Ziel dieses Trainingsexperimentes war es, die Effekte eines saisonbegleitenden reaktiven Sprungkrafttrainings mit und ohne Überkopfziel bei jugendlichen Fußballspielern zu untersuchen. 12 jugendliche Fußballspieler im Alter von 14 ± 0,5 Jahre einer Körpergröße von 1,68m ± 0,08 m und einem Gewicht von 53,2 ± 7,9 kg absolvierten ein reaktives Sprungkrafttraining mit Überkopfziel (n=6) und ohne Überkopfziel (n=6). Beide Gruppen absolvierten 4 Wochen lang jeweils einmal pro Woche ein Trainingsprogramm, bestehend aus 3×6 Drop Jumps aus einer Fallhöhe von 40 cm. Die Gruppe mit Überkopfziel (DJ+ÜKZ) bekam die Aufgabe nach jedem Drop Jump einen über dem Kopf hängenden Ball mit einer Hand zu berühren. Die Gruppe ohne Überkopfziel (DJ) führte „freie“ Drop Jumps ohne Zusatzaufgabe durch. Zur Überprüfung etwaiger Effekte wurde der die Sprungleistung charakterisierende Parameter maximale vertikale Sprunghöhe (SH) sowie die Bodenkontaktzeit (BKZ) herangezogen. Im Vergleich der beiden Trainingsgruppen DJ und DJ+ÜKZ konnten für die Gruppe DJ+ÜKZ signifikante Verbesserungen sowohl für die maximale Sprunghöhe (p=0,025) als auch für die Bodenkontaktzeit (p=0,012) ermittelt werden. Die Gruppe DJ zeigte keine signifikanten Verbesserungen der beiden Parameter. Die Ergebnisse dieser Untersuchung beweisen, dass die Verwendung eines Überkopfziels als extrinsischer Motivator im Rahmen eines reaktiven Sprungkrafttrainings größere Trainingseffekte im Sinne einer Steigerung der Sprungleistung hat, als ein „freies“ Sprungkrafttraining ohne Überkopfziel.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methodik
2.1. Probanden
2.2. Untersuchungsdesign
2.3. Trainingsprogramm
2.4. Untersuchung des Sprungkraftverhaltens
2.5. Statistik
3. Ergebnisse
3.1. Bodenkontaktzeit
3.2. Sprunghöhe
4. Diskussion
5. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Auswirkungen eines saisonbegleitenden reaktiven Sprungkrafttrainings mit einem zusätzlichen Überkopfziel bei jugendlichen Fußballspielern zu untersuchen. Dabei wird der Forschungsfrage nachgegangen, ob ein solches extrinsisches Ziel zu einer Steigerung der Sprungleistung im Vergleich zu einem Training ohne Zusatzaufgabe führt.
- Effekte von reaktivem Sprungkrafttraining auf jugendliche Sportler
- Einsatz von Überkopfzielen als extrinsischer Motivator
- Analyse der maximalen vertikalen Sprunghöhe (SH)
- Messung der Bodenkontaktzeit (BKZ) bei Drop Jumps
- Ökonomie der Zeit in der Trainingswissenschaft
Auszug aus dem Buch
Einleitung
Sportliche Leistungen setzen ein hohes Niveau der motorischen Kraftfähigkeit voraus. In der Sportpraxis gibt es jedoch nicht die Kraft schlechthin. Sie verhält sich den sportartspezifischen Anforderungen unterschiedlich, so dass zwischen den Kraftfähigkeiten Maximalkraft, Schnellkraft, Reaktivkraft und Kraftausdauer differenzierte wird (MARTIN / CARL / LEHNERTZ 1993). In den Sportarten, deren Bewegungsabläufe durch die Erzeugung hoher Kräfte in kurzer Zeit charakterisiert sind, hat die Schnellkraft eine große Bedeutung. Schnellkraftleistungen können in vielfältigen Bewegungsformen realisiert werden. In der Sportpraxis werden solche Leistungen üblicherweise durch eine nachgebende (exzentrische), eine (überwindende) oder eine statische (isometrische) Arbeitsweise der Muskulatur erreicht.
