Diese Arbeit behandelt die 1853 veröffentlichte Erzählung "Granit", die erste Geschichte in der Sammlung "Bunte Steine" von Adalbert Stifter.
Im Text "Granit" nimmt die Naturbeschreibung viel Raum ein und auf dem Spaziergang, den der Grossvater mit dem Enkel macht, entsteht sie auf eine sehr spezielle Weise. Die Umgebung wird durch das Gespräch zwischen Grossvater und Enkel beschrieben. Der Grossvater zeigt seinem Enkel verschiedene Besonderheiten der Umgebung wie ein Brünnlein, das angeblich das beste Wasser habe, oder einen Baum, der an die Rettung vor der Pest erinnere. Teilweise geschieht die Beschreibung auch durch ein "Abfragespiel" zwischen Grossvater und Enkel, dabei weist der Grossvater auf umliegende Alpen, Dörfer und Wälder und fragt den Enkel nach den Namen. Dadurch geschieht eine Kartographierung der Umgebung und die Landschaft wird sprachlich erfasst und geordnet, aber für den Leser entsteht kein Bild, da nur Eigennamen und deiktische Ausdrücke übermittelt werden, die semantisch unterbestimmt sind.
Naturbeschreibungen sind in Stifters Texten sehr zentral und meist sehr ausführlich. Dafür wurde er oft kritisiert, es hiess seine Beschreibungen seien langweilig, gleichzeitig erfuhr er von anderen viel Lob für die Genauigkeit seiner Darstellungen, doch auf beiden Seiten wurde oft verkannt, dass es sich dabei nicht nur um reine Beschreibungen handelt, sondern ihnen auch eine wichtige erzählerische Funktion zukommt.
In dieser Arbeit soll zuerst das Naturkonzept in "Granit" untersucht werden. Die These dazu lautet: In "Granit" liegt ein katastrophisches Naturkonzept vor, welches aber auch Elemente anderer Naturkonzepte enthält. Darauf aufbauend soll im zweiten Teil die Frage beantwortet werden, welche Überlebensstrategien in "Granit" aufgezeigt werden, die einer katastrophischen Natur entgegengesetzt werden können und ob diese ausreichend sind. Die These für den zweiten Teil besagt: Die Menschen halten der Natur kulturelle Markierungen und Ordnung sowie Kenntnis der Natur entgegen. Dies ist nicht genug, um alle Naturkatastrophen abzuwenden oder unversehrt zu bleiben.
- Citation du texte
- Natascha Frey (Auteur), 2018, Überlebensstrategien in einer katastrophischen Natur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1744885