Persönlichkeitsentwicklung im Frauenfußball - Erprobung einer Unterrichtsreihe zur Optimierung ausgewählter psychosozialer Ressourcen in einer Spezialsportklasse


Examensarbeit, 2010
117 Seiten, Note: 2

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG
1.1 Ziel der Arbeit
1.2 Rechtfertigung und Relevanz des Themas
1.3 Hypothesen

2 DIDAKTISCH-METHODISCHER SCHWERPUNKT: EINE THEORETISCHE VORBETRACHTUNG
2.1 Einbettung in die DFB-Ausbildungskonzeption sowie Klärung wichtiger Zentralaspekte
2.2 Konzeptionelle Aspekte der „Eliteschulen des Fußballs“
2.3 Spezifik des Spezialsportunterrichts sowie methodische Schwerpunkte für
das Vormittagstraining an den „Eliteschulen des Fußballs“

3 PLANUNG DER UNTERRICHTSREIHE
3.1 Analyse des pädagogischen Bedingungsgefüges
3.1.1 Lerngruppe und Lehrer-Schüler-Verhältnis
3.1.2 Äußere Bedingungen
3.1.3 Konsequenzen für die Unterrichtsgestaltung
3.2 Didaktisch-methodische Überlegungen und Begründungen
3.2.1 Stellung der Stunden in der Stoffeinheit
3.2.2 Sachanalyse
3.2.2.1 Aspekte und Ansätze der Persönlichkeitsentwicklung im Fußball
3.2.2.2 Psychosoziale Ressourcen
3.2.2.3 Selbstkonzept
3.2.2.4 Selbstwirksamkeit
3.2.2.5 Kernziele zur Förderung von Selbstkonzept und Selbstwirksamkeit
3.2.2.6 Optimale Regeneration von Fußballspielern
3.2.3 Didaktische Analyse und Reduktion
3.2.4 Lernziele der Unterrichtsreihe
3.2.5 Didaktische Stufung und Vorstellung des Methodenkonzepts
3.2.6 Stundenplanungsübersicht

4 DURCHFÜHRUNG DER UNTERRICHTSREIHE
4.1 Darstellung und Reflexion der ersten Unterrichtsstunde
4.1.1 Auswahl der Lernziele
4.1.2 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.1.3 Reflexion
4.2 Darstellung und Reflexion der zweiten Unterrichtsstunde
4.2.1 Auswahl der Lernziele
4.2.2 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.2.3 Reflexion
4.3 Ausführliche Darstellung und Reflexion der dritten Unterrichtsstunde
4.3.1 Didaktisch-methodische Überlegungen
4.3.2 Auswahl und Begründung der Lernziele
4.3.3 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.3.4 Reflexion
4.4 Darstellung und Reflexion der vierten Unterrichtsstunde
4.4.1 Auswahl der Lernziele
4.4.2 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.4.3 Reflexion

5 REFLEXION DER UNTERRICHTSREIHE

6 LITERATURVERZEICHNIS

7 ANHANG (MATERIALIEN ZUR UNTERRICHTSREIHE)

„Alle Ausbildungsprozesse müssen zum Ziel haben, Talente nicht nur fußballerisch, sondern als ‚echte’ Persönlichkeiten voranzubringen! Das Motto ‚Wille schlägt Talent’ drückt aus, wie wichtig und unverzichtbar gerade im Spitzenfußball eine stabile Leistungseinstellung, Leidenschaft und Eigenverantwortung sind.“ [1]

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abkürzung Bedeutung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

TABELLENVERZEICHNIS

Tab. 1: Stärken-Schwächen-Profil Schülerin A (Position: Mittelfeld/ Sturm)

Tab. 2: Stärken-Schwächen-Profil Schülerin B (Position: Tor)

Tab. 3: Stärken-Schwächen-Profil Schülerin C (Position: Mittelfeld/ Sturm)

Tab. 4: Stärken-Schwächen-Profil Schülerin D (Position: Mittelf./ Abwehr)

Tab. 5: Stärken-Schwächen-Profil Schülerin E (Position: Mittelfeld/ Sturm)

Tab. 6: Planungsübersicht der Unterrichtsreihe

Tab. 7: Verlaufsplanung der ersten Unterrichtsstunde

Tab. 8: Verlaufsplanung der zweiten Unterrichtsstunde

Tab. 9: Verlaufsplanung der dritten Unterrichtsstunde

Tab. 10: Verlaufsplanung der vierten Unterrichtsstunde

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abb. 1 und 2: Zulassungskriterien für Talente an den Eliteschulen des Fußballs (DFB „Eliteschulen“, S. 24f.)

Abb. 3: Säulen der ganzheitlichen Ausbildung (ebd., S. 15.)

Abb. 4 und 5: Aspekte des Leitbildes Deutscher Spielkultur (ebd., S. 18f.)

Abb. 6 und 7: Leitbild und Talentförderung sowie Schwerpunkte für die U16/U17 (DFB „Eliteschulen“, S. 22 und 32.)

Abb. 8: Einflüsse und Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentwicklung im Fußball (BDFL 2009, S. 9)

Abb. 9: Wirkung von Fördermaßnahmen zur positiven Eigenwahrnehmung (BDFL 2009, S. 8)

Abb. 10: Hierarchisches Modell des Selbstkonzeptes (Sygusch 2007, S. 55)

Abb. 11: Ausdifferenzierungen der Selbstwirksamkeit im Sport (ebd., S. 63)

Abb. 12: Erwärmungs-Parcours

Abb. 13: Organisation der Passübung im Fünfeck

Abb. 14 und 15: Erwärmungs-Parcours – Lauf-ABC und Mobilisierung

Abb. 16 und 17: HT - Passpiel im Fünfeck und Knobelaufgabe „Kuli-Weit- Spicken“

Abb. 18 und 19: Spielform „Coaching“ (Hauptteil) und Stretching (Ausklang)

Abb. 20 und 21: Erwärmung – Pendelstaffel Innenseitpass flach und hoch

Abb. 22 und 23: Erwärmung – Pendelstaffel Kopfball und Koordinationsübung

Abb. 24 und 25: Hauptteil – Flugbälle mit dem schwachen Fuß und Vertrauensübung

Abb. 26 und 27: Ausklang – Stretching und Korrektur

Abb. 28: Aufbau koordinativer Laufparcours

Abb. 29 und 30: Erwärmung – Koordinationsleiter und Kopfball

Abb. 31 und 32: Erwärmung – Passspiel und Stabilisierung

Abb. 33 und 34: Hauptteil – Torschusswettbewerb und Strafrunde

Abb. 35 und 36: Technikbeobachtung Flugbälle und Spielform

Abb. 37 und 38: Ausklang - Lockerung sowie Schluss - Selbstreflexion

Abb. 39 und 40: Erwärmung – Aufbau FIFA 11+ und Aufstellung Passform

Abb. 41 und 42: Erwärmung – FIFA 11+ Laufübung 1 und 2

Abb. 43 und 44: Erwärmung – FIFA 11+ Oberschenkelrückseite 1 und seitlicher Unterarmstütz

Abb. 45 und 46: Erwärmung – FIFA 11+ Oberschenkelrückseite 2 und 3

Abb. 47 und 48: Erwärmung – FIFA 11+ Einbeinstand mit Ballwurf und Sprünge

Abb. 49 und 50: Erwärmung – Passspiel und Hauptteil - Komplexübung

Abb. 51 und 52: Hauptteil – „Aufstand“ und Ausklang - „Arsch-Schießen“

1 EINLEITUNG

Spieler[2] müssen in ein Mannschaftsgefüge passen – in diesem Zusammenhang taucht seit geraumer Zeit der Begriff der „Persönlichkeitsentwicklung“ verstärkt im Sprachgebrauch des Fußballs auf – doch handelt es sich dabei keinesfalls um eine fußballerische Neuerfindung der jüngsten Zeit. Auf der Suche nach exponierten Spielerpersönlichkeiten im Männerfußball wird man schnell fündig: Oliver Kahn[3] – alias der „Titan“ – schwebt zahlreichen Zeitgenossen dabei noch als solch eine schillernde Figur vor dem inneren Auge; als „Lichtgestalt“ der diesjährigen WM 2010 in Südafrika schickt sich ein gewisser Thomas Müller aus dem beschaulichen Pähl in Oberbayern an, zukünftig in ebensolch große Fußstapfen treten zu können[4]. Natürlich brachte auch der Frauenfußball zahlreiche weibliche Identifikationsmöglichkeiten und Pendants hervor. Die lange Erfolgsgeschichte sei an dieser Stelle plakativ nur durch die Namen der nachfolgenden ehemaligen und teils noch aktuellen Spielerinnen angedeutet: Birgit Prinz, Silvia Neid, Steffi Jones, Maren Meinert, etc.

Die Grundeinstellungen zur sportlichen Lebensführung jener Profis von einst stellen für den Fußballnachwuchs maßgebliche Orientierungen dar. Sie verkörpern die „menschlichen Zielgrößen“ von Bildungsinstitutionen - insbesondere der Eliteschulen des Fußballs – in der Gegenwart. Sich dieser Tradition zukünftig verpflichtend, wies der Präsident des DFB, Dr. Theo Zwanziger, in seinem Grußwort zum ITK 2009 aktuell darauf hin, dass

„die Persönlichkeitsentwicklung von Talenten einen aktuellen Schwerpunkt in der Ausbildung des DFB darstelle. Dem entspricht, dass die Persönlichkeitsförderung die erste aller Leitlinien verkörpert, die in der Broschüre ‚Der weite Weg zum Erfolg – Ausbildungskonzeption des DFB’ präzisiert sind“ (BDFL 2009, S. 5).

Demgemäß verschreibt sich der DFB dem primären Ziel einer ganzheitlichen Ausbildung junger Spielerinnen und Spieler, was auch der Sportdirektor Matthias Sammer unterstreicht:

„Unser Leitmotiv einer ganzheitlichen Entwicklung der Persönlichkeit drängt immer wieder dazu, mit den komplexen Anforderungen im Spitzenfußball dem Einzelnen zugleich auch zu helfen, sich auf die nicht weniger komplizierten Herausforderungen seines gesamten Lebens gut vorzubereiten“ (DFB: „Eliteschulen“, S. 2).

Im Lehrplan für das Fach Sport wird pointiert nicht weniger nachdrücklich und wortwörtlich das globale Ziel einer intendierten Persönlichkeitsentwicklung der Heranwachsenden proklamiert (vgl. TKM 1999, S. 5 sowie Kap. 3.2.1). Was für die Schülerklientel an allgemeinbildenden Gymnasien gilt, kristallisiert sich an den sog. „Eliteschulen des Fußballs“ (vgl. Kap. 2.1) als um ein vielfach verbindlicheres Erziehungs- und Bildungsziel heraus. Ferner spielt auch die Struktur des jeweiligen Spezialsportartenkonzepts als „Medium“ dieses Prozesses eine wichtige Rolle. Der handlungsleitenden Fragestellung - auf welche Weise sich im Fußball die Entwicklung von Lernkompetenz (mit dem Schwerpunkt der Persönlichkeitsentwicklung) gestalten kann - hat sich die vorliegende Arbeit verschrieben.

Anmerkungen zum Aufbau der Pädagogischen Hausarbeit:

Der Skizzierung des Ziels der Arbeit sowie der Rechtfertigung und Relevanz des Themas schließt sich im Kap. 1 zunächst ein Hypothesen-Katalog an, welcher nach der Durchführung der Unterrichtsreihe auf seinen Wahrheitsgehalt hin überprüft wird. Das sich anschließende Kap. 2 beinhaltet in einer sachanalytischen Vorbetrachtung zunächst die Klärung wesentlicher Zentralaspekte sowie konzeptionelle Rahmenbedingungen im Hinblick auf die Planung des methodisch-didaktischen Schwerpunktes in Kap. 3. Darin präsentieren sich dem Leser wiederum das der Unterrichtssequenz zugrunde liegende personelle, materielle sowie inhaltliche Bedingungsgefüge, methodisch-didaktische Überlegungen sowie die Stundenplanungsübersicht. Der folgende praktische Teil der Arbeit umfasst im Kap.4 – entsprechend seiner zeitlichen Abfolge der pädagogischen Tätigkeit vor, während und nach der Unterrichtsreihe – Durchführung, Dokumentation und Reflexion der einzelnen Stunden. Dem schließt sich eine abschließende Gesamtreflexion mit dem Vergleich von Planung und Durchführung - inklusive Verifikation bzw. Falsifizierung des Hypothesenkatalogs - und ein Fazit in Kap. 5 der Arbeit an. Vereinzelte Zeichnungen, Skizzen und Fotos runden die schriftlichen Ausführungen ab: Sie dienen einerseits der optischen Aufbereitung sowie andererseits dem unterstützenden und dokumentierenden Nachvollzug der vorliegend präsentierten und diskutierten Unterrichtssequenz.

1.1 Ziel der Arbeit

Wie der Titel der Arbeit bereits z.T. vorankündigt, werden in der vorliegenden Unterrichtssequenz Möglichkeiten zur Optimierung der ausgewählten psychosozialen Ressourcen „Selbstkonzept“ und „Selbstwirksamkeit“ erprobt: Ohne einer detailierteren Legitimation im Kap 3.2.2 vorweggreifen zu wollen, stehen im Fokus der Arbeit neben der obligatorischen Verbesserung individualtechnischer und –taktischer Schwächen sowie der Festigung entsprechender Stärken zentrale Aspekte der Persönlichkeit. Diese sollen im Rahmen des SSU bewusst gefördert werden, um eine wichtige Bereicherung zur Erhöhung der Ausbildungsqualität im Vormittagstraining der Eliteschulen (im Einklang mit dem sonstigen Trainings- und Spielpensum im Verein) zu leisten. Konkretisiert trägt die Sequenz dabei nachfolgenden Zielen Rechnung: So wird seitens der SSS die Entwicklung einer positiv-realistischen Überzeugung von der eigenen Wirksamkeit hinsichtlich der sportartspezifischen Leistungsfähigkeit intendiert. Darüber hinaus verschreibt sich die Unterrichtssequenz dem Aufbau eines positiv-realistischen Selbstbildes der SSS. Auf diese Weise sollen die Sportlerinnen u.a. dazu befähigt werden, ihre sportbezogenen Leistungen und Fähigkeiten einerseits realistischer einschätzen und reflektieren zu können. Andererseits werden sie in Richtung einer positiven Selbstwahrnehmung gestärkt und in ihrer eigenen Selbstwirksamkeitserwartung – d.h. aufgrund eigenen Handelns auch schwierige Anforderungen bewältigen zu können – gefördert.

1.2 Rechtfertigung und Relevanz des Themas

Die Fokussierung jener Thematik greift bewusst nicht ausschließlich den Trend zur stetigen Optimierung der traditionellen Trainingsschwerpunkte vergangener Jahre auf, wie sie etwa die Faktoren „Technik“ und „Taktik“ dieses populären Sportspiels darstellen. In Anbetracht der Anforderungen unserer pluralen Gesellschaft, innerhalb derer heranwachsende Sportler „bestehen“ müssen und insofern in vielerlei Hinsicht „ihren Platz finden sollen“, wird jedoch schnell klar, wie essentiell die Fokussierung auf die Entwicklung der Persönlichkeit ist. In meiner Rolle als angehende Beratungs-, Sport- und Spezialsportlehrerin sowie langjährige und DFB-lizenzierte Trainerin beim Frauenfußballbundesligisten FF USV Jena ist die Förderung dieses Entwicklungsfaktors der Heranwachsenden für mich Passion und Verpflichtung zugleich. Kerngedanke dieser Perspektive ist u.a., dass SSS auf breiter Basis eine ganzheit-liche sportliche und persönlichkeitsfördernde Ausbildung und Erziehung benötigen, um ihre Anlagen und Fähigkeiten letztlich optimal entfalten und zur Geltung bringen zu können. Persönlichkeitsförderung im Fußball hat insofern eine zentrale Bedeutung für die SSS – hervorhebenswert ist dabei die Tatsache, dass Leidenschaft und Begeisterung wichtiger als Talent und Können sind. Im Hinblick auf dieses Postulat benötigen sie Vorbilder (i.e. Trainer bzw. SSL), Anerkennung und Wertschätzung, um zu selbstbewussten Persönlichkeiten heran-zuwachsen. Sie brauchen anspornende Herausforderungen, um ihre Grenzen auszuloten, und es bedarf der Unterstützung zur Entwicklung von Mut in puncto Eigenständigkeit und Improvisation. Ferner benötigen sie emotionale Zuwendung, um eigene emotional-mentale Stärken aufzubauen, sowie die Gewährung von Freiräumen zur Auslebung ihrer individuellen Kreativität und Emotionalität.

1.3 Hypothesen

1. Die Schülerinnen entwickeln innerhalb der spezialsportlichen Unterrichtssequenz eine positiv-realistische Überzeugung ihrer eigenen sportartbezogenen Selbstwirksamkeit. Darüber hinaus erfahren sie durch den Aufbau eines positiv-realistischen Selbstbildes eine Stabilisierung in puncto Selbstkonzept. Der Nachweis des entsprechenden Lernfortschritts hinsichtlich dieses didaktisch-methodischen Schwerpunktes erfolgt durch den Vergleich eines als Pre- und Posttest eingesetzten Fragebogens[5] sowie einer zusätzlichen schriftlichen Befragung.
2. Die Schülerinnen verbessern ihre individuellen Schwächen anhand von geeigneten Übungsformen zu ausgewählten fußballspezifischen Techniken – dies intendiert insbesondere die Optimierung der Stoßarttechniken mit dem „schwachen Fuß“ und die Erhöhung der Beweglichkeit (die Überprüfung dieses Lernfortschritts erfolgt mittels des Instrumentariums aus Hyp. 1).
3. Die Schülerinnen empfinden durch eine abwechslungsreiche und belastungsgerechte Unterrichtsgestaltung im Spezialsport Freude und entwickeln dadurch das notwendige Maß an Eigenmotivation, um den jeweiligen persönlichen Lernprozess zu begünstigen. Ferner unterstützen sie durch die Entwicklung ihrer kommunikativen und selbstreflexiven Fähigkeiten den Aufbau eines positiv-realistischen Selbstkonzeptes (die Überprüfung dieser Hyp. erfolgt ebenfalls mittels des Instrumentariums aus Hyp. 1).

2 DIDAKTISCH-METHODISCHER SCHWERPUNKT: EINE THEORETISCHE VORBETRACHTUNG

Im Nachfolgenden werden zunächst wichtige Begrifflichkeiten und konzeptionelle Rahmenbedingungen kurz erläutert, um die Interdependenz einzelner Planungsschritte und Stellgrößen in Kap. 3 der vorliegend dargestellten Unterrichtsreihe transparenter zu gestalten.

2.1 Einbettung in die DFB-Ausbildungskonzeption sowie Klärung wichtiger Zentralaspekte

Persönlichkeitsentwicklung setzt nicht bei „Null“ an – dass ein Schüler, Spieler, Mensch keine Tabula Rasa darstellt, zeigen bereits die strengen Zulassungkriterien für die Talente an den sog. „Eliteschulen des Fußballs“. Das Sportgymnasium „Johann Chr. Fr GutsMuths“ in Jena gilt als solch eine Spezialeinrichtung. Die ambitionierten Kriterienkataloge und intensiven Auswahlprozesse reduzieren bewusst den Kreis förderungswürdiger Talente mit hoffnungsvollen sportlichen Perspektiven: Spieler müssen insofern bereits – nebst sportlicher und schulischer Aspekte – auch ein umfangreiches Spektrum persönlichkeitsorientierter Qualitätsmerkmale aufweisen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 und 2. Zulassungskriterien für Talente an den Eliteschulen des Fußballs (DFB „Eliteschulen“, S. 24f.)

2.2 Konzeptionelle Aspekte der „Eliteschulen des Fußballs“

Die DFB-Ausbildungskonzeption dient den Eliteschulen des Fußballs als basale Grundlage – sie ist in dieser Hinsicht das bundesweit geltende Pendant zu den Lehrplänen der einzelnen Bundesländer. Wichtige Leitlinien sind dabei:

1. Individuell fördern und fordern! Diese Leitlinie unterstützen die Eliteschulen mit ihren zusätzlichen TEs im Zeitplan des Schulunterrichts.
2. Ausbildungsziele [...] an der biologischen und psychischen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen ausrichten!
3. Das Fußballspielen im Verein und in der Schule muss auch die Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen fördern !

