„Bei der Wandelanleihe, dem sogenannten ‚Convertible Bond’, handelt es sich um eine von Aktiengesellschaften am Eurokapitalmarkt ausgegebene, festverzinsliche Anleihe, die dem Inhaber das Recht einräumt, sie zu genau festgelegten Konditionen innerhalb einer bestimmten Frist, die im Regelfall fünf bis zehn Jahre beträgt, in Aktien der emittierenden Gesellschaft einzutauschen.“
Wandelanleihen wurden erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA von Eisenbahnunternehmen emittiert und können als eines der ältesten Kapitalmarktinnovationen angesehen werden. Anfang des 20. Jahrhunderts erschienen einzelne von Ihnen auf dem Schweizer Kapitalmarkt. In Deutschland erhielten Wandelanleihen erst nach dem Ersten Weltkrieg langsam an Zustimmung und erhielten 1937 gesetzliche Anerkennung im Aktiengesetz. Häufiger genutzt wurden sie in Deutschland und den anderen europäischen Staaten erst in den Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Zweiten Weltkrieg. Danach wurde jedoch weitestgehend auf Optionsanleihen zurückgegriffen, so dass Wandelanleihen erst wieder um die Jahrtausendwende an Bedeutung gewannen. Der vorläufige Höhepunkt der Emissionen von Wandelanleihen wurde im Jahre 2003 mit einem weltweiten Volumen von 175 Milliarden Dollar erreicht. Hiervon gingen 92,7 Milliarden Dollar auf den amerikanischen und 49,2 Milliarden Dollar auf den europäischen Markt. Trotz späterer Rückläufigkeit der Emissionen hat sich neben dem Hauptemittenten der USA (Anteil über 40%) gerade auch in Kontinentaleuropa eine eigene Investorenbasis herausgebildet, so dass es mittlerweile eine eigene Vermögensklasse für Wandelanleihen gibt. Zur Veranschaulichung der weltweiten Entwicklung des Wandelanleihenmarktes seit 1995 die folgende Abbildung.
Abbildung 1: Jährliches Emissionsvolumen zwischen 1995 und 2004
In den vergangenen 15 Jahren haben zahlreiche Unternehmen die Wandelanleihe als Kapitalbeschaffungsinstrument entdeckt. Somit stellt sich die grundsätzliche Fragestellung, warum Unternehmen Wandelanleihen emittieren und wie die dazu gehörenden Motive der Investoren aussehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Gang der Untersuchung
1.2 Problemstellung und Zielsetzung
2 Grundlagen und theoretische Fundierung
2.1 Mezzanine-Kapital
2.2 Grundlegende Eigenschaften von Wandelanleihen
2.3 Ausstattungsmerkmale
2.3.1 Laufzeit
2.3.2 Wandlungsfrist
2.3.3 Zinskupon
2.3.4 Wandlungspreis
2.3.5 Wandlungsverhältnis
2.3.6 Wandlungsprämie
2.4 Das Ausgabeverfahren von Wandelanleihen
2.5 Erscheinungsformen von Wandelanleihen
2.5.1 Synthetische Wandelanleihen (Umtauschanleihen)
2.5.2 Pflichtwandelanleihen
3 Die Motive für den Einsatz von Wandelanleihen
3.1 Die Motive für den Anleger
4 Kritische Auseinandersetzung und Deduktion
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das Wesen von Wandelanleihen als hybrides Finanzierungsinstrument und untersucht die beiderseitigen Motivationsgründe von Emittenten und Investoren unter kritischer Betrachtung der gängigen Erklärungsansätze.
- Historische Entwicklung und theoretische Einordnung in das Mezzanine-Kapital
- Strukturelle Ausstattungsmerkmale und verschiedene Erscheinungsformen
- Kritische Analyse der Finanzierungsmotive aus Emittentensicht
- Analyse der Investorenperspektive und des Rendite-Risiko-Profils
Auszug aus dem Buch
2.2 Grundlegende Eigenschaften von Wandelanleihen
„Wandelanleihen (auch Convertible Bonds genannt) sind festverzinsliche Wertpapiere, die während einer bestimmten Wandelfrist zu den im Emissionsprospekt festgelegten Wandelbedingungen in Beteiligungspapiere des Schuldners umgetauscht werden können.“ Bei der Wandelanleihe handelt es sich um eine Schuldverschreibung, die neben den klassischen Anleiherechten, der Verzinsung der Forderung und Kapitalrückzahlung bei Laufzeitende, über ein zusätzliches, unabtrennbares Wandelrecht verfügt.
Die Wandlungsfrist ist größtenteils identisch mit der Laufzeit der Wandelanleihe. Sie kann aber auch kürzer sein, bsp. bei einem Börsengang (IPO) einer Aktiengesellschaft. Der Inhaber der Wandelanleihe kann sein Wandlungsrecht jederzeit ausüben. Diese Form der Wandelanleihe wird als amerikanische Option bezeichnet. Es gibt allerdings auch Formen von Wandelanleihen, wo es einen festen Wandeltermin gibt. In diesem Fall erfolgt die Wandlung der Anleihe in Aktien nur zum Verfallszeitpunkt der Wandelanleihe. Hierbei handelt es sich um die europäische Option.
Wird das Wandelrecht seitens des Inhabers ausgeübt, werden seine Gläubigerrechte zu Gunsten der Beteiligungsrechte ersetzt. In der Bilanz des Emittenten kommt es somit zu einer Verschiebung der Positionen auf der Passivseite. Das bisher durch die Wandelanleihe repräsentierte Fremdkapital wird in Eigenkapital gewandelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die historische Entwicklung von Wandelanleihen und definiert die Problemstellung sowie die Zielsetzung der Untersuchung.
2 Grundlagen und theoretische Fundierung: Hier erfolgt die Einordnung von Wandelanleihen als Mezzanine-Kapital sowie die Erläuterung technischer Merkmale und unterschiedlicher Ausprägungsformen.
3 Die Motive für den Einsatz von Wandelanleihen: Das Kapitel analysiert die strategischen Beweggründe von Unternehmen für die Emission sowie die spezifischen Vorteile aus der Perspektive der Anleger.
4 Kritische Auseinandersetzung und Deduktion: Eine kritische Hinterfragung der traditionellen Argumentationsmuster bezüglich der Kostenvorteile von Wandelanleihen im Vergleich zu reiner Eigen- oder Fremdkapitalfinanzierung.
5 Fazit und Ausblick: Eine zusammenfassende Bewertung des hybriden Charakters von Wandelanleihen und eine Einschätzung ihrer zukünftigen Bedeutung als Anlagekategorie in Europa.
Schlüsselwörter
Wandelanleihe, Convertible Bond, Mezzanine-Kapital, Eigenkapital, Fremdkapital, Wandlungsrecht, Wandlungsprämie, Wandlungsverhältnis, Pflichtwandelanleihe, Finanzierungsinstrument, Emissionsvolumen, Kapitalmarktinnovation, Investorenbasis, Unternehmensfinanzierung, Rendite-Risiko-Profil
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Wandelanleihen als Finanzierungsinstrument und untersucht die Beziehung sowie die gegenseitigen Interessen zwischen Emittenten und Investoren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die theoretische Einordnung als Mezzanine-Kapital, die technische Ausgestaltung, die verschiedenen Erscheinungsformen sowie die kritische Prüfung von Finanzierungsmotiven.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Motivation von Emittenten und Investoren hinter der Anlage in Wandelanleihen zu durchleuchten und zu analysieren, ob die als „günstig“ angepriesenen Finanzierungseffekte einer kritischen Überprüfung standhalten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf Fachliteratur basiert, die Konzepte kritisch deduziert und die Funktionsweise anhand von Beispielen veranschaulicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des Mezzanine-Kapitals, die Beschreibung technischer Ausstattungsmerkmale (wie Zinskupon und Wandlungspreis) sowie die kritische Analyse der ökonomischen Motive.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wandelanleihe, Convertible Bond, Mezzanine-Kapital, Wandlungsrecht, Eigenkapital, Fremdkapital, Wandlungsprämie und Finanzierungsinstrumente.
Was unterscheidet eine amerikanische von einer europäischen Option bei Wandelanleihen?
Bei der amerikanischen Option kann der Inhaber das Wandelrecht während der gesamten Laufzeit jederzeit ausüben, während bei der europäischen Option die Wandlung an einen festen Termin zum Laufzeitende gebunden ist.
Warum wird die Bezeichnung „günstiges Kapital“ kritisch hinterfragt?
Der Autor argumentiert, dass Wandelanleihen nur dann vorteilhaft gegenüber anderen Instrumenten sind, wenn der Aktienkurs sich in einem bestimmten Bereich entwickelt. Ist der Kurs extrem niedrig oder sehr hoch, können reine Fremd- oder Eigenkapitalemissionen ökonomisch vorteilhafter sein.
- Citation du texte
- Diplom-Kaufmann (FH) Lars Postler (Auteur), 2011, Die Analyse von Wandelanleihen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174499