Mit der Loslösung von Frankreich wandelte sich die Front de libération nationale (FLN) von der Widerstandsbewegung zur politischen Partei. Obwohl es die ursprünglich gegen die Besatzungsmacht gerichtete Bewegung nicht schaffte die verschiedenen Gruppierungen innerhalb der Partei zu einen, konnte sich die FLN trotz interner Rivalitäten schadlos halten und ihre Macht weiter zementieren. Auch von aussen kommende Machtansprüche anderer Bewegungen und Parteien wurden während des knapp 50-jährigen Bestehens des algerischen Staats von der FLN erfolgreich abgewehrt. Es ist deshalb wenig erstaunlich, dass mit Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika heute immer noch ein FLN-Mann der ersten Stunde an der Macht ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Etablierung und Niedergang der FLN
2.1 Soziale Strukturen der FLN während des Algerienkriegs
2.2 Etablierung der FLN als Staatspartei nach der Unabhängigkeit Algeriens
2.3 „Sozialistische“ Wirtschaftspolitik der FLN
2.4 Chadlis Präsidentschaft und das Ende des Einparteienstaates
3. Umbruch der politischen Landschaft in Algerien
3.1 Parteienpluralismus und islamistische Opposition
3.2 Vereitelung des demokratischen Prozesses und Konflikteskalation
3.3 Mit der Demokratie kehrt die FLN zurück
4. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Transformation der algerischen Front de libération nationale (FLN) von einer Guerilla-Widerstandsorganisation hin zu einer politischen Staatspartei und analysiert die Faktoren, die in den 1990er Jahren zum Zerfall des etablierten Machtgefüges führten.
- Historische Entwicklung der FLN während des Algerienkriegs
- Legitimationsverlust durch klientelische Machtstrukturen und Einparteienherrschaft
- Auswirkungen der wirtschaftlichen Instabilität und des Rentenstaatsmodells
- Politischer Umbruch der 1990er Jahre und der Aufstieg des Islamismus
- Die Rolle des Militärs im Demokratisierungsprozess und bei Konflikteskalationen
Auszug aus dem Buch
2.1 Soziale Strukturen der FLN während des Algerienkriegs
Im Vorfeld des Algerienkriegs versammelten sich revolutionäre Moslems im Comité révolutionnaire d’unité et d’action (CRUA), welches 1954 zur Gründung der FLN als Nachfolgeorganisation führte. Die jungen Widerständischen des CRUA glaubten, dass eine erfolgreiche Opposition gegen die Franzosen nur dann möglich sei, wenn sich alle Bewohner Algeriens, ungeachtet ihrer sozialen Hintergrunds, ihrer Religion oder Ideologie in einer breiten Front vereinigen würden. Auch wenn hier offenbar nicht nur Moslems angesprochen wurden, sich für die Unabhängigkeit Algeriens einzusetzen, so beurteilt Lewis die aus dem CRUA hervorgegangene FLN dennoch hauptsächlich als “Muslim effort to wipe the state clean”. Er sieht den Ursprung der FLN in einer kafkaesken “world of plots and clandestineness” und die Organisation selber – trotz des Wunsches nach Einheit – geprägt durch extreme Faktionalisierung innerhalb der Führung. Auch die Unterstützung der FLN war zu Beginn des Algerienkriegs noch gering und der bewaffnete Arm der FLN, die Armée de libération nationale (ALN), zählte anfangs 1955 lediglich 350 Kombattante.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext des Algerienkriegs und die Entstehung der FLN als Befreiungsbewegung, während die Forschungsfrage nach den Ursachen ihres späteren politischen Niedergangs formuliert wird.
2. Etablierung und Niedergang der FLN: Dieses Kapitel analysiert die interne Struktur der FLN, ihren Aufstieg zur Staatspartei nach 1962, die Versuche einer sozialistischen Wirtschaftspolitik und die delegitimierende Wirkung der Präsidentschaft von Chadli Benjedid.
3. Umbruch der politischen Landschaft in Algerien: Der Fokus liegt auf der Demokratisierung ab 1989, dem Aufstieg der FIS als islamistische Opposition sowie dem Scheitern des demokratischen Prozesses, das in den Bürgerkrieg der 1990er Jahre mündete.
4. Schlussfolgerungen: Die Arbeit fasst zusammen, dass die FLN bereits während des Krieges durch Faktionalisierung geprägt war und dass der Machtverlust weniger durch ideologische Gründe als durch das Streben nach Partikularinteressen und die Unfähigkeit zur echten demokratischen Öffnung verursacht wurde.
Schlüsselwörter
FLN, Algerien, Algerienkrieg, Unabhängigkeit, Einparteienstaat, FIS, Islamismus, Demokratisierung, Militär, Faktionalisierung, Politische Legitimität, Rentenstaat, Bürgerkrieg, Klientelismus, Machtgefüge.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die historische Transformation der algerischen FLN von einer revolutionären Befreiungsfront zu einer politischen Staatspartei und die damit verbundenen strukturellen Probleme.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Geschichte des Algerienkriegs, die Etablierung des Einparteiensystems, die Rolle des Militärs, wirtschaftliche Fehlentwicklungen sowie den Aufstieg und Fall politischer Reformbewegungen in den 1990er Jahren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, welche Faktoren zur politischen Instabilität und zum schließlichen Zerfall des Machtgefüges der FLN in den 1990er Jahren geführt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin oder der Autor verwendet eine darstellende, qualitative Arbeitsweise unter Rückgriff auf vorhandene Sekundärliteratur zu den politischen Entwicklungen in Algerien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die soziale Struktur der FLN während des Krieges, ihre Etablierung nach 1962, die politische Entwicklung unter verschiedenen Präsidenten und den Übergang zu einem Mehrparteiensystem nach den Unruhen von 1988.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie FLN, algerischer Unabhängigkeitskampf, Politische Transformation, Islamistische Opposition und Militäreinfluss charakterisieren.
Inwiefern hat die wirtschaftliche Situation die Macht der FLN beeinflusst?
Die Abhängigkeit von Öleinnahmen (Rentenstaat) und die staatlich gelenkte Wirtschaft führten dazu, dass die FLN ihren Machtanspruch primär über Verteilung sichern konnte; als die Einnahmen einbrachen, verlor die Partei ihre Legitimationsbasis.
Welche Rolle spielte das Militär beim Sturz der FLN-Vorherrschaft?
Das Militär agierte als wahrer Machtinhaber, der sich im richtigen Moment von der geschwächten FLN distanzierte, um die eigene Stellung zu behaupten und den weiteren politischen Kurs des Landes maßgeblich zu beeinflussen.
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- M.A. Manuel Irman (Author), 2009, Die FLN im unabhängigen Algerien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174642