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"Wir wollen deutsch bleiben und nicht preußisch werden". Wahlkämpfe zu den Zollparlamentswahlen 1868 und den Reichstagswahlen 1871 in Rottenburg

Ein Vergleich

Titel:

Seminararbeit , 2026 , 10 Seiten

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Geschichte Deutschlands
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Titel des Seminars lautet „Wie aus Württembergern Deutsche wurden“. Dies ist strenggenommen nicht ganz richtig, denn die Württemberger waren bereits vor der Reichsgründung Deutsche und fühlten sich auch so. Der Frage welcher im Rahmen des Seminars nachgegangen wurde und zu der diese Arbeit auch einen Beitrag leisten soll ist: Wie veränderte sich die Konzeption des Deutschseins im Zuge der Zäsur der Reichsgründung bei den Württembergern. Die Württemberger, welche bereits vor der Reichsgründung deutsch waren, mussten nun neue Antworten darauf finden, was es für sie bedeutete Deutsch zu sein. Aus den Württembergern wurden somit keine neue Deutschen, sondern sie nahmen eine andere Art des Deutschseins an. Die Schwaben mussten das Verhältnis von lokaler Identität und nationaler Identität im großen Ganzen des neu formierten deutschen Nationalstaates neu ausloten. Es stellt sich also des Weiteren die Frage in welchem Maße die Württemberger nach der Reichsgründung württembergisch blieben. Die nationale Frage war durch den deutsch-französischen Krieg beantwortet worden: Die kleindeutsche Lösung unter der Hegemonie Preußens hatte sich endgültig durchgesetzt. Die militärischen Erfolge resultierten in Siegesbegeisterung und in der Zustimmung zur kleindeutschen Nationalstaatslösung.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kontextualisierung: Demokraten und Liberale vor den Zollparlamentswahlen 1868

3. Antipreußische Stimmung im Neckar Boten

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der politischen Stimmung und des nationalen Selbstverständnisses in Württemberg im Übergang zur Reichsgründung von 1871. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie sich das Verhältnis zwischen lokaler und nationaler Identität sowie die Haltung gegenüber Preußen im Spiegel der regionalen Wahlkämpfe veränderten. Als methodischer Zugang dient ein mikrohistorischer Vergleich der Zollparlamentswahlen von 1868 mit den ersten Reichstagswahlen von 1871 anhand der Berichterstattung des Rottenburger Lokal- und Amtsblatts „Neckar-Bote“.

  • Der politische Stimmungsumschwung in Württemberg zwischen 1868 und 1871
  • Die Polarisierung des bürgerlichen Lagers in Volkspartei (Demokraten) und Deutsche Partei (Liberale)
  • Das Spannungsfeld zwischen Freiheit, staatlicher Einheit und Föderalismus
  • Die Funktion und Ausrichtung des Rottenburger Amtsblatts „Neckar-Bote“ im regionalen Diskurs
  • Der Wahlsieg der preußenkritischen Kräfte 1868 im Kontrast zum Triumph der Nationalliberalen 1871

Auszug aus dem Buch

Kontextualisierung: Demokraten und Liberale vor den Zollparlamentswahlen 1868

Bevor die Quellen im Neckarboten zu den beiden Wahlen bearbeitet werden können muss für die Besonderheiten der politischen Landschaft Württembergs ein historischer Kontext gegeben werden, da der demokratische Kandidat der Volkspartei eine zentrale Rolle einnimmt.

In Württemberg teilte sich das oppositionelle Bürgertum nicht in national- und linksliberale, sondern in Liberale und Demokraten. Diese nationalpolitische Trennung des bürgerlichen Lagers war eine württembergische Besonderheit. Die erste Spaltung hatte sich bereits in der Revolution 1848/49 ereignet, als sich das württembergische Bürgertum in eine liberale Bewegung und eine demokratische Bewegung gespalten hatte. Damals entbrannte der Streit um die Staatsform. Die württembergischen Liberale stand für eine konstitutionelle Monarchie, während die Demokraten offen waren für eine republikanische Staatsform. Die Demokraten gaben sich zwar auch mit einer konstitutionellen Monarchie zufrieden, doch hätten ihre Forderungen den Monarchen so stark eingeschränkt, dass das konstitutionelle Prinzip hinfällig geworden wäre. Zudem stritt man sich um die Integration der unteren Schichten in die bürgerliche Gesellschafft, wobei die Liberalen auf einen Monarchen und ein gestuftes Wahlrecht als Bollwerke gegen eine befürchtete soziale Revolution beharrten. Angesichts der Hungerkrawalle 1847/48 sah man diese nämlich in Teilen des liberalen Bürgertums bereits gekommen und hegte den Revolutionsverdacht gegen die Demokraten. Die Liberalen zeigten sich daher eher bereit zum Appeasement der Eliten, welche mit dem Voranschreiten der Reaktion und der Aufhebung der Grundrechte 1852 als gescheitert angesehen werden kann. Im Zuge der Reaktionsjahre kam es dann zu einer erneuten Einheit von Demokraten und Liberalen, welche gemeinsam gegen die Reaktion kämpften.

Ende der 1850er hatte sich die bürgerliche Opposition in der sogenannten Fortschrittspartei zusammengefunden, auf die sowohl die deutsche Partei als auch die Volkspartei zurückgeht. Doch die Gegensätze ließen sich auf Dauer nicht überbrücken und letztlich schieden sich die Geister anhand der nationalpolitischen Frage. Die Demokraten erwiesen sich als Gegner einer kleindeutschen Nationalstaatsgründung unter preußischer Führung, während die Liberale dies befürworteten. Die Demokraten gründeten 1864 die Volkspartei, während die Liberalen 1866 die deutsche Partei gründeten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Führt in die Fragestellung ein, wie sich die Identität der Württemberger im Vorfeld und im Zuge der Reichsgründung entwickelte, skizziert den Umschwung von der anfänglichen Preußenfeindschaft hin zur nationalen Begeisterung nach dem Deutsch-Französischen Krieg und stellt die Quellengrundlage vor.

2. Kontextualisierung: Demokraten und Liberale vor den Zollparlamentswahlen 1868: Rekonstruiert die historische Spaltung des württembergischen Bürgertums in Liberale und Demokraten seit der Revolution 1848/49 und analysiert deren gegensätzliche Prioritätensetzung bezüglich nationaler Einheit und freiheitlicher Selbstbestimmung.

3. Antipreußische Stimmung im Neckar Boten: Untersucht das lokale Rottenburger Amtsblatt „Neckar-Bote“ als Medium und Quelle, wobei dessen Zielgruppe, behördliche Einbindung und die deutliche föderalistische sowie antipreußische Haltung vor den Wahlen von 1868 beleuchtet werden.

Schlüsselwörter

Württemberg, Reichsgründung 1871, Zollparlamentswahlen 1868, Reichstagswahlen 1871, Rottenburg, Neckar-Bote, Volkspartei, Deutsche Partei, Föderalismus, Kleindeutsche Lösung, Antipreußismus, Nationalliberalismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem tiefgreifenden Wandel der politischen Haltung in Württemberg zwischen 1868 und 1871 im Rahmen der deutschen Einigung unter preußischer Führung.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den thematischen Schwerpunkten gehören die Parteispaltung im württembergischen Bürgertum, das Verhältnis von regionaler zu nationaler Identität, der Diskurs um Freiheit versus Einheit sowie die Rolle der Lokalpresse bei der Vermittlung politischer Stimmungen.

Was ist das primäre Ziel beziehungsweise die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Untersuchung soll klären, wie sich die Konzeption des Deutschseins und die Akzeptanz einer kleindeutschen Reichseinigung in der württembergischen Bevölkerung im Vergleich der Wahlkämpfe von 1868 und 1871 veränderten.

Welche wissenschaftliche Methode und Quellengrundlage wird verwendet?

Es wird eine historisch-kritische Quellenanalyse angewendet, die sich auf die Auswertung des „Neckar-Boten“ – eines lokalen Amts- und Anzeigenblatts aus Rottenburg – stützt, eingebettet in die geschichtswissenschaftliche Sekundärliteratur zur Reichsgründungszeit.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung dargelegt?

Im Hauptteil werden die historischen Differenzen zwischen Liberalen und Demokraten seit 1848 aufgearbeitet, das lokale Medium „Neckar-Bote“ charakterisiert sowie die konkreten Argumentationen und Kandidatenprofile in den beiden Wahlkämpfen gegenübergestellt.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Studie?

Zentrale Begriffe sind Zollparlament, Reichstagswahl, Rottenburg, Neckar-Bote, Volkspartei, Deutsche Partei, Föderalismus, Einheitsfrage und Kleindeutsche Lösung.

Wie unterschieden sich Volkspartei und Deutsche Partei im Grundsatzkonflikt zwischen Einheit und Freiheit?

Während die demokratische Volkspartei dem Erhalt der Freiheit und föderalen Eigenständigkeit den Vorrang vor einer preußisch dominierten Einheit einräumte („Einheit durch Freiheit“), sahen die Liberalen der Deutschen Partei in der nationalen Einheit unter Führung Preußens die Grundvoraussetzung zur Verwirklichung politischer Freiheit („Freiheit durch Einheit“).

Welche Rolle spielte der Kandidat Dr. Ammermüller im Vergleich der beiden Wahlen?

Dr. Ammermüller fungiert als exemplarisches Beispiel für den Stimmungswandel: Zog der demokratische Politiker bei den Zollparlamentswahlen 1868 noch problemlos und ohne nennenswerte Gegenwehr ins Parlament ein, unterlag er 1871 bei der ersten Reichstagswahl einem adligen, nationalliberal-konservativen Gegenkandidaten.

Welche spezifischen Merkmale wies der „Neckar-Bote“ als Untersuchungsquelle auf?

Der „Neckar-Bote“ war das offizielle Amtsblatt für den Oberamtsbezirk Rottenburg und diente vorrangig der Publikation amtlicher Bekanntmachungen und regionaler Anzeigen, spiegelte in seiner Berichterstattung jedoch zugleich die starke föderalistische und preußenkritische Grundstimmung des altwürttembergischen Bürgertums wider.

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Details

Titel
"Wir wollen deutsch bleiben und nicht preußisch werden". Wahlkämpfe zu den Zollparlamentswahlen 1868 und den Reichstagswahlen 1871 in Rottenburg
Untertitel
Ein Vergleich
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2026
Seiten
10
Katalognummer
V1745550
ISBN (PDF)
9783389200988
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wahlkämpfe zollparlamentswahlen reichstagswahlen rottenburg vergleich
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2026, "Wir wollen deutsch bleiben und nicht preußisch werden". Wahlkämpfe zu den Zollparlamentswahlen 1868 und den Reichstagswahlen 1871 in Rottenburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1745550
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  10  Seiten
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