Der Begriff ‚Weltseele‘ spielt eine wichtige Rolle in Religion und Philosophie, nicht jedoch in den modernen Wissenschaften, die ihn als nicht durch überprüfbare Fakten belegt einstufen. Vorläufer hat der Begriff im Animismus der ethnischen Religionen (Stammesreligionen), die seit grauer Vorzeit existieren. Anscheinend haben Menschen immer schon angenommen, dass in der Welt alles, das heißt sowohl das Materielle als auch das Nicht-Materielle, von einer ‚Anima‘ (= Seele, Geist) und somit von einer „Wirkkraft“ oder „Lebenskraft“ durchströmt ist.
Inwieweit solche Vorstellungen mit dem aktuellen Wissensstand übereinstimmen, ist bisher anscheinend kaum untersucht worden. In einer früheren Studie bin ich zu folgenden Ergebnissen gekommen:
Begriffe wie ‚Leib-Seele‘, ‚Geistig-Seelisches‘ und ‚Einheit von Körper, Seele und Geist‘ treffen und verbinden sich im Subjekt-Sein des Menschen. Für die ‚Weltseele‘ sind solche Bestimmungen bisher nicht möglich, weil mit dem Ausdruck ‚Weltseele‘ zwar gewisse, objektiv nachweisbare Form- und Wirkungskräfte des Universums – oder besser: der kosmischen Materie –, nicht jedoch das Welt-„Ganze“ bezeichnet werden können; denn die Welt als solche ist kein Subjekt. Auch ein vom Menschen unterschiedenes „Natursubjekt“ (Ernst Bloch) konnte in ihr nicht nachgewiesen werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Hinduismus
Buddhismus
Platon (427-347 v.Chr.)
Aristoteles (384/3 – 322/1 v.Chr.)
Giordano Bruno (1548-1600)
Friedrich Wilelm Joseph Schelling (1775-1854)
Helmut F. Krause (1904-1973)
Jochen Kirchhoff (1944-2025)
Zusammenfassung
Literaturhinweise
Einleitung
Der Begriff ‚Weltseele‘ spielt eine wichtige Rolle in Religion und Philosophie, nicht jedoch in den modernen Wissenschaften, die ihn als nicht durch überprüfbare Fakten belegt einstufen. Vorläufer hat der Begriff im Animismus der Ethnischen Religionen (Stammesreligionen), die seit grauer Vorzeit existieren. Anscheinend haben Menschen immer schon angenommen, dass in der Welt alles, d.h. sowohl das Materielle als auch das Nicht-Materielle, von einer ‚Anima‘ (= Seele, Geist) und somit von einer „Wirkkraft“ oder „Lebenskraft“ durchströmt ist.
Inwieweit solche Vorstellungen mit dem aktuellen Wissensstand übereinstimmen, ist bisher anscheinend kaum untersucht worden. In einer früheren Studie bin ich zu folgenden Ergebnissen gekommen:
Begriffe wie ‚Leib-Seele‘, ‚Geistig-Seelisches‘ und ‚Einheit von Körper, Seele und Geist‘ treffen und verbinden sich im Subjekt -Sein des Menschen. Für die ‚Weltseele‘ sind solche Bestimmungen bisher nicht möglich, weil mit dem Ausdruck ‚Weltseele‘ zwar gewisse, objektiv nachweisbare Form- und Wirkungskräfte des Universums – oder besser: der kosmischen Materie –, nicht jedoch das Welt-„Ganze“ bezeichnet werden können; denn die Welt als solche ist kein Subjekt. Auch ein vom Menschen unterschiedenes „Natursubjekt“ (Ernst Bloch) konnte in ihr nicht nachgewiesen werden.
Das Konzept Weltseele könnte allerdings dann wieder bedeutsam werden, wenn z.B. durch Quantenphysik und Neutrino-Theorie neue Grundlagen geschaffen werden.
Meine Ergebnisse enthalten zwei Hauptthesen:
Der Begriff Weltseele ist unzutreffend und daher unbrauchbar. Das Konzept Weltseele könnte allerdings dann wieder bedeutsam werden, wenn z.B. durch Quantenphysik und Neutrino-Theorie neue Grundlagen geschaffen werden.
Diese Thesen scheinen einander zu widersprechen. Wenn der Begriff Weltseele nicht zutrifft, wird dies wahrscheinlich auch in Zukunft nicht zu ändern sein. Wie hoch diese Wahrscheinlichkeit ist, bedarf gründlicher Überprüfung. Dazu muss die Geschichte des Begriffs Weltseele erneut aufgerollt werden. Ebenso die möglichen neuen Perspektiven auf dem Gebiet der Quantenphysik bzw. der Neutrino-Theorie.
Hinduismus
Spätestens im Hinduismus, einer mindestens 4000 Jahre alten Religion erweitert sich der Animismus zur Vorstellung einer „Weltseele“. Dazu heißt es in dem Wikipedia-Artikel ‚Seele‘:
„Die religiösen und philosophischen Konzepte indischen Ursprungs fußen teils auf der vedischen Religion, aus der sich die verschiedenen Strömungen des Hinduismus entwickelt haben. … Ein gemeinsames Merkmal aller indischen Traditionen ist, dass sie keinen Unterschied zwischen menschlichen Seelen und den Seelen anderer Lebensformen (Tiere, Pflanzen, auch Mikroben) machen.“1
Im Einzelnen (Microsoft-Copilot):
Wie entwickelt sich im Hinduismus der Begriff Weltseele?
„Kurzantwort: Im Hinduismus entwickelt sich die Idee einer Weltseele von einer anthropomorphen, rituell-verankerten Kosmosvorstellung in den Veden über eine metaphysische, alles durchdringende Realität in den Upanischaden (Brahman/Atman) hin zu vielfältigen Deutungen in Vedanta, Bhakti- und Tantra-Strömungen; sie wird mal als transzendente Einheit, mal als immanente kosmische Energie verstanden.
Frühe Stufen Veden und vedische Kosmologie
Die ältesten Schichten (gveda) kennen zahlreiche Götter und personifizierte Naturkräfte; kein einheitliches Konzept einer Weltseele, aber erste Tendenzen zur Kosmisierung von Lebensprinzipien sind erkennbar. Rituale und Opfer stehen im Zentrum, die Weltordnung wird durch Götter und Riten stabilisiert.
Upanischaden Brahman und Atman
In den Upanischaden tritt die entscheidende Wende ein: Brahman wird als die eine, alles durchdringende Wirklichkeit formuliert; das individuelle Selbst Atman wird als im Kern identisch mit Brahman gedacht. Diese Lehre entspricht dem philosophischen Kern dessen, was man als „Weltseele“ im engeren Sinn verstehen kann: eine transzendente, zugleich immanente Einheit, die die Welt zusammenhält.
Klassische Vedanta und Systematisierung
Ab ca. 1. Jahrtausend n. Chr. systematisieren Vedanta-Denker (z. B. Saskara) die Identität von Atman und Brahman zu einem monistischen Modell (Advaita): die Welt ist letztlich nicht-vielheitig, das Eine ist die Wirklichkeit; die Welt erscheint als Maya (Illusion). Andere Vedanta-Schulen (..., Dvaita) interpretieren die Beziehung zwischen individueller Seele und Weltseele unterschiedlich — von qualifizierter Einheit bis zu strikter Dualität.
