Die in der Öffentlichkeit und Politik geführte Diskussion um Sterbehilfe und damit um die Zulässigkeit humanitär motivierter Lebensverkürzung ist hochaktuell und wird zum Teil kontrovers geführt.
Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied in seinem Urteil vom 25.06.2010, dass der Abbruch lebenserhaltender Behandlungen auf der Grundlage des Patientenwillens nicht strafbar ist und schafft eine Neubewertungsgrundlage in der Rechtsprechung. Er greift somit der seit Jahren geführten Debatte um Sterbehilfe, Sterbebegleitung und den im Deutschen Bundestag zu verhandelnden Gesetzentwürfen voraus.
Die ethischen Probleme der Diskussion um Zulässigkeit oder Unzulässigkeit humanitär motivierter Lebensverkürzung sind vielseitig. Wie die Diskussionen zeigen, ist die Legitimation der Tötung mit dem Glauben und den Werten vieler Menschen nicht vereinbar.
Eine Diskussion zur Sterbehilfe, Sterbebegleitung und Patientenverfügung kann nur unter medizinischen, ethischen und rechtlichen Gesichtspunkten erfolgen.
Ausgehend vom gesellschaftlichen Wandel von Sterben und Tod und der jungen Disziplin der ganzheitlichen Palliativmedizin wird eine neue gesamtgesellschaftliche Sterbekultur gefordert.
Die Arbeit spiegelt eine Recherche der rechtlichen, medizinischen und ethischen Situation über die Zulässigkeit oder Unzulässigkeit humanitär motivierter Lebensverkürzung verbunden mit den Begriffen Sterbehilfe und Sterbebegleitung in Deutschland wieder.
In dieser Recherche sind sowohl Online Recherchen als auch Bibliotheksrecherchen eingeflossen. Es fanden Fachzeitschriften, Bücher, Gesetzestexte, Stellungnahmen und Studien Berücksichtigung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 BGH Urteil 2 StR 454/09
3 Begriffsbestimmungen zur Willensbekundung
3.1 Selbstbestimmung
3.2 Einwilligung
3.3 Patientenverfügung
4 Formen der Sterbehilfe und Sterbebegleitung
4.1 Passive Sterbehilfe
4.2 Aktive Sterbehilfe
4.3 Assistierter Suizid
4.4 Palliativmedizin
4.5 Hospizarbeit
5 Diskussion unter moralisch rechtlichen Aspekten
5.1 Argumente für die Sterbehilfe im Sinne der Zulässigkeit humanitär motivierter Lebensverkürzung
5.2 Argumente gegen die Sterbehilfe im Sinne der Unzulässigkeit humanitär motivierter Lebensverkürzung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die rechtliche, medizinische und ethische Situation bezüglich der Zulässigkeit humanitär motivierter Lebensverkürzung in Deutschland vor dem Hintergrund des BGH-Urteils vom 25.06.2010. Ziel ist es, die Auswirkungen dieser Rechtsprechung auf die Praxis der Sterbehilfe und Sterbebegleitung zu analysieren und ethisch zu bewerten.
- Rechtliche Neubewertung durch das BGH-Urteil 2 StR 454/09
- Bedeutung der Patientenautonomie und Willensbekundung
- Differenzierung der Sterbehilfeformen (passiv, aktiv, assistiert)
- Rolle von Palliativmedizin und Hospizarbeit im Sterbeprozess
- Ethische Debatte über Menschenwürde und Behandlungsabbruch
Auszug aus dem Buch
2 BGH Urteil 2010 – 2StR 454/09
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in seinem Urteil vom 25.06.2010 – 2 StR 454/09 - die bisherige Rechtsprechung zum Thema der Sterbehilfe geändert (BGH 2010 – 2StR 454/09). Erstmals wird der Begriff des Behandlungsabbruches anstelle der aktiven und passiven Sterbehilfe verwendet. Der Abbruch einer ärztlichen Behandlung oder Maßnahme im Zustand schwerster Krankheit ist nicht ausgeschlossen, wenn der Patient mit dem Abbruch einverstanden ist. Eine ärztliche Behandlung gegen den Willen des Patienten darf weder eingeleitet noch fortgesetzt werden (BGH 2010 – 2StR 454/09).
Wichtig ist die Orientierung an den verfassungsrechtlichen Grundwerten, denen alle Entscheidungen am Lebensende verpflichtend sind. Dies bedeutet, dass kein medizinischer Eingriff ohne Patienteneinwilligung erfolgen darf, auch wenn die Unterlassung oder der Behandlungsabbruch zum Tode führen (Höfling 2010).
Durch das Patientenverfügungsgesetz von 2009 wird sichergestellt, dass entsprechende Festlegungen einer validen Patientenverfügung i.S.v. § 1901a BGB im Vorhinein für Konstellationen späterer Entscheidungsunfähigkeit getroffen werden können (Höfling 2010).
Die Wiederaufnahme einer künstlichen Ernährung ist ein rechtswidriger Angriff gegen die körperliche Integrität (BGH 2010 – 2StR 454/09). Nach geltender Rechtsauffassung wird keinem das Recht gewährt, sich über das Selbstbestimmungsrecht des Patienten hinwegzusetzen und eigenmächtig in deren verfassungsrechtlich verbürgtes Recht auf körperliche Unversehrtheit einzugreifen (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung erläutert die methodische Herangehensweise der Literaturrecherche und gibt einen Überblick über die Struktur der Arbeit bezüglich der ethisch-rechtlichen Diskussion.
2 BGH Urteil 2 StR 454/09: Dieses Kapitel analysiert das richtungsweisende BGH-Urteil von 2010, welches den Begriff des Behandlungsabbruchs einführt und die Bedeutung des Patientenwillens rechtlich stärkt.
3 Begriffsbestimmungen zur Willensbekundung: Hier werden zentrale Konzepte wie Selbstbestimmung, Einwilligung und Patientenverfügung definiert, die die ethische Grundlage für Entscheidungen am Lebensende bilden.
4 Formen der Sterbehilfe und Sterbebegleitung: Das Kapitel differenziert verschiedene Arten der Sterbehilfe, darunter aktive und passive Sterbehilfe, den assistierten Suizid sowie die unterstützenden Bereiche Palliativmedizin und Hospizarbeit.
5 Diskussion unter moralisch rechtlichen Aspekten: Hier werden konträre Argumente zur Zulässigkeit humanitär motivierter Lebensverkürzung gegenübergestellt, wobei ethische Positionen von Befürwortern und Gegnern beleuchtet werden.
6 Fazit: Der Autor resümiert die ethische Entscheidungsfindung und kritisiert die Umsetzung des Patientenverfügungsgesetzes im Kontext des BGH-Urteils, wobei er eine stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit fordert.
Schlüsselwörter
Sterbehilfe, Behandlungsabbruch, Patientenverfügung, Selbstbestimmung, Palliativmedizin, Hospizarbeit, Lebensverkürzung, Menschenwürde, BGH-Urteil, Patientenautonomie, Ethik, Strafrecht, Sterbebegleitung, Fremdtötung, Fürsorgepflicht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen und rechtlichen Bewertung der Sterbehilfe und Sterbebegleitung in Deutschland, insbesondere unter dem Eindruck der geänderten Rechtsprechung durch den Bundesgerichtshof im Jahr 2010.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Patientenautonomie, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Behandlungsabbrüche sowie die Abgrenzung verschiedener Formen der Sterbehilfe.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Auswirkungen der neuen Rechtsprechung auf die Zulässigkeit humanitär motivierter Lebensverkürzung zu analysieren und die Bedeutung von Patientenwillen und Würde in diesem Prozess kritisch zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Recherche von Fachliteratur, Gesetzestexten und Gerichtsurteilen, die in Form einer Hausarbeit ethisch und juristisch aufbereitet wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die rechtlichen Grundlagen (BGH-Urteil), definiert die notwendigen Begriffe (Willensbekundung) und klassifiziert die verschiedenen Formen der Sterbehilfe im Abgleich mit palliativmedizinischen und hospizlichen Ansätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sterbehilfe, Behandlungsabbruch, Patientenautonomie, Patientenverfügung und Würde.
Wie bewertet der Autor das BGH-Urteil von 2010?
Der Autor empfindet das Urteil als ethisch enttäuschend, da er der Auffassung ist, dass die Chance verpasst wurde, das Patientenverfügungsgesetz nachzujustieren und eine klare Unterscheidung zwischen ausdrücklichem und mutmaßlichem Patientenwillen zu etablieren.
Warum ist die Unterscheidung zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe laut dem Autor problematisch?
Er argumentiert, dass diese Kategorisierung oft zu einem "Meinungsgewirr" bei Ärzten und Betroffenen führt und die moderne Rechtsprechung deshalb treffender den übergeordneten Begriff des "Behandlungsabbruchs" verwendet.
- Arbeit zitieren
- Heiko Schumann (Autor:in), 2010, Sterbehilfe / Sterbebegleitung - "Behandlungsabbruch" in Deutschland: Die Auswirkungen der neuen Rechtsprechung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174575