Quantitative Faktoren
3.3 Qualitative Faktoren
4. Einordnung in das aktuelle Umfeld
4.1 Aktuelle Ereignisse und die Relevanz für Ratings
4.2 Die Rolle der Ratingagenturen in der Finanzmarktkrise
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das Konzept des Ratings kritisch zu analysieren, seine Grundlagen und Methodik zu beleuchten sowie die Relevanz und Rolle der Ratingagenturen, insbesondere im Kontext der aktuellen Finanzmarktkrise, zu hinterfragen.
- Grundlagen und Entstehungsgeschichte von Ratings
- Methodik des Ratingprozesses und Bedeutung quantitativer sowie qualitativer Faktoren
- Die Auswirkungen von Ratings auf das Kreditvergabegeschäft unter Basel II
- Interessenkonflikte und Systemrelevanz der Ratingagenturen in der Finanzmarktkrise
Auszug aus dem Buch
4.2 Die Rolle der Ratingagenturen in der Finanzmarktkrise
Die Rolle der Ratingagenturen in der aktuellen Finanzmarktkrise ist umstritten. Längst sind sich Politiker, Regulatoren und Experten einig, dass die Ratingagenturen entscheidend zur Entstehung der Krise beigetragen haben und diese sogar noch beschleunigten.
Entscheidend ist hierbei der Umstand, dass die Ratingagenturen eine zweigeteilte Rolle bei der Strukturierung von besicherten Schuldverpflichtungen (Collateralized Debt Obligations, CDOs) spielten. Zum einen bewerteten sie diese Finanztitel gemäß ihres eigentlichen Geschäftsmodells durch ein offizielles Rating. Zum anderen nahmen sie aber auch eine aktive Rolle bei der eigentlichen Strukturierung dieser CDOs ein. So berieten sie Investmentbanken mit dem expliziten Ziel, durch „intelligente“ Strukturierung ein möglichst hohes Rating für die CDOs zu erreichen (Freeman, 2009).
Diese enge Verstrickung mit den Investmentbanken führt zu einem offensichtlichen Interessenskonflikt. Denn wenn die Beratungsleistung bei der Strukturierung klar auf eine gute Ratingbeurteilung ausgerichtet ist, scheint eine spätere Herabstufung des Finanztitels durch dieselbe Agentur im Widerspruch mit der vorher geleisteten Beratung zu stehen und wäre dem Kunden gegenüber – in diesem Fall einer Investmentbank – schwierig zu rechtfertigen. Zusätzlich wäre das Abspringen eines Kunden für die Ratingagenturen nicht leicht zu kompensieren, da das Geschäft mit strukturierten Finanztiteln auf wenige Anbieter beschränkt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Relevanz und Aktualität des Ratingthemas ein und definiert das Ziel, die Grundlagen sowie die Rolle der Agenturen kritisch zu untersuchen.
2. Grundlagen: Dieses Kapitel behandelt die Geschichte des Ratings, die Bedeutung der Bonität für das Kreditvergabegeschäft unter Basel II sowie die verschiedenen Arten und Klassifizierungssysteme von Ratings.
3. Die Erstellung eines Ratings: Der Abschnitt erläutert den typischen Ratingprozess und die Unterscheidung zwischen quantitativen, vergangenheitsorientierten Daten und qualitativen, zukunftsorientierten Faktoren.
4. Einordnung in das aktuelle Umfeld: Dieses Kapitel analysiert die aktuelle Relevanz von Ratings und untersucht insbesondere die zwiespältige Rolle und die Interessenkonflikte der Ratingagenturen während der Finanzmarktkrise.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine Optimierung der Ratingverfahren sowie eine kritische Überarbeitung der Geschäftsmodelle der Ratingagenturen zur Vermeidung zukünftiger Krisen.
Schlüsselwörter
Rating, Bonität, Basel II, Finanzmarktkrise, Ratingagenturen, Ausfallwahrscheinlichkeit, Kreditvergabe, Investment Grade, Speculative Grade, Interessenkonflikte, Regulierung, Quantitative Faktoren, Qualitative Faktoren, Ratingprozess, CDOs
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen Analyse von Ratings, ihrer Entstehung, Methodik und ihrer gewachsenen Bedeutung in der modernen Finanzwelt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung des Ratings, die methodische Vorgehensweise bei der Erstellung, der Einfluss von Basel II auf die Kreditvergabe und die problematische Rolle der Ratingagenturen in der jüngsten Finanzkrise.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, dem Leser ein grundlegendes Verständnis für Ratingkonzepte zu vermitteln und gleichzeitig Ansatzpunkte zur kritischen Hinterfragung der Praktiken und Rollen von Ratingagenturen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die auf etablierten Fachpublikationen und aktuellen Berichten zur Finanzmarktkrise basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des Ratings, den detaillierten Erstellungsprozess mit seinen quantitativen und qualitativen Faktoren sowie eine fallbezogene Einordnung in das aktuelle Umfeld der Finanzmarktkrise.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Rating, Bonität, Basel II, Finanzmarktkrise, Interessenkonflikte, Ratingagenturen, Ausfallrisiko.
Warum sind Ratingagenturen laut der Arbeit in die Kritik geraten?
Sie gerieten aufgrund massiver Interessenkonflikte in die Kritik, da sie sowohl bei der Strukturierung komplexer Finanzprodukte berieten als auch deren Bonität bewerteten, was zu einer unzureichenden Risikoeinschätzung führte.
Was unterscheidet interne von externen Ratings?
Interne Ratings werden von Banken selbst für Kreditentscheidungen genutzt, während externe Ratings von spezialisierten Ratingagenturen erstellt werden und oft eine breite Marktwirkung entfalten.
Welche Rolle spielen qualitative Faktoren bei einem Rating?
Qualitative Faktoren wie Managementqualität, Marktstellung und Strategie sind entscheidend, um zukunftsorientierte Prognosen über die Entwicklung eines Schuldners abzugeben, da quantitative Zahlen rein vergangenheitsbezogen sind.
Welche Konsequenzen fordert der Autor für die Zukunft?
Der Autor fordert eine Optimierung der Ratingverfahren, eine stärkere staatliche Regulierung zur Vermeidung von Interessenkonflikten und eine kritische Überprüfung des aktuellen Geschäftsmodells der Ratingagenturen.
- Citation du texte
- Jonas Augustin (Auteur), 2009, Rating - Eine kritische Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174199