Bhakti, Tantra und populäre Religiosität
In Bhakti-Traditionen wird die kosmische Wirklichkeit oft personalisiert (Vishnu, Krishna, Shiva, Devi) und als liebende, rettende Gegenwart erlebt; die „Weltseele“ erscheint hier als persönlicher Gott oder als göttliche Energie (Shakti). Tantra betont die immanente Energie (Shakti) als lebendige Weltseele, die sowohl schöpferisch als auch zerstörerisch wirkt.
Buddhismus
Microsoft-Copilot antwortet auf meine Frage:
Wie kritisiert der Buddhismus den Begriff Weltseele des Hinduismus?
„Kurzantwort: Der Buddhismus lehnt die hinduistische Vorstellung einer ewigen, alles durchdringenden Weltseele (Brahman/Atman) vor allem deshalb ab, weil sie ein dauerhaftes, substantielles Selbst voraussetzt; stattdessen betont er Anatt (Nicht-Selbst) und ??nyat? (Leere) als soterische und erkenntnistheoretische Alternativen.
Vergleichstabelle Kernkritiken
Aspekt
Hinduismus (Weltseele)
Buddhistische Kritik
Konsequenz
Ontologie
Brahman/Atman als ewige Substanz
Kein dauerhaftes Selbst; Phänomene sind bedingt
Ablehnung metaphysischer Substanz.
Erkenntnistheorie
Erkenntnis durch Identifikation mit Atman
Wissen entsteht aus Erfahrung; Selbst ist Illusion
Andere Theorie der Befreiung.
Soteriologie
Mokwa durch Vereinigung mit Brahman
Befreiung durch Einsicht in Anatt und Vergänglichkeit
Praktiken: Achtsamkeit, Einsicht.
Methodik
metaphysische Erklärung kosmischer Einheit
Analyse der fünf Skandhas; empirische Analyse des Erlebens
Fokus auf psychologische Befreiung.
Wesentliche Einwände des Buddhismus
1. Lehre vom Nicht-Selbst (Anatt) Der Buddha lehrt, dass kein dauerhaftes, unabhängiges Ich oder transzendente Weltseele in den fünf Skandha-Faktoren (Form, Gefühl, Wahrnehmung, Geistesformationen, Bewusstsein) gefunden werden kann; die Vorstellung eines ewigen Atman wird als Quelle von Anhaftung und Leiden kritisiert.
2. Ontologische Kritik und ??nyat? Spätere buddhistische Schulen (insbesondere die Madhyamaka-Tradition) erweitern die Kritik: alle Phänomene sind leer von inhärenter Existenz; eine unabhängige Weltseele wäre eine ontologische Substanz, die dieser Leerheit widerspricht.
3. Epistemologische und methodische Gründe Buddhismus setzt auf direkte Einsicht (vipassan?) und empirische Analyse des Erlebens; metaphysische Hypothesen wie eine kosmische Seele gelten als unnötig für die Erklärung von Leid und Befreiung. Die Praxis zielt auf Auflösung von Anhaftung, nicht auf metaphysische Identifikation.
4. Unterschiedliche Zielsetzungen Während Vedanta metaphysische Einheit (Atman = Brahman) als Weg zur Mokwa sieht, ist die buddhistische Kritik soterisch-praktisch: die Leugnung eines ewigen Selbst ist ein Mittel, um Anhaftung zu durchschauen und Nirvana zu erreichen. Diese funktionale Differenz erklärt, warum Buddhisten die Weltseele nicht nur intellektuell, sondern praktisch ablehnen.
Fazit
Kurz: Buddhismus kritisiert die Weltseele als metaphysische Hypothese, die ein dauerhaftes, substantielles Selbst voraussetzt und damit Leiden verstärkt; stattdessen bietet er eine analyseorientierte, soterisch-praktische Lehre (…), die auf Einsicht und Befreiung zielt.“
Offensichtlich stimmen die buddhistischen Erkenntnisse über die Weltseele weitgehend mit dem aktuellen Wissensstand überein; was für die hinduistischen Annahmen und Vorstellungen nicht behauptet werden. Zu den Folgerungen s.u. S. .
Platon (427-347 v.Chr.)
Nicht bekannt ist, ob Platons Weltseelen-Konzept vom Hinduismus beeinflusst worden ist. Auffällig sind jedenfalls die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Strömungen.
Im Dialog Timaios lässt Platon seinen Wortführer u.a. ein Weltseelen-Konzept vortragen. Hierzu heißt es in einem Wikipedia-Artikel:
„Der Vortrag des Timaios
Nach dem knapp zusammenfassenden Bericht des Kritias hält Timaios seinen langen Vortrag, der den Rest des Dialogs ausmacht. Er hat sich vorgenommen, die Entstehung und Beschaffenheit der Welt und den Ursprung der Menschheit darzustellen, wobei nicht mythische Überlieferung, sondern naturphilosophische Spekulation die Grundlage bildet. Als frommer Mensch beginnt Timaios mit einer Anrufung der Götter. Dann wendet er sich der philosophischen Voraussetzung seiner kosmologischen Ausführungen zu, der Unterscheidung zwischen Seiendem und Werdendem. …
Seiendes und Werdendes
Im Sinne der platonischen Ontologie, der Lehre vom Sein oder vom Seienden als solchem, unterscheidet Timaios zwei Hauptgattungen der Entitäten. Es gibt auf der einen Seite das „stets Seiende“, das unentstanden und unvergänglich ist und sich nie ändert, und auf der anderen Seite das „stets Werdende“, das aufgrund seines unablässigen Wandels nie „ist“, sondern nur als Prozess existiert. Den beiden Hauptgattungen entsprechen zwei verschiedene Arten der Erfassung durch den Menschen: Das Beständige, Immerwährende kann Gegenstand echter Erkenntnis sein, über das Veränderliche hingegen gibt es nur Vermutungen und Meinungen, denn es unterliegt immer der Relativität und hat keine dauerhafte, präzis und sicher erfassbare Beschaffenheit. Daher können Feststellungen über Vorgänge nur eingeschränkt zutreffen. Etwas allgemein und zeitunabhängig Gültiges, schlechthin Wahres lässt sich nur über das Seiende aussagen. Alle Objekte der Sinneswahrnehmung zählen zum „Werdenden“. Seiend und damit im eigentlichen Sinn erkennbar sind nur reine Vernunftinhalte. […]
Die ontologische Ordnung ist hierarchisch, sie impliziert Wertung: Das Ewige, immer Gleichbleibende ist objektiv „besser“ als das Entstandene und Wandelbare, es hat in der Weltordnung einen höheren Rang. Außerdem ist es die Ursache dafür, dass es das Entstandene gibt. Alles Entstandene hat notwendigerweise eine Entstehungsursache, das heißt einen Erzeuger, und ein Muster, nach dem es geschaffen wurde. Es ist Abbild des Musters. Ist das Muster ein wirklich seiendes, ewiges Urbild – eine „Idee“ im Sinne von Platons Ideenlehre –, so ist das Abbild zwangsläufig gelungen und schön. Wird hingegen ein Abbild nach einem minderwertigen Muster geschaffen, das selbst nur Abbild von etwas anderem ist, so fällt es nicht so gut aus. Diese allgemeinen Feststellungen bilden den Rahmen für die Erkenntnistheorie des Timaios und für seine philosophische Erklärung der Welt. Der Kosmos ist sinnlich wahrnehmbar, also „geworden“ und dem Werdenden zugehörig. Daher sind absolut zutreffende Aussagen über seine Entstehung prinzipiell unmöglich. Das Weltentstehungsmodell – die Kosmogonie – des Timaios kann somit, wie er eingangs betont, nur ein „gut wiedergebender Mythos“ (eikos mýthos) sein, das heißt eine zwangsläufig mit Mängeln behaftete, aber brauchbare Abbildung der Wirklichkeit. Damit muss man sich zufriedengeben, mehr anzustreben ist zwecklos. […]
Immerhin lässt sich nun aufgrund dieser Überlegungen bereits eine Aussage über den Kosmos treffen: Es ist offenkundig, dass er außerordentlich schön ist und dass er als etwas Gewordenes ein Abbild sein muss. Daraus folgt, dass er einen Erzeuger hat, der ihn nach einem Muster geschaffen hat, und dass als sein Urbild nur etwas Seiendes und Ewiges in Betracht kommen kann. […]
Der Entstehungsgrund und die Einzigkeit des Kosmos
Den Grund der Schöpfung sieht Timaios in der Güte des Schöpfers. Nach seiner Überzeugung ist der Urheber der Welt schlechthin gut. Daher ist er notwendigerweise von Neid und Missgunst völlig frei, wohlwollend und stets bestrebt, das Bestmögliche zu bewirken. Daraus folgt zwangsläufig, dass er das Gute nicht für sich behalten wollte, sondern es allem gönnte und danach strebte, dass alles ihm möglichst ähnlich wird. Daher musste er den bestmöglichen Kosmos erschaffen. Eine andere Entscheidung war ihm nicht möglich, denn sonst hätte er gegen seine eigene gütige Natur verstoßen müssen, was ausgeschlossen ist. Da der Gott seine Natur niemals ändert, kann er immer nur so handeln, wie sein Charakter es fordert. Daher erstreckt sich sein Wohlwollen auch auf die Materie, die er nicht geschaffen, sondern vorgefunden hat. Sie existierte schon vor der Schöpfung und befand sich damals in einem Zustand chaotischer Bewegung, der ihrer eigenen Natur entspricht und dann vorliegt, wenn kein ordnendes Prinzip von außen dem Chaos entgegenwirkt. Da dieser Zustand nicht optimal war, musste der Schöpfer eingreifen und das Weltall gestalten. Aus dem formlosen Chaos schuf er den sinnvoll geordneten Kosmos und verlieh ihm die größtmögliche Schönheit. Da solche Schönheit nur Vernünftigem zukommen kann und nur Beseeltes vernünftig sein kann, gab der Schöpfer dem Weltall eine Seele, die Weltseele. So entstand der Kosmos als ein vernünftiges Lebewesen. […]
Das Muster, nach dem der Kosmos gestaltet ist, ist die geistige Welt, die alle Vernunftinhalte umfasst. Daraus folgert Timaios, dass es nur ein einziges Universum geben kann. Die geistige Welt muss eine Einheit bilden, denn sonst wäre sie nur ein Teil von etwas Umfassenderem und Höherrangigem, und dann hätte der Schöpfer dieses als Muster genommen, um das optimale physische Abbild des Geistigen zu erschaffen. […]
Die Erschaffung des Weltkörpers
Anschließend wendet sich Timaios der Erschaffung und Beschaffenheit des Weltkörpers – des sichtbaren Leibes der Weltseele – zu. Da das Materielle im Kosmos sichtbar und betastbar ist, müssen bei seiner Entstehung die Elemente Feuer und Erde beteiligt gewesen sein, denn ohne Feuer ist nichts sichtbar und ohne Erde nichts fest und anfassbar. Außerdem wurden zwischen Erde und Feuer zwei vermittelnde Bindeglieder benötigt, damit eine Ganzheit entstehen konnte. So ergab sich die Vierheit der Elemente Feuer, Luft, Wasser und Erde. Das harmonische Verhältnis der Elemente bestimmte der Schöpfer nach einer mathematischen Proportion, bei der die erste von vier Zahlen sich zur zweiten so verhält wie die zweite zur dritten und die dritte zur vierten. Er gestaltete den Weltkörper kugelförmig, da die Kugel der vollkommenste geometrische Körper ist, und verlieh ihm nur die vollkommenste Bewegungsart, die Rotation. […]
Die Erschaffung der Weltseele und ihre Verknüpfung mit dem Weltkörper
In den Weltkörper setzte der Schöpfer die Weltseele als belebendes Prinzip. So wurde der Kosmos ein völlig autarkes Wesen, eine erschaffene Gottheit. Da er alles, was er benötigt, auf vollkommene Weise in sich trägt und mit sich selbst im Einklang ist, nennt ihn Timaios einen „seligen Gott“. […]
Die Weltseele schuf der Schöpfergott schon vor dem Weltkörper, dem er sie dann einpflanzte. Bei ihrer Erschaffung griff er auf die zwei Grundprinzipien, das Sein und das Werden, zurück und mischte sie. So entstand eine „dritte Wesensform“, eine Mischform, welche die Qualität des ewigen, unteilbaren Seins mit der des Werdens und der Teilbarkeit verbindet. Bei dem Mischvorgang musste er die Naturen der gegensätzlichen Prinzipien „Selbes“ und „Anderes“ gewaltsam zusammenfügen. Dann teilte er sein Erzeugnis nach einem mathematischen Verfahren, das Timaios genau beschreibt, und bildete aus den Teilen eine komplexe Struktur, die Weltseele. Bei der Teilung ging er in drei Schritten vor. Im ersten Schritt gliederte er aus dem Ganzen sieben Teile aus, die zueinander im Verhältnis 1 : 2 : 3 : 4 : 9 : 8 : 27 standen. Zwischen diesen Teilen bestanden „Abstände“, die er dann im zweiten und dritten Schritt mit weiteren Teilen, die er vom Ganzen abschnitt, auffüllte.
Schließlich gelangte er mit diesem Verfahren zu dem Zahlenverhältnis 256 : 243, das in der Musiktheorie die mathematische Beschreibung des pythagoreischen Halbtons (Limma) ist.
Innerhalb der Weltseele brachte er zwei kreisförmige Bewegungen in Gang, den äußeren Kreis des „Selben“ und den inneren des „Anderen“. Dann verband er die Mitte des Weltkörpers mit der Mitte der Weltseele. Das Ergebnis ist der Kosmos, dessen Seele den kugelförmigen Körper des Alls überall durchdringt und von außen ringsum umhüllt. […]
Zeit und Ewigkeit
Der nächste Schritt war die Erschaffung der messbaren Zeit. Sie entstand zugleich mit der Ordnung des Himmels; die regelmäßigen Bewegungen der Himmelskörper ermöglichten die Abgrenzung von Zeiteinheiten, die Zeitmessung. Die Zeit ist als „bewegliches Abbild der Ewigkeit“ zu verstehen. Für die Menschen, deren Dasein sich innerhalb der Zeit abspielt, ist das Denken in zeitlichen Begriffen selbstverständlich. Daher ist ihre Sprache gemäß dem zeitlichen Erleben gestaltet; wo es um die Unterscheidung von Zeitlichem und Überzeitlichem geht, ist sie unpräzis. […]
Nachdem der Schöpfer die sieben relativ erdnahen Himmelskörper – die Sonne, den Mond und die fünf im Altertum bekannten Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn – erschaffen hatte, setzte er sie in ihre Umlaufbahnen. Nach dem geozentrischen Weltbild des Timaios umkreisen diese Himmelskörper die Erde, die den Mittelpunkt des Weltalls bildet. Optimal ist die gleichmäßige Kreisbewegung von Sonne und Mond. Die Bewegungen der Planeten kommen dem irdischen Beobachter zwar ziellos vor, doch sind auch sie gesetzmäßig, was allerdings nur Astronomen verstehen. Die Umlaufbahnen der sieben Himmelskörper sind der Kreisbahn des „Anderen“ der Weltseele zugeordnet, die schräg zur Bahn des „Selben“ verläuft und diese kreuzt. Gemeint sind mit der Bahn des „Selben“ der Äquator der Himmelskugel und mit der des „Anderen“ die Ekliptik. Der Fixsternhimmel hingegen orientiert sich an der Bahn des „Selben“ der Weltseele. […]“2
Demnach geht Platon im Timaios von folgenden Annahmen aus:
1. Das Modell der Weltentstehung ist ein „gut wiedergebender Mythos“. Mehr als dieser Mythos kann auch über das Thema ‚Weltseele‘ nicht ausgesagt werden.
2. Der Kosmos ist „außerordentlich schön“ und als Gewordenes ein Abbild des Göttlichen.
3. Daher hat der Kosmos einen Schöpfer, der ihn nach einem Muster-Urbild geschaffen hat.
4. Die Schönheit des Kosmos stammt aus göttlicher Vernunft.
5. Da nur Beseeltes Vernunft haben kann, verlieh der Schöpfer dem Weltall eine Seele, die Weltseele.
6. Daher ist der Kosmos „ein vernünftiges Lebewesen“,
7. Der göttliche Demiurg erschuf die Weltseele vor dem Weltkörper.
8. Der Weltkörper ist der sichtbare Leib der Weltseele.
9. Dieser „Leib“ besteht aus den Elementen Feuer, Luft, Wasser und Erde.
10. In der Weltseele wirken das Sein und das Werden, das „Selbe“ und das „Andere“.
11. (Die Weltseele ist es, die) „überall durchdringt und von außen ringsum umhüllt.“
Aristoteles (384/3 – 322/1 v.Chr.)
Aristoteles schreibt in De Anima (Über die Seele), Buch I, Kapitel 3, 407b:
„Unklar aber ist auch die Ursache, warum der Himmel sich im Kreise dreht; denn weder ist Ursache der Kreisdrehung die Wesenheit der Seele, sondern sie wird akzidentell so bewegt, noch ist der Körper Ursache dafür, sondern eher die Seele für ihn. Gewiß <kann man> auch nicht <mit der Annahme der Vernunft als Kreisbewegung behaupten>, daß es besser gesagt ist. Und doch wäre dies notwendig; denn der Gott würde doch die Seele sich im Kreise drehen lassen, weil es für sie besser wäre, bewegt zu sein als in Ruhe zu bleiben, und auf diese Weise bewegt zu sein als anders.
Da diese Untersuchung besser zu einem anderen Lehrvortrag gehört, wollen wir sie für jetzt beiseite lassen. Es ergibt sich aber jenes (oben erwähnte) Merkwürdige für den gegenwärtigen und die meisten Lehrvorträge über die Seele: Sie verbinden nämlich die Seele mit dem Körper und setzen sie in diesem an, ohne weiter zu bestimmen, aus welcher Ursache dies geschieht, und wie sich der Körper dazu verhält.“
Microsoft-Copilot habe ich am 13.7.2026 die Frage gestellt:
Wie kritisiert Aristoteles Platons Weltseelen-Konzept?
„Kurzantwort: Aristoteles kritisiert Platons Weltseele vor allem, weil Platon Formen und eine getrennte, übernatürliche Seelenwelt annimmt; für Aristoteles sind Formen nicht unabhängig existent und die Seele keine selbständige Weltinstanz, sondern die Form lebender Körper.
Hintergrund: Platons Weltseele
Platon beschreibt in Dialogen wie dem Timaios eine Weltseele (…) als eine einigende, rational geordnete Instanz, die Kosmos und Ordnung stiftet und den sichtbaren Dingen ihre Gesetzmäßigkeit verleiht. Diese Weltseele gehört zur platonischen Lehre der Formen: ewige, unveränderliche Urbilder, denen die einzelnen Dinge „teilhaftig“ sind.
Aristoteles’ Hauptkritiken
Aristoteles greift Platons Konzeption an mehreren Stellen an; die wichtigsten Kritikpunkte lassen sich so zusammenfassen:
1. Formen dürfen nicht „losgelöst“ existieren.
Aristoteles lehnt die Vorstellung ab, dass Formen als eigenständige, von den Dingen getrennte Entitäten existieren. Er hält Universalien für in den Einzeldingen verwurzelt und sieht keinen Grund, eine zweite, unabhängige Sphäre (wie die Welt der Ideen) anzunehmen. Damit wird die ontologische Grundlage einer separaten Weltseele in Frage gestellt.
2. Das Problem der Teilnahme und der unendliche Regress (dritter Mensch)
Aristoteles und seine Nachfolger formulieren Einwände wie das Argument des „dritten Menschen“: Wenn eine Idee das Gemeinsame aller Menschen ist, müsste es wiederum etwas Gemeinsames zwischen Idee und Menschen geben, was zu einem Regress führt. Solche logischen Probleme zeigen für Aristoteles, dass Platons Teilnahme-Begriff problematisch ist.
3. Seele als Form des Körpers (Hylomorphismus)
Für Aristoteles ist die Seele die Form eines lebenden Körpers: sie ist das, was Materie lebendig macht, aber nicht eine von Körpern unabhängige Substanz. Eine kosmische, selbständige Weltseele passt nicht in dieses Modell, weil sie die Trennung von Form und Materie wiederherstellt, die Aristoteles ablehnt. Die Seele ist bei ihm Aktualität eines bestimmten Körpers, nicht eine übergeordnete Weltinstanz.
4. Erklärungsdefizite der Weltseele
Aristoteles kritisiert außerdem, dass die platonische Weltseele wenig präzise erklärt, wie Veränderung, Bewegung und Kausalität in der sinnlichen Welt zustande kommen. Sein eigenes System der vier Ursachen und die Betonung empirischer Beobachtung bieten für ihn bessere Erklärungen als die Annahme einer metaphysischen Weltseele.
Fazit
Aristoteles lehnt Platons Weltseele nicht aus bloßem Skeptizismus ab, sondern aus systematischen Gründen: er ersetzt die Idee einer getrennten Seelen- und Ideenwelt durch einen monistischer wirkenden Hylomorphismus, in dem Form und Materie zusammengehören und die Seele als Form des Körpers verstanden wird. Diese Verschiebung hat weitreichende Folgen für Ontologie, Erkenntnistheorie und Naturphilosophie.“
Welche Folgen diese Kritik des Aristoteles an Platon für das Konzept ‚Weltseele‘ im Ganzen hat, wird noch zu diskutieren sein (s.u.).
Giordano Bruno (1548-1600)
Giordano Bruno schlägt sich erstaunlicherweise nicht auf die Seite von Aristoteles, sondern von Platon. In seinem Werk Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen (‚De la causa, principio et uno‘, 1584) lässt er seinen Wortführer Teofilo (im Folgenden: Teof.) im Dialog feststellen:
„Die universelle Vernunft ist das innerste, wirklichste und eigenste Vermögen und der Theil der Weltseele, der ihre Macht bildet. Sie ist ein Identisches, welches das All erfüllt, das Universum erleuchtet und die Natur unterweist, ihre Gattungen, so wie sie sein sollen, hervorzubringen. Sie verhält sich demnach zur Hervorbringung der Dinge in der Natur, wie unsere Vernunft sich zur entsprechenden Hervorbringung der sinnvollen Gestalten verhält. Sie wird von den Pythagoreern der Beweger und Erreger des Universums genannt, wie der Dichter es in den Worten ausdrückt:
Durch alle Glieder ergossen,
Treibt die Vernunft die Masse des Alls und durchdringt den Körper.
Von den Platonikern wird sie der Weltbaumeister genannt. Dieser Baumeister, sagen sie, tritt aus der höheren Welt, welche völlig e i n s ist, in diese sinnliche Welt hinüber, welche in die Vielheit zerfallen ist, wo wegen der Trennung der Theile nicht nur die Freundschaft, sondern auch die Feindschaft herrscht. Diese Vernunft bringt alles hervor, indem sie, selbst sich ruhig und unbeweglich erhaltend, etwas von dem ihrigen in die Materie eingießt und ihr zutheilt. Sie wird von den Magiern der fruchtbarste der Samen, oder auch der Säemann genannt; denn sie ist es, welche die Materie mit allen Formen erfüllt, sie nach der durch die letzteren gegebenen Weise und Bedingung gestaltet und mit jener Fülle bewundernswürdiger Ordnungen durchwebt, die nicht dem Zufall noch sonst einem Prinzip zugeschrieben werden können, welches nicht zu scheiden und zu ordnen verstünde.“3
Schon in seiner ersten These bezeichnet Teof. hier die allgemeine Vernunft als „Theil der Weltseele, der ihre Macht bildet“. Diese These enthält aber zwei unbewiesene Behauptungen:
Die Vernunft – eine spezifische Eigenschaft der Menschen! – sei Teil der Weltseele.
Diese Vernunft verleihe der Weltseele Macht, Vermögen und Wirksamkeit.
Damit schließt Teof. – unlogisch – von nachweisbarem Besonderem auf nicht nachweisbares Allgemeines: von der menschlichen Vernunft auf die angebliche Seele der Welt. Um diesen Anthropomorphismus zu rechtfertigen, führt Teof. menschliche Gestalten mit herausragenden Fähigkeiten an: Baumeister, Künstler, Magier, Sämann, Bildhauer. Was diese an Formen hervorbringen, sei bereits in der Vernunft enthalten, und zwar getrennt von der Materie. (Bruno lehnt den aristotelischen Hylemorphismus ab. Da die Weltseele angeblich vor dem Weltkörper geschaffen wurde, sei sie es, die der Materie die vorbildlichen Formen übermittelt und überträgt.)
In der Materie herrsche nicht der Zufall, sondern vernunftgemäße Ordnung, die des Kosmos. Zur Begründung verweist Theof. auf einige Gewährsleute, so auf Orpheus, der die Vernunft „das Auge der Welt“ nannte, während Empedokles sie als „Unterscheider“ und Plotin sie als „Urzeuger“ ausgab. Vergleiche aus den Tier- und Pflanzenreichen schließen sich an. Entelechetische Kräfte bilden deren Grundlagen – bis hin zur menschlichen Person mit ihrem kunstvollen Körper- und Seelen-Aufbau.
All dies sei möglich, weil die Vernunft in dreifacher Gestalt vorhanden sei: a) als göttliche, alles umfassende, b) als alles bewirkende Welt-Vernunft, c) als das Werden in den Dingen (!).
Bei den Ursachen unterscheidet Teof. innere und äußere, bewirkende und formale. Demgemäß gebe es auch zwei Arten von Formen: a) diejenige, aus der die bewirkende Ursache hervorgeht, b) „das Princip, welches durch die bewirkende Ursache aus der Materie zur Thätigkeit erweckt wird“ (a.a.O. S. 32, Z. 9 f,).
Die Weltseele erklärt Theof. einerseits als „inwendigen und formalen Teil der Welt“, als „Princip“; andererseits als vor und über der Welt stehende Ursache. Durch die Weltseele seien alle Dinge beseelt, und jede Form werde durch die Seele bewirkt. - Damit spricht Bruno allen Dingen eine Seele zu! Zugleich erhebt er die Vernünftigkeit zum Hauptprinzip des Ganzen.
Stets unter den Voraussetzungen, 1. dass die Seele unsterblich und daher vom Leib abtrennbar sei, 2. dass die Weltseele überall im Kosmos als „Princip der Bewegung“ anzusehen sei, so dass man überall „im Verborgenen ein Lebendes“ annehmen könne (S. 127). Was Bruno durch Hinweise auf die „Unendlichkeit der Welt“ systematisch erweitert.
Dies alles schmälert keineswegs Brunos Leistung als Freidenker, für die ihn religiöse Fanatiker im Jahre 1600 zum Tode verurteilten. Er starb als Märtyrer der Freiheit. Umso bedauerlicher ist es, dass anscheinend bestimmte Mängel seiner Konzepte bisher – außer im Vorliegenden – nicht aufgezeigt und untersucht wurden.
Friedrich Wilelm Joseph Schelling (1775-1854)
Friedrich Wilelm Joseph Schelling veröffentlichte im Jahre 1798 seine Abhandlung Von der Weltseele. Eine Hypothese der höheren Physik zur Erklärung des allgemeinen Organismus. Bei Copilot Search heißt es dazu am 23.7.2026:
„In "Von der Weltseele" entwickelt Schelling die Idee, dass das Universum von einer allumfassenden, lebendigen Kraft – der Weltseele – durchdrungen ist, die den Ursprung und die Organisation des Lebens erklärt.
Grundidee der Weltseele
Schelling postuliert, dass das Leben und die Organisation der Natur nicht allein durch mechanische Naturgesetze erklärbar sind, sondern dass eine höhere physikalische Kraft, die er als Weltseele bezeichnet, dem Universum innewohnt und die Entstehung von Leben ermöglicht www.amazon.de+1. Diese Weltseele ist nicht ein statisches Prinzip, sondern reine Tätigkeit, die das Universum durchdringt und die Grundlage aller organischen Prozesse bildet. www.amazon.de.
Schelling fasst dies poetisch in dem Satz zusammen: "Im Anfang war die Tat", womit er den Urgrund der Welt als aktive Kraft beschreibt. www.amazon.de.
Naturphilosophischer Kontext
Schelling verbindet in seinem Werk Naturwissenschaft und Philosophie. Er argumentiert, dass die physikalischen Voraussetzungen des Universums bereits das Potential für Leben enthalten, ähnlich der modernen Vorstellung, dass unter bestimmten Bedingungen Leben spontan entstehen kann. www.amazon.de. Dabei betont er die Möglichkeit, das Leben nur unter seltenen, spezifischen Umständen realisiert wird, was die Weltseele als universelles Prinzip dennoch überall wirksam macht. www.amazon.de.
Mechanismus und Organismus
Ein zentrales Anliegen Schellings ist die Überwindung des Gegensatzes zwischen Mechanismus und Organismus. Er zeigt, dass die Natur trotz scheinbarer Gesetzlosigkeit in ihrer Vielfalt geordnet ist und dass die Entwicklung organischer Wesen durch eine innere Organisation erklärbar ist. Projekt Gutenberg. Schelling kritisiert die Vorstellung, dass Leben aus rein mechanischen Prinzipien erklärbar sei, und plädiert für eine spekulative, die sowohl wissenschaftliche Beobachtungen als auch metaphysische Prinzipien integriert. Projekt Gutenberg.
Historische Bedeutung
"Von der Weltseele" erschien erstmals 1798 und beeinflusste sowohl die romantische Naturphilosophie als auch spätere Entwicklungen in der Psychoanalyse und Quantenphysik-Deutungen. www.amazon.de+1. Schellings Ansatz, Natur und Geist als durchdrungen von einer einheitlichen, lebendigen Kraft zu sehen, machte ihn zu einem zentralen Vertreter des Deutschen Idealismus und prägte die Diskussion über die Beziehung von Natur, Leben und Bewusstsein. Wikipedia.
Fazit
Schellings Weltseele ist ein universelles Prinzip der Lebendigkeit, das die physikalischen und organischen Prozesse des Kosmos erklärt. Sie verbindet Naturwissenschaft, Philosophie und Metaphysik und bietet eine spekulative Antwort auf die Frage nach dem Ursprung und der Organisation des Lebens im Universum. www.amazon.de“
In seinem Traktat Von der Weltseele behandelt Schelling zahlreiche Themen der „höheren“ Physik und der allgemeinen Naturphilosophie, was aber nur wenig zur Klärung des Begriffs 'Weltseele' beiträgt. Schellings Konzept beruht auf seiner pantheistischen, mithin theologischen Überzeugung, dass der Schöpfergott in allen Dingen anweist und in ihnen waltet. Ohne diese Annahme kann es die Vorstellung einer von Gott geschaffenen Weltseele nicht geben.
Mein Kommentar zu diesem Konzept:
Metaphysisch lässt Schelling die Materie aus der gleichen Quelle entspringen wie Natur und Geist: aus Gott, dem Absoluten. Materie sei „indirekte und mittelbare … Wirkung der ewig Subjekt-Objektivierung“ oder auch „… die reale Seite des absoluten Erkennens, und als solche eins mit der ewigen Natur selbst.“ Man beachte die pantheistische Färbung dieser Aussage, die natürlich ebenso wenig überprüfbar ist wie Schellings rein theologische (bzw. glaubensmäßige) Behauptung, Gott sei mit einem Prinzip der Subjektivität in der Natur gleichzusetzen. Letzteres widerspricht übrigens, wie ich nach wie vor meine, einer andersartigen Setzung, in der Schelling von der Natur behauptet, sie sei „ihre eigne Gesetzgeberin“- Auch dies ergibt nur pantheistisch einen Sinn, aber wer wollte nachweisen, dass Gott und die Natur identisch sind (wie Spinoza behauptet)? Erkenntnistheoretisch sind solche Setzungen jedenfalls nicht haltbar, so dass mit ihnen auch die Grundlage für Schellings Natur-Teleologie entfällt.4
Dadurch wird auch Schellings Weltseelen-Konzept hinfällig, nicht jedoch seine physikalischen und naturphilosophischen Analysen im Ganzen.
Helmut F. Krause (1904-1973)
In seinem in den 1960er Jahren entstandenen Werk Vom Regenbogen und vom Gesetz der Schöpfung schreibt der Autor:
„ Weltraum ist Weltseele! - können wir nach unseren Einblicken in einer >inneren Schau< sagen und hinzufügen, daß sich die lebendigsten und bedeutsamsten Vorgänge dort abspielen! Da es innerhalb dieses Mediums all jene Begrenzungen und Beschränkungen nicht gibt, die dem Körper Bewegungsfreiheit nehmen, so sind seelische Vorgänge gleichfalls von weitreichender Wirkung. Immer ist zu bedenken, daß Geschwindigkeit und Gewicht nur dem Materiellen eigen sind und etwa eine Überwindung des Raumes dem Seelischen, befreit vom Körperlichen, keine Schwierigkeit bereitet. Darüber hinaus sind aber Impulse des Seelischen, auch wenn es noch dem Körper verhaftet ist, den Gesetzen des Absoluten unterworfen, also befreit von der Schwere und der Geschwindigkeit.
Mit diesen Ausführungen haben wir uns von allen irdischen Kenntnissen gelöst, alle Wissensüberlieferungen als das hingestellt, was sie auf Grund des sehr eingeschränkten Horizontes der Erdbewohner immer waren: ein auf die täuschenden Sinnesorgane abgestelltes Wissen; somit also nicht kosmischer Art.“5
Als Hauptgegner dieser Auffassungen nennt Krause Wissenschaftler und Geistliche aller Religionen. Alles, was diese über Natur, Erde, Menschheit und Kosmos ausgesagt haben, sei durchaus „ spekulativ “ (!); und zwar in Folge empiristischer Reduktion. (Vgl. a.a.O. S. 124 f.) Folglich könne auch die Wissenschaft „vom lebendigsten Geschehen des Gestirns“ (d.h. des Weltalls im Ganzen) keine Aussagen machen (S. 125).
Den „Schöpfungsvorgang“ erklärt Krause als Ergebnis von Faktoren wie „verstrahlter Weltwille“ und „das Vorhandensein zerschlagener seelischer Substanzen“ (ebd.). Der menschlichen Seele sei die Aufgabe gestellt, statt Chaos und Formlosigkeit die „Befreiung von Wiedergeburten und Unsterblichkeit“ (Hinduismus?) zu erringen (S. 126). Dies durchaus auch im Rahmen des Komplexes „Seelenwanderung“ (die Krause demnach als solche akzeptiert).
Widersacher erkennt er hingegen in Philosophen wie Descartes, Leibniz und Kant (ebd.). Am 22.5.1944 erklärt Krause,“daß sich die Bewohner der Erde nicht in seelische Übereinstimmung mit dem Gesetz der Schöpfung zu bringen vermochten, daß sie sich gegen die Natur, die Schöpfung empörten“ (S. 127). Wie die Erde so jage auch Jupiter „mit zerfetzter Aura auf der Bahn um die Sonne“ (ebd.). - Krause fügt hinzu, er beschreibe nur die „allerselbstverständlichsten Lebensvoraussetzungen im Weltall“, um sodann die Besonderheiten der Vorgänge z.B. auf der Erde und auf der Sonne darstellen zu können (S. 128)
All dies kann aber zweifellos so nicht hingenommen werden. Keineswegs lassen sich Wissenschaftler und Priester in einen Topf werfen. Keineswegs sind die Ergebnisse wissenschaftlicher Kosmologie nur „spekulativ“. Auch geht nicht jede Wissenschaft nur empiristisch-reduktionistisch vor.
Spekulativ sind dagegen von Krause teils erfundene, teils der Tradition entnommene Begriffe wie „lebendigstes Geschehen des Gestirns“, „Schöpfungsvorgang“, „verstrahlter Weltwille“, „Unsterblichkeit“ und „Seelenwanderung“. Für all diese Begriffe gibt es keine Belege durch Fakten. Außerhalb der irdischen Biosphäre konnte bisher kein Leben nachgewiesen werden. Damit entfällt anscheinend die Grundlage für die Annahme einer Weltseele.
Dass Krause dies missachtet, erscheint unverständlich, verstehbar allenfalls im Rahmen seines abstrusen Weltbildes, in dem weitere unbewiesene Behauptungen eine Rolle spielen; so die These, alles Sein habe eine Beziehung zum Menschen (S. 128 f.). Oder auch seine Aussage, auch auf der Sonne gebe es Leben.
Jochen Kirchhoff (1944-2025)
Jochen Kirchhoff beruft sich in einem Video-Interview von 2017 unter dem Titel Weltraum ist Weltseele – eine empirische These ausdrücklich auf H. F. Krause, neben Platon, Giordano Bruno, Schelling, Goethe u.a. Damit ist die Generallinie seiner Argumentation vorgegeben: Kirchhoff ist überzeugt, dass es eine allgegenwärtige Weltseele gibt; dies sei „eine empirische These“, die ihm bis dato niemand habe widerlegen können.
Im Einzelnen erklärt er: Die Weltseele sei eine Universalseele, die alles durchdringt und belebt. Im Menschen sei die Seele identisch mit dem Selbst-Sein, ja, die Seele sei sogar mit dem Menschen an und für sich identisch. Schon in der Antike habe man den Thymos – die emotionale, leidenschaftliche Gemütsanlage des Menschen - als eine durchgängige Macht gekannt, mit der Psyche als Prinzip der Individualität. Eine endgültige Definition der Seele könne jedoch nicht gegeben werden. Das Ich fungiere wie ein „Scheinwerfer nach außen“ - ohne Introspektion, aber stets mit Bezügen zum Du und zum Wir.
Die Weltseele bestimme auch das Wesen des Raumes im unendlichen Weltall, von dem der Mensch eine Analogie, einen Spiegel darstelle. Raum sei „Unendlichkeit und Ewigkeit mit seelischer Qualität“. Und nur unter dieser Voraussetzung sei es möglich, Physik und Metaphysik wieder zusammenzubringen.
Demgemäß zeichnet Kirchhoff die Geschichte des Begriffs Weltseele nach, wobei er neben den genannten Gewährsleuten auch Novalis und Emerson ('oversoul') erwähnt und längere Passagen aus Goethes Weltseelen-Gedicht Ein und Alles zitiert. Aus der Existenz der Weltseele ergebe sich für den Menschen eine „kosmische Verantwortung“ (was er aber nicht näher erläutert). Von der Tatsache, dass es beseeltes Leben immer schon gegeben habe und nichts Lebendiges aus toter Materie entstehen könne, gehe auch die Quantenphysik aus.
Mit der Weltseele sei immer auch schon das Bewusstsein vorhanden gewesen, auch als Voraussetzung für jegliche Sinnestätigkeit. Abzulehnen sei hingegen der Darwinismus, den Kirchhoff für eine pure Erfindung des menschlichen Geistes hält. Gerade dies sei jedoch ein Zeichen für die Würde der menschlichen Erkenntnisfähigkeit.
Folgerungen für das Weltbild:
Da die Weltseele „nicht obsolet, nicht erledigt“ sei, sondern ein unwiderlegbares Faktum, sei die Welt „ein lebendiger Zusammenhang“, aus dem für den Menschen „ein anderes Gefühl“ und eine kosmische Verantwortung hervorgehe. (Letzteres erneut ohne nähere Erläuterung.)
Hierzu nun mein Kommentar:
J. Kirchhoff beruft sich auf einige historische „Gewährsleute“, verschweigt jedoch den Animismus ebenso wie den Hinduismus sowie zahlreiche Kritiker, angefangen vom Buddhismus über Aristoteles bis zu Hegel (dessen „Weltgeist“ er allerdings positiv mit der Weltseele in Verbindung setzt). Hätte Kirchhoff diese Kritiken berücksichtigt, hätte er einräumen müssen:
1. Die Vorstellung einer „All-Beseelung“ beginnt im frühen Animismus – als pure Spekulation.
2. Schon der Buddhismus weist die hinduistische Weltseelen-Vorstellung der „All-Beseeltheit“ mit triftigen, dem heutigen Wissensstand weitgehend entsprechenden Argumenten zurück.
3. Für Aristoteles ist die Seele Formkraft des Körpers und Prinzip des Lebendigen. Schon wegen dieser Gebundenheit der Seele an den menschlichen Körper ist es unzulässig, den Seelen-Begriff einfach auf die (unüberschaubare!) Gesamtheit des Weltraums zu übertragen.
4. Schellings Weltseelen-Konzept ist obsolet.
5. Hegel: Der Mensch ist Subjekt, das Weltall als Ganzes ist es nicht. (Wie wir heute wissen, ist das Ganze nicht überschaubar, das Weltall zu mehr als 90 % unerforscht. Wie sollte denn ein in dauernder Expansion befindlicher Weltkörper je vollständig analysiert werden können?)
Ferner: Wenn die Seele laut Kirchhoff mit dem Selbst-Sein des Menschen identisch ist, bindet sie dies erst recht an den menschlichen Körper und seine Entwicklung. Insofern ist eine Seele im Menschen allenfalls bis zum Lebensende anzunehmen. Eine „kosmische Verantwortung“ (zumal als nicht erklärte!) geht daraus nicht hervor.
Zum Bewusstsein: Dieses ist bekanntlich strikt individuell, zumal es nicht von Anfang an vorhanden ist, sondern nur in dem Maße, in dem Heranwachsende in ihrem Selbst-Werden und -Sein – u.a. in Resonanz mit ihren Bezugspersonen – Wissen aufnehmen und verarbeiten und als Erwachsene weiter entwickeln: Bewusstsein = bewusstes Sein = bewusst gewordenes Sein! Ein vorgängiges, immer schon vorhandenes „All-Bewusstsein“ ist nicht nachweisbar.
Wie ist das Weltall tatsächlich beschaffen?
Diese Frage habe ich Microsoft-Copilot am 25.7.2026 gestellt. Hier die „Kurzantwort:
Das Weltall besteht überwiegend aus Dunkler Energie (~68%), Dunkler Materie (~27%) und nur einem kleinen Anteil normaler (baryonischer) Materie (~5%). Sichtbare Sterne, Planeten und Gas machen davon nur einen Bruchteil aus.
Grundbestandteile
Dunkle Energie: Eine Form von Energie, die die Beschleunigung der kosmischen Expansion verursacht; sie macht etwa 68 % der Gesamtenergiedichte des Universums aus.
Dunkle Materie:
Unsichtbare Materie, die Gravitation ausübt, aber kaum mit Licht wechselwirkt; sie trägt etwa 27 % zur Dichte bei und bildet das gravitative Gerüst für Galaxienbildung.
Baryonische (normale) Materie:
Atome (Protonen, Neutronen, Elektronen) ― Wasserstoff und Helium dominieren; zusammen machen sie nur rund 5 % des Universums aus. Sterne selbst sind nur ein kleiner Teil davon.
Struktur und Skalen
Das Universum ist auf großen Skalen filamentartig organisiert: Galaxien gruppieren sich zu Galaxienhaufen und Superhaufen, verbunden durch kosmische Filamente, dazwischen liegen riesige Voids (Leerräume). Diese großräumige Struktur entsteht vor allem durch die Verteilung der Dunklen Materie.
Was wir direkt beobachten vs. indirekt schließen
Direkt sichtbar: elektromagnetische Strahlung (Sterne, Galaxien, Gaswolken) in verschiedenen Wellenlängen.
Indirekt erschlossen: Dunkle Materie (durch Rotationskurven, Gravitationslinsen) und Dunkle Energie (durch Supernova-Beobachtungen und die kosmische Hintergrundstrahlung). Die meisten Bestandteile des Kosmos sind also nicht direkt sichtbar.
Offene Fragen (wichtig)
Woraus genau Dunkle Materie besteht, ist unbekannt. Kandidaten reichen von neuen Teilchen (WIMPs, Axionen) bis zu exotischeren Erklärungen; Experimente laufen weltweit.
Die Natur der Dunklen Energie ist ebenfalls ungeklärt ― ob es eine konstante Vakuumenergie (Kosmologische Konstante) oder eine dynamische Feldform ist, bleibt offen.
Fazit
Kurz: ~95 % des Universums bestehen aus Dunkler Materie und Dunkler Energie, nur ~5 % sind die uns vertraute Materie aus Atomen. Viele Details sind Gegenstand aktiver Forschung; Beobachtungen (z. B. Gravitationslinsen, kosmische Hintergrundstrahlung) geben starke Hinweise, aber die fundamentalen Erklärungen fehlen noch.“
Außerhalb der irdischen Biosphäre wurde also bisher kein Leben festgestellt. Allerdings stellt sich die Frage, wie denn das Leben überhaupt entstanden ist. Hierzu Copilot Search am 30.7.2026:
Das Leben entstand vor etwa 4 Milliarden Jahren aus chemischen Prozessen, die einfache Moleküle zu den ersten selbstreplizierenden Systemen kombinierten.
Chemische Grundlagen
Leben basiert auf Kohlenstoffverbindungen, ergänzt durch Sauerstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Phosphor und Schwefel, die zusammen die Bausteine der Biomoleküle bilden. Die ersten organischen Moleküle entstanden vermutlich durch chemische Reaktionen in der Ur- Atmosphäre oder an mineralischen Oberflächen, wie etwa an Eisen-Schwefel-Mineralien in Tiefsee-Hydrothermalquellen, wo Energie und Schutz vor UV-Strahlung vorhanden waren. didaktikchemie.uni-bayreuth.de+1.
Experimente wie der Miller-Versuch zeigten, dass aus einfachen Gasen Aminosäuren und andere organische Moleküle entstehen können. didaktikchemie.uni-bayreuth.de+
Erste Lebensformen
Die ersten Lebensformen waren Prokaryoten, einfache einzellige Organismen ohne Zellkern, die vor etwa 3,5 bis 3,8 Milliarden Jahren existierten. mensch-erde-universum.de+
Diese Zellen konnten sich selbst replizieren und Energie aus ihrer Umgebung gewinnen, was die Grundlage für Evolution und natürliche Selektion bildete. ETH Z�ich+
Fossilfunde und Isotopenanalysen liefern Hinweise auf frühe Lebensspuren, z. B. in Zirkonen aus Westaustralien oder Isua-Gneisen in Grönland. www.oekosystem-erde.de.
RNA-Welt und Proteinsynthese
Eine zentrale Hypothese zur Entstehung des Lebens ist die RNA-Welt, in der RNA-Moleküle sowohl als Erbinformation als auch als Katalysatoren fungierten. Parallel dazu existiert die Thioesterwelt, die freie Stoffwechselreaktionen erklärt. Experimente zeigen, dass Thioester selektiv an RNA andocken können, was die frühe Proteinsynthese erleichterte. www.focus.de.
Übergang zu komplexem Leben
Nach Milliarden Jahren einfacher Prokaryoten entstanden durch Endosymbiose die ersten Eukaryoten, Zellen mit Zellkern und Organellen wie Mitochondrien. Diese Zellen ermöglichten die Entwicklung komplexer Organismen, von Pilzen oder Pflanzen bis zu Tieren. news.uzh.ch.
Die zunehmende Komplexität wurde durch längere Gene und Proteine sowie neue Mechanismen der Genregulation unterstützt, was die Vielfalt des Lebens ermöglichte. news.uzh.ch.
Zusammenfassung
Die Entstehung des Lebens war ein schrittweiser Prozess:
1. Bildung einfacher organischer Moleküle aus anorganischen Stoffen
2. Polymerisation zu Biopolymeren wie Proteinen und Nukleinsäuren
3. Bildung von Protobionten, Vorläufern der Zellen
4. Entwicklung selbstreplizierender RNA-Systeme
5. Entstehung der ersten Prokaryoten und später Eukaryoten
Obwohl die genauen Mechanismen noch nicht vollständig geklärt sind, liefern Fossilien, Experimente und theoretische Modelle ein konsistentes Bild, wie aus unbelebter Materie das Leben hervorging. ETH Zich+“
Damit wird verstehbar, wie aus „toter“, anorganischer Materie Leben entstehen konnte. Wobei zu beachten ist, dass die Materie von Anfang an nicht „tot“ ist, sondern durchdrungen von Faktoren wie In-Form-Setzung, Freiheit (der Unschärferelation) und Assoziationsvermögen (von Atomen und Molekülen). Diese Faktoren sind zugleich auch Voraussetzungen für die Entstehung von Leben.
Zusammenfassung
Die Übertragung des Begriffs Seele auf die „Weltseele“, d.h. auf die Welt als Ganze, beruht offensichtlich auf Spekulation. Umso wichtiger ist es, den Begriff Seele zu klären. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man begnügt sich mit Hypothesen oder man rekurriert auf überprüfbare Fakten. Hypothesen sind z.B. die Annahmen, die Seele sei
· identisch mit dem Körper, oder:
· der „innere Sinn“ (Kant), oder:
· völlig gesellschaftlich bedingt (Marx), oder:
· identisch mit der Weltseele.
Natürlich gibt es für keine dieser Annahmen keine Belege durch überprüfbare Fakten. Anders steht es mit dem Folgenden:
Platon begnügte sich noch mit zwei Grundbestandteilen der Seele: dem Thymos (der emotionalen Gemütsanlage) und dem Trieb. Damit reduzierte er das Seelenleben auf die Gefühlswelt und das Unbewusste. Dies änderte sich, als Aristoteles die Seele als Formkraft des Körpers und Lebensprinzip bzw. Prinzip der Lebendigkeit erklärte (heute ergänzbar durch Begriffe wie das Selbst-Werden und -Sein sowie das Erleben und die Erlebnisfähigkeit. Hierfür gibt es Belege in Form nachprüfbarer Fakten. Dr Neurologe Gerhard Roth führt psychische Prozesse auf die Aktivität und Vernetzung von Nervenzellen – vor allem der Amygdala – zurück. Das ist nachweisbar, