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"Triumph über Sieger und Besiegten". Inszenierung kaiserlicher Machtpolitik, anlässlich Siegesfeierlichkeiten 534 in Konstantinopel

Title:

Seminar Paper , 2024 , 16 Pages

Autor:in: Anonym (Author)

World History - Early and Ancient History
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Wie und zu welchem Zweck wurde die pompa 534 inszeniert? Wer stand tatsächlich im Mittelpunkt der Feier? Was sollte die Feier zum Ausdruck bringen?
Durch die Beantwortung dieser Fragen soll die Motivation und Symbolik der Siegesfeierlichkeiten von 534 herausgearbeitet werden. Darüber hinaus soll diskutiert werden, inwiefern sich innerhalb des Triumphes über den Vandalenkönig erste Impulse eines „Restaurationsgedankens“ in der Politik Kaiser Justinians erkennen lassen. Abschließend soll untersucht werden, ob sich darin der Beginn einer weitreichenderen Wiederherstellungs- und Rückeroberungspolitik des Imperium Romanum erkennen lässt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung.

2. Historische Einordnung und Kontextualisierung.

2.1. Innenpolitische Lage

2.2. Die außenpolitische Lage

2.3. Der Vandalenfeldzug.

3.1. Analyse und Diskussion.

3.2. „Belisars Triumph“ bei Prokop.

3.2.Diskussion über den Triumph 534.

Zielsetzung und Themenschwerpunkte

Das primäre Ziel der Arbeit besteht darin, die Motivation, Inszenierung und Symbolik der Siegesfeierlichkeiten des Jahres 534 n. Chr. in Konstantinopel nach der Zerschlagung des nordafrikanischen Vandalenreiches herauszuarbeiten. Im Zentrum der Untersuchung steht die kritische Forschungsfrage, wer bei dieser Zeremonie tatsächlich im Mittelpunkt stand — der siegreiche Feldherr Belisar oder Kaiser Justinian — und inwiefern sich in diesem Ereignis die Anfänge eines kaiserlichen Restaurationsgedankens zur Wiederherstellung des Imperium Romanum manifestierten.

  • Kritische Analyse des antiken Berichts von Prokop über den sogenannten „letzten römischen Triumph“.
  • Machtpolitische Selbstinszenierung Kaiser Justinians nach der Überwindung des Nika-Aufstandes.
  • Das Verhältnis zwischen spätantikem Kaisertum und erfolgreichen militärischen Heerführern.
  • Transformation klassischer republikanischer Triumphrituale in spätantike, christlich überformte Herrschaftsrituale.
  • Die Entstehung der imperialen Restaurations- und Rückeroberungsideologie Justinians.

Auszug aus dem Buch

3.2. „Belisars Triumph“ bei Prokop.

Was sagt Prokop in diesem Text? Belisar, der von Prokop sehr positiv hervorgehoben wird, sei mit den gefangenen Vandalen in Konstantinopel eingetroffen und habe dort als erster Nicht-Kaiser seit 600 Jahren einen Triumph feiern dürfen. Der Triumph eines Feldherrn und nicht eines Kaisers stellte natürlich eine enorme Besonderheit dar. Demnach führte er die Beute und Gefangene, Gelimer selbst sowie die stattlichsten und schönsten Vandalen, in einem Festzug durch die Stadt. Allerdings macht Prokop bald darauf eine vielsagende Einschränkung: Dies geschah eben nicht nach „altem Brauch“. Belisar trat den Triumphzug von seinem Haus aus zu Fuß an. Weder erhielt er einen feierlichen Adventus noch einen Triumphwagen. Das Ziel der Prozession war das Hippodrom, wo der Kaiser und die Volksmassen warteten. Gelimer wiederholte daraufhin immer nur die berühmten Worte aus dem Buch Kohelet. Vor dem Kaiser wurde Gelimer gezwungen sich niederzuwerfen. Auch Belisar, welcher als Schutzflehender vor den Kaiser gekommen war, vollzog die Proskynese mit dem besiegten Gelimer vor dem Kaiser.

Dem aufmerksamen Leser muss diese Darstellung Prokops merkwürdig erscheinen. Auf der einen Seite wird angeblich einem Feldherrn ein Triumph nach republikanischer Sitte zugestanden, während auf der anderen Seite eben jener Feldherr auf dem Höhepunkt dieser Zeremonie, zusammen mit den besiegten Barbarenkönig vor den Kaiser in den Staub fällt. Für jeden tatsächlich republikanisch gesinnten Betrachter, musste so ein Vorgang im Grunde eine Ungeheuerlichkeit darstellen. Das Prokop ausgerechnet Belisar, welcher sich gemeinsam mit dem besiegten Gelimer den Kaiser unterwirft, als den Triumphator dieses Schauspiels bezeichnet ist sonderbar. War nicht viel eher Justinian der eigentliche Triumphator in diesem Schauspiel? Die Interpretation des Vorgangs scheint für den Betrachter auf der Hand zu liegen:

Belisar demonstrierte mit seinem Fußfall eindeutig seine Unterordnung unter den Kaiser. Indem Justinian sowohl den besiegten Gelimer als auch den siegreichen Belisar vor ihm die Proskynese vollziehen ließ, vor den Augen der Augen der im Circus versammelten Hauptstadtbevölkerung, sendete er eine eindeutige Botschaft, nämlich dass der Sieg alleine dem Kaiser gehörte. Auch wird Gelimers Purpurmantel erst abgenommen, als dieser vor dem Kaiser erscheint, damit ein weiterer eindeutiger Hinweis darauf, dass Justinian als der eigentliche Bezwinger Gelimers bei dieser Zeremonie erscheinen wollte. Prokops augenscheinliches Narrativ bekommt sogar noch stärkere Risse, wenn man bedenkt, dass nicht Belisar es war, welcher den lorus also das spätantike Triumphalgewand trug, sondern Justinian. Diese Information, welche Prokop bezeichnenderweise verschweigt, findet man allerdings bei dessen Zeitgenossen Johannes dem Lyder.

Zusammenfassung der Kapitel

1.Einleitung.: Führt in die Problemstellung der Deutungshoheit historischer Sieger ein, stellt den Kontext des Vandalenfeldzuges 533/534 n. Chr. vor und formuliert die Leitfragen nach der Funktion und Symbolik der Siegesfeier in Konstantinopel.

2. Historische Einordnung und Kontextualisierung.: Beleuchtet die innenpolitischen Erschütterungen Justinians wie den Nika-Aufstand, die außenpolitische Bedrohungslage durch das Sassanidenreich sowie den militärischen Verlauf des Afrika-Feldzuges gegen König Gelimer.

3.1. Analyse und Diskussion.: Analysiert Prokops Darstellung der pompa, dekonstruiert den Mythos eines eigenständigen Feldherrntriumphs Belisars und interpretiert die Zeremonie als kaiserliche Demonstration absoluter Macht und Beginn einer imperialen Restaurationspolitik.

Schlüsselwörter

Justinian, Belisar, Gelimer, Vandalenfeldzug, Spätantike, Konstantinopel, Triumph, Prokop, Hippodrom, Proskynese, Lorus, Nika-Aufstand, Restaurationspolitik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Siegesfeierlichkeiten des Jahres 534 n. Chr. in Konstantinopel anlässlich der Zerschlagung des Vandalenreiches und analysiert die kaiserliche Inszenierung von Macht und Herrschaftsanspruch.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Zu den Kernbereichen zählen die spätantike Herrschaftsrepräsentation, die Militärgeschichte des Vandalenkrieges, das Spannungsverhältnis zwischen Kaiser und Heerführung sowie die kritische Interpretation der Geschichtsschreibung Prokops von Caesarea.

Was ist das primäre Ziel beziehungsweise die Forschungsfrage?

Die Untersuchung geht der Frage nach, zu welchem Zweck die Feierlichkeiten inszeniert wurden, wer tatsächlich im Zentrum des Triumphes stand und inwiefern das Ereignis den Keim einer umfassenden kaiserlichen Restaurationspolitik bildete.

Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?

Es wird eine historisch-kritische Quellenanalyse primärer Schriftquellen (vor allem Prokop und Johannes Lydos) im Abgleich mit moderner althistorischer Fachliteratur angewendet.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung erarbeitet?

Der Hauptteil analysiert die Diskrepanz zwischen Prokops Schilderung eines Triumphes für den Feldherrn Belisar und den tatsächlichen Abläufen im Hippodrom, bei denen Belisar vor Justinian niederkniete und der Kaiser die Siegesinsignien trug.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Publikation?

Zentrale Begriffe sind Justinian, Belisar, Gelimer, Triumph, Vandalenkrieg, Proskynese, Hippodrom, Lorus und Restauration.

Warum ist die Schilderung des Triumphes durch Prokop quellenkritisch problematisch?

Prokop stellt die Feier als ersten Feldherrntriumph seit 600 Jahren dar, verschweigt jedoch wesentliche kaiserliche Zeremonialelemente wie das Tragen des Triumphalgewandes durch Justinian und vermischt persönliche Bewunderung für Belisar mit subtiler Kaiserkritik.

Welche symbolische Bedeutung hatte der gemeinsame Fußfall von Belisar und Gelimer?

Durch die gemeinsame Proskynese des siegreichen Generals und des unterlegenen Königs demonstrierte Justinian vor der Bevölkerung Konstantinopels unmissverständlich, dass jeder militärische Erfolg allein dem Kaiser und Gottes Gnade zustand und Belisar lediglich ein ausführender Untertan war.

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Details

Title
"Triumph über Sieger und Besiegten". Inszenierung kaiserlicher Machtpolitik, anlässlich Siegesfeierlichkeiten 534 in Konstantinopel
College
University of Tubingen
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2024
Pages
16
Catalog Number
V1745549
ISBN (eBook)
9783389200995
ISBN (Book)
9783389201008
Language
German
Tags
triumph sieger besiegten inszenierung machtpolitik siegesfeierlichkeiten konstantinopel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2024, "Triumph über Sieger und Besiegten". Inszenierung kaiserlicher Machtpolitik, anlässlich Siegesfeierlichkeiten 534 in Konstantinopel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1745549
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