Der Gedanke zur europäischen Integration ist tief in der Geistesgeschichte dieses Kontinents verwurzelt. Dieser aus dem Griechischen stammende Begriff Europa bezieht sich nicht ausschließlich auf die geographische oder politische Situation. Viel mehr sind damit gemeinsame humanistische Werte gemeint, welche bei der Betrachtung der geschichtlichen Epochen Europas immer wieder festgestellt werden können. Bei allen Veränderungen zwischen der Zeit des Römischen Reiches über das Mittelalter bis in die Gegenwart lässt sich eine gewisse geistige und politische Gemeinsamkeit der Völker Europas bei aller Vielfalt nachweisen. Die Unterschiede zwischen den beiden Hälften der europäischen Geschichte im 20. Jahrhundert könnten hingegen kaum größer sein. Die ersten 50 Jahre waren noch von Konfrontation, Krieg und Gewalt geprägt. Wirtschaftliche Stabilität oder Prosperität waren selten und nur von kurzer Dauer. Versuche der zwischenstaatlichen Kooperation waren kaum vorhanden und erfolglos. Das politische Verhältnis zwischen den Staaten war vom Streit um Macht und Territorium geprägt und zusätzlich vom Drang nach nationaler Größe belastet. Angesichts der sozialen und politischen Stabilität im westlichen Europa kann die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts als Kontrast zur ersten gesehen werden. Ein dichtes Netz multilateraler Kooperationen entstand im Laufe der Nachkriegsjahrzehnte. Die Beziehungen zwischen den Staaten Westeuropas wurden zunehmend von gemeinsam geschaffenen Institutionen geregelt. Der Europarat und die Europäische Gemeinschaft förderten die Einführung überstaatlichen Rechts. Diese Entwicklung wirft die Frage auf, wie es von einem Nebeneinander oder sogar Gegeneinander von Staaten zu der Entstehung eines regionalen Integrationsverbundes kommen konnte. Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden bereits eine Reihe von Vorschlägen zur Schaffung einer einheitlichen europäischen Währungsordnung in Fachkreisen diskutiert. Diese wurden zu Anfang der fünfziger Jahre intensiv erörtert, waren allerdings aufgrund der umfangreichen politischen und auch wirtschaftlichen Folgeschäden des Krieges vorerst nicht umzusetzen. Stattdessen gründete man 1948 in Paris die Organisation für Europäische Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC). Ihre Hauptaufgabe bestand in der wirkungsvollen Allokation der amerikanischen Wirtschafts- und Finanzhilfen im Rahmen des Marshallplans.
Inhaltsverzeichnis (Table of Contents)
- 1. Einleitung
- 1.1 Fragestellung und Forschungsinteresse
- 1.2 Aufbau der Arbeit
- 1.3 Begriffsdefinition von Integration
- 1.4 Zum Begriff der Wirtschafts- und Währungsunion
- 2. Die klassischen integrationstheoretischen Paradigmen
- 2.1 Integrationsprämissen
- 2.1.1 Allgemeine Integrationsprämissen
- 2.1.2 Europa-spezifische Integrationsprämissen
- 2.2 Realismus
- 2.3 (Neo-) Funktionalismus
- 2.4 Föderalismus
- 2.5 Intergouvernementalismus
- 3. Die Integrationsgeschichte bis zur Deutschen Wiedervereinigung
- 3.1 Historische Entwicklung bis zur Wiedervereinigung
- 3.1.1 Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl
- 3.1.2 Römischen Verträge
- 3.1.3 Fusionsvertrag der Europäischen Gemeinschaft
- 3.1.4 Werner Plan
- 3.1.5 Die Einheitliche Europäische Akte
- 3.1.6 Delors-Bericht und der Drei-Stufen-Plan
- 3.2 Stand der Europäischen Integration vor dem Vertrag von Maastricht
- 4. Der Prozess der Europäischen Integration am Beispiel der Währungsunion; vor dem Hintergrund der Deutschen Wiedervereinigung
- 4.1 Bedingungen der Siegermächte für die Deutsche Wiedervereinigung: Die Zwei-Plus-Vier Gespräche
- 4.2 Helmut Kohl und die Situation der Bundesrepublik Deutschland
- 4.3 Die Positionen der sonstigen EG-Länder
- 4.4 Auf dem Weg nach Maastricht: Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion
- 5. Ausblick und Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte (Objectives and Key Themes)
Die Arbeit untersucht die Rolle der deutschen Wiedervereinigung als Katalysator der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU). Sie verfolgt das Ziel, die Wechselwirkungen zwischen der deutschen Wiedervereinigung und dem Integrationsprozess der Europäischen Union zu analysieren. Die Untersuchung widmet sich dabei den Bedingungen der Siegermächte für die Wiedervereinigung, den Positionen der EG-Länder und der Entwicklung der EWWU im Kontext der deutschen Wiedervereinigung.
- Die Rolle der deutschen Wiedervereinigung im europäischen Integrationsprozess
- Die Bedeutung der EWWU für die europäische Integration
- Die Integrationsprämissen und -theorien, die den europäischen Integrationsprozess prägen
- Die historische Entwicklung der Europäischen Integration bis zur Deutschen Wiedervereinigung
- Der Einfluss der Deutschen Wiedervereinigung auf die EWWU
Zusammenfassung der Kapitel (Chapter Summaries)
Die Einleitung stellt die Fragestellung und das Forschungsinteresse der Arbeit vor. Sie definiert die Begriffe Integration, Wirtschafts- und Währungsunion und erläutert den Aufbau der Arbeit. Kapitel 2 analysiert die klassischen integrationstheoretischen Paradigmen und ihre Anwendung auf den europäischen Integrationsprozess. Kapitel 3 beleuchtet die historische Entwicklung der Europäischen Integration bis zur Deutschen Wiedervereinigung. Es werden wichtige Meilensteine wie die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, die Römischen Verträge und der Werner Plan beleuchtet. Kapitel 4 untersucht den Prozess der Europäischen Integration am Beispiel der Währungsunion im Kontext der Deutschen Wiedervereinigung. Es werden die Bedingungen der Siegermächte für die Wiedervereinigung, die Positionen der EG-Länder und die Entwicklung der EWWU analysiert. Kapitel 5 bietet einen Ausblick und fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen.
Schlüsselwörter (Keywords)
Die Arbeit fokussiert sich auf die Themen Europäische Integration, Deutsche Wiedervereinigung, Wirtschafts- und Währungsunion, Integrationstheorien, Realismus, Funktionalismus, Föderalismus, Intergouvernementalismus, Geschichte der Europäischen Integration, Maastricht-Vertrag, Zwei-Plus-Vier Gespräche, Helmut Kohl, EG-Länder, EWWU, Spillover-Dynamik, Spill-back-Potential.
Häufig gestellte Fragen
Welche Rolle spielte die deutsche Wiedervereinigung für den Euro?
Die Arbeit untersucht, ob die deutsche Wiedervereinigung als Katalysator für die Gründung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) fungierte.
Was waren die Zwei-Plus-Vier-Gespräche?
Dies waren Verhandlungen zwischen den beiden deutschen Staaten und den vier Siegermächten, in denen die Bedingungen für die deutsche Wiedervereinigung festgelegt wurden.
Welche Integrationstheorien werden in der Arbeit behandelt?
Die Arbeit analysiert klassische Paradigmen wie Realismus, (Neo-)Funktionalismus, Föderalismus und Intergouvernementalismus im Kontext der europäischen Einigung.
Was ist der Werner-Plan?
Der Werner-Plan war ein früher Entwurf zur Schaffung einer europäischen Wirtschafts- und Währungsunion in Stufen, der bereits vor der Wiedervereinigung diskutiert wurde.
Welchen Standpunkt vertrat Helmut Kohl zur EWWU?
Die Arbeit beleuchtet die Position von Bundeskanzler Helmut Kohl und wie er die deutsche Einheit mit dem Fortschritt der europäischen Integration verknüpfte.
- Citation du texte
- Thomas Francis Helmke (Auteur), 2010, Die Deutsche Wiedervereinigung als Katalysator der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174324