Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Tonebene von Filmen, welche eine aktive Rolle dabei übernimmt, wie ein Bild vom Zuschauer wahrgenommen und interpretiert wird. Der Ton besitzt die Fähigkeit die Aufmerksamkeit auf Details im Bild zu lenken, aber auch als Ton aus dem Off auf nicht sichtbares hinzuweisen. Der Ton ist in der Lage Stimmungen zu erzeugen und Erwartungen zu fokussieren – durch seine Bearbeitung werden viele Möglichkeiten der Bedeutungskonstruktion im Film geschaffen.
Im ersten Teil der Arbeit werde ich zunächst auf die Möglichkeiten des Auftretens von Tönen im Film eingehen, bevor ich dann speziell die Funktionen von Filmmusik vorstelle. Danach erläutere ich für meine Arbeit relevante existierende filmmusikdramaturgische Grundkonzepte, um dann auf Formen und Techniken der Filmmusik einzugehen. Ton gilt als einer der Schlüsselreize zur Auslösung von Emotionen, weshalb ich abschließend darauf eingehen werde, welche Emotionen durch Filmmusik erzeugt werden können. Ihr Wirken ist auf psychischer und physischer Ebene anzusiedeln.
Im zweiten Teil der Arbeit werde ich auf Alfred Hitchcock und sein großes Werk in der Filmgeschichte eingehen, denn die Inszenierung des Tons war Teil seines visuellen Denkens. Doch die Wirkung des Tons seiner Filme kann nur verstanden werden, wenn man erläutert, welches Verständnis Hitchcock von Spannung hatte. Nicht zu unrecht wird er auch als der ‚Master of Suspense’ betitelt. Dabei werde ich schon auf Beispiele aus seinen Werken eingehen, um schließlich eine Analyse der Musik des Films Vertigo – Aus dem Reich der Toten vorzunehmen, da in diesem Film Hitchcocks Filmmusik erstmals einen breiten Raum einnimmt.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Funktionen von Sound und Musik im Film
1.1 Sound im Film
1.2 Musik im Film
1.2.1 Diegetische und non-diegetische Filmmusik
1.2.2 Metafunktionen der Film- und Fernsehmusik
1.2.3 Funktionen im engeren Sinne
1.2.4 Filmmusikdramaturgische Grundkonzepte
1.2.5 Formen und Techniken der Filmmusik
1.2.6 Emotionalität durch Filmmusik
2 Alfred Hitchcock
2.1 Hitchcocks Verständnis von Spannung
2.2 Hitchcocks Einsatz von Dialog, Musik und Geräuschen
3 Analyse der Tonebene von Hitchcocks Vertigo – Aus dem Reich der Toten
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die zentrale Rolle der Tonebene im Film, insbesondere wie Filmmusik und Soundgestaltung zur Erzeugung von Emotionen sowie zur Lenkung der Zuschauerwahrnehmung beitragen. Dabei wird der Fokus auf das Werk von Alfred Hitchcock gelegt, wobei der Film „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ einer detaillierten auditiven Analyse unterzogen wird, um die spezifische Anwendung dieser Mittel aufzuzeigen.
- Grundlagen der auditiven Ebene im Film (Sound vs. Musik)
- Diegetische und non-diegetische Funktionen der Filmmusik
- Filmmusikdramaturgische Grundkonzepte und -techniken
- Die rezeptionspsychologische Wirkung von Filmmusik
- Spannungsaufbau (Suspense) bei Alfred Hitchcock
- Auditive Analyse des Hitchcock-Films Vertigo – Aus dem Reich der Toten
Auszug aus dem Buch
3 Analyse der Tonebene von Hitchcocks Vertigo – Aus dem Reich der Toten
Der aufgrund seiner Höhenangst frühzeitig pensionierte Polizist Scottie wird von seinem alten Freund Gavin Elster beauftragt dessen Frau zu überwachen, welche vom Geist ihrer Urgroßmutter Carlotta beeinflusst sei und daher suizidgefährdet scheint. Dabei verlieben sich Scottie und Madeleine ineinander. Dennoch kann Scottie – aufgrund seiner Höhenangst – nicht verhindern, dass sich Madeleine bei einem Ausflug zu einer alten spanischen Mission vom Glockenturm stürzt. Einige Zeit später lernt Scottie Judy kennen, die der verstorbenen Madeleine täuschend ähnelt. Scottie beginnt Judy in Aussehen und Charakter seiner geliebten Madeleine anzugleichen. Als Judy eine Halskette anlegt, die einst Madeleine gehörte, erkennt er, dass es sich um ein- und dieselbe Person handelt. Elster brachte seinerzeit seine Frau selbst um und benutzte Scottie für sein elegantes Täuschungsmanöver.
In Vertigo stehen Suspense und Surprise in engem Zusammenhang, da sowohl das Publikum als auch Scottie bis zur Offenbarung der Tatsache, dass Scotties Bekanntschaft Judy bis zum vorgetäuschten Selbstmord Elsters Frau spielte, ahnungslos sind, was Judys/Madeleines wahre Identität betrifft – denn beide sind sich nicht nur ähnlich, sondern ein und dieselbe Frau. Musik nimmt in diesem Hitchcock-Film erstmals einen breiten Raum ein.
Das Hauptmotiv des Films wird bereits im Vorspann eingeführt, wenn sich aus den Augen Kim Novaks, der Schauspielerin der Madeleine/Judy, elliptische Figuren und Spiralen entwickeln. Laut Bauck bewegt es sich als Arpeggio zwischen Melodie und Akkord. (Bauck, S. 157) Die Einleitung besteht aus zwei übermäßigen Dreiklängen, die auf- und abwärts gespielt werden. Beide Akkorde schweben räumlich unaufgelöst und ohne Bassstütze, was ein Gefühl von Beziehungslosigkeit, ähnlich einem Schwindelgefühl, auslöst. Die musikalische Übernahme der Spiralform durch Arbeit ohne tonale Abkadenzierung, ohne tonale Ausrichtung und mit unaufgelösten Dreiklängen steht für die Endlosigkeit romantischer Sehnsucht des Films.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Rolle der Tonebene bei der emotionalen Beeinflussung der Zuschauerwahrnehmung zu analysieren.
1 Funktionen von Sound und Musik im Film: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen theoretischen Ansätze zu Sound, Filmmusik, deren Dramaturgie und die psychologischen Wirkungsmechanismen auf den Rezipienten.
2 Alfred Hitchcock: Hier wird der Regisseur hinsichtlich seines Verständnisses von Suspense und seines spezifischen Einsatzes von auditiven Elementen wie Dialogen und Musik untersucht.
3 Analyse der Tonebene von Hitchcocks Vertigo – Aus dem Reich der Toten: Dieses Kapitel wendet die zuvor erarbeiteten theoretischen Konzepte auf eine detaillierte Analyse der Filmmusik und Klanggestaltung im konkreten Filmbeispiel an.
4 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die wesentlichen Erkenntnisse über die Manipulation des Zuschauers durch auditive Mittel und schließt mit einem Ausblick auf weitere Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Filmmusik, Suspense, Alfred Hitchcock, Vertigo, Sounddesign, Diegetische Musik, Filmmusikdramaturgie, Leitmotivtechnik, Mood-Technique, Rezeptionspsychologie, Emotionen, Auditorische Wahrnehmung, Filmmusikdramaturgie, Filmton, Filmtheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Bedeutung der Tonebene in Filmen, insbesondere der Art und Weise, wie Musik und Sound eingesetzt werden, um die Wahrnehmung des Zuschauers zu lenken und Emotionen zu steuern.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die theoretischen Funktionen von Sound und Musik, die musikdramaturgischen Konzepte im Film sowie die spezielle Anwendung dieser Mittel durch Alfred Hitchcock.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Wirkungsweise von Filmmusik theoretisch aufzuarbeiten und diese Erkenntnisse anhand einer Analyse der Tonebene des Hitchcock-Klassikers „Vertigo“ zu demonstrieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse zu den Funktionen und Techniken der Filmmusik sowie eine auditive Filmanalyse des Hitchcock-Werks.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von einer differenzierten Betrachtung der Sound- und Musikfunktionen (Metafunktionen und Funktionen im engeren Sinne) über Hitchcocks Inszenierungsstrategien bis hin zur praktischen Anwendung dieser Konzepte im Film.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Filmmusik, Suspense, Alfred Hitchcock, Vertigo, diegetische/non-diegetische Musik, Filmmusikdramaturgie und Rezeptionspsychologie.
Inwiefern spielt der Begriff „Suspense“ für Hitchcock eine Rolle?
Suspense ist laut Hitchcock ein „Modus der Präsentation“, bei dem das Publikum über Geheimnisse informiert wird, die den Protagonisten vorenthalten bleiben, was zu einer aktiven emotionalen Teilnahme führt.
Warum ist gerade der Film „Vertigo“ für diese Analyse gewählt worden?
Der Film ist deshalb zentral, weil die Filmmusik in diesem Werk erstmals einen besonders breiten und strukturierenden Raum einnimmt und eng mit der psychologischen Verfassung des Protagonisten verknüpft ist.
Was sagt die Arbeit über das „Madeleine-Motiv“ aus?
Das Motiv wird als eine Intonation des Liebesthemas beschrieben, das die psychische Sehnsucht des Protagonisten Scottie verdeutlicht und durch eine spezifische musikalische Gestaltung das Schicksal der Figuren musikalisch vorwegnimmt.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen diegetischer und non-diegetischer Musik?
Diegetische Musik ist Teil der Filmhandlung und für die Protagonisten hörbar (z.B. ein Radio im Bild), während non-diegetische Musik als „Fremdton“ nur für den Zuschauer zur Unterstützung der Stimmung oder Erzählung existiert.
- Citar trabajo
- Lucy Czech (Autor), 2008, Funktionen und Formen der Filmmusik unter Beachtung der Erzeugung von Emotionen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174627