Diese klassische Einteilung der Muskelaktionen lässt die natürlicherweise vorkommenden Bewegungsabläufe kaum beschreiben. Diese folgen nach KOMI (1994) nur höchst selten dem Muster von rein isometrischen, konzentrischen oder exzentrischen Aktionen. Bei den meisten in der Sportpraxis vorkommenden Bewegungsabläufen (Laufen, Springen, Werfen) arbeitet der Muskel zunächst exzentrisch, gefolgt von einer konzentrischen Aktion. Die Kombination einer exzentrischen mit einer nachfolgenden konzentrischen Aktion wird als Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus (DVZ) bezeichnet (KOMI 1994). Da der DVZ bei fast allen sportlichen Bewegungen relevant ist sollen im Folgenden einige grundlegende Aspekte dieser Muskelaktionsform betrachtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Grundlagen der motorischen Kraftfähigkeiten ein und erläutert die Bedeutung des Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus für sportliche Schnellkraftleistungen.
2. Methodik: Hier werden das Untersuchungsdesign, das Trainingsprogramm, die Durchführung der Sprungtests sowie die statistischen Auswertungsverfahren detailliert beschrieben.
3. Ergebnisse: In diesem Kapitel werden die messtechnisch ermittelten Daten zur Bodenkontaktzeit und zur maximalen Sprunghöhe zwischen den Trainingsgruppen verglichen und statistisch ausgewertet.
4. Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert und im Kontext sportwissenschaftlicher Erkenntnisse sowie unter motivationspsychologischen Gesichtspunkten erörtert.
5. Ausblick: Das Kapitel reflektiert die Studienresultate und diskutiert notwendige weitere Untersuchungen zur Anwendbarkeit spezifischer Motivationsbedingungen im Training.
Schlüsselwörter
Reaktives Sprungkrafttraining, Überkopfziel, Fußballspieler, Bodenkontaktzeit, Sprunghöhe, Drop Jump, Schnellkraft, Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus, Motivation, Trainingsökonomie, Leistungssport, Sportwissenschaft, Biomechanik, motorische Leistungsfähigkeit, Trainingseffekte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss eines zusätzlichen Überkopfziels auf die Wirksamkeit eines reaktiven Sprungkrafttrainings bei jungen Fußballspielern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind sportliches Training, Reaktivkraft, Motivationspsychologie und die Ökonomie der Trainingszeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Es soll nachgewiesen werden, ob die Verwendung eines extrinsischen Motivators (Überkopfziel) bei Sprungübungen zu einer besseren Steigerung der Sprungleistung führt als freies Training.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein kontrolliertes Trainingsexperiment mit zwei Gruppen über vier Wochen durchgeführt, wobei Parameter mittels Kraftmessplattform erhoben und statistisch mittels Varianzanalyse geprüft wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der methodischen Anlage der Studie, der Beschreibung des Trainingsprogramms und der Präsentation der Messergebnisse sowie deren Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Reaktives Sprungkrafttraining, Überkopfziel, Bodenkontaktzeit, Sprunghöhe und Trainingsökonomie.
Warum wurde eine Kontrollgruppe ohne Überkopfziel gewählt?
Um isoliert den Effekt des extrinsischen Motivators "Überkopfziel" von dem generellen Effekt des Sprungkrafttrainings abzugrenzen.
Welche sportliche Bedeutung haben die Ergebnisse für das Fußballtraining?
Die Ergebnisse legen nahe, dass motivierende Zusatzaufgaben in der Trainingsgestaltung die Effizienz des Sprungkrafttrainings signifikant steigern können.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur "Ökonomie der Trainingswissenschaft"?
Der Autor argumentiert, dass durch den Einsatz des Überkopfziels bei gleichem Zeitaufwand eine höhere Leistungssteigerung erzielt wurde, was die Kosten-Nutzen-Relation verbessert.
Welche Einschränkung der Aussagekraft wird genannt?
Die Ergebnisse basieren spezifisch auf U14-Fußballspielern und lassen sich daher nicht ohne weiteres auf andere Sportarten oder Altersgruppen übertragen.
- Arbeit zitieren
- Diplom-Sportwissenschaftler Michael Urbansky (Autor:in), 2009, Trainingseffekte eines reaktiven Sprungkrafttrainings mit Überkopfziel auf Bodenkontaktzeit und maximale Sprunghöhe bei jugendlichen Fußballspielern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174597