Aggressives Verhalten und Delinquenz


Hausarbeit, 2001
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursachen
2.1. Familiärer und erzieherischer Einfluss

3. Entwicklung aggressiven Verhaltens

4. Verringerung der Risikofaktoren

5. Delinquenz

6. Risikofaktoren und Schutzfaktoren

7. Delinquenz und Lebensalter
7.1. Jugenddelinquenz
7.2. Risiken der Jugenddelinquenz
7.3. Präventive und korrektive Maßnahmen

8. Meinung und Kritik

9. Gewalt unter Jugendlichen – Ein aktuelles Problem!

10. Literaturverzeichnis

Referat: Aggressives Verhalten und Delinquenz

Referentinnen: Constanze Kleinert, Katharina Niehoff

Datum: 5. Mai 2001

Aggressives Verhalten und Delinquenz

1. Einleitung

Aggression beschreibt ein Verhalten, das darauf gerichtet ist, eine andere Person direkt oder indirekt zu schädigen.

Peterman und Peterman (1995) unterscheiden zwischen fünf verschiedenen Ausdrucksformen von Aggression:

- offen - gezeigte versus verdeckt - hinterhältige Aggression
- körperliche versus verbale Aggression
- aktiv ausgeübte versus passiv erfahrene Aggression (Täter – Opfer)
- direkte versus indirekte Aggression (direkt = Schädigung einer Person, indirekt = Schädigung einer Person, indem man deren Besitz zerstört oder stiehlt)
- nach außen gewandte versus nach innen gewandte Aggression (nach innen gewandt = Autoaggression)

Da es viele verschiedene Arten der Aggression gibt, ist es für die richtige Bewertung dieser notwendig das Ziel zu erkennen, auf welches die jeweilige Aggression gerichtet ist. Eine wichtige Unterscheidung muss zwischen Hyperaktivität und egoistisch – motivierter Aggression getroffen werden.

Während Hyperaktivität ein störendes Verhalten beschreibt, das nicht beabsichtigt erfolgt (z.B. einem Grundschulkind fällt es schwer sein Sozialverhalten zu kontrollieren) stellt die egoistisch – motivierte Aggression ein Verhalten dar, das der bloßen Selbstbehauptung dient und zielgerichtet schädigend ist.

Diese Form der Aggression ist stark von Alter und Geschlecht abhängig. In Studien zur kindlichen Aggression wurde festgestellt, dass die egoistisch – motivierte Aggression bei Jungen und Mädchen im Verhältnis 5:1 auftritt (Warschburger & Petermann, 1994). Ein weiterer Unterschied, der im Vergleich der Geschlechter auffiel, ist die Art und Weise wie Aggressionen ausgeführt werden. Während Jungen bis zum 15. Lebensjahr überwiegend durch körperliche Aggressionen auffallen (Schlagen, Treten) wenden Mädchen hingegen eher manipulative Techniken über dritte Personen an, um anderen Schaden zuzufügen. Hier wird also der Unterschied zwischen offen - gezeigter (Jungen) und versteckt – hinterhältiger Aggression (Mädchen) deutlich.

Darüber hinaus können Aggressionen auch dazu dienen, übertriebene Ängste zu steuern und diese durch expressive Wutausbrüche zu bewältigen. Kinder, die diese Technik anwenden, nehmen Bedrohung häufig übersensibel wahr und versuchen, durch einen „Wutausbruch“ das Bedrohungserleben und die damit verbundene Angst zu regulieren.

Diese Kinder neigen in zweideutigen sozialen Situationen dazu, anderen eine negative Absicht zu unterstellen. Es handelt sich hierbei um ein Defizit der sozialen Informationsverarbeitung, was wiederum verzerrte Selbst- und Fremdwahrnehmung bei den Kindern bewirkt.

Die Auftretenshäufigkeit aggressiven Verhaltens nimmt bei Kindern bis zur Pubertät ständig zu. Aggression stellt ein äußerst stabiles Verhalten dar, das nur schwer beeinflussbar ist. Aufgrund dieser Verhaltensstörung nehmen immer mehr Familien psychologische und psychotherapeutische Hilfe in Anspruch. Weisen Kinder schon im frühen Entwicklungsverlauf Verhaltensprobleme auf, so ist es sehr wahrscheinlich, dass sich diese im Schulalter bereits zu Verhaltensstörungen manifestiert haben.

2. Ursachen

Studien bestätigen seit jeher Aggression als ein Verhalten, das erlernt bzw. durch den familiären und sozialen Kontext bedingt und aufrechterhalten wird. Aggression wird sogar als das stabilste Sozialverhalten des Menschen beschrieben, was vermuten lässt, dass es sogar genetischen Einflüssen unterworfen ist. Es ist jedoch noch nicht sicher, ob die Disposition „aggressives Verhalten“ vererbt oder erworben wird. Hyperaktives Verhalten als eine Vorstufe von Aggression ist für Kinder wahrscheinlicher, die:

- in einer niedrigeren Gesellschaftsschicht aufwachsen
- eine junge Mutter haben
- männlichen Geschlechts sind
- eine Minute nach der Geburt in ihrer Vitalität als geringer beurteilt wurden
- bei der Geburt einer langen Austreibungsphase ausgesetzt waren.

2.1. Familiärer und erzieherischer Einfluss

Eine weitere Ursache der kindlichen Aggression kann unangemessenes nörglerisches Erziehungsverhalten der Eltern sein, welches sich oftmals durch sehr harte Strafen auszeichnet

(Rolf Loeber, 1990).

Eltern aggressiver Kinder sind oftmals nur gering über den Alltag ihres Kindes informiert, beaufsichtigen ihre Kinder nicht ausreichend und zeigen nur wenig Interesse an den Aktivitäten ihrer Kinder. Diese Eltern zeigen häufig selbst antisoziales und delinquentes Verhalten (besonders die Väter). Aggressive Kinder lernen von ihren Eltern nur wenig alternative Problemlösungen kennen und haben daher in Konfliktsituationen kein angemessenes Verhaltensrepertoire zur Verfügung. Sie erfahren zu Hause keine klaren Regeln und können daher kein Disziplinierungsverhalten entfalten. Außerdem gehen aggressive Kinder seltener auf andere zu, sie kommunizieren weniger, hören weniger zu und gehen nicht auf Fragen anderer ein. Daraus folgt, dass diese Kinder von Gleichaltrigen abgelehnt werden und somit keine stabilen Freundschaften entwickeln können.

Nicht selten weisen diese Eltern auch Unstimmigkeiten in ihrer Ehe auf. Bei jüngeren Kindern ist aggressives und hyperaktives Verhalten miteinander gekoppelt, welches wiederum mit schlechten Schulleistungen korreliert. Aufgrund dieser mangelhaften Schulleistungen zeigen sie später in der Adoleszenz eine verstärkt pessimistische Haltung gegenüber der Zukunft. Belohnung durch die Eltern und deren Ermutigung sowie der tägliche Austausch ist besonders für eine positive Entwicklung männlicher Jugendlicher von großer Bedeutung.

3. Entwicklung aggressiven Verhaltens

Schon vor der Geburt werden die Weichen für eine ungünstige Entwicklung des Kindes gestellt (ungünstige Familienverhältnisse, usw.). Bereits zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat weist das Kind ein schwieriges Temperament auf. Es lässt sich durch das Verhalten der Mutter nicht beeinflussen, verweigert das Essen, schreit exzessiv und weist Schlafprobleme auf. Im zweiten und dritten Lebensjahr wird hyperaktives Verhalten aufgrund motorischer Auffälligkeiten ersichtlich. Schnell tritt das erste aggressive Verhalten (Trotzverhalten) auf. Mit zunehmendem Alter des Kindes tritt anstelle dieser offenen Aggression vermehrt verdeckte Aggression in Erscheinung. Diese verdeckte Aggression wird auch als Delinquenz bezeichnet. Betrug, Diebstahl und Drogenmissbrauch sind Indikatoren für diese. Der Entwicklungsprozess vollzieht sich in mehreren Stufen, beginnend bei Hyperaktivität und endend bei Delinquenz. Aggressive Kinder müssen nicht zwingend sukzessive diese „Entwicklungsleiter“ beschreiten. Ein Ein- bzw. Aussteigen sowie ein Stillstand ist auf jeder einzelnen „Sprosse“ möglich. Deshalb ist ein „Quereinstieg“ zu einem späteren Zeitpunkt auch nicht auszuschließen, obwohl aggressives Verhalten in der mittleren Kindheit ein Risikofaktor für das Auftreten von Delinquenz in der Jugendzeit darstellt. Längsschnittstudien belegen, dass die Hälfte der Kinder, die im Alter von acht Jahren durch Aggressionen auffielen, dieses Verhalten auch mit

18 Jahren häufig in Form von Delinquenz erkennen lassen.

Erfolgt kein Ausstieg aus dieser „Entwicklungsleiter“ auf einer beliebigen Stufe, werden die auftretenden Probleme schwerwiegender und somit auch schwieriger zu behandeln. Das Problemverhalten und somit auch die Verhaltensstörung weitet sich auf immer mehr Bereiche der sozialen Interaktion aus, wobei man hier von Diversifikation des Problemverhaltens spricht. Daraus folgt, dass mit dem Alter auch die Verhaltensstörungen zunehmen.

Beispiel: Ein Kind zeigt im Kindergarten motorische Auffälligkeiten.

- Hyperaktivität

Es weist geringe soziale Fertigkeiten auf und wendet körperliche Gewalt an.

- Aggression

Im Jugendalter treten Diebstähle und Drogenmissbrauch auf.

- Delinquenz

4. Verringerung von Risikofaktoren

Heute gibt es komplexe Interventionspakete sowohl für die betreffenden Kinder und Jugendlichen als auch für die jeweiligen Familien. Diese Pakete enthalten pädagogische und psychotherapeutische Elemente, die das Verhalten eines Kindes nachhaltig verändern sollen. Sie sind sehr vielfältig gestaltet und setzen individuell an personellen, kontextuellen und biographischen Punkten an. Antisoziales Verhalten kann nicht durch eine einzige Variable aufgelöst werden.

Interventionen sollten möglichst früh angesetzt werden, denn je ausgeprägter das Verhalten , desto stabiler und irreversibler ist es. Idealerweise sollten die Interventionen bereits im fünften Lebensjahr eingesetzt werden.

Eine frühe entwicklungsorientierte Förderung bewahrt also ein auffälliges (hyperaktives) Kind vor einer Verhaltensverfestigung.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Aggressives Verhalten und Delinquenz
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg  (Wirtschaftspsychologie)
Veranstaltung
Entwicklungs– und Pädagogische Psychologie
Note
1,3
Autoren
Jahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V17463
ISBN (eBook)
9783638220385
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aggressives, Verhalten, Delinquenz, Entwicklungs–, Pädagogische, Psychologie
Arbeit zitieren
Katharina Niehoff (Autor)Constanze Kleinert (Autor), 2001, Aggressives Verhalten und Delinquenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17463

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