Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Didactics

Lernen als Wissenserwerb

Title: Lernen als Wissenserwerb

Term Paper (Advanced seminar) , 2020 , 9 Pages

Autor:in: Natascha Frey (Author)

Didactics
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Diese Arbeit gibt einen Einblick in die Theorie und die wichtigsten Konzepte des Lernens als Wissenserwerb. Zudem soll an einem praktischen Beispiel gezeigt werden, wie diese Theorie helfen kann, den eigenen Unterricht zu analysieren und zu verbessern.

Die Kognitive Wende setzte ca. 1960 ein, zuvor hatten lange die behavioristischen Lerntheorien dominiert (Staub, VF 14). Diese verstanden Lernen als Verhaltensänderung aufgrund wiederholter Erfahrungen (Staub, VF 4). Diese Verhaltensänderungen konnten beobachtet werden; die inneren Prozesse der Lernenden hingegen sahen die Behavioristen als Blackbox, welche nicht zugänglich war (Staub, VF 31). Im Gegensatz dazu wollten die kognitivistischen Theorien gerade diese inneren Prozesse auch untersuchen (Staub, VF 6). Zudem wurden Wahrnehmung, Verstehen und Lernen nicht mehr nur als Konditionierung verstanden, sondern als aktive Leistungen des Lernenden, welche auf dessen Vorwissen basieren (Staub, VF 14). Der kognitionspsychologische Ansatz sah Lernen grundsätzlich als Aufbau sowie fortlaufende Modifikation der Wissensrepräsentationen des Individuums (vgl. Steiner, 2006).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zusammenfassung der Theorie

2.1 Der kognitionspsychologische Ansatz

2.2 Verarbeitung und Speicherung im Gedächtnis

2.3 Wissensrepräsentationen

2.4 Lerntransfer

3. Beschreibung des Unterrichtsbeispiels: Die vier Fälle

4. Theoretische Analyse des Unterrichtsbeispiels

5. Reflexion und Handlungsempfehlungen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Das primäre Ziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, grundlegende Theorien und Konzepte des Lernens als Wissenserwerb aus kognitionspsychologischer Perspektive darzulegen und anhand eines realen Unterrichtsbeispiels aus dem Grammatikunterricht zu veranschaulichen. Untersucht wird dabei die leitende Frage, wie kognitionspsychologische Modelle – insbesondere bezüglich Gedächtnisstrukturen, Wissensrepräsentationen und Lerntransfer – zur theoriegeleiteten Analyse von Lernschwierigkeiten sowie zur Optimierung didaktischer Lehr- und Lernprozesse beitragen können.

  • Grundlagen des kognitionspsychologischen Ansatzes im Vergleich zum Behaviorismus
  • Informationsverarbeitung, sensorische Registrierung, Arbeitsgedächtnis und Langzeitspeicherung
  • Formen von Wissensrepräsentationen: Schemata, Scripts, semantische Netzwerke und mentale Modelle
  • Bedingungen und Fördermaßnahmen für erfolgreichen Lerntransfer sowie die Vermeidung trägen Wissens
  • Fallanalyse einer Nachhilfestunde zur Satz- und Kasusbildung (Akkusativ und Dativ)
  • Didaktische Handlungsempfehlungen zur kognitiven und sozial-kognitiven Unterstützung Lernender

Auszug aus dem Buch

2.4 Lerntransfer

Wenn es nicht darum geht, neues Wissen zu erwerben, sondern Lernende vor die Aufgabe gestellt werden, ein Problem zu lösen, ist der Begriff Transfer von grosser Bedeutung. Darunter versteht man die Anwendung von früher erlerntem Wissen in Bezug auf neue Inhalte oder Situationen (vgl. Steiner, 2006, S. 193). In Bezug auf das Problemlösen bedeutet dies, dass zwischen einer früher behandelten Aufgabe (Basisaufgabe) und einer aktuellen Aufgabe (Zielaufgabe) Ähnlichkeiten oder Analogien in der Tiefenstruktur erkannt und dann das aus der Behandlung der Basisaufgabe erworbene Wissen auf die Zielaufgabe angewandt werden muss (vgl. Steiner, 2006, S. 194). Untersuchungen haben immer wieder gezeigt, dass ein erwarteter Transfer nicht stattgefunden hat (vgl. Steiner, 2006, S. 193). Spontaner Transfer ohne Hilfe von aussen ist selten (Staub, VF 48, 5.10.2020), deshalb sollten Lehrpersonen Transfer fördern indem sie folgendes tun:

a) Konsolidierung: Jede neu erlernte Wissensstruktur muss nach und nach von den kontextuellen Einzelheiten der zu lösenden Probleme befreit werden (vgl. Steiner, 2006, S. 197). Dazu soll dieselbe Wissensstruktur in einer anderen Reihenfolge, unter verschiedenen Rahmenbedingungen, aus anderen Perspektiven und mit anderen Zielsetzungen durchgearbeitet werden (Staub, VF 50, 5.10.2020).

b) Flexibilisierung: Zur Flexibilisierung werden den SuS verschiedene Aufgaben, welche dieselbe Wissensstruktur erfordern, dargeboten und verglichen, sodass Ähnlichkeiten und Unterschiede mit der Zeit leicht erkannt werden können (vgl. Steiner, 2006, S. 197).

c) Multiple Repräsentation: Dies ist eine spezifische Art der Flexibilisierung und bedeutet, dass Wissensstrukturen in verschiedenen Formaten zu repräsentieren sind. Symbolische Repräsentationen können in ikonische umgeformt werden und umgekehrt. Schliesslich sollen sie auch in enaktive (handlungsbezogene) Repräsentationen überführt werden (vgl. Steiner, 2006, S. 198.)

d) Dekontextualisierung: Eine Wissensstruktur zu dekontextualisieren bedeutet, relevante Strukturen in Bezug auf neue Situationen herauszuarbeiten (Staub, VF 50, 5.10.2020).

e) Rückblick auf Lernprozess: SuS sollen sich nach dem Lösen eines Problems nochmals bewusst machen, wie sie zum Ergebnis gekommen sind. Die gebildeten Begriffe sollen nochmals angeschaut und die Aufbau- oder Verknüpfungsprozesse nochmals abgeschritten werden (vgl. Steiner, 2006, S. 198). Ausserdem sollten Lehrpersonen die kognitive Betreuung sicherstellen und sozial-kognitive Unterstützung bieten (vgl. Steiner, 2006, S. 200).

Das Ziel ist, dass SuS das Wissen abstrahieren, es also durch vielseitige Anwendungen aus den gegebenen Kontexten lösen und demzufolge in der Lage sind die Strukturen auch in neuen Kontexten zu erkennen und anwenden zu können. Die Abstraktion sollte unbedingt von den SuS selber erreicht und nicht direkt abstraktes Wissen vermittelt werden (Staub, VF 49, 5.10.2020). Ansonsten kann es geschehen, dass bei den SuS nur träges Wissen angehäuft wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in den thematischen Kontext ein und skizziert das Anliegen der Arbeit, theoretische Konzepte des Lernens als Wissenserwerb aufzuzeigen und anhand einer Unterrichtssituation praktisch nutzbar zu machen.

2. Zusammenfassung der Theorie: Der Abschnitt erläutert die Kognitive Wende, die Mechanismen der Informationsspeicherung im Mehrspeichermodell, Wissensrepräsentationen wie Schemata oder Scripts sowie zentrale Voraussetzungen und Methoden zur Förderung des Lerntransfers.

3. Beschreibung des Unterrichtsbeispiels: Die vier Fälle: Hier wird eine Nachhilfestunde eines Schülers der ersten Sekundarstufe dokumentiert, bei der Aufgaben zur aktiven Bildung deutscher Kasusformen (Akkusativ und Dativ) bearbeitet wurden.

4. Theoretische Analyse des Unterrichtsbeispiels: Das Kapitel analysiert die Denk- und Lösungsschritte des Schülers mithilfe kognitionspsychologischer Konzepte wie Vorwissensaktivierung, fehlerhafter Scriptanwendung und unvollständigem Transfer zwischen Basis- und Zielaufgabe.

5. Reflexion und Handlungsempfehlungen: Aufbauend auf der Fallanalyse werden didaktische Verbesserungsvorschläge formuliert, die durch Flexibilisierung, Strukturdekontextualisierung und metakognitive Reflexionsphasen einen nachhaltigen Wissenstransfer sichern sollen.

Schlüsselwörter

Wissenserwerb, Kognitionspsychologie, Arbeitsgedächtnis, Langzeitgedächtnis, Elaboration, Schemata, Scripts, Semantische Netzwerke, Lerntransfer, Dekontextualisierung, Träges Wissen, Grammatikunterricht

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der kognitionspsychologischen Perspektive auf Lernen als aktiven Wissenserwerb und untersucht, wie dieses theoretische Wissen in der Praxis zur Diagnose und Behebung von Lernschwierigkeiten im Unterricht genutzt werden kann.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Im Zentrum stehen die Funktionsweise des menschlichen Gedächtnisses, die Organisation von Wissen in mentalen Strukturen wie Schemata und Netzwerken sowie die psychologischen Mechanismen und Förderansätze des Lerntransfers.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Hauptziel liegt darin, theoretische Konzepte des Wissenserwerbs verständlich darzustellen und anhand einer realen Interaktion im Förderunterricht aufzuzeigen, wie kognitive Hürden beim Problemlösen erklärt und methodisch überwunden werden können.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es handelt sich um eine theoriegeleitete Einzelfallanalyse, bei der ein qualitatives Unterrichtsbeispiel detailliert dokumentiert und anhand kognitionspsychologischer Konstrukte systematisch interpretiert wird.

Was wird im Hauptteil konkret behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Informationsverarbeitungsansatzes und eine praktische Fallstudie über einen Sekundarschüler, der Sätze in vorgegebenen grammatischen Fällen bilden soll.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Publikation?

Zentrale Begriffe sind Kognitive Wende, Arbeitsgedächtnis, Elaboration, Schemata, Handlungsscripts, semantische Vernetzung, Lerntransfer und träges Wissen.

Welche Rolle spielen Schemata und Scripts beim Lösen der grammatischen Aufgaben?

Schemata liefern das statische Konzeptwissen über Kasusformen, während Scripts standardisierte Handlungsabläufe steuern; der Schüler scheiterte anfangs daran, dass sein gewohntes Script nur auf das Bestimmen, nicht aber auf das produktive Konstruieren von Fällen ausgerichtet war.

Warum vollzog sich der Lerntransfer beim Schüler nicht unmittelbar von selbst?

Da spontaner Transfer ohne gezielte Anleitung selten gelingt, konnte der Schüler die Struktur der gelösten Basisaufgabe nicht direkt auf die Zielaufgabe übertragen; erst durch das explizite Herausarbeiten von Tiefenstrukturen und fallinduzierenden Elementen setzte ein Verständnis ein.

Wie kann das Entstehen von trägem Wissen im Unterricht verhindert werden?

Um träges Wissen zu vermeiden, muss Lehrstoff durch wechselnde Aufgabenkontexte flexibilisiert, in multiplen Repräsentationen vermittelt und durch metakognitive Rückblicke auf den Lösungsprozess dekontextualisiert werden.

Excerpt out of 9 pages  - scroll top

Details

Title
Lernen als Wissenserwerb
College
University of Zurich  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Course
Pädagogische Psychologie
Author
Natascha Frey (Author)
Publication Year
2020
Pages
9
Catalog Number
V1744890
ISBN (PDF)
9783389200605
Language
German
Tags
Pädagogische Psychologie Didaktik Wissenserwerb Lerntheorien Unterricht Kognitionspsychologie Lernen Gedächtnis
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Natascha Frey (Author), 2020, Lernen als Wissenserwerb, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1744890
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  9  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint
  • Withdraw Contract