Diese Arbeit befasst sich mit dem Text "Unsere lyrische und epische Poesie seit 1848" von Theodor Fontane. Der Text wurde 1853 lange vor Fontanes literarischem Werk geschrieben und besteht aus einem einleitenden Manifest zum Realismus und aus einer Serie kurzer Kritiken zeitgenössischer Autoren. In dieser Arbeit liegt der Fokus auf dem einleitenden Manifest. Dieses beginnt damit, dass Fontane erklärt, es gebe Leute, die glaubten, dass die Literatur nach Goethe abgeschlossen sei. Er wehrt sich gegen diese Vorstellung und ist überzeugt, dass die Literatur bald eine neue "vielleicht ihre höchste" Blüte hervorbringen wird. Er sagt seine Zeit sei durch den Realismus charakterisiert und dieser finde sein Echo auch in der Kunst. Fontane bringt Beispiele aus der bildenden Kunst und der Malerei, welche realistisch seien und in die richtige Richtung wiesen, auch wenn ihnen noch die poetische Verklärung fehle. Auch die Dichtung sei auf dem richtigen Weg, habe aber noch keinen wahren Meister gefunden. Danach legt Fontane dar, was er unter Realismus versteht: Realismus sei nicht nur das Wiedergeben der Realität, schon gar nicht nur der Schattenseiten; Realismus bestehe aus dem Wirklichen und dem Wahren, wobei es auch einer "Läuterung" durch die künstlerische Hand bedürfe. Der Text ist durchzogen von Gegenüberstellungen des Guten und des Schlechten, wobei Fontane Angriffe nach den verschiedensten Seiten – Epochen, Kunstrichtungen und Autoren – austeilt.
In seinen Ausführungen verwendet Fontane eine grosse Anzahl von Metaphern. Besonders auffällig ist unter anderem eine ausgeprägte Pflanzenmetaphorik.
Diese Arbeit möchte nun argumentieren, dass durch die Pflanzenmetaphorik nicht nur die gut/schlecht-Einteilung unterstrichen wird, sondern auch noch andere Aspekte des Literaturverständnisses von Fontane hervorhebt und besser verständlich macht. Diese Aspekte sind: 1. Das Zyklische der Natur und der Literatur, 2. Die unumgänglichen Gesetzmässigkeiten, welche Natur und Literatur bestimmen und 3. Die Notwendigkeit der Kultivierung sowohl der Natur als auch zur Erreichung der Kunst. Es soll aufgezeigt werden, inwiefern diese drei Aspekte sowohl Teil der Pflanzen sind wie auch Teil des Literaturverständnisses von Fontane und wie sie im Text verortet sind.
- Citation du texte
- Natascha Frey (Auteur), 2020, Literatur als Blüte. Die Pflanzenmetaphorik in Fontanes "Unsere lyrische und epische Poesie seit 1848", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1744888