Der DFB geht dabei vom Grundsatz aus, dass das Fußballtraining eines systematischen und langfristigen Leistungsaufbaus auch die Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen fördern müsse. Mit dieser Zielstellung einer ganzheitlichen Ausbildung (Abb. 3) sind im Zuge dessen nachfolgende Leitlinien zur Persönlichkeitsförderung deklariert worden:

- Fußball-/ Lebensschule
- Entwicklung von Eigenverantwortlichkeit und Eigeninitiative
- Förderung von Leistungswillen, Motivation, Selbstbewusstsein, Selbstkritik
- Aufbau „psychischer Stärke“
- Aufbau von Toleranz und Fairness

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3. Säulen der ganzheitlichen Ausbildung (DFB „Eliteschulen“, S. 15.)

Ziel ist es dabei u.a., die Schwerpunkte und Methoden des Vormittagstrainings stets mit dem übrigen Spiel- und Trainingspensum der Talente abzustimmen. Dabei helfen die Eliteschulen des Fußballs in ihrer Funktion als spezielle Bildungs- und Fördereinrichtungen, die Doppelbelastungen von schulischen und sportlichen Anforderungen zu meistern:

„Die sportlichen Ziele der ‚Eliteschulen des Fußballs’ sind eingebettet in ein übergreifendes pädagogisches Konzept, das gleichzeitig auch die sozialen, schulischen und beruflichen Kompetenzen fördern will. Ziel ist es dabei, die Talente zu starken Persönlichkeiten heranzubilden, die sich auf dem Fußballplatz teamorientiert präsentieren“ (DFB „Eliteschulen“, S. 14).

Schließlich basiert Erfolg im Fußball stets auf der Leistung einer funktionierenden Mannschaft mit Persönlichkeiten! Solche Spielerpersönlichkeiten zeichnen sich neben ihren fußballerischen Qualitäten durch außergewöhnliche charakterliche, psychische, intellektuelle und soziale Eigenschaften aus. Dahingehend präzisiert der DFB die „Marschroute“ gemäß seiner Ausbildungsphilosophie: „Intensiver als je zuvor muss sich deshalb die Ausbildung auf eine systematische Persönlichkeitsförderung junger Spielerinnen und Spieler fokussieren“ (ebd.). Den Eliteschulen, welche eine ganzheitliche Ausbildung junger Talente nachdrücklich proklamieren, kommt dabei eine wichtige Aufgabe zu: Schließlich kann sich die einseitige Fixierung auf eine Fußballkarriere äußerst negativ auf die Lebensperspektiven junger Spieler(innen) auswirken,

„denn die Ableitung des eigenen Selbstbildes und -bewusstseins aus der aktuellen sportlichen Leistung baut ein Druckszenario auf, das Spielfreude und Lockerheit zerstören kann. Zudem bleiben individuelle Stärken, Kompetenzen und Ressourcen der Talente in dieser ‚Eindimensionalität des Fußballs’ versteckt“ (ebd.).

Eine Öffnung dieses Spektrums vermittelt u.a. Selbstbewusstsein und Identifikation weit über die enge Bandbreite des Fußballs hinaus und sie fördert die Persönlichkeit der Talente. Ferner stellt die aktive Einbindung junger Persönlichkeiten rund um die Trainingsarbeit einen nicht zu unterschätzenden und wesentlichen Eckpfeiler der Ausbildung dar: Offenheit und Kommunikation sind die Basis für leistungs- und persönlichkeitsfördernde Prozesse! In dieser Hinsicht gilt für den Trainer, die Talente über die Planung und die konkreten Ausbildungsschwerpunkte detailiert zu informieren.

„Wer Talente perspektivisch aufbauen will, der muss die individuelle Persönlichkeit junger Sportler berücksichtigen und erreichen. Ein Trainer muss die Talente nicht nur fordern, sondern auch fördern, er muss sie antreiben, aber auch begleiten. Kein Perspektivspieler wird auf Dauer seine optimale sportliche Leistung abrufen können, wenn er nicht auch seine Persönlichkeit Schritt für Schritt stärkt.“ (ebd. S. 15).

Orientierung bietet in dieser Hinsicht das maßgebliche Leitbild der deutschen Spielkultur: Mit der Formulierung einer einheitlichen nationalen Spielauffassung und -philosophie werden auch Leitlinien für die Qualitätsstandards und Trainingsinhalte bestimmt. Die Anforderungen im modernen Spitzenfußball fungieren demgemäß als Orientierung für die Ausbildung an den jeweiligen Eliteschulen. Konsequenzen für die Talentförderung in Form von Schwerpunkten der Ausbildungsstufen sind dabei für den B-Juniorinnenbereich u.a. (vgl. ebd. S. 21ff.):

- individualisierte Athletikprogramme
- eine stärker an den Anforderungen einzelner Positionen ausgerichtete Technikschulung
- Formen von Spielertypen auf der Basis individueller Stärken
- Verinnerlichung der Werte und Normen einer konsequenten Ausrichtung auf den Leistungssport
- Systematische Wissensvermittlung: Trainingsplanung, Taktik

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 und 5. Aspekte des Leitbildes Deutscher Spielkultur (DFB „Eliteschulen“, S. 18f.)

2.3 Spezifik des Spezialsportunterrichts sowie methodische Schwerpunkte für das Vormittagstraining an den „Eliteschulen des Fußballs“

Bei der systematischen Förderung der Talente im Einzeltraining oder in kleinen Lerngruppen sind konkrete altersspezifische inhaltliche, methodische sowie persönlichkeitsfördernde Schwerpunkte zu berücksichtigen (vgl. DFB „Eliteschulen“ S. 31):

- Die Anforderungen an die Eigeninitiative und Mitarbeit der Talente durch aktive Einbindung in alle Prozesse der individuellen Leistungssteigerung intensivieren!
- Die Eigenverantwortung für die persönliche Leistungsentwicklung bewusster fordern!
- Individuelle[6] technisch-taktische Schwerpunkte gezielt auf positionsspezifische Aufgaben abstimmen!
- Die Spielbelastungen (intensivere Anforderungen durch überregionale Spielklassen!) in eine dosierte Belastungssteuerung einfließen lassen! Präventive/ regenerative Schwerpunkte systematisch einbauen!“

Um die zusätzliche Förderung im Vormittagstraining eng verzahnt mit dem übrigen Trainings- und Spielangebot im Verein und Verband in Einklang zu bringen, lassen sich dabei folgende ergänzende Kriterien formulieren:

- Einheit von Inhalt und Methodik
- Der richtige Wechsel von Belastung und (aktive) Erholung (Regeneration!)
- Die ausgewogene Kombination von Ernsthaftigkeit/ Disziplin und Spaß/ Freude[7]

Zur Trainingsplanung- und steuerung bleibt zu ergänzen: Mit dem zusätzlichen Vormittagstraining werden Lernerfolge im Bereiche der systematischen individualtechnischen und –taktischen Ausbildung anvisiert. Durch den erweiterten Trainingsumfang soll noch systematischer auf sportliche Spitzenleistungen vorbereitet werden. In der konkreten sportlichen Trainingspraxis vorliegend skizzierter Unterrichtssequenz wird sich demgemäß einerseits an den Schwerpunkten der jeweiligen Ausbildungsstufe sowie am zukünftigen Anforderungsprofil eines Spitzenfußballers und andererseits an der individuellen Förderung der Talente (sowie nicht zuletzt am Lehrplan für das Fach Sport) orientiert. Eine solch systematische Ausbildung hat neben einer vielseitigen und spielgemäßen Ausbildung als Rahmenbedingung gemäß DFB zur Prämisse, dass sich die Trainingsgruppen-Größe im Optimum aus 4 bis 8 Spielern rekrutiert. Wie der Titel der Arbeit bereits vorwegnimmt, verschreibt sich der vorliegende Ausbildungsblock im Rahmen einer Stoffverteilung im Jahresplan dem vordergründigen Schwerpunkt der Persönlichkeitsentwicklung.

3 PLANUNG DER UNTERRICHTSREIHE

Im Anschluss an den bereits skizzierten methodisch-didaktischen Schwerpunkt wird im folgenden Teil die Planung der Unterrichtsreihe zum vorliegenden Sachgegenstand anhand der Bedingungsanalyse, didaktisch-methodischer Vorüberlegungen, Konsequenzen und Begründungen sowie der Formulierung von Lernzielen näher ausgeführt.

3.1 Analyse des pädagogischen Bedingungsgefüges

Ausgehend von der Charakterisierung der Lerngruppe sowie dem Lehrer-Schüler-Verhältnis schließt sich jenen internen Bedingungen die Darstellung der äußeren bzw. externen Bedingungen an, wobei entsprechende Schlussfolgerungen für die Unterrichtsgestaltung sogleich an geeigneter Stelle abgeleitet werden.

3.1.1 Lerngruppe und Lehrer-Schüler-Verhältnis

Die Spezialsportklasse 9/10 der Fußballerinnen des GutsMuths Sportgymnasiums konstituiert sich derzeit aus 5 bis 6 Mädchen (zzgl. der Langzeitverletzten Schülerin F, die seit Schuljahresbeginn extern ein individuelles Aufbautraining absolviert). Die Lerngruppe ist mir z.T. bereits durch meine langjährige Trainertätigkeit im Verein bekannt – als SSL übernahm ich den dortigen SSU mit Beginn des 2. Schulhalbjahres. Bedauerlicherweise kristallisiert sich zum Nachteil für die Durchführung der Unterrichtsreihe der Umstand einer für das Sportgymnasium kennzeichnenden hohen Fluktuation heraus: So verließen die Lerngruppe erst kürzlich zwei Mädchen in eine andere Trainingsgruppe – Schülerin G, eine hochtalentierte und leistungsstarke Fußballerin, musste die Gruppe leider infolge einer schulischen Rückstufung aufgrund von Leistungsdefiziten verlassen. Die fußballerisch eher durchschnittlich talentierte Schülerin H hingegen war zwar in der 1. Stunde noch ein Teil der Lerngruppe, es kündigte sich jedoch bereits mehrere Wochen zuvor an, dass sie keine Empfehlung für eine weiterführende Förderung im Fußballbereich an der Eliteschule erhält – derzeit versucht sie für den Verbleib an der Einrichtung einen Neustart in der Sportart „Ringen“. Der SSU in der Klassenstufe 9/10 findet jeweils Montag früh in der 5. und 6. Stunde statt (10.45 Uhr – 12.00 Uhr; netto ca. 75 min.) Des Weiteren sind in der Stundentafel nachfolgende Sportstunden zusätzlich etabliert: Eine 2. Doppelstunde SSU findet am Mittwoch statt (welche jedoch von einer Kollegin erteilt wird); dieses Pensum wird durch eine Doppelstunde „normalen“ Schulsportunterrichts am Freitagvormittag komplettiert. Laut Beschluss der Fachkonferenz absolvieren die Schülerinnen demnach summa sumarum 6 Stunden Sportunterricht pro Woche innerhalb der Schulzeit (2h im regulären Schulsport, 4h in der jeweiligen Spezialsportart). Dass sich die Mädchen über den Schulunterricht hinaus auch aus zahlreichen Trainingseinheiten sowie dem jeweiligen Wettspielbetrieb sehr intensiv kennen, die Lerngruppe zudem sehr klein ausfällt, ist einer grundsätzlich positiven Unterrichtsatmosphäre äußerst zuträglich. Die Gruppe präsentiert sich „eingeschworen“ sowie im Umgang miteinander fair, loyal und lernzielförderlich. Klassen- und Arbeitsklima sind insofern positiv gefestigt, sodass sich Lehren und Lernen gleichermaßen ertragreich gestalten. Diverse kooperative Arbeits- und Sozialformen, die mitunter solch positive Ausgangsbedingungen voraussetzen, können deswegen ohne Einschränkungen eingesetzt werden und eine abwechslungsreiche Gestaltung der TEs ermöglichen. Ferner präsentieren sich die Lerner aufgeschlossen, motiviert sowie an den unterschiedlichen Lerninhalten bis dato interessiert. Die Mitgestaltung und aktive Teilnahme am Unterricht sind diesbezüglich wertvolle Ressourcen, die es im Lehr-Lern-Prozess zu nutzen gilt. Auffällig ist dennoch der zumeist große Ermüdungszustand der SSS infolge ihres Wettspieleinsatzes im Ligabetrieb am Wochenende – so klagen einige regelmäßig über Schmerzen und Erschöpfung. Einer Evaluierung zufolge ist die sich dafür ursächlich verantwortlich zeichnende Wochenbelastung für die Heranwachsenden äußerst hoch. Die Intensitätsprofile gestalten sich dabei im Einzelfall recht unterschiedlich (zur Info – Schülerin B (10. Kl.): 10 Einheiten[8] pro Woche mit insgesamt ca. 14 Stunden; Schülerin D (9. Kl.): 8 Einheiten à ca. 12 h; Schülerin C (9. Kl.): 7 Einheiten à ca. 10 h; Schülerin E (10. Kl.): 7 Einheiten à ca. 11 h; Schülerin A (10. Kl.): 6 Einheiten à 9 h). Da mir die Lerner bestens bekannt sind, lässt sich hinsichtlich ihrer Lernkompetenz ein verbindlich-realistisches Bild skizzieren. Trotz gleicher spezialsportlicher Ausrichtung sind die Lernvoraussetzungen (i.e. das fußballspezifische Fähigkeits- und Fertigkeitsprofil) durchaus heterogen:

Schülerin B präsentiert sich als äußerst selbstbewusst auftretende, mental starke Persönlichkeit, deren fußballerisches Fähigkeitsniveau als gut bis sehr gut zu bewerten ist. In ihrer Sonderrolle als Torwart beherrscht sie die Techniken eines Feldspielers nahezu gleichwertig, was ihr in ihrer jungen Karriere bis dato trotz Positionsspezialisierung bereits regelmäßige Einsätze auch außerhalb des Tores bescherte. Schülerin B ist zudem ein Linksfuß (was eher die Ausnahme als die Regel darstellt) und vermag sich selbst recht realistisch und mit dem Außenbild aus Lehrersicht weitestgehend deckungsgleich einzuschätzen. Trotz suboptimaler Konstitution (i.e. minimales Übergewicht und dadurch bedingte konditionelle Defizite), tritt sie mental gefestigt und positiv grundeingestimmt in Erscheinung; ihr Ehrgeiz und ihr starker Wille zur stetigen Verbesserung im Training ist beispielgebend. Dass sie trotz des größten Trainingsumfangs im Unterschied zu den rein numerisch betrachtet in geringerem Umfang trainierenden SSS keinerlei Überlastungstendenzen aufweist, liegt darin begründet, dass sie in einigen TW-spezifischen Einheiten zumeist in niedrigeren Intensitätsbereichen (zu Gunsten der Schulung TW-spezifischer Techniken) trainiert.

Schülerin C wiederum ist eine technisch äußerst versierte und hervorragende Spielerin, die überdurchschnittliches technisch-taktisches Talent mitbringt und sich um stetige Entwicklung in diesem Bereich befleißigt. Sie zeigt in ihrer Persönlichkeitsausprägung ebenso solide Tendenzen auf, ist jedoch in mancherlei Selbsteinschätzungen etwas zu kritisch und bewertet in diesem Zusammenhang ihre eigene Leistungsfähigkeit im Vergleich zur Lehrersicht manchmal zu streng. Sie wirkt ehrgeizig und selbstdiszipliniert. Mental betrachtet trat sie in den letzten Wochen jedoch häufig unausgeglichen und „ausgelaugt“ in Erscheinung – es schien ihr fast ein wenig die Freude am „semiprofessionellen Hobby“ abhanden gekommen zu sein (diesen Eindruck vermittelte sie als intelligenter, fleißiger, eloquenter und aufgeschlossener Lerner im Übrigen auch in meinem Deutschunterricht). Schülerin C machte gar einen solch „ausgebrannten“ Eindruck, dass sie in Absprache mit den entsprechend verantwortlichen Sportkoordinatoren der Schule vor nicht allzu langer Zeit für zwei Wochen „zwangsweise“ von sämtlichen TEs freigestellt wurde, um dem objektiv festgestellten Erschöpfungszustand entgegenzusteuern. Nach dieser Zeit wirkte sie wieder regenerierter, motivierter, mental ausgeglichener und fröhlicher. Ferner verfügt sie neben ihren optimal ausgeprägten Spielfähigkeiten über einen recht athletischen Körperbau und ist zudem ebenfalls ein Linksfuß; sie ist insgesamt mit einer hohen Grundschnelligkeit ohne und mit Ball ausgestattet. Defizite weist sie lediglich in puncto Beweglichkeit auf (dies jedoch in hohem Maße) – ein Umstand, dem aus dem Gespräch heraus in anderen Einheiten nicht konsequent genug begegnet wird. Auch die koordinativen Fähigkeiten zeigen Entwicklungspotenzial auf.

Schülerin D ist ein sehr intelligentes Mädchen, die mit ihrer offenen, kommunikativen und konstruktiven Persönlichkeit für jede Trainingsgruppe eine große Bereicherung darstellt. Sie präsentiert sich als ausgesprochen mannschaftsdienlich agierend und zeichnet u.a. wesentlich für das gute Klima in der Lerngruppe verantwortlich. Sie lernt schnell und ist zudem auch sehr willig. Darüber hinaus verfügt Schülerin D über eine gute Schusstechnik mit präzisen Torabschlusshandlungen; jedoch erscheint sie im sportlichen Vergleich innerhalb der Spezialsportklasse weniger talentiert und technisch versiert als beispielsweise Schülerin C oder A. Im Spiel ist sie eher ein „Arbeitertyp“, der mehr durch hohen Einsatz und einen unbändigen Willlen als durch spielerische Finesse glänzt. Schülerin D weist häufig ebenso einige Erschöpfungstendenzen auf und artikuliert dies auch offen und ehrlich. Ihre Beweglichkeit ist darüber hinaus ebenso suboptimal ausgeprägt wie die der Schülerin C. Auch ihre koordinativen Fähigkeiten weisen Reserven auf.

Schülerin A ist von ihrer Spielfähigkeit und Veranlagung ebenso hochtalentiert einzustufen wie Schülerin C: Die technisch begabte und kreative SSS weist Spielmacherqualitäten sowie große situationsspezifische Handlungskompetenzen auf (dies zeigt sich u.a. darin, dass sie häufig den gefährlichen und richtig getimten Pass in die Tiefe zu spielen vermag). Wenngleich sie in den übrigen schulischen Belangen eher durchschnittlich in Erscheinung tritt, präsentiert sie sich auf dem Fußballplatz technisch-taktisch versiert und größtenteils recht spielintelligent. Darüber hinaus verfügt sie über einen großen Siegeswillen und ist von ihrer Einsatzbereitschaft und dem Laufpensum im Spiel beispielgebend. In puncto Persönlichkeit verlässt Schülerin A bei misslungenen Aktionen manchmal zu schnell der Mut und die Einsatzbereitschaft – sie lässt dahingehend sprichwörtlich zeitweilig „den Kopf hängen“, was ihre Körpersprache deckungsgleich artikuliert. Die hervorragende Spielerin mit überdurchschnittlichem technisch-taktischen Talent zeigt sich insofern - ähnlich wie Schülerin C - in diversen Selbsteinschätzungen daher eher etwas zu selbstkritisch. Im objektiven Abgleich mit der Lehrersicht wertet sie ihre eigene Leistungsfähigkeit gleichermaßen zu streng. Von einem positiv-realistischen SK kann in ihrem Fall nicht die Rede sein.

Schülerin E ist eine ebenso technisch versierte und konditionell gute Spielerin, die insbesondere durch ihre gute Ballgeschicklichkeit, Schnelligkeit und Schusstechnik hervorragt. Zudem weist sie einen athletischen Körperbau auf, der sie in der fußballspezifischen Konditionsschulung (allgemeine und spezielle Ausdauer, Antrittsschnelligkeit, etc.) anderen gegenüber begünstigt. Auffällig ist in ihrem Fall, dass sie von ihrer Einstellung, ihrem Ehrgeiz und der Trainingsmotivation her deutliche Defizite aufweist – ihrer Körperhaltung sieht man insofern häufig an, dass sie phasenweise keine Lust hat und sich mit der Erreichung des Minimums eines Trainingsziels auch begnügt. Ebenso ausbaufähig sind ihre taktischen Fähigkeiten in den Spielformen. Als ihr größtes Manko kristallisiert sich jedoch regelmäßig die mangelhafte Bereitschaft heraus, an persönliche Grenzen zu gehen und diese zu überschreiten. Mit einer entsprechenden Rückkopplung zu dieser unbefriedigenden Einsatzbereitschaft kann sie äußerlich betrachtet gut leben. Obwohl sie über ihre Außenwirkung bescheid weiß, lässt sie das verbale Feedback jedoch scheinbar an sich abprallen. Zumindest sind kaum Besserungsversuche in diesem Zusammenhang in jüngster Zeit erkennbar. Aufgrund dieser Tatsache erhält sie in der Konsequenz auch weniger als z.B. Schülerin A – die von den Voraussetzungen her ähnlich gut bis sehr gut veranlagt ist - die Möglichkeit, sich im Wettspieleinsatz in der 2. Frauenmannschaft des Vereins zu profilieren. Da hinsichtlich des didaktisch-methodischen Schwerpunkts jedoch insbesondere die Eigensicht zu den jeweiligen Stärken und Schwächen der SSS in den Fokus rücken, stellt die freie Selbsteinschätzung im Vorfeld eine obligatorische Notwendigkeit dar. Aus diesem Grund wurden die Mädchen dazu veranlasst, unter der Maßgabe allgemeiner (es steht schließlich die gesamte Persönlichkeit im Mittelpunkt) sowie spezieller (i.e. fußballspezifischer) Stärken und Schwächen eine Selbsteinschätzung vor Beginn der Unterrichtsreihe durchzuführen. Das Ergebnis dieser Erhebung des subjektiv empfundenen Stärken-Schwächen-Profils[9] dient wiederum als wichtiger Ausgangspunkt für die Unterrichtsplanung und ist nachfolgend aufgeführt:

Tab. 1. Stärken-Schwächen-Profil Schülerin A (Position: Mittelfeld/ Sturm)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2. Stärken-Schwächen-Profil Schülerin B (Position: Tor)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 3. Stärken-Schwächen-Profil Schülerin C (Position: Mittelfeld/ Sturm)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 4. Stärken-Schwächen-Profil Schülerin D (Position: Mittelfeld/ Abwehr)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 5. Stärken-Schwächen-Profil Schülerin E (Position: Mittelfeld/ Sturm)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beim Vergleich von Fremd- und Eigensicht lassen sich zahlreiche Deckungsgleichheiten bzw. Ähnlichkeiten erkennen – ein Umstand, der sich für die Konzeption der Reihe und die methodisch-didaktischen sowie inhaltlichen Auswahlentscheidungen, die es zu treffen gilt, als positiv herausstellt. Die objektive Ausgangslage suggeriert insofern günstige Voraussetzungen hinsichtlich einer notwendigen Empathie für die intendierte Schulung der Persönlichkeit. Die anfänglichen Voraussetzungen sind demgemäß bereits als günstig zu bezeichnen, da die SSS z.T. schon zu Beginn einen nahezu realistischen Selbstreflexionsstatus aufweisen. Ferner haben die Mädchen untereinander keinerlei Berührungsängste und sind dazu in der Lage, kooperative Aufgabenstellungen ergebnisorientiert zu lösen. Auffällig und positiv ist ebenso die Beliebigkeit in der Formierung von Kleingruppen hervorzuheben: So sind zunächst keinerlei Diskrepanzen oder ausgrenzende Haltungen untereinander erkennbar. Der Umgang miteinander gestaltet sich kameradschaftlich, kommunikative Voraussetzungen erweisen sich auf der Beziehungs- und Sachebene als günstig. Darüber hinaus zeichnen sich die SSS durch ein hohes Maß an Effektivität und Selbstständigkeit bei der Erledigung von Arbeitsaufträgen aus. Jeder Einzelne ist dazu in der Lage, Stundenteile eigenverantwortlich in guter bis sehr guter Qualität zu übernehmen. In Anbetracht der erläuterten Hauptlernziele ist zunächst von einem teils nahezu realistischen SK und einer in gleichem Maße vorhandenen, aber durchaus ausbaufähigen SW-Überzeugung auszugehen. Rückmeldungen gegenüber den Mitschülern und dem Lehrer erfolgen überwiegend ehrlich, sachlich, zeitnah, kritisch-konstruktiv sowie in Inhalt und Ton angemessen. In ihrem Sozialverhalten zeigt sich die Gruppe gut entwickelt, aber auch mit alterstypischen Eigenheiten ausgestattet, was sich in zeitweiligen Unkonzentriertheiten, erträglichen Albernheiten und dem punktuellen Abdriften in Privatgespräche äußert. Aus entwicklungspsychologischer Sicht durchläuft die Gruppe gerade die Phase der Pubertät, während derer sie sich in physischer und psychischer Hinsicht vom Kind zum Erwachsenen entwickelt (vgl. dazu u.a. Weineck 2004). Vom Entwicklungsstand der Persönlichkeit lassen sich insbesondere Schülerin B, D und C als akzeleriert einstufen. Die Sensibilität, Besonderheit und fortschreitende Individualisierung innerhalb dieser Phase rechtfertigt nicht zuletzt die erwartete Aufgeschlossenheit und das Interesse der Gruppe jener Thematik gegenüber.

Die Überschaubarkeit der Gruppengröße gewährleistet zwar einerseits optimalerweise eine intensive Arbeit am jeweiligen individuellen Stärken-Schwächen-Profil[10], sie erweist sich jedoch als unsichere Vakanz beim geplanten Einsatz spezifischer Spiel- und Übungsformen, die eine bestimmte Mindestanzahl an Spielern bzw. Positionsbesetzungen erfordern. Kurzfristige Krankheits- oder Verletzungsausfälle erfordern insofern eine stets flexible Planung und situative Umstellungskompetenz im Trainingsprozess.

Lehrer-Schüler-Verhältnis

Seit Beginn des 2. Schulhalbjahres unterrichte ich die Lerngruppe und weiß die positive Unterrichtsatmosphäre aus Lehrersicht sehr zu schätzen. Das Verhältnis unter- sowie miteinander ist sehr gut – auf der Beziehungsebene herrscht eine produktive Stimmung vor. Der Umgang zwischen den SSS und der Lehrperson lässt sich als ehrlich, offen, freundlich (aber bestimmend) sowie kritisch-konstruktiv beschreiben. Dahingehend sind die große Akzeptanz des verantwortlichen Pädagogen und die respektvolle Wahrnehmung ihm gegenüber hervorzuheben, wofür u.a. auch das Minimum an disziplinarischen Unterrichtsstörungen spricht. Das gute Verhältnis, die z.T. bereits langjährige Zusammenarbeit und die förderliche Offenheit im gemeinsamen Umgang zwischen SSS und SSL ermöglicht - auch in Anbetracht der Gruppengröße - eine individualisierte, binnendifferenzierende und spezifische Arbeit in puncto Persönlichkeitsentwicklung.

3.1.2 Äußere Bedingungen

Für die bevorstehende Unterrichtsreihe steht ein Rahmen von vier Doppelstunden zur Verfügung, der sich jeweils am Montag im Zeitraum von Mai bis Juni erstreckt. Die Durchführung der Unterrichtsreihe erfolgt – je nach Wetterlage, aktuellen Platzverhältnissen und Willkür von Sperrzeiten durch die Objektleitung – auf dem Universitätssportgelände in der Oberaue: Dort stehen ganzjährig ein Kunstrasenplatz, eine 400m-Laufbahn, eine geländeumzäunende Mulchlaufbahn, eine Beachanlage, (punktuell nutzbare) Rasenfußballflächen im Freien sowie ausreichend gut „benetzte“ mobile Kleinfeld- und Großfeldtore zur Verfügung. Eine Wandtafel für die Erläuterung spezifischer Spiel- und Übungsformen ist in der Geländefreifläche nicht vorhanden, wobei diesem Umstand jedoch problemlos durch eine abwischbare Taktiktafel des SSL begegnet werden kann. In materieller Hinsicht kann sich aufgrund der zusätzlichen Trainertätigkeit des SSL sämtlicher Trainingsmittel bedient werden, da die Stunden auf dem Vereinsgelände des FF USV Jena stattfinden. Die Ausstattung präsentiert sich in dieser Hinsicht als sehr reichhaltig: So stehen u.a. stets genügend Markierungshütchen, Stangen, qualitativ hochwertige Fußbälle, Isomatten, Markierungshemden sowie eine Koordinationsleiter als fußballerisches Inventar zur Verfügung. Spezifischen Sicherheitsvorkehrungen ist aufgrund der materiellen und räumlichen Gegebenheiten bis auf eine Ausnahme nicht besonders zu begegnen: Lediglich die Nutzung der Beachanlage stellt im Vorfeld keine Option dar. Zwar ist sie theoretisch eine günstige Möglichkeit für regenerative, propriozeptive und belastungskompensatorische Übungsformen, jedoch erscheint mir die Anlage aus Trainersicht bedauerlicherweise nicht sicher genug. Durch meine langjährige Tätigkeit als Übungsleiterin im Hochschulsport stufe ich das Verletzungsrisiko für die SSS eindeutig als zu hoch ein; im Vorfeld der Errichtung jener Anlage ist in dieser Hinsicht meiner Meinung nach an der falschen Stelle gespart worden. Einerseits erweist sich ein kniehoher Betonsockel für die Spielfeldbegrenzung als absolut indiskutabel. Trainierende können beim Wettspiel ohne Schutzvorkehrung zu jeder Zeit damit in Berührung kommen. Darüber hinaus ist der Sand nicht in ausreichender Menge aufgeschüttet worden, sodass bereits bei geringer Zerwühlung ein steiniger und spitzer Untergrund zum Vorschein kommt. Teilnehmer meiner Hochschulsportkurse haben sich in diesem Zusammenhang tatsächlich bereits schon die Zehen blutig verletzt. Die skizzierten Umstände stellen Gründe genug jedoch konstatieren, dass insbesondere die dar, um aus verletzungsprophylaktischer Sicht auf die Anlagennutzung bedauerlicherweise verzichten zu müssen. Es lässt sich Abhängigkeit von der Wetterlage die größte unbekannte und entscheidende Variable darstellt.

3.1.3 Konsequenzen für die Unterrichtsgestaltung

Im Hinblick auf das klassenspezifische innere sowie äußere Bedingungsgefüge ergeben sich einige Konsequenzen für die didaktisch-methodische Gestaltung des Unterrichts:

Bezogen auf die Schülerklientel: Dem Motto des DFB Rechnung tragend, fokussiert die Reihe in ihrer technisch-taktischen Konzeption die Maxime „Stärken stärken und Schwächen schwächen“. Danach gilt es für die Entwicklung eines positiv-realistischen SK und einer ebenso intendierten SW einerseits die subjektiv empfundenen Schwächen zu minimieren sowie die bereits vorhandenen Stärken weiter zu festigen und zu honorieren. Wichtig erscheint in dieser Hinsicht, nicht ausschließlich die Defizitperspektive zu fokussieren und leistungsstrukturelle Schwächen abzubauen, sondern in besonderem Maße die SSS in ihren individuellen Stärken zu bestätigen sowie diese im Sinne einer Stärkung des SK systematisch zu erweitern und zu vervollkommnen. Individualisiert betrachtet bedeutet dies:

- Schülerin A à Stärken: Torschuss, Flanken, Ballgeschicklichkeit / Schwächen: Koordination, Beweglichkeit, Diszipliniertheit/ Wille, linker (= schwacher) Fuß
- Schülerin B à Stärken: TW-Techniken wie Abwehr flacher und halbhoher Torschüsse, verantwortungsvolle „Führungsaufgaben“ / Schwächen: TW-spezifische Techniken wie die Abwehr hoher Bälle und Flachabstöße, rechter (= schwacher) Fuß
- Schülerin C à Stärken: linker Fuß (Ballführung, Torschuss), verantwortungsvolle „Führungsaufgaben“ / Schwächen: Beweglichkeit, Kopfballspiel, Koordination, rechter (= schwacher) Fuß
- Schülerin D à Stärken: Passspiel, Torschuss / Schwächen: Beweglichkeit, Koordination, Kopfballspiel, Schnelligkeit, linker (= schwacher) Fuß
- Schülerin E à Stärken: Torschuss, Ballgeschicklichkeit / Schwächen: linker (= schwacher) Fuß, Selbstbewusstsein

Es ist gleichermaßen vonnöten, die Erreichung von Lernzielen in einem gesunden Verhältnis von induktiven und deduktiven Lehrwegen zu beschreiten: Dabei sollen möglichst oft Aufgaben individuell oder in Absprache mit den Mitschülern gelöst werden. Um einen intensiven und notwendigen Zugang zur Lerngruppe zu erreichen gilt es ebenso, die sportlichen Interessen der SSS zu berücksichtigen. Motivation und Selbstwirksamkeit werden durch wahlobligatorische Durchführungsoptionen einzelner Übungsformen, Aushandlungsprozesse und durch punktuellen „Knobelcharakter“ in den Aufgabenstellungen intendiert.

Bezogen auf den SSL: Durch die spezifische Kompetenz der Lerngruppe (es handelt sich dabei schließlich um ausgewählte Spezialsportschüler; vgl. u.a. Zulassungskriterien; Kap. 2.1) bedarf es von der pädagogischen Qualifikation bereits einer umfassenden fachlichen Kompetenz (DFB-Lizenzierung und insbesondere mehrjährige Trainererfahrungen im Jugendbe-reich), eines methodischen Fähigkeitsrepertoires, Empathie sowie diagnostischer Kompetenzen.[11] Ein SSL steht immer in einem besonderen Verhältnis zum Sportler, welches über die gewöhnliche Lehrer-Schüler-Rolle hinausgeht. Man begegnet sich in einem spezifischeren Lernkontext, die Gruppen sind vielfach kleiner im Vergleich zu herkömmlichen Klassengrößen, was eine individuelle und differenzierte Förderung des Sportlers nicht nur ermöglicht, sondern auch verstärkter einfordert. Der SSL vermittelt keinen separierten Lernzielkomplex, sondern muss das wöchentliche Trainingsprofil der SSS nicht nur kennen, sondern auch durchdringen, sich mit Trainerkollegen abstimmen und das entsprechend inhaltliche sowie belastungsintensive Trainingspensum berücksichtigen. Die unvergleichbar privatere Unterrichtsatmosphäre bedarf einer noch ausgeprägteren pädagogischen Zuwendung sowie eines vertrauensvolleren Umganges mit den Individuen der Lerngruppe. Der SSL agiert nicht in einer „herkömmlichen“ Lehrerrolle, sondern muss sich als „kameradschaftlicher“ Lernbegleiter begreifen.

Bezogen auf Bewertungs- und Beurteilungsprozesse bzw. auf die Notenvergabe:

Spezifische Leistungskontrollen mit einem entsprechenden Kriterienkatalog für die Über-prüfung der Persönlichkeitsentwicklung existieren bis dato noch nicht und sind nur vage formulierbar. Bildungsstandards für PR lassen sich schließlich ungleich schwieriger festlegen als für motorische Lernziele. Feedback in Form von verbalen Werturteilen erhalten die SSS jedoch nach jeder TE. Der SSL informiert über den persönlichen Lernforschritt jedes Einzelnen und wertet die Entwicklung nach der Stunde kurz und bündig aus. Aus den subjektiv gewonnen Erkenntnissen und Eindrücken hinsichtlich des didaktisch-methodischen Schwerpunkts wird am Ende der Unterrichtsreihe eine prozessual generierte Note erteilt, welche die subjektiv gefärbte Selbsteinschätzung zu berücksichtigen und das Urteil aus Schüler- und Lehrersicht zu „synchronisieren“ versucht.

3.2 Didaktisch-methodische Überlegungen und Begründungen

Im vorliegenden Abschnitt wird auf die Stellung der Unterrichtssequenz im Rahmen der Spezialsportausbildung der Lerngruppe näher eingegangen sowie die Stellung der einzelnen Stunden in der Stoffeinheit genauer vorgestellt, um schließlich mittels einer anschließenden Sachanalyse und didaktischen Reduktion die geplante Unterrichtsreihe kurz vorzustellen.

3.2.1 Stellung der Stunden in der Stoffeinheit

Im Einklang mit der Ausbildungskonzeption des Spezialsports (vgl. dazu Kap. 2.2 und 2.3) bedarf die Persönlichkeitsentwicklung eines ganzjährig etablierten, mittel- bis langfristigen und systematisch strukturierten Hauptschwerpunktes im Stoffverteilungsplan der jeweiligen Lerngruppe. Maßnahmen zur Optimierung jener persönlichkeitsförderlichen PR werden in der sportspezifischen Fußballfachliteratur sowie in den Talentförderkonzepten als wesentliche Komponente der sportlichen Handlungs- und Leistungsfähigkeit sowie der sportlichen Entwicklung hervorgehoben (vgl. Sygusch 2007). Talente sollen zu „starken Persönlichkeiten“ herangebildet werden, die sich auf dem Fußballplatz teamorientiert präsentieren. Aus diesem Anliegen heraus leiten sich die jahrgangsspezifischen Schwerpunkte und Zielstellungen für die U16/ U17 ab:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6 und 7. Leitbild und Talentförderung sowie Schwerpunkte für die U16/U17 (DFB „Eliteschulen“, S. 22 und 32.)

Auch im Thüringer Lehrplan wird für den Sportunterricht die Persönlichkeitsentwicklung explizit als vornehmlicher Auftrag des Faches deklariert (vgl. TKM 1999, S. 5). Zur Sicherung der Grundbildung und der damit verbundenen Zielstellung einer Entwicklung von Lernkompetenz bedient man sich des viersäuligen Kompetenzmodells: So werden Sach-, Selbst-, Sozial- und Methodenkompetenz einer jeden SSS im Fußballunterricht entwickelt und erweitert. Hinsichtlich der Unterrichtsplanung finden dabei insbesondere die Schulung nachfolgender, im Lehrplan empfohlener Fähigkeiten Berücksichtigung (vgl. ebd. S. 6):

- Entwicklung der Bereitschaft und der Fähigkeit zu kommunizieren und zu kooperieren
- Entwicklung eines selbstständigen Problemlöseverhaltens sowie
- Entwicklung von Selbstbewusstsein, Selbstdisziplin und Leistungsbereitschaft

Der Lehrplan gibt Auskunft darüber, dass schulische Zielstellungen auf die optimale individuelle Entwicklung der Persönlichkeit zu richten sind. Unter dieser Maßgabe trägt die vorliegende Unterrichtsreihe einem spezifischen, spezialsportlich angebundenen und nicht austauschbaren Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung der SSS Rechnung. Das Thema der Reihe ist dem Lernbereich der „Sportspiele“ zuzuordnen. Darin ist - im Einklang mit der modifizierenden Eliteschulspezifik - die Vervollkommnung der spezifischen und komplexen Handlungs- bzw. Spielfähigkeit vorgesehen. Zwingend notwendiger und bindender als die Lehrplanempfehlungen für „herkömmliche“ Gymnasien erscheint jedoch durch die Spezialsportprofilierung eine prioritäre Orientierung an der DFB-Ausbildungskonzeption sowie den Empfehlungen für die Eliteschulen (vgl. dazu Kap. 2.1.1 und 2.1.2). Die Anforderungen des Lehrplans sind bekanntlich für das Fußballspiel einer 9./ 10. Klasse im Rahmen des verbindlichen Schulsports formuliert. Da sich die Mädchen jedoch bereits spezialsportlich profiliert haben und insofern bereits ein weitaus höheres Fähigkeits- und Fertigkeitsniveau aufweisen, erscheint die Übertragung der Anforderungen und Inhalte auf die SSS wenig sinnvoll.

Im Vorfeld der Reihe sind die SSS schwerpunktmäßig im spezifischen individualtaktischen Angriffs- und Abwehrverhalten (Zweikampfverhalten im 1:1, Stellungsspiel, Deckungs-/ Störverhalten), in der Vervollkommnung des Passspiels sowie der Erhöhung der Antrittsschnelligkeit geschult worden. Darüber hinaus bildete – u.a. durch die größere Gesamtzahl der Lerngruppe ermöglicht - ebenso die Vervollkommnung der Spielfähigkeit in fußballspezifischen kleinen Spielformen einen wesentlichen Bestandteil. Aufgrund des festgestellten Ermüdungszustandes, welcher zum Ende des Schuljahres und insbesondere zum Saisonende hin häufig feststellbar und legitim ist, schließt sich der vorangegangenen individualtaktischen Vervollkommnung die Fokussierung der Persönlichkeitsentwicklung anhand und mit Hilfe individualtechnischer Spielhandlungen in regenerativ-kompensatorischer Belastungsgestaltung harmonisch an. Der Unterrichtssequenz geht zur Erfassung der subjektiven Eigensicht - bezogen auf das SK und die SW - im Vorfeld ein Fragebogen als Pretest voraus. Mit dessen Hilfe soll das Ausgangsniveau der psychosozialen Ressourcen erfasst werden, welche in den kommenden vier Doppelstunden im Mittelpunkt stehen. Zur Überprüfung des Lernfortschritts schließt sich am Ende der Unterrichtsreihe derselbe Fragebogen als Posttest an. Im Anschluss an die Sequenz leitet ein ebenso regenerativ intendierter und freudbetonter Besuch im Spaß- und Freizeitbad (inklusive fakultativer Saunanutzung) den wohlverdienten Schuljahresausklang ein.

3.2.2 Sachanalyse

Der methodisch-didaktische Gegenstand erfreut sich großer Aktualität und in letzter Zeit bewussterer und verstärkter Schulung. Vielfach wird bereits mit jener „modernen“ Begrifflichkeit hantiert ohne jedoch genau zu wissen, welche inhaltliche Konzeption sich eigentlich hinter der programmatischen Formulierung verbirgt. Die vorliegende Unterrichtssequenz zielt im Speziellen auf die Förderung psychosozialer Ressourcen im Rahmen der Spezialsportausbildung Fußball weiblich Klassenstufe 9/10 in der Schule ab.

Sie versteht sich als Beitrag zur Entwicklung sportlicher Handlungs- und Leistungsfähigkeit sowie der Gesamtpersönlichkeit von Schülern jener ausgewählten Lerngruppe. In diesem Sinne fokussiert die Unterrichtsreihe die Verbesserung bzw. Stärkung ausgewählter PR und somit die Verbesserung der Qualität des Spezialsporttrainings. Wenngleich sportlich erfolgreiches Handeln stets in ein plurales Anforderungsprofil eingebettet ist, welches über das sportmotorische Können hinausreicht, so ist eine Verbesserung der PR dennoch stets in Verbindung mit dem Üben und Trainieren von motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten sinnvoll[12]. Zur Illustration: Der „moderne“ Fußballer von heute muss nicht nur decken, sich freilaufen, passen, dribbeln und schießen können. Um erfolgreich zu sein, bedarf es eben u.a. auch der Kooperation in Angriff und Abwehr, des Mutes und der Risikobereitschaft im Spiel in die Tiefe, der situativen Strategieentwicklung zum optimalen Handlungsvollzug sowie des adäquaten Umgangs mit Stress, Nervosität etc. Zur Bewältigung dieses komplexen Anforderungsprofils und zum adäquaten Umgang mit erlebten „Siegen“ und „Niederlagen“ im Trainings- und Wettkampfprozess benötigt es der Ausprägung PR – also bestimmter Mechanismen zur angemessenen Einordnung und Verarbeitung. In der Unterrichtssequenz zur Optimierung jenes Faktors wird dahingehend zunächst eine sachanalytische Einführung in die Thematik gegeben, der sich wiederum für das vorliegende Bedingungsgefüge eine didaktische Reduktion anschließt.

3.2.2.1 Aspekte und Ansätze der Persönlichkeitsentwicklung im Fußball

Ausgehend von einer prospektiven, also vorausschauenden Denkrichtung (Welche psychischen Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale kennzeichnen einen Spitzenfußballer in der Zukunft? Welche trainingsspezifischen Konsequenzen und Maßnahmen leiten sich daraus ab?) sind zunächst jedoch einige Begrifflichkeiten im Vorfeld zu klären. Alltagstheorien attestieren einem Menschen „Persönlichkeit“, wenn er einen starken, gefestigten Eindruck vermittelt – die Fülle wissenschaftlich fundierter Theorien, Modelle und Ansätze spiegeln in diesem Zusammenhang stets die Komplexität der Thematik wider. Neben den Einflussfaktoren Veränderung, Wachstum, Differenzierung, Entfaltung und Lernen sind im Zuge der Entwicklung zwei unterschiedliche Prozesse von Bedeutung (vgl. BDFL 2009):

- Reifung als die nicht beeinflussbare gengesteuerte Entfaltung biologischer Strukturen und Funktionen (= Anlage im Ausgangszustand des Menschen) sowie
- Lernen als beeinflussbare Verhaltensänderung oder Aufbau neuen Verhaltens im Rahmen eines Erfahrungs- und Übungsprozesses (= Umwelt mit planmäßigen und zielgerichteten Einflussmöglichkeiten)
Zu berücksichtigen sind im Rahmen der Förderung persönlichkeitsentwickelnder Maßnah-men gemäß den Referenten des ITKs 2009 (vgl. BDFL 2009) nachfolgende Eckpfeiler:
- Individueller Verlauf: Es ist mit unterschiedlich großen Entwicklungsschritten und evtl. gar mit phasenweisen Rückschritten zu rechnen, da Entwicklung nie linear verläuft
- Schichtung: Kein Spieler der Welt kommt als „Tabula Rasa“ (unbeschriebenes Blatt Papier) in den Verein bzw. die Lerngruppe – er weist stets bereits einen bestimmten Entwicklungsstand auf, von welchem aus er individuell fortentwickelt werden muss.
- Psychische Fertigkeiten: Ihnen kommt eine ähnlich hohe Bedeutung zu wie dem technisch-taktischen Faktor; sie müssen speziell entwickelt werden, wobei puberale Bezüge Beachtung finden müssen (befindet sich ein Spieler mittendrin oder davor?).

Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften belegen (vgl. ebd.), dass der Trainer in der Tat auf jene im Gehirn stattfindenden Vorgänge Einfluss hat. Schließlich ist die Entwicklung des Menschen ein lebenslanger und insofern nie abgeschlossener Prozess. Zwar sterben einzelne Zellen ab, jedoch bilden sich auch immer wieder neue Zellen und neue Verknüpfungen – letztere gilt es systematisch, planmäßig und dauerhaft zu forcieren. Schließlich zeigt sich auch immer wieder: Die Veranlagung alleine ist kein hinreichender Erfolgsgarant! Genetische Voraussetzungen können nur dann aktiviert werden, wenn entsprechende Reize einwirken. Oder anders formuliert: „Die besten Anlagen nutzen nichts, wenn kein Stimulus die Gene einschaltet, um sie zum Tragen zu bringen“ (BDFL 2009, S. 7).

Die Ansätze für Einflussmöglichkeiten des Trainers sind vorhanden, jedoch begrenzt: So kann er in die wirkenden Umweltreize auf den Spieler - wie z.B. den Einfluss der peer-group - nur minimal eingreifen, schon gar nicht auf den jeweiligen Rückhalt durch das Elternhaus. Gene, Umgebung sowie die bisherige Entwicklung können insofern nicht bis kaum beeinflusst werden – wohl aber die nicht zu unterschätzende Größe einer Aufgabenstellung.

Mit jener Haupteinflussmöglichkeit zur Persönlichkeitsförderung verknüpfen sich folgende Annahmen: Eine Aufgabe muss so konstruiert sein, dass der Spieler sie als individuell herausfordernd (d.h. nicht zu einfach), aber auch als lösbar erachtet. Gelingt die Lösung nicht auf Anhieb, können sich positive Wirkungseffekte einstellen, indem sich der Spieler so lange an der Lösung probiert, übt und trainiert, bis sich ein Erfolgserlebnis tatsächlich einstellt. Ein gelungenes Endergebnis ist von entscheidender Bedeutsamkeit für den Aufbau und Erhalt eines positiven Selbstkonzeptes. Die Einwirkung des Trainers gestaltet sich dabei wie folgt:

- Phase des Ausprobierens zur Verfügung stellen: Eigene Lösungen wirken effektiver
- Fehler als Lernchance begreifen – sie gehören zum Lernen dazu; sie zuzugestehen, bedeutet Freiräume für das Sammeln von Erfahrungen zu bieten
- Konkrete Hilfestellungen liefern: Positive Rückmeldungen in Form von Verbesserungsmöglichkeiten/ Handlungsalternativen liefern (Feedback über eine nicht gelungene Aktion benötigt kein Spieler, dies erkennt er selbst – was er jedoch benötigt, sind Korrekturen und Tipps, wie Aktionen in Zukunft erfolgreich gestaltet werden können)

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Abb. 8. Einflüsse und Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentwicklung im Fußball (BDFL 2009, S. 9)

Im Zentrum der beeinflussbaren und erfolgsversprechenden Bemühungen des Trainers sollte die Hervorbringung einer positiven Eigenwahrnehmung des Spielers stehen – neben der Prägung durch die nicht beeinflussbaren Gene und die bisherige Entwicklung des Selbstkonzepts (vgl. Kap. 3.2.2.3) ist letzteres entscheidend und signifikant durch den Trainer bzw. SSL steuerbar. Positive Entwicklung ist z.B. möglich, wenn der Spieler davon überzeugt ist, dass die ihm gestellten Aufgaben durch ihn selbst zu lösen sind (vgl. Abb. 9) und er sich insofern mit Mut und Zutrauen der Bewältigung einer Übung bzw. eines Problems annimmt. Stagnation ist bei der Persönlichkeitsentwicklung hingegen zu erwarten, wenn der Spieler ängstlich ist und eine Aufgabe scheut. Lobinger und Mickler konstatieren deshalb folgerichtig:

„Daher ist der Aufbau eines positiven Selbstkonzepts im Sinne der Persönlichkeitsförderung die Hauptaufgabe des Trainers. Der Spieler soll lernen, dass er Fähigkeiten hat, die ihm Sicherheit und Stärke geben. Aus diesem positiven Selbstkonzept resultiert die Selbstwirksamkeit (vgl. Kap. 2.2.2). In der festen Überzeugung, dass er aus einer gefährlichen Drucksituation heraus einen präzisen Pass spielen kann, ist er zu genau diesem Pass wirklich in der Lage. Aus dem positiven Selbstkonzept folgt dazu die Selbstverantwortlichkeit, sie liefert einen Lernantrieb. Weil ein Fehler nicht an der Eigenwahrnehmung eines selbstbewussten Spielers rüttelt, wird er als Lern- und Verbesserungsmöglichkeit aufgefasst“ (BDFL 2009, S. 8; Hervorhebungen von mir, A.S.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9. Wirkung von Fördermaßnahmen zur positiven Eigenwahrnehmung (BDFL 2009, S. 8)

Darüber hinaus bieten sich dem Trainer nebst der Förderung des Selbstkonzepts weitere Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentwicklung im Fußball (vgl. Abb. 8):

- Motivation: Insbesondere die Eigenmotivation, die Lust am Fußball, sollte maximiert werden – dies kann bereits durch das einfache Mittel des Lobes und Gewährung von kreativen Entscheidungsfreiräumen erreicht werden.
- Lernbereitschaft: Das Unterlaufen von Fehlern ist als Lernchance zu legitimieren.
- Volition: Die Willensformung („Volition ist die Dressur des inneren Schweinhundes“, ebd.) ist entscheidend für die Überwindung sich ergebender Widerstände und Grenzen (bei Ballverlust gilt es z.B. trotz großer Mühen und Anstrengungen ins schnelle Umkehrspiel umzuschalten und den Ball wieder zu erkämpfen).
- Umgang mit Stress: Spieler können es lernen, mit Stress (d.h. in Drucksituationen wie z.B. einem Elfmeterschießen) positiv umzugehen und erfolgreich zu agieren.
- Wahrnehmung und Antizipation: Spielsituationen müssen als Voraussetzung für die richtige Spielhandlung so gut und schnell wie möglich vorweggenommen werden.
- Kreativität: Ein guter Spieler benötigt ein variables Repertoire in seiner Spielhandlung – andernfalls stellt sich der Gegner auf standardisierte Abläufe ein.
- Teamfähigkeit: Ein Team benötigt kommunikative Strukturen und Hierarchien.
- Eigenes Label: Es geht nicht um Gleichmacherei – da jeder Spieler seine individuellen und besonderen Stärken hat, müssen diese herausgearbeitet und entsprechend differenziert gefördert werden. Wenn-gleich sich der Umgang mit den unterschiedlichen Charakteren mitunter schwierig gestaltet, so darf keine Erziehung angepasster Mitläufer intendiert werden.

Führungsspieler bzw. Persönlichkeiten zeichnen sich durch einen Komplex führungs- und leistungsbezogener Eigenschaften und Fähigkeiten aus. Gerisch und Daum weisen in ihrem Beitrag zum ITK 2009 daher darauf hin, dass sich aus dem erfahrungsgeleiteten Verständnis des Trainers der Begriff der „Spielerpersönlichkeit“ wie folgt definiert:

„Spielerpersönlichkeiten besitzen die Fähigkeit, erfolgreich mit Herausforderungen, belastenden Situationen, Rückschlägen, Misserfolgen, Notsituationen, Risikofaktoren und Erwartungshaltungen als Einzelner und als Mannschaftsspieler umzugehen“ (BDFL 2009, S. 10).

Darüber hinaus lässt sich ergänzend dazu der Begriff der „Persönlichkeit“ in psychologisch fundierterer Manier

„ [...] als der Inbegriff der einzigartigen Verhaltensweisen eines Menschen [auffassen], die sich in unterschiedlichem Grade als ‚individuell’ beschreiben lassen; eingeschlossen ist die Vorstellung, dass alle leib-seelischen Vorgänge, alle bewussten oder unbewussten Tätigkeiten, alle Prozesse oder Zustände dieses Menschen sich zu einer Einheit integrieren, dass sie sich auf ein Ich beziehen und – dies sei hinzugefügt – dass sie eine relativ konstante, aber eine dynamische Einheit bilden“ (Fisseni, 1998, zitiert nach BDFL 2009, S. 7).

3.2.2.2 Psychosoziale Ressourcen

Aufbau und Förderung des Selbstkonzepts (SK) sowie der Selbstwirksamkeit (SW) können dem Heranwachsenden zu größerem Selbstvertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit verhel-fen - insofern stellt dies eine zentrale pädagogische Aufgabe des SSL dar. Auch Dräger (2009) weist in ihrer Diplomarbeit darauf hin, dass die sportmotorische Leistungsfähigkeit nicht allein durch motorische bzw. koordinative Fähigkeiten bestimmt, sondern auch durch psychosoziale Faktoren signifikant beeinflusst wird. Wie der Heranwachsende keine „Tabula Rasa“ ist, so sind die psychosozialen Ressourcen (PR) bereits ebenso mehr oder weniger stark ausgeprägt. Zentraler Ausgangspunkt für die Förderung der PR ist die Fokussierung ausgewählter (d.h. max. 2-3) leistungsbestimmender Parameter, die für die jeweilige Spezifik der Sportart eigens von zentraler Tragweite sind: Die Auswahl nachfolgender Ressourcen gründet sich nicht zuletzt auf die Exponierung der außerordentlichen Bedeutsamkeit von SK und SW durch den BDFL beim ITK 2009. Ein Konzept zur systematischen Förderung der PR ist gemäß Sygusch (2007, S. 11) auch deshalb notwendig,

[...]


[1] DFB „Eliteschulen“, S. 63.

[2] Zur besseren Lesbarkeit werden Personenbezeichnungen in der männlichen Form verwendet; gemeint sind dabei in allen Fällen Frauen und Männer, sofern diese nicht explizit getrennt voneinander betrachtet werden.

[3] Erfolge u.a.: Bester Spieler und Torhüter der WM 2002, 3x Welttorhüter des Jahres, 4x Europas und 2x Deutschlands Fußballer des Jahres, Vizeweltmeister 2002, Europameister und UEFA-Pokal-Sieger 1996, Weltpokalsieger und Champions-League-Sieger 2001, 8x Deutscher Meister, 6x DFB-Pokalsieger, etc.

[4] Die TLZ titelt am 5.7.2010: „Müller auf den Spuren von Pele – Beste Karten bei der Wahl zum ‚besten jungen Spieler’ dieser WM“; der deutsche Shooting-Star hat damit die erstmalig 1966 geehrte brasilianische Fußball-Ikone Pele beerbt. Als Kriterien für die Wahl lagen dem Expertengremium nebst fußballerischer Qualitäten die Aspekte „junge und erfrischende Spielweise“, „Kreativität und Inspiration“, „taktische Reife und Effizienz“, „Beliebtheit bei den Fans“, „Vorbildfunktion für Nachwuchsspieler“ und „Fair Play“ zugrunde. Und nicht nur das – auch die gute Kinderstube präsentiert sich in Müllers Fall ganz offensichtlich. Vor den laufenden Kameras der Welt erbittet sich dieser sympathische und humorvolle junge Mann nach dem Achtelfinal-WM-Spiel gegen England die Möglichkeit, seine Großeltern zu grüßen. Müller ist zudem auch noch Torschützenkönig geworden.

[5] Dieser basiert auf einer adaptierten und dem vorliegenden didaktisch-methodischen Schwerpunkt angepassten Fragebogenkonzeption von Professor Dr. Ralf Sygusch und Dipl.-Sportwiss. Katrin Dräger.

[6] Dies inkludiert einerseits die regelmäßige, differenzierte Spieler-Analyse zur exakten Abstimmung der Trainingsinhalte (Stärken-/ Schwächentraining). Andererseits ist es von großer Wichtigkeit, überhaupt ein intensives persönliches Interesse an jedem Spieler nicht nur zu hegen, sondern auch zu zeigen und individuelle Fortschritte zu betonen (loben, motivieren)!

[7] Der Aspekt der „Freude“ erscheint m.E. ein sehr wesentlicher zu sein: Mit Freude trainieren bedeutet u.a. ein variantenreiches, spielorientiertes und dem aktuellen Können angepasstes Training anzubieten. Darüber hinaus bieten sich Übungsformen mit Torabschluss oder kleinen, motivierenden Einzel-/ Gruppenwettbewerben an. Durch ein vielseitiges, attraktives Angebot sollen u.a. Kreativität und Risikobereitschaft gefördert werden. Letztlich reiht sich die aktive Einbindung der Talente in die Trainingsgestaltung ebenso in die Palette positiver Wirkungsfaktoren ein – nicht zuletzt, um Übersättung und Überdruss vorzubeugen (vgl. DFB: „Eliteschulen“).

[8] Diese Angaben inkludieren Mannschaftstraining, Individualtraining, Schulsport- und Spezialsportunterricht.

[9] Aufgrund des kurzfristig absehbaren Ausscheidens von Schülerin H aus der Lerngruppe ist auf eine Charakterisierung aus Lerner- (i.e. eigene Wahrnehmung/ Selbsteinschätzung) und Lehrersicht verzichtet worden.

[10] Der DFB empfiehlt für den SSU an den Eliteschulen, dass sich die Größe der Trainingsgruppe im günstigsten Fall aus ca. 4 bis 8 Spielern rekrutiert.

[11] Schließlich wird für jeden SSS ein spezifisches Stärken-Schwächen-Profil konzipiert. Fehler sollen als Lernchance vermittelt werden und entsprechend praktisch in die Unterrichtsplanung nutzbringend mit einfließen; ferner wird die Förderung der Selbstständigkeit und Autonomie der Lernenden besonders fokussiert.

[12] „Bei allen Überlegungen zur Auswahl von Ressourcen, zur Festlegung von psychosozialen Kernzielen sowie ihrer methodischen Ausgestaltung bleiben die motorischen Zielsetzungen zentraler Kern von Sportunterricht und Vereinstraining“ (Sygusch 2007, S. 10).

Ende der Leseprobe aus 117 Seiten

Details

Titel
Persönlichkeitsentwicklung im Frauenfußball - Erprobung einer Unterrichtsreihe zur Optimierung ausgewählter psychosozialer Ressourcen in einer Spezialsportklasse
Hochschule
Staatliches Studienseminar für Lehrerausbildung Gera  (Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien, Außenstelle Jena)
Note
2
Autor
Jahr
2010
Seiten
117
Katalognummer
V174554
ISBN (eBook)
9783640958757
ISBN (Buch)
9783640958528
Dateigröße
7851 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
persönlichkeitsentwicklung, frauenfußball, erprobung, unterrichtsreihe, optimierung, ressourcen, spezialsportklasse
Arbeit zitieren
Annabelle Senff (Autor), 2010, Persönlichkeitsentwicklung im Frauenfußball - Erprobung einer Unterrichtsreihe zur Optimierung ausgewählter psychosozialer Ressourcen in einer Spezialsportklasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174554

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