Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise stehen Manager und ihre Entscheidungen
zunehmend in der gesellschaftlichen Kritik. Die Rede ist von der rücksichtslosen
Verfolgung kurzfristiger Unternehmensgewinne, fehlender fachlicher Kompetenz, zu hohen Gehältern
und zu wenig gesamtgesellschaftlicher Verantwortung.
Werden diese, angeblich seit den 90er Jahren veränderten Entscheidungsmuster und Handlungsrationalitäten
durch einen Wandlungsprozess im deutschen Management verursacht? Und inwieweit
steht dies mit den Ausbildungs- und Karrieremustern der Manager in Zusammenhang?
Verändern sich die für die 70er und 80er Jahre typischen Laufbahnen durch gesellschaftliche und
ökonomische Einflussfaktoren seit Beginn der 90er Jahre, oder bleiben sie im Zeitverlauf stabil?
Wie nun ein (Top)Manager zu dem wird, was er ist, soll in der vorliegenden Arbeit beantwortet
werden. Erörtert werden dazu die typischen Eigenschaften einer deutschen Führungskraft, die
mit ihrer Karriere in Verbindung stehen. Die Frage, warum diese besonders interessant sind, lässt
sich schnell beantworten: Sie sind es, die die Reproduktion eines bestimmten Typus Managers
prägen, der mit seinen beruflichen Haltungen und Orientierungen Entscheidungen mit Konsequenzen
für Wirtschaft, Gesellschaft und Unternehmen trifft. Herauszufinden gilt es in diesem
Zusammenhang außerdem, ob sich jene Charakteristika im Laufe der Zeit veränderten und damit
bspw. auch die Fehlentscheidungen der Manager beeinflussten, die die aktuelle Wirtschaftskrise
bedingten. Wenn dies tatsächlich der Fall sein sollte, ist der gewandelte Typ Manager nun wirklich
der „Bessere“? Oder zeigen die aktuellen Entwicklungen, dass die klassische deutsche Führungskraft
diejenige mit den überlegenen Entscheidungsrationalitäten ist? Die Rolle der Karrierehintergründe
scheint folglich eine wichtige zu sein. Aus diesem Grund behandelt die vorliegende
Arbeit den in der Literatur vielfach diskutierten Wandel der Karriereverläufe deutscher
Führungskräfte aus einer managementsoziologischen Perspektive. Sie sollen sich insbesondere
seit den 90er Jahren verändert haben. Unter Berücksichtigung verschiedener Erklärungsansätze
soll am Ende über Stabilität oder Wandel diskutiert und entschieden werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. METHODISCHES VORGEHEN
3. MANAGERKARRIEREN VOR DEM HINTERGRUND DER DEUTSCHEN WIRTSCHAFTSORDNUNG
3.1. DAS DEUTSCHE WIRTSCHAFTSMODELL IN DEN 70ER UND 80ER JAHREN
3.1.1. Die „Deutschland AG“: Personal- und Kapitalverflechtungen
3.1.2. Das deutsche System der Unternehmenskontrolle
4. DIE TRADITIONELLEN KARRIEREMUSTER DEUTSCHER FÜHRUNGSKRÄFTE
4.1. DER AUSBILDUNGSWEG
4.1.1. Die Hochschulausbildung
4.1.2. Betriebliche Ausbildungen: Stellenwert und inhaltliche Schwerpunkte
4.1.3. Die Besonderheiten des Ausbildungssystems vor dem Hintergrund der deutschen Wirtschaftsordnung
4.2. DER KARRIEREWEG IM UNTERNEHMEN
4.2.1. Die Kaminkarriere
4.2.2. Die Hauskarriere
4.2.3. Vorherrschende Fachbereiche
4.3. ERGEBNISSE
5. VERÄNDERUNGEN DER WIRTSCHAFTSORDNUNG
5.1. DIE DEBATTE ÜBER DIE AUFLÖSUNG DER „DEUTSCHLAND AG“
5.1.1. Entflechtungen
5.1.2. Shareholder-Value-Orientierung
6. DIE GEWANDELTEN KARRIEREMUSTER DEUTSCHER FÜHRUNGSKRÄFTE SEIT DEN 90ER JAHREN
6.1. VERÄNDERTE AUSBILDUNGSHINTERGRÜNDE
6.1.1. Die Hochschulausbildung: Von der Technik zur Betriebswirtschaft?
6.1.2. Betriebliche Ausbildungen: Bedeutungsverlust und „Sieg der Kaufmänner?“
6.2. VERÄNDERTE LAUFBAHNEN IM UNTERNEHMEN
6.2.1. Die Kaminkarriere: Vom Spezialisten zum General-Manager?
6.2.2. Die Hauskarriere: Verlust oder Beständigkeit?
6.2.3. Fachbereiche: Vom Produktions- zum Finanzmanager?
6.2.4. Internationalisierung des Managements?
6.3. ERGEBNISSE
7. DISKUSSION UND AUSBLICK
7.1. EINFLÜSSE DER WIRTSCHAFTSKRISE
7.2. GESAMTABWÄGUNG: WANDEL ODER STABILITÄT DER KARRIEREMUSTER?
7.3. ANREGUNGEN UND NEUE FORSCHUNGSANSÄTZE
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, aus einer managementsoziologischen Perspektive zu klären, ob und in welchem Ausmaß sich die Karriereverläufe deutscher Führungskräfte seit den 90er Jahren verändert haben. Dabei wird untersucht, inwieweit diese Veränderungen in Zusammenhang mit dem Wandel des deutschen Wirtschaftsmodells und der zunehmenden Annäherung an angloamerikanische Prinzipien stehen.
- Traditionelle Karrieremuster ("Deutschland AG")
- Wandel der deutschen Wirtschaftsordnung
- Ausbildungshintergründe und Spezialisierung von Managern
- Karrieremodelle (Kamin- und Hauskarriere)
- Einfluss von Globalisierung und Finanzmarktorientierung
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise stehen Manager und ihre Entscheidungen zunehmend in der gesellschaftlichen Kritik. Die Rede ist von der rücksichtslosen Verfolgung kurzfristiger Unternehmensgewinne, fehlender fachlicher Kompetenz, zu hohen Gehältern und zu wenig gesamtgesellschaftlicher Verantwortung.
Werden diese, angeblich seit den 90er Jahren veränderten Entscheidungsmuster und Handlungsrationalitäten durch einen Wandlungsprozess im deutschen Management verursacht? Und inwieweit steht dies mit den Ausbildungs- und Karrieremustern der Manager in Zusammenhang? Verändern sich die für die 70er und 80er Jahre typischen Laufbahnen durch gesellschaftliche und ökonomische Einflussfaktoren seit Beginn der 90er Jahre, oder bleiben sie im Zeitverlauf stabil?
Wie nun ein (Top)Manager zu dem wird, was er ist, soll in der vorliegenden Arbeit beantwortet werden. Erörtert werden dazu die typischen Eigenschaften einer deutschen Führungskraft, die mit ihrer Karriere in Verbindung stehen. Die Frage, warum diese besonders interessant sind, lässt sich schnell beantworten: Sie sind es, die die Reproduktion eines bestimmten Typus Managers prägen, der mit seinen beruflichen Haltungen und Orientierungen Entscheidungen mit Konsequenzen für Wirtschaft, Gesellschaft und Unternehmen trifft. Herauszufinden gilt es in diesem Zusammenhang außerdem, ob sich jene Charakteristika im Laufe der Zeit veränderten und damit bspw. auch die Fehlentscheidungen der Manager beeinflussten, die die aktuelle Wirtschaftskrise bedingten. Wenn dies tatsächlich der Fall sein sollte, ist der gewandelte Typ Manager nun wirklich der „Bessere“? Oder zeigen die aktuellen Entwicklungen, dass die klassische deutsche Führungskraft diejenige mit den überlegenen Entscheidungsrationalitäten ist? Die Rolle der Karrierehintergründe scheint folglich eine wichtige zu sein. Aus diesem Grund behandelt die vorliegende Arbeit den in der Literatur vielfach diskutierten Wandel der Karriereverläufe deutscher Führungskräfte aus einer managementsoziologischen Perspektive. Sie sollen sich insbesondere seit den 90er Jahren verändert haben. Unter Berücksichtigung verschiedener Erklärungsansätze soll am Ende über Stabilität oder Wandel diskutiert und entschieden werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Arbeit thematisiert den managementsoziologisch diskutierten Wandel der Karriereverläufe deutscher Führungskräfte seit den 90er Jahren vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Umbrüche.
2. METHODISCHES VORGEHEN: Es werden empirische Studien und Arbeiten mittels Sekundäranalyse ausgewertet, wobei der Fokus auf männlichen Führungskräften im industriellen Sektor liegt.
3. MANAGERKARRIEREN VOR DEM HINTERGRUND DER DEUTSCHEN WIRTSCHAFTSORDNUNG: Das Kapitel beschreibt das deutsche Wirtschaftsmodell der 70er und 80er Jahre als koordinierten Kapitalismus ("Deutschland AG") mit engen Verflechtungen.
4. DIE TRADITIONELLEN KARRIEREMUSTER DEUTSCHER FÜHRUNGSKRÄFTE: Es werden die Merkmale des klassischen deutschen Managements, wie Techniklastigkeit, Kaminkarriere und Hauskarriere, als Ergebnis institutioneller Rahmenbedingungen erläutert.
5. VERÄNDERUNGEN DER WIRTSCHAFTSORDNUNG: Das Kapitel analysiert die Debatte um die Auflösung der "Deutschland AG" durch Liberalisierung, Entflechtung und Shareholder-Value-Orientierung seit den 90er Jahren.
6. DIE GEWANDELTEN KARRIEREMUSTER DEUTSCHER FÜHRUNGSKRÄFTE SEIT DEN 90ER JAHREN: Hier wird untersucht, ob sich die Karrierepfade parallel zu den wirtschaftlichen Veränderungen gewandelt haben, insbesondere bezüglich Ausbildung und Laufbahnmodellen.
7. DISKUSSION UND AUSBLICK: Es erfolgt eine Gesamtabwägung zwischen Wandel und Stabilität der Karrieremuster unter Berücksichtigung der jüngsten Wirtschaftskrise sowie Anregungen für künftige Forschung.
Schlüsselwörter
Managerkarrieren, Deutschland AG, Karrieremuster, Kaminkarriere, Hauskarriere, Wirtschaftsordnung, Führungskräfte, Unternehmensführung, Spezialisierung, Managementsoziologie, Wandel, Stabilität, Shareholder-Value, Ausbildung, Industriesektor.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert managementsoziologisch, wie sich die Karriereverläufe deutscher Führungskräfte seit den 90er Jahren verändert haben und inwieweit dies auf den Wandel des deutschen Wirtschaftsmodells zurückzuführen ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das deutsche Wirtschaftsmodell (Deutschland AG), traditionelle und gewandelte Karrieremuster (Haus- und Kaminkarriere), Ausbildungshintergründe, das Management-Leitbild sowie die Frage nach Kontinuität oder Bruch seit den 90er Jahren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu beurteilen, ob sich der "klassische" Typ des deutschen Managers (hochspezialisierter Techniker, Hauskarriere) in den 90er Jahren in Richtung eines "angloamerikanischen" Modells (Generalist, höhere Mobilität) entwickelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Sekundäranalyse bestehender empirischer Studien und wissenschaftlicher Arbeiten, um die Karriereverläufe und deren Einbettung in die Wirtschaftsordnung zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die traditionellen deutschen Karrieremuster der 70er und 80er Jahre hergeleitet. Darauf folgen Analysen zur Veränderung der deutschen Wirtschaftsordnung und schließlich die Untersuchung der "gewandelten" Karrieremuster seit den 90er Jahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Managerkarrieren, Deutschland AG, Karrieremuster, Kaminkarriere, Hauskarriere, Managementsoziologie, Wandel, Stabilität sowie Shareholder-Value-Orientierung.
Welche Bedeutung hat die "Hauskarriere" für deutsche Führungskräfte?
Sie gilt als eigentümliches Merkmal, bei dem Führungskräfte lange Zeit oder ihr gesamtes Berufsleben bei demselben Arbeitgeber verbringen und unternehmensintern aufsteigen; die Arbeit zeigt, dass dieses Merkmal erstaunlich beständig geblieben ist.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der "Techniklastigkeit" in der Ausbildung?
Die Arbeit relativiert das Bild, dass deutsches Management rein technisch geprägt ist, zeigt jedoch, dass technische Ausbildungshintergründe insbesondere im industriellen Sektor bis in die Gegenwart eine hohe Relevanz und Beständigkeit aufweisen.
- Citar trabajo
- Franziska Herhold (Autor), 2010, Der Wandel der Karrieremuster von Managern seit den 90er Jahren in Deutschland: Befunde, Erklärungen, Kontroversen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174621