Schweizerische Nationalbank

Die SNB wurde mit Ausbruch der Finanzkrise 2007 stark gefordert. Mit welchen weiteren Herausforderungen dürfte die Geldpolitik mittelfristig konfrontiert sein?


Seminararbeit, 2010

38 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABSTRACT

1. EINLEITUNG

2. DIE FINANZKRISE
2.1 Platzen derUS-Immobilienblase
2.2 Transmission in Finanzmärkte
2.3 Eingriffe von Regierungen und Nationalbanken
2.4 Wirkungen auf die Realwirtschaft

3. DIE SCHWEIZERISCHE NATIONALBANK
3.1 Gesetzlicher Auftrag
3.2 Instrumente der SNB und deren Gebrauch in der Krise bisher

4. PERSÖNLICHER KOMMENTAR UND BEWAHRUNG DER GLAUBWÜRDIGKEIT

5. DIE HERAUSFORDERUNGEN
5.1 Vorläufige Resultate und Zukunftsprognosen
5.2 Exit-Strategie mit Zielkonflikten und Ungewissheit
5.3 Währungsprobleme
5.4 Stabilisierung des Finanzsystems und Krisenprävention - Reform der Regulierungsvorschriften
5.4.1 Regulierung des Eigenkapitals
5.4.2 Liquiditätsregulierung
5.4.3 TBTF-Problematik

6. SCHLUSS

ANHANG
1. Bank Runs und die fraktionelle Natur des Bankensystems
2. Deflatorische Abwärtsspiralen
2.1 Das Keynesianische Sparparadox
2.2 Fishersche Schuldendeflation
2.3 Kostenreduzierungsdeflation
2.4 Bankkreditdeflation
3. Repogeschäfte und Engpassfinanzierungsfazilität

LITERATURVERZEICHNIS

Abstract

Aufgrund der Finanzkrise seit 2007 wurden viele Zentralbanken stark gefordert - darunter auch die Schweizerische Nationalbank. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der aktuellen Krise und damit, welche Herausforderungen sich mittelfristig für die Geldpolitik der SNB ergeben. Dazu wird im ersten Teil die Finanzkrise anhand eines Vierphasenmodells untersucht. Im zweiten Teil werden die Grundzüge der Schweizerischen Nationalbank dargelegt, um anschliessend die aus der Krise resultierenden Herausforderungen zu analysieren. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass folgende Probleme besonders wichtig sind: die Exit-Strategie, die Währungsprobleme sowie eine Reform der Regulierungsvorschriften zur Erhöhung der Stabilität und Sicherheit. Ein persönlicher Kommentar in der Mitte befasst mit den Verursachern der Krise, der Würdigung der Geldpolitik der SNB und der Aufrechterhaltung ihrer Glaubwürdigkeit.

1. Einleitung

„In der Krise beweist sich der Charakter."

- Helmut Schmidt -

Wie sich der Charakter eines Menschen in schwierigen Situationen offenbart, so kann sich auch eine Nationalbank durch ihr Handeln in Krisenzeiten bewähren. Inwiefern dies die Schweizerische Nationalbank im Verlauf der aktuellen Finanzkrise bereits konnte und welche Herausforderungen mittelfristig auf sie zukommen, ist Thema dieser Arbeit. Dies ist insofern relevant, als die aktuelle Finanz- und Wirtschaftkrise die schwerste der letzten Jahrzehnte ist. Tausende Firmen gingen bisher bankrott, Millionen Menschen wurden arbeitslos und Milliarden an Steuergeldern wurden zur Stützung des Systems ausgegeben.

2. Die Finanzkrise

ln diesem Kapitel soll ein Überblick über den Verlauf der aktuellen Finanzkrise gegeben werden. Dazu wird die von Peter Gomez1 vorgeschlagene Gliederung in vier Stufen übernommen2: das Platzen des US-lmmobilien-Marktes, die Transmission in die Finanzmärkte, Eingriffe von Regierungen und Nationalbanken sowie die Wirkung auf die Realwirtschaft.

2.1 PlatzenderUS-lmmobilienblase

Der Ursprung der internationalen Wirtschaftskrise seit 2007 liegt im US-amerikanischen Immobilienmarkt. Sie ist die schwerste seit der grossen Depression der Dreissigerjahre3 . Wie in Abbildung 1 zu erkennen ist, waren nach dem Absturz der Aktienmärkte 2000 die Zinssätze in den USA von Ende 2000 bis Anfang 2004 kontinuierlich bis auf ein Rekordtief von 1% gesunken.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Federal Fund Rate USA 4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Hauspreise, Zwangsverwertungen und Zahlungsverzug 5

Dies führte zu einem grossen Anstieg der Nachfrage nach Immobilien, so dass sich deren Preise von 2000 bis 2006 nach dem Case-Shiller-Index fast verdreifachten (siehe Abb. 2). Aufgrund der stetig steigenden Häuserpreise sahen viele Finanzierer das Hypothekengeschäft als sehr sicher an, was sich daran zeigt, dass die Belehnungsgrenze bei bis zu 100 Prozent lag6. Man dachte, dass man die Immobilien auch bei Zahlungsunfähigkeit des Schuldners, wegen den gestiegenen Preisen, gewinnbringend weiterverkaufen könnte.

Die Kreditrichtlinien wurden immer laxer und unter den vielen neuen Hypothekenkreditnehmern gab es vermehrt Schuldner mit geringer Bonität (siehe Abb. 3), die man auch als Subprime-Kunden bezeichnet. Viele Kredite sind mit variabler Verzinsung abgeschlossen worden. Der Immobilienboom trug wesentlich zu einem starken Konjunkturaufschwung in den USA bei, weshalb die Fed von Mitte 2004 bis Mitte 2006 die Zinssätze anhob (siehe Abb. 1), um inflationären Tendenzen entgegenzuwirken7. Durch die steigenden Zinsen konnten immer mehr Schuldner, v.a. die der Subprime-Hypotheken, ihre Kreditraten nicht mehr bezahlen (siehe Abb. 2), weshalb deren Immobilien versteigert wurden. Die grosse Zahl der Hausverkäufe führte dann 2007 dazu, dass die Immobilienpreise ebenso steil sanken, wie sie zuvor gestiegen waren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Anstieg der Subprime-Hypotheken'8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4:Differenz Zwischen 3M-Libor und OIS9

2.2 Transmission in Finanzmärkte

Dass sich diese in den USA lokale Immobilienkrise zu einer weltweiten Finanzkrise ausweiten konnte, liegt vor allem daran, dass die Hypothekenkredite gebündelt und verbrieft wurden, um dann an den internationalen Finanzmärkten, z.B. als CDO10 oder MBS11, weiterverkauft zu werden. Dadurch konnten die Banken Eigenkapital zur Deckung der Ausfallrisiken sparen, da die Risiken weitergegeben und um die ganze Welt verteilt wurden. Diese Finanzprodukte wurden gern gekauft, denn viele Investoren betrachteten die verbrieften Hypothekentitel als Anlage mit vergleichsweise hoher Rendite und, wegen der oft sehr guten Ratings, mit geringem Risiko12.

Wegen der ausbleibenden Kreditzahlungen und der sinkenden Immobilienpreise verloren die auf Hypotheken basierenden Finanzprodukte stark an Wert und die Subprime-Krise übertrug sich im August 2007 plötzlich auf den gesamten Geldmarkt. Der Kurs der Bank Northern Rock brach völlig ein, weshalb es im September zu einem regelrechten „Bank Run" kam, woraufhin die Bank Bankrott ging.13 Otmar Issing14 sagt, dass Zweifel an der Liquidität einer Bank unausweichlich zu ihrem Bankrott führen.15 Die Risikoprämien, die man an der Differenz zwischen 3M-Libor und OIS messen kann, stiegen sprunghaft an (siehe Abb. 4), weil niemand wusste, welche Banken wie stark von den Verlusten betroffen sind oder sein werden.16

Das Misstrauen der Banken untereinander bewirkte einen Rückgang der Interbankenbeziehungen, was mit einer Eindämmung der Kredit- und Geldschöpfung der Kreditinstitute einherging.17 Bei gegebenem Zentralbankgeld verknappt sich folglich die Liquidität im Markt, was die Situation der Banken erheblich verschlechterte.

Bereits im März 2008 führte der akute Liquiditätsengpass der Investmentbank Bear Stearns zu deren durch den Staat unterstützten Übernahme durch JPMorgan Chase.18

Um die Verluste aus dem Hypothekengeschäft zu kompensieren, investierten viele Banken, Hedge Fonds und andere Käufer der Immobilienkredittitel in den Rohstoffmarkt.19 Die Investitionen liessen die Rohstoffpreise rasant ansteigen (vgl. Abb. 5). Mitte 2008 platzte dann diese Rohstoffblase. Am 15. September meldete Lehman Brothers Konkurs an, zerstörte damit viel des noch vorhanden Vertrauens im Finanzsystem, liess die Risikoprämien erneut kräftig ansteigen (siehe Abb. 4) und löste eine Welle von Verstaatlichungen, Zusammenbrüchen und Insolvenzen grosser Finanzunternehmen wie AIG, Washington Mutual, Fannie Mae und Freddie Mac aus. 20 „Ende September stand das globale Finanzsystem kurz vor dem Kollaps". 21

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten22

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 23

2.3 Eingriffe von Regierungen und Nationalbanken

Um einen Zusammenbruch des gesamten Zahlungs- und Kreditsystems zu vermeiden, wurden immer mehr staatliche Interventionen getätigt. So kauften Staaten den Banken notleidende Forderungen ab, um deren Verschuldung zu verringern. Das Troubled Asset Relief Program TARP der USA sah 700 Milliarden Dollar dafür vor, Bankenbilanzen um sogenannte „toxic assets" zu erleichtern.24

Aber auch für die Realwirtschaft wurden umfangreiche Rettungsaktionen eingeleitet: in Deutschland z.B. die Konjunkturpakete I und II, die u.a. Steuererleichterungen und die „Abwrackprämie" enthielten und die Beschäftigung sichern sowie die Auswirkungen der Rezession abfedern sollten.25

Das grosse Problem der Krise war das verlorene Vertrauen und der daraus resultierende Liquiditätsengpass. Um diesen Engpass zu beseitigen, setzten Nationalbanken vor allem die Leitzinsen stark herab. Im Dezember 2008 lag der Zinssatz vielerorts bei 0%. Darüber hinaus weitete die SNB die den schweizerischen Banken zur Verfügung stehende Geldmenge aus. Zum anderen sollte ein Zusammenbruch des Finanzsystems verhindert werden, indem die Refinanzierung der Banken mit staatlichen Garantien für die Einlagen von Privatkunden und anderen Verbindlichkeiten sichergestellt wurden.26 In der Schweiz wurde der Anlegerschutz von CHF 30'000 auf 100'000 erhöht.27 In den USA wurde er mittels Paulsen Plan von lOO'OOO auf 250'000 Dollar pro Kopf angehoben.28

In der Schweiz erlitt besonders die UBS einen grossen Verlust, da sie viele hypothekenbasierte Finanzprodukte besass, weshalb die Kunden der Grossbank zwischen Januar und September 2OO8 CHF 14O Mrd. abhoben.29 Um das verlorene Vertrauen wiederzugewinnen, wurde ein spezielles Massnahmenpaket erarbeitet, welches die UBS zum einen von illiquiden Vermögenswerten befreien und zum anderen Kapital bereitstellen sollte 30. Insgesamt wurden Aktiven im Wert von 38,7 Milliarden US-Dollar auf den SNB StabFund übertragen. Dieser beruht auf zwei Säulen: Zum einen gewährt die SNB dem StabFund ein Darlehen über 9O% der übernommenen Werte; zum anderen erhält er Eigenkapital, indem die SNB der UBS eine Kaufoption auf Fondanteile zum Preis von 1O% der übernommenen Werte verkauft. Als Sicherheit erhält die Schweizerische Nationalbank das Anrecht auf 1OO Millionen UBS-Aktien, falls der SNB StabFund mit Verlust liquidiert werden müsste.31

Welche weiteren Massnahmen die Schweizerische Nationalbank ergriff, wird in Kapitel 3.2 analysiert.

2.4 Wirkungen auf die Realwirtschaft

Weil die Liquidität der Banken extrem eingeschränkt wurde, sind folglich auch die für Kredite zur Verfügung stehenden Mittel gesunken, was das Kreditvergabevolumen verringert und dadurch die Kreditzinssätze erhöht.32 Die restriktivere Kreditvergabe verteuert die Finanzierung von realwirtschaftlichen Investitionen. Dies ist der Zeitpunkt, wo eine Finanzkrise auf die Realwirtschaft übergreift und die weltweite Konjunktur belastet.33 Es setzten vier deflatorische Abwärtsspiralen ein (siehe Anhang 2).

Diese Abwärtsspiralen verstärken sich selbst und auch gegenseitig. Es entsteht ein Teufelskreis, der - wenn sonst nichts geschieht - in einer schweren Rezession mündet. Aus solch einer Krise kann sich der Privatsektor nicht von selbst befreien. Die einzige Möglichkeit ist dann ein Eingreifen von Staat und Nationalbanken .34 Dass die Finanzkrise tatsächlich etwas zeitversetzt auf die Realwirtschaft überschlug, lässt sich gut in den Abbildungen 6 bis 8 erkennen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 35

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 36

[...]


1 Peter Gomez war von 1999 bis 2005 Rektor der Universität St. Gallen und ist seit 2006 Verwaltungsratspräsident der Schweizer Börse SWX.

2 Gomez, P., Spoun, S., & Honegger, J., 2010, S. 27

3 Chaloupek & Kromphardt, 2009, S. 13

4 Landesbank Berlin, 2010

5 VP Bank, 2010, S. 8

6 Jordan, 2008, S. 3

7Schulmeister, 2009, S. 40

8Jordan, 2008, S. 10

9Schweizerische Nationalbank, 2010c, S. 27

10CDO steht für Collateralized Debt Obligations.

11 MBS steht für Mortgage Backed Securities.

12 Jordan, 2008, S. 3-4

13 Zur ausführlicheren Beschreibung eines Bank Runs, der Ursachen und Lösungsansätze siehe Anhang 1.

14 Otmar Issing war ehemaliger Chefökonom der EZB.

15 Issing, 2003, S. 175

16 Jordan, 2008, S. 4

17 Issing, 2003, S. 87

18 Bank für internationalen Zahlungsausgleich, 2009, S. 20

19 Schulmeister, 2009, S.49

20 Dockner, S. 6

21 BIZ, 2009, S. 4

22 www.Markt-Daten.de

23 http://finance.yahoo.com

24 BIZ, 2009, S. 21

25 Hoch im Kurs, 2009

26 BIZ, 2008, S. 22

27 Vimentis, 2009, S.3

28 SpiegelOnline, 2008

29 Vimentis, 2009, S.2

30 Gerber & Hess, 2008, S.6

31 Jordan, 2009, S. 26

32 Issing, 2003, S. 79-86

33 Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung [IMK], 2007, S. 1

34 Horn & Joebges, 2009, S. 33

35 Jetzer, 2009, S. 18

36 Jetzer, 2009, S. 19

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Schweizerische Nationalbank
Untertitel
Die SNB wurde mit Ausbruch der Finanzkrise 2007 stark gefordert. Mit welchen weiteren Herausforderungen dürfte die Geldpolitik mittelfristig konfrontiert sein?
Hochschule
Universität St. Gallen
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
38
Katalognummer
V174650
ISBN (eBook)
9783640951772
ISBN (Buch)
9783640951567
Dateigröße
2199 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schweizerische, nationalbank, ausbruch, finanzkrise, herausforderungen, geldpolitik
Arbeit zitieren
Caesar Dreyer (Autor:in), 2010, Schweizerische Nationalbank, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174650

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Titel: Schweizerische Nationalbank



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