Die zunehmende Ökonomisierung und Globalisierung macht auf keinem Gebiet halt. Rasant nimmt die Arbeit Abstand von ihrer Fabrikvergangenheit und entwickelt sich immer mehr auf den immateriellen Sektoren wie z.B. der Dienstleistung.
Hinzu kommt ein weltumspannendes Netzwerk der Kommunikation, dessen Verästelungen rapide zunehmen. Neben den rein positiven Seiten der globalen Wissensvernetzung erkennen Hardt und Negri auch das aufkommen einer Kontrollgesellschaft, die immer stärke in das Leben jedes Einzelnen eingreift.
Der Einfluss dieser Entwicklungen reicht in weite Gebiete unseres alltäglichen Lebens hinein. Auch macht er vor unserer Gegenwartsliteratur keinen Halt. Und dies soll auch das Ziel meiner Arbeit sein. Hierbei liegt der Betrachtung auf den Werken der Autorin Kathrin Röggla mit der Aufgabe, in Frage kommende Aspekte der Theorie des Empire von Hardt und Negri zu erkennen und zu erläutern.
Rögglas eigenwilliger Schreibstil verdeutlicht dabei die Dynamik unserer Tage und gaukelt dem Leser ein Mittendringefühl vor. Die Arbeit untersucht alle von ihr erschienenen Romane: Niemand lacht rückwärts (1995), Abrauschen (1997), Irres Wetter (2000), realy ground zero (2001), wir schlafen nicht (2004).
Doch vor der Betrachtung ihrer Werke werde ich die wesentlichen Aspekte der Empiretheorie darlegen und erläutern, um sie dann gezielt bei der Ausarbeitung der Romane anzuwenden.
Zunächst werde ich die Theorie an sich im Hinblick auf die für meine Arbeit wesentlichen Punkten darlegen, denn nicht jeder Punkt der Empiretheorie ist auch bei den Werken von Röggla aufzufinden. Eine vollständige Ausarbeitung würde auch schlicht den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Hierauf folgt dann die Untersuchung der Romane unter den jeweiligen Aspekten der Theorie. Am Ende werden all diese Punkte folglich zu seinem Gesamtbild zusammengefasst und versucht, sie als komplettes Konstrukt in den gegebenen Rahmen eines Empires einzubauen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Empire. Die Theorie
3. Kontrollgesellschaft
3.1. Visuelle Überwachung
3.2. Der Mensch in der Datenbank
3.3. Klassifizierungen
4. Biomacht
4.1. Verlust der Menschlichkeit
5. Kommunikation
5.1. Das Zusammenspiel von Industrie und Kommunikation
5.2. Kommunikation des Einzelnen
6. Immaterielle Arbeit
6.1. Kommunikative Arbeit
6.2. Abstrakte Arbeit
6.3. Affektive Arbeit
7. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Auswirkungen der Empiretheorie von Michael Hardt und Antonio Negri anhand der Romane von Kathrin Röggla, um die zunehmende Ökonomisierung des Lebens, die Entstehung der Kontrollgesellschaft und die Transformation der Arbeit in der Gegenwartsliteratur zu analysieren.
- Anwendung der Empire-Theorie auf die literarischen Werke von Kathrin Röggla
- Analyse von Kontrollmechanismen wie Überwachung und Datenerfassung im Alltag
- Untersuchung der Biomacht und des Verlusts der Menschlichkeit in modernen Arbeitswelten
- Darstellung der Bedeutung von Kommunikation als zentrales Element der globalen Ökonomie
- Betrachtung der immateriellen Arbeit (kommunikativ, abstrakt, affektiv) als neue Form der Wertschöpfung
Auszug aus dem Buch
3.1. Visuelle Überwachung
Die Überwachung findet also in jedem unserer Bereiche statt. Im Beruf als auch im privaten Leben. Doch wie wird diese Observation von den Leuten aufgenommen? Einige akzeptieren die Tatsache einfach, dass jemand über ihr Leben quasi Buch führt „aber: >>frage: wird man dabei gefilmt?<< - >>antwort: die antwort wissen wir alle schon! und wir haben uns längst gut in ihr eingelebt.<<“10. Dies scheint ein neuer Trend des Menschen von heute zu sein. Man schwimmt mit dem Strom der Technik, man passt sich an und akzeptiert. Rückblickend auf das Jahr 1983 als Zehntausende von Menschen gegen eine einfache Volkszählung protestiert haben, eine erschreckende Entwicklung.11 Aber auch Vertreter der Einhaltung des Datenschutzes sind bei Röggla natürlich zu finden:
er sei nämlich im gegensatz zu vielen von hier an datenschutz interessiert, er möchte nach wie vor wissen, was mit seinen daten passiere, auch wenn sie jetzt sag, das liege längst nicht mehr in der eigenen hand, was man von sich preisgebe. auch wenn sie jetzt sage, da würden ständig informationen von einem abgezockt, und man merkte es nicht, würde er dich gerne wissen, was mit seinen daten geschehe. denn am ende wunderten sich dann alle doch, er aber wundere sich dann mit sicherheit nicht.12
Die Überwachung ist teilweise schon so allgegenwärtig, dass man sie fühlen bzw. hören kann: „[…] technische geräusche, störgeräusche, geräusche, die lieber keiner beim namen nennt – überwachungsgeräusche, datenbeobachtungsgeräusche.“13
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung definiert die Arbeit als Untersuchung zur Ökonomisierung des Lebens und führt in die Thematik der Empiretheorie von Hardt und Negri in Bezug auf die Romane von Kathrin Röggla ein.
2. Empire. Die Theorie: Das Kapitel erläutert das theoretische Konzept des Empire als entgrenzte Machtstruktur ohne Zentrum, die durch Biopolitik und Kontrollmechanismen das gesellschaftliche Leben produziert.
3. Kontrollgesellschaft: Hier wird der Übergang von der Disziplinargesellschaft zur Kontrollgesellschaft beschrieben, wobei der Fokus auf visueller Überwachung, Datenerfassung und der Klassifizierung von Menschen liegt.
4. Biomacht: Das Kapitel analysiert, wie Biomacht das soziale Leben durchdringt, Arbeit und Privatleben verschmelzen lässt und welche Auswirkungen dies auf die Menschlichkeit der Individuen hat.
5. Kommunikation: Es wird dargelegt, dass Kommunikation das notwendige Grundgerüst für die neue Weltordnung und die moderne Produktion (Toyotismus) darstellt, sowohl im Unternehmen als auch durch das Individuum.
6. Immaterielle Arbeit: Hier werden die Typen der immateriellen Arbeit – kommunikative, abstrakte und affektive Arbeit – definiert und ihre Bedeutung für die heutige Arbeitswelt und die Distanz zum Endprodukt hervorgehoben.
7. Fazit: Das abschließende Kapitel reflektiert die Anwendbarkeit der Theorie auf Rögglas Romane und diskutiert die kritischen Entwicklungen hinsichtlich Überwachungstechnologien und die Rolle des Unbekannten in der Theoriebildung.
Schlüsselwörter
Empire, Hardt und Negri, Kathrin Röggla, Kontrollgesellschaft, Biomacht, Biopolitik, Immaterielle Arbeit, Kommunikation, Überwachung, Datenverarbeitung, Kapitalismus, Affektive Arbeit, Disziplinargesellschaft, Globalisierung, Moderne Arbeitswelt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Empiretheorie von Michael Hardt und Antonio Negri in den literarischen Werken von Kathrin Röggla widerspiegelt, insbesondere im Hinblick auf die Ökonomisierung von Körper und Kommunikation.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Kontrollgesellschaft, die Auswirkungen von Biomacht auf den Alltag, die Rolle der Kommunikation in der globalen Wirtschaft sowie die verschiedenen Formen der immateriellen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Aspekte der Empiretheorie in Rögglas Romanen zu identifizieren und zu erläutern, um aufzuzeigen, wie diese theoretischen Konstrukte in der zeitgenössischen Literatur verarbeitet werden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor führt eine literaturwissenschaftliche Analyse durch, bei der er die Romane von Kathrin Röggla unter den theoretischen Aspekten von Hardt und Negri systematisch untersucht und miteinander vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlegungen (Empire, Kontrollgesellschaft, Biomacht) und deren praktische Anwendung auf Aspekte wie die Überwachung, die Digitalisierung des Menschen, Kommunikationstechnologien und die verschiedenen Typen der immateriellen Arbeit.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Empire, Biomacht, Kontrollgesellschaft, Immaterielle Arbeit und die literarische Analyse von Kathrin Röggla charakterisieren.
Inwiefern spielt der "Verlust der Menschlichkeit" eine Rolle in der Untersuchung?
Der Verlust der Menschlichkeit wird als Folge der biopolitischen Kontrolle beschrieben, bei der der Mensch in der Arbeitswelt zur "Nummer" oder zum "Exemplar" degradiert wird, was Röggla in ihren Texten eindringlich schildert.
Wie verändert sich laut dieser Arbeit die Arbeit durch den Computer?
Der Computer wird als universelles Zwischenwerkzeug analysiert, das die Kluft zwischen Arbeiter und Produkt vergrößert und die Arbeit abstrakter macht, da nun Symbole und Daten anstelle von materiellen Gütern bearbeitet werden.
Warum wird die Kommunikation als so wichtig für das Empire erachtet?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass ohne Kommunikation keine globale Produktion möglich ist; sie ist das Bindeglied, das den Markt und die Produktion erst funktionsfähig macht und somit das Empire stützt.
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- Marco Schmitt (Author), 2007, Kontrollgesellschaft, Kommunikation, Biomacht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174509