Taiwan. Ein Staat ringt um seine Unabhängigkeit


Facharbeit (Schule), 2005
51 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

1. Historische Entwicklung bis heute
1.1. Taiwan - eine Insel unter ausländischer Herrschaft
1.2. Neue Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
1.3. Der Beginn der Isolation
1.4. Taiwan auf dem Wege zur Demokratie

2. Politik
2.1. Die beiden einflussreichsten Parteien und ihre politische Haltung zu China
2.2. Außenpolitik zu China

3. Wirtschaft
3.1. Gründe für die rasante Entwicklung dieses Schwellenlandes
3.2. Die drei Wirtschaftssektoren
3.2.1. Primärer Sektor
3.2.2. Sekundärer Sektor
3.2.2.1. Die Entwicklungen seit den 40er Jahren
3.2.2.2. Bedeutungsvolle Industriebranchen
3.2.3. Tertiärer Sektor
3.3. Handelspartner der Republik China
3.3.1. Wirtschaftliches Verhältnis zwischen den USA und Taiwan
3.3.2. Taiwanesische Abhängigkeit vom chinesischen Markt
3.3.3. Wirtschaftliche Beziehungen zu Europa
3.3.4. Aufbau eines Netzes von Wirtschaftspartnern

4. Der lange Kampf um die Unabhängigkeit
4.1. Warum kann China nicht auf Taiwan verzichten?
4.2. Die Bedrohung durch die Volksrepublik China
4.3. Taiwan unter dem Protektorat der Vereinigten Staaten
4.3.1. Die taiwanesisch - amerikanische Freundschaft
4.3.2. Warum ist Taiwan für die USA strategisch so bedeutend?
4.4. Taiwan sucht verzweifelt Anerkennung bei wirtschaftlichen Organisationen

5. Persönliche Meinung

Zusammenfassung

Anhang

Umfragen und Interviews

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Begleitprotokoll

Arbeitsprotokoll

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: http://www.unitedflags.com)

„ ‚Wo arbeitest Du?’ fragten mich Bekannte in den USA, wenn sie mich zu Hause auf Urlaub aus Taiwan trafen, wo ich unterrichtete. ‚Thailand?’ Oder sie rätselten, ‚Taiwan ... ist das nicht China?’“1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort:

Nach einem Gespräch mit meiner Professorin, Frau Mag. E. Lengauer, entschied ich mich für eine Fachbereichsarbeit in Geographie. Ein Grund für diese Arbeit war neben meinem persönlichen Interesse für Politik und Wirtschaft auch meine persönliche Beziehung zum Fernen Osten. Denn noch heute habe ich sehr viele Verwandte in China und Taiwan.

Besonders das Thema der Beziehung zwischen Taiwan und China interessiert mich sehr, nicht nur, weil es ein aktuelles Problem darstellt, sondern weil es auch ein politisches Dilemma behandelt, das anscheinend nicht durch Verhandlungen zu lösen ist. Daher entschloss ich mich dazu, mich in die Problematik des Themas zu vertiefen.

Nach intensiven Auseinandersetzungen mit diesem Thema stieß ich auf sehr aufregende Erkenntnisse. Ich habe es eigentlich durchwegs genossen, daran zu arbeiten, und habe nie an der Entscheidung gezweifelt, obwohl ich die Arbeit mehrmals überarbeiten musste. Außerdem tat es mir Leid, weitere detaillierte Aspekte außer Acht lassen zu müssen. Jedoch hoffe ich die entscheidendsten Aspekte erläutert zu haben.

Desgleichen habe ich sehr viel im Bereich „selbständiges Erarbeiten“ gelernt, was mir sicherlich für meine zukünftige Ausbildung nach der Matura von großem Nutzen sein wird.

Für meine Arbeit möchte ich mich bei allen herzlich bedanken, dich mich unterstützt haben. Der Dank gilt allen voran natürlich Frau Professor. Mag. Edith Lengauer, Frau Professor Dr. Heide Haussner, die mich das Zitieren lehrte und meiner Deutschprofessorin, Frau Professor Mag. Reinhilde Rießner.

Einleitung:

Die Republik China ist ein selbst ernannter Staat in Ostasien, der zurzeit international fast isoliert ist und kaum anerkannt wird. Die Volksrepublik China betrachtet Taiwan nur als eine kleine chinesische Provinz.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Taiwans Karte

(Quelle: Taiwan (Formosa). Microsoft Encarta 2005. Enzyklopädie Professional. Computer Software Microsoft Corporation 1993-2004.)

Taiwan erstreckt sich zwischen dem 21. und 26. Grad nördlicher Breite und dem 120. und 124. Grad östlicher Länge. Die Insel ist im Westen durch die Formosastraße vom chinesischen Festland abgetrennt. Im Norden wird sie vom Ostchinesischen Meer, im Osten vom Pazifischen Ozean und im Süden vom Südchinesischen Meer begrenzt. Zum Staatsgebiet gehören die Insel Taiwan, die vulkanischen Pescadores - Inseln, die Quemoy Inseln und die Matsu - Inselgruppe. Taiwan hat 22,75 Millionen Einwohner und seine Hauptstadt, Taipeh, 2,65 Millionen. Die Gesamtfläche beträgt 36000 Quadratkilometer.

China und Taiwan haben in manchen Punkten Gemeinsamkeiten. Ihre Bewohner sprechen die gleiche Sprache und haben eine ähnliche Kultur und Geschichte, denn 98 % der heutigen Taiwanesen sind Chinesen. Die VR China ist ein riesiger Staat mit etwa 1,2 Milliarden Einwohnern. Mittlerweile ist sie zu einer Weltmacht herangewachsen und viele Länder bangen um eine ökonomische Zusammenarbeit mit ihr. Die Abhängigkeit vom chinesischen Markt wird immer deutlicher. Nicht zu unterschätzen sind auch ihre Streitkräfte, die zurzeit aufgrund der Taiwanfrage weiter aufgerüstet werden. In China herrscht noch eine kommunistische Diktatur, die zwar schrittweise zu Gunsten der Demokratie reformiert wird, doch was die Humanitätsfrage betrifft noch ein wenig rückständig wirkt.

Nicht zu unterschätzen ist auch die „Wirtschaftsbombe“ Taiwan. Hinter dem „kleinen Tiger“ verbirgt sich seine Schutzmacht, die USA. Mit ökonomischen und militärischen Unterstützungen verhalfen sie Taiwan in der Vergangenheit zu seiner Position als Wirtschaftsmacht. Auch heute dulden die Vereinigten Staaten von Amerika keinen kommunistischen Eindringling in Taiwan und werden somit auch nicht zögern, ihrem Schützling im Ernstfall militärischen Beistand zu leisten.

Die Entstehung des Taiwan-Dilemmas und die zukünftige Entwicklung dieser Streitfrage lassen sich durch folgende Aspekte erklären:

- Die historische Entwicklung dient zum Verständnis des Problems.
- Politische Ansichten müssen betrachtet werden. Welchen Einfluss hat China auf Taiwans Politik?
- Wirtschaftliche Abhängigkeit Taiwans und seine Bedeutung für China.
- Eine einflussreiche Veränderung für die zukünftige Entwicklung ist die militär- politische Einstellung beider Länder.

Genaue Hintergründe werde ich im Laufe meiner Arbeit verdeutlichen. Ebenso werde ich aufzeigen, wie Taiwan sich aus seiner Isolation zu befreien versucht und die chinesischen Annäherungsversuche abweist. Den Schwerpunkt meiner Arbeit aber setze ich auf die taiwanesische Wirtschaft. Denn eine selbständige stabile Wirtschaft ist eine grundlegende Vorraussetzung für einen autonomen Staat. Weiters habe ich einige Meinungen von Betroffenen eingeholt.

1. Historische Entwicklung bis heute

1.1. Taiwan - eine Insel unter ausländischer Herrschaft

Schon im Jahre 603 v. Christus wurde ein Feldzug der Chinesen gegen die Insel Taiwan protokolliert. Erst ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. wanderten die Fest- landchinesen auf die Insel ein und verdrängten die ursprüngliche Bevölkerung. Im 12. Jahrhundert eroberten japanische Truppen Teile Taiwans. 1590 entdeckten die ersten Europäer die Insel. Die Portugiesen gaben Taiwan den Namen „Formosa“, was „schöne Insel“ bedeutet.

Von der „schönen Insel“ angelockt, trafen später auch Spanier und Holländer ein. In der Mitte des 17. Jahrhunderts gelang es den holländischen Truppen, die Portugiesen, Spanier und Japaner aus Taiwan zu vertreiben.

1644 flüchteten die Anhänger der Ming-Dynastie, da sie den Mandschu (Qing-Dynastie) unterlegen waren, aus China nach Taiwan. Angeführt von General Zhen Chenggong, auch bekannt als Koxinga, gelang es den Ming, die Niederländer von Formosa zu vertreiben und die Herrschaft über die Insel zu übernehmen. Doch Ende des 17. Jahrhunderts mussten die Ming auf Formosa vor den Mandschu kapitulieren und die Insel wurde ein Teil des chinesischen Reiches. Dies war der Beginn der chinesischen Herrschaft über Taiwan.

Als Folge der Niederlage Chinas im Chinesisch-Japanischen. Krieg (1894/95) wurden Taiwan und die Pescadoren durch den Vertrag von Shimonoseki 1895 japanische Kolonien. Nach der Niederlage der Japaner im Zweiten Weltkrieg wurden Taiwan und die Pescadores Inseln wieder an China zurückgegeben. 1947 wurde Taiwan trotz des Protests der Inselbewohner zur chinesischen Provinz erklärt.

1.2. Neue Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg

1949 zogen sich die Kuomintangs (Nationalchinesen) unter General Chiang Kai-shek, nach der Niederlage gegen die Kommunisten im chinesischen Bürgerkrieg, mit etwa zweieinhalb Millionen Anhängern nach Formosa zurück. Sie gründeten ihr Haupt- quartier in Taipeh und 1950 rief Chiang Kai-shek die „Republik China auf Taiwan“ aus. Somit wurde Chiang Kai-shek der 1. Präsident der Republik China. Zu dieser Zeit wurde die Republik China von den meisten Staaten anerkannt und die Vereinten Nationen nahmen Taiwan sogar als Vertreter Chinas in den Sicherheitsrat auf. Sowohl die Kommunisten in China als auch die Nationalchinesen auf Taiwan verfolgten die Politik der Rückeroberung des vom Gegner besetzten Territoriums. 1954 wurde Chiang Kai-shek erneut zum Präsidenten der Republik China gewählt. Noch im selben Jahr unterzeichnete er einen gegenseitigen Verteidigungsvertrag mit den Vereinigten Staaten. Taiwan wurde durch ökonomische und militärische Hilfe aus den USA zu einem Vorbild moderner und wirtschaftlicher Kraft.

1960 und 1966 wurde Chiang Kai-shek zum dritten und vierten Mal von der Nationalversammlung zum Präsidenten bestätigt.

1.3. Der Beginn der Isolation

1971 verlor die Republik China ihren Sitz in der Generalversammlung und im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu Gunsten der Volksrepublik China. Ebenso zogen viele Nationen ihre diplomatische Anerkennung von Taiwan zurück. 1972 wurde Chiang Kai-shek zum fünften Mal Staatsoberhaupt und nach seinem Tod 1975 führte sein Sohn Chiang Ching-kuo sein Amt fort. 1978 brachen selbst die USA ihre diplomatischen Beziehungen zu Taiwan ab, da sie eine Annäherung an die Volksrepublik China beabsichtigten.

1.4. Taiwan auf dem Wege zur Demokratie

Nach Chiang Ching-kuos Tod 1988 kam Lee Teng-hui, der erste gebürtige Taiwanese, an die Macht. Da die alten Kuomintangs allmählich ihre Führungsbasis an die gebürtigen Taiwanesen verloren, gelang es Lee, viele politische Reformen durchzuführen. Sein Ziel war es, die Unabhängigkeit der Insel zu festigen, obwohl Taiwan seit 1949 nur wenig vom Festland beeinflusst wurde.

1996 hat Lee Teng-hui die ersten freien Wahlen in der Republik China angeordnet.

Trotz vieler Raketentests und Militärmanöver der Festland-Chinesen vor der taiwanesischen Küste, bestätigten die Inselbewohner Lee erstmals demokratisch in seinem Amt.

Chen Shui-bian, der Vorsitzende der Demokratischen Progressiven Partei (DPP), setzte sich gegen den Kuomintang - Kandidaten bei den Präsidentschaftswahlen 2000 durch. Ebenso erlitt die Partei Kuomintang große Verluste bei der Parlamentswahl 2001. Somit endete die Herrschaft der Kuomintang endgültig. Im März 2004 gewann Chen Shui-bian erneut mit knappem Vorsprung die Wahl für das Präsidentenamt.

2. Politik

2.1. Die beiden einflussreichsten Parteien und ihre politische Haltung zu China

Die Demokratische Progressive Partei (DPP), welche die heutige Regierung bildet, ist die erste inoffizielle Partei Taiwans, die sich für ökologische Standpunkte und europäischeres Gedankengut in der Politik einsetzt. Außerdem strebt sie nach der vollkommenen Unabhängigkeit der Insel.

Die ehemalige Regierungspartei, Kuomintang (KMT, 1950-2000), verfolgt allerdings eine Politik der schrittweisen Vereinigung mit dem Festland, aber nur unter der Voraussetzung, dass China demokratisch wird. Die KMT hat vor allem deswegen so viele Anhänger, da die Bevölkerung Angst vor einer chinesischen Invasion hat.2

2.2. Außenpolitik zu China

Das Verhältnis zu China und die Taiwanfrage sind zurzeit die wichtigsten Themen in der Außenpolitik. Die schwierige Beziehung zwischen Taiwan und China kann nur aus der historischen Perspektive verstanden werden.

„China“ ist seit 1949 in die Volksrepublik China und die Republik China auf Taiwan aufgeteilt. 1971 wurde Taiwan aus der UNO ausgeschlossen und dadurch werden die Chinesen offiziell nur durch das Festland repräsentiert. Die Regierung von Chiang Kai- shek und später die von Chiang Ching-kuo vertreten die Meinung, dass nur die Republik China die einzige legitime Regierung Chinas sei. Aufgrund dieses Umstandes bauten sich erstmals Spannungen zwischen den beiden Ländern auf. Die chinesische Regierung in Peking versucht hingegen, ein Gesamtchina für sich zu beanspruchen.

Die Reaktion der Inselbewohner ist die „Drei-Nein-Politik“3

- Keine Kontakte
- Keine Verhandlungen
- Keine Kompromisse mit China.

Im September 1981 kündigte der damalige chinesische Präsident Ye Jianying einen „9- Punkte-Vorschlag“ für die Wiedervereinigung mit Taiwan an. Dadurch garantierte er vor allem, dass Taiwan sein eigenes Sozial- und Wirtschaftssystem bzw. individuelle Streitkräfte nach der Übernahme behalten dürfe. Doch Taiwan weigerte sich, dieses Angebot anzunehmen, und nahm Tibet als Beispiel, wie die so genannte autonome Region von China behandelt wurde. Die Regierung in Peking versuchte daraufhin, Taiwan international zu isolieren, und so gelang es ihr, Taipeh aus der Weltbank und aus anderen wichtigen Organisationen auszuschließen.

Trotzdem gab es noch eine ausgeglichene Atmosphäre bis 1987 zwischen den Ländern auf beiden Seiten der Taiwan-Straße. Doch Mitte der 90er Jahre kehrte Lee Teng-hui nach und nach dem „Ein-China“-Prinzip den Rücken und strebte eine Unabhängigkeit der Insel an. Er nützt die finanzielle Stärke und den technologischen Fortschritt Taiwans aus, um diplomatische Beziehungen zum Ausland zu knüpfen.

Im Jänner 1995 hielt der chinesische Präsident Jiang Zemin eine Neujahrsrede, in die er ein noch großzügigeres Angebot an Taiwan offerierte. Er versprach eine hohe Autonomie der Insel, die auch judikative Gewalt besäße. Weiters werde die VR China keine Truppen in Taiwan stationieren und keine administrativen Kräfte senden. Von 1991 bis Mitte 1995 gab es politische Gespräche zwischen Taiwan und China, um die Spannungen zwischen den beiden Ländern zu beseitigen. Doch durch die Reise Lee Teng-huis in die USA wurden die Chinesen stark verärgert, sie warfen ihm vor Verbündete für Formosa zu suchen. Somit wurden alle weiteren Gespräche und Kontakte seitens der chinesischen Regierung eingestellt.

Im Dezember 1995 kündigte Li Ruihuan, Präsident der Volkskonferenz für politische Konsultation Chinas, bei einem Staatsbesuch in Kambodscha Folgendes an:

„Das chinesische Volk legt von alters her großen Wert darauf, die von Vorfahren erarbeiteten Grundvermögen zu schützen und zu verteidigen.“ Und weiters fügte er hinzu: „Das von unseren Vorfahren hinterlassene Territorium kann auf jeden Fall nicht in der Hand unserer Generation kleiner und weniger werden...Taiwan ist seit jeher ein Teil des Territoriums Chinas. Jeder Versuch, Taiwan von China loszureissen [loszureißen], wird auf entschlossenen Widerstand des chinesischen Volkes stossen [stoßen].“4

China übte weiterhin Druck auf die Verbündeten Taiwans aus (Südafrika, S-Korea, Mazedonien etc.). Ein Beispiel dafür war Chinas Veto gegen die UNO-Friedens- truppenverlängerung in Mazedonien 1999.

Im Juli 1999 verärgerte Präsident Lee Teng-hui mit seiner „2-Staaten-Theorie“ China. Diese Theorie besagt, dass China aus zwei souveränen Staaten bestünde, deren gegensätzliche Gesellschaftssysteme unter den gegebenen Umständen eine Wiedervereinigung ausschlössen.

Mit dieser Provokation hatte er die Spannung, die seit 1996 wieder etwas gelöst war, auf ein Maximum erhöht. Daraufhin hat Peking alle geplanten Gespräche mit Taiwan gestrichen und drohte der Insel mit ihrer militärischen Überlegenheit. Als im März 2000 die zweiten freien Wahlen stattfanden, warnte der chinesische Premier Zhu Rongji die Taiwanesen ausdrücklich davor, Chen Shui-bian, dessen Ideologie die Autonomie Taiwans vertritt, zu wählen. Trotz dieser Drohung wurde er als Präsident bestätigt.

Um Pekings Misstrauen nicht weiter zu schüren, bekannte sich Präsident Chen Shuibian in seiner Amtsrede am 20.März 2000 zu den „fünf Nein“:

- „Keine Erklärung der Unabhängigkeit
- Keine Änderung des Namens „Republik China“
- Kein Referendum über die Unabhängigkeit
- Keine Aufnahme der Zwei-Staaten-Theorie in die Verfassung
- Keine Abschaffung der Richtlinien für die nationale Wiedervereinigung.“5

Präsident Chen entwarf ein Konzept der Integration, nach dem Vorbild der Europäischen Union, um die Taiwanfrage zu lösen. Jedoch war die chinesische Regierung von seinem Vorhaben nicht begeistert und lehnte dieses Konzept mit der Begründung, dass sie die „Ein-China-Politik“ verletze, ab. Weiters meinte sie, dass die chinesische Herrschaft nicht geteilt werden könne, denn ausländische Staaten würden sich über die Teilung und Schwächung Chinas nur freuen.6

2002 hatte die Volksrepublik China der Insel nach dem Prinzip „Ein Land-Zwei Systeme“ ein Wiedervereinigungsmodell angeboten, welches auch für Hongkong u. Macao angewandt wurde. Das bedeutet, dass die Republik China

- ihre eigenen Streitkräfte,
- ihre eigene Regierung bzw.
- eigene Währung und Zollsysteme behalten dürfe.

Doch dieser Vorschlag wurde mit dem Argument abgewiesen: „Das sind Rechte, die wir alle schon haben. Dafür brauche wird nicht die Kommunisten.“7. Der damalige taiwanesische Außenminister hatte im Jahre 1997 bei einem Interview schon deutlich erläutert: „Hong Kong model is not suitable for the Republic of China, because we are very different from Hong Kong. Whether one speaks of historical background, the political environment, or national defense capabilities, there are huge differences.”8

Weiters erklärte der taiwanesische Premierminister Yu Shyi-kun bei einem Radio- Interview mit der „Deutschen Welle“ im November 2004: „,Ein Land, zwei Systeme’ funktioniert nicht“9 und wies auf die Unzufriedenheiten der Hongkong-Chinesen hin.

Meiner Meinung nach vertritt Taiwan eine ambivalente Politik gegenüber China, denn einerseits appellierte Präsident Chen bei einem Besuch auf der Tatan Insel am 05.09.2002:

„If the leaders of mainland China are willing, I would therefore like to invite them to come here to the Chen Cyuan Teahouse for a chat over a cup of tea…Beginning on August 1, 2002, I will work to promote a visit to mainland China….in order to increase mutual understanding and facilitate reconciliation between political parties.”10

Andererseits verkündete er am 8.03.02 bei einem politischen Treffen „29th Annual Meeting of the World Federation of Taiwanese Associations”:

„ Taiwan’s own road is Taiwan’s road to democracy, Taiwan’s road to freedom, Taiwan’s road to human rights, and Taiwan’s road to peace…Taiwan is not a part of any other country…Taiwan can never be another Hong Kong or Macau, because Taiwan has always been a sovereign state….Only the 23 million people have the right to decide the future, fate, and status of Taiwan….I sincerely call upon and encourage everyone to give thought about the importance and urgency of initiating a referendum legislation.”11

Zwar versucht Taiwan China nicht weiterhin zu verärgern, doch es scheint, dass die Regierung keine Schwächen nach außen zeigen will. Denn jede Unterwürfigkeit könnte missverstanden werden und die Zukunft der Insel stark beeinträchtigen.

3. Wirtschaft

Eine unabhängige stabile Wirtschaft ist der bedeutsamste Schritt für einen autonomen Staat. Daher werde ich die wirtschaftliche Entwicklung Taiwans deutlich präsentieren. Vor etwa hundert Jahren hat niemand erwartet, dass sich Formosa jemals zu einer Wirtschaftsmacht entwickelt, denn damals war es noch ein auf Agrikultur ausgerichtetes Land. Heute ist Taiwan neben Japan einer der am höchsten industrialisierten Staaten im Fernen Osten und zählt natürlich auch zu den so genannten „Newly Industrialising Countries“, die auch „Tigerstaaten“ genannt werden.

„Als Tigerstaaten (das Wort wurde in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts geprägt) wurden wirtschaftlich boomende Staaten Asiens bezeichnet. Die Bezeichnung stammt daher, dass viele dieser Staaten von Tigern bewohnt sind oder früher waren und aggressiv von Schwellenländern zu Industriestaaten wuchsen.“12

Taiwan gehört heute zu den 16 größten Wirtschaftsmächten und gleichzeitig zu den 14 größten Exporteuren der Welt. Außerdem besitzt die Republik China die dritt- größten Devisenreserven. Das BIP „des kleinen Tigers“ betrug 281,9 Milliarden US Dollar und das Pro-Kopf- Einkommen 12916 US- Dollar im Jahre 200213. Für das Jahr 2004 prognostiziert man ein BIP-Wachstum von 4,1 %14

3.1. Gründe für die rasante Entwicklung dieses Schwellenlandes

- Unter der japanischen Kolonialherrschaft wurde in Taiwan von 1895-1945 eine gut funktionierende Infrastruktur aufgebaut, um die wirtschaftliche Ausbeute nach Japan zu bringen. Nach dem Rückzug der Japaner nach dem Zweiten Weltkrieg hinterließen sie schließlich gute landwirtschaftliche und industrielle Grundlagen.
- Ab 1949 herrschte die Kuomintang auf Taiwan, deren Ziel es war, die Wirtschaft um jeden Preis ankurbeln, da zu dieser Zeit das Wirtschafts- wachstum noch mit dem allgemeinen Wohlstand gleichgesetzt wurde, wobei die sozialen und persönlichen Entwicklungsziele vernachlässigt wurden.
- Ein weiterer Treibstoff der Wirtschaft der Republik China waren die vielen Auslandschinesen, welche das Geld und „Know-how“ im Ausland erworben hatten und in Taiwan investierten.
- In den 50er und den 60er Jahren erhielt Taiwan Subventionen von den USA (Näheres siehe Kapitel: „Taiwan unter dem Protektorat der USA“).

[...]


1 Fitzpatrick, Kristin: Wessen Insel?: In: http://parapluie.de/archiv/china/taiwan/

2 Vgl. Wang, Joseph: Taiwan - ein Land mit vielen Namen. In: http://members.vol.at/Wang/philosophie/taiwan.htm

3 Sczepanski, Erich: Länderdossier: Taiwan. In:http://www.globaldefence.net/index.htm?http://www.globaldefence.net/deutsch/asien/taiwan/dossier.h tm

4 Dettmann, Thomas; Salis, Madlen: Hintergründe zum aktulellen[aktuellen] Konflikt in China mit Taiwan. China. In: http://gauss.schwedt.com/projekte/konflikte/china.htm.

5 Taiwan. In:http://www.auswaertigesamt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=10&lan d_id=198

6 Vgl. D. Rawnsley, T.Rawnsley: Political Communications in Greater China. The Construction and Reflection of Identity. 1.Aufl. London 2003. S 25.

7 Die politische Wochenschau. In: http://www.die-kommenden.net/dk/wochen/04/jul_17_23.htm 9

8 Wang, Anna: The Diplomatic Search for a Bright Future. A Talk with Foreign Minister John Chang. In: Sinorama. (1997) 8, S 47.

9 Aretz, Tilman: Dialog auf gleichberechtigter Basis. In: Taiwan heute. (2004) 6, S 3.

10 Ju, Julie; Chang, Dennis: Taiwan Yearbook 2003. Hrsg. Government Information Office Republic of China. 1. Aufl. Taipei; Taipei: 2003. S 94.

11 Ju, Julie; Chang, Dennis: Taiwan Yearbook 2003. S 94.

12 Tigerstaaten - Wikipedia. In: http://de.wikipedia.org/wiki/Tigerstaaten

13 Vgl. Hogan, Zachary; Chu, Karen: Taiwan auf einen Blick. Aretz, Tilman. 1. Aufl. Taipei; Taipei: 2003. S 23.

14 Vgl. Handelskammer Hamburg. Länderbericht Taiwan. http://www.hk24.de/HK24/HK24/produktmarken/index.jsp?url=http%3A//www.hk24.de/HK24/HK24/pr oduktmarken/international/investitionen_im_ausland/laenderinformationen/index.jsp

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Taiwan. Ein Staat ringt um seine Unabhängigkeit
Hochschule
Bundesrealgymnasium Linz
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
51
Katalognummer
V174437
ISBN (eBook)
9783640956944
ISBN (Buch)
9783640956654
Dateigröße
2263 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die geführten Interviews sind aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht enthalten.
Schlagworte
taiwan, unabhängigkeit, China
Arbeit zitieren
Bakk Tuan Trieu Ha (Autor), 2005, Taiwan. Ein Staat ringt um seine Unabhängigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174437

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