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Funktion und Struktur von dialogischen Kommunikationsformen in 'social networks'

Titel: Funktion und Struktur von dialogischen Kommunikationsformen in 'social networks'

Examensarbeit , 2012 , 121 Seiten , Note: 14

Autor:in: Lisa Lautenschläger (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Die Examensarbeit untersucht linguistisch die private Chat-Kommunikation befreundeter Jugendlicher (14–16 Jahre) im Facebook-Chat, gestützt auf einen selbst erstellten Korpus aus 17 Chat-Mitschnitten.

Theorie: Nach Koch/Oesterreichers Nähe-Distanz-Modell ist der Chat medial schriftlich, konzeptionell aber mündlich – eine „Kreuzklassifikation“. Verglichen mit Face-to-Face-Gesprächen fehlt dem Chat der nonverbale Kanal, die Kommunikation ist nur „quasi-synchron“, dafür werden Beiträge dauerhaft archiviert. Zentrale Triebkraft ist die Ökonomisierung der Textproduktion (Tempo statt Norm).

Sprachliche Ebene: Großschreibung und Buchstaben-Iteration kompensieren fehlende Prosodie; Assimilationen, Tilgungen und Reduktionen ("haste", "is", "gesehn") bilden gesprochene Sprache ab; der Wortschatz ist umgangssprachlich, dialektal und anglizismenreich. Auffälligster Befund: Inflektive ("knuddel") und Akronyme ("g") fehlen im Korpus komplett – sie wurden offenbar durch Emoticons ersetzt, die überwiegend am Turnende stehen und expressive, evaluative sowie rituelle Funktionen erfüllen. Syntaktisch dominieren Ellipsen, Einwortsätze und Anakoluthe.

Dialogebene (nach Fritz): Sequenzmuster, Festlegungssystem, Wissensaufbau und Themenorganisation gleichen dem mündlichen Dialog. Unterschiede zeigen sich beim Sprecherwechsel, der technisch nach dem „Mühlen-Prinzip“ (Server-Eingangsreihenfolge statt geregeltem Turn-Taking) organisiert wird und zu thematischen „Verschränkungen“ führen kann, sowie bei den Gesprächsphasen: Begrüßungen entfallen häufig zugunsten direkter Anwesenheitsabfragen, Verabschiedungen fehlen oft ganz oder enden mit iterierten Kuss-Emoticons.

Fazit: Der Chat wird als eigenständige Hybridform zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit charakterisiert. Ältere sprachliche Phänomene (Inflektive, Akronyme) verschwinden zugunsten von Emoticons – ein Beleg für Sprachwandel. Die dialogische Grundstruktur bleibt medienunabhängig weitgehend erhalten, während Sprecherwechsel und Gesprächsphasen deutlich medienspezifisch geprägt sind.

Ausblick: Die Arbeit plädiert dafür, Chat-Kommunikation im Deutschunterricht (gemäß hessischem Lehrplan, Bereich „Reflexion über Sprache“) zu thematisieren, um Schülern bewusst zu machen, dass es sich um eine funktionale, situationsangemessene Sprachvariante und keinen „Sprachverfall“ handelt.

Details

Titel
Funktion und Struktur von dialogischen Kommunikationsformen in 'social networks'
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Deutsch)
Note
14
Autor
Lisa Lautenschläger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
121
Katalognummer
V1746629
ISBN (PDF)
9783389201541
ISBN (Buch)
9783389201558
Sprache
Deutsch
Schlagworte
funktion struktur kommunikationsformen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Lisa Lautenschläger (Autor:in), 2012, Funktion und Struktur von dialogischen Kommunikationsformen in 'social networks', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1746629
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Leseprobe aus  121  Seiten
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