Das Theater in den Filmen Ingmar Bergmans


Seminararbeit, 2008

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Das Theater in den Filmen Bergmans
2.1. Theatrale- und filmische Gestaltungsmittel
2.2. Das Theater als Motiv

3. Schlussbemerkung

4. Literatur

1. Einleitung

Als Kind hatte ich ein Marionettentheater, und das ist nicht unwichtig, das war nicht nur ein Spiel. Und dann ging ich praktisch jede Woche ins Theater [...] Ich war wie besessen von der Bühne ... vom Schauspieler, der die Bühne betritt, und nicht nur vom Schauspieler, sondern von allem, was er um sich schafft, der Aura, der Verschw ö rung.1

Dort in der Dunkelheit der Garderobe kurbelte ich langsam ein Viereck nach dem anderen hervor, sah die fast unmerklichen Veränderungen, kurbelte schneller: eine Bewegung.

Die stummen, oder sprechenden Schatten wenden sich ohne Umschweife meinen geheimsten Räumen zu. 2

Bergmans tiefe Faszination für beide Medien gleichermaßen wurzelt in seiner Kindheit. Über Jahrzehnte teilte er in beispielloser Weise und auf gleichbleibend hohem Niveau Leben und Karriere zwischen ihnen auf. Es liegt auf der Hand, dass diese, zwischen den Kunstformen beständig wechselnde Arbeitsweise, beide Medien nicht nur im Leben sondern auch im Werk in besonderer Weise aufeinandertreffen lässt.

Im Folgenden soll es um Bergmans Filme und darin enthaltene Elemente des Theaters gehen. Um seine unkonventionelle Art der Verknüpfung von Stilmitteln beider Medien miteinander und die daraus resultierende Wirkung. Anhand einiger weniger Beispiele soll etwas genauer betrachtet werden, wo und in welcher Weise solche theatralen Formen mit den, durchaus auch bewusst eingesetzten, filmischen Mitteln koexistieren.

Dazu werden zunächst die formalen Gestaltungsmittel, wie im jeweiligen Beispiel vorgefunden, beschrieben. Daraus erschließt sich ihre Zuordnung zu Traditionen jeweils eines der Medien. Auch Bergmans Bruch mit bis dahin gültigen Konventionen wird sich anhand dieser Beschreibungen abzeichnen, ebenso seine stilistische Vielfalt und auch sein mitunter sehr freizügiges Verfahren beim Einsatz dieser Stilmittel. Er drückte vieles mittels theatraler Formen aus, tat dies mitunter aber auch gezielt nicht.

Der thematische Rahmen Film - Theater wird während weniger ‘Minimalexkurse’ verlassen werden, um Bergmans Vielfalt, auch im Hinblick auf weitere Medien, gerecht zu werden.

Danach soll der Theateraspekt in Bergmans Filmen auch auf der inhaltlichen Ebene, auf einige wiederkehrende Grundzüge und deren Funktion hin, betrachtet werden. Bergman griff das Theater immer wieder auch als Sujet seiner Filme auf. Der begrenzte Umfang dieser Arbeit bringt es natürlich mit sich, dass alles Genannte hier nur beispielhaften und teilweise vereinfachenden Charakter haben kann.

Eine Schlussbemerkung fasst die Ergebnisse, besonders im Hinblick auf Einzigartigkeit und Bedeutung von Bergmans Werk, zusammen. Dies führt zu der Frage, inwieweit die sehr besondere Wirkung, die Bergmans Filme erzielen, sich zum Teil auch aus ihrer spezifischen Kombination bzw. Synthese der zuvor beschriebenen Stilmittel erklärt. Die Tatsache, dass Bergman eigene Schöpfungen fast ausschließlich filmisch umsetzte, kaum je im Theater, deutet - unter anderem - auf diese Wirkungsabsicht hin. Ein kleiner Ausblick in Bezug auf den behandelten intermedialen Raum und Bergmans Spuren darin, bildet den Abschluss.

2. Das Theater in den Filmen Bergmans

2.1. Theatrale - und filmische Gestaltungsmittel

Der Einsatz theatraler Gestaltungsmittel in Bergmans Filmen ist augenfällig. Primäres Ausdrucksmittel sind die Schauspieler:

When I work together with the actors in the studio, in front of the camera, I always place the actors in relation to the camera so that they feel they are at their best. [...] On the stage I do exactly the same.3

The one fundamental similarity between his work as a film maker and his work in the theater is, in his own opinion, the overriding necessity of arranging the actors, in relation to each other and in relation to the spectator (camera), in such a way, that their persuasive charisma ( ‘ the magic of their faces and their movements ’ ) communicates itself as forcefully and unambiguously as possible.4

Folgerichtig charakterisiert Bergman seine Figuren und ihre Konflikte wesentlich durch den Dialog. Die Analogie zum traditionellen Medium Theater ist deutlich:

Die Über-Artikuliertheit der dramatischen Figur, die, von konsequent naturalistischen Texten abgesehen, in je verschieden stark ausgeprägtem Ma ß eine historische Konvention des Dramas darstellt [...], lässt sich beschreiben als die replikeninterne Überlagerung des inneren Kommunikationssystems durch ein vermittelndes,über das der Autor seine Figuren analysiert und interpretiert.5

Bergmans Figuren neigen ganz überwiegend dazu Gefühle, Wahrnehmungen und Bewusstseinszustände unmittelbar verbal, dabei häufig auffallend beredt und reflektiert, zu äußern. Diese unmittelbare szenische Präsentation des Geschehens wird nur sehr sparsam durch den Einsatz filmisch-erzählerischer Gestaltungsmittel, wie beispielsweise Kamerabewegungen, Hervorheben von bedeutungtragenden Details der Umgebung etc. ergänzt. Filmische Mittel setzt Bergman gezielt und immer korrespondierend mit der Aussage bzw. diese spiegelnd ein.6

Bergman übertrug, neben der generellen Vorliebe für eine intensive Arbeit mit Schauspielern, auch die am Theater übliche Zusammenarbeit mit einem festen Ensemble, dessen Mitglieder typunabhängig in unterschiedlichsten Rollen besetzt werden, auf den Film. Diese dort wenig praktizierte Vorgehensweise setzt vonseiten der Darsteller eine professionelle Technik und Wandlungsfähigkeit voraus. Bergman selbst äußerte:

Ich glaube man kann kein Beispiel finden, wo man einen Amateur dazu gebracht hat, einen schweren Konflikt auszudrücken. Sie k ö nnen es nicht. In dem Augenblick, wo ich nicht mit einem Menschen korrespondieren kann, der etwas vor der Kamera machen soll, bin ich v ö llig hilflos. 7

[...]


1 Assayas/Björkman. S. 15f.

2 Bergman 2003. S. 102.

3 Marker. S. 24.

4 Marker. S. 218.

5 Pfister. S. 174.

6 Vgl. Seeßlen. S.16.

7 Björkman/Manns/Sima S.76.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Theater in den Filmen Ingmar Bergmans
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Medien und Kommunikation)
Veranstaltung
Seminar - Ingmar Bergman
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V174381
ISBN (eBook)
9783640951673
ISBN (Buch)
9783640951598
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ingmar Bergman;, Das siebte Siegel;, Abend der Gaukler;
Arbeit zitieren
Silke Voß (Autor), 2008, Das Theater in den Filmen Ingmar Bergmans, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174381

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Theater in den Filmen Ingmar Bergmans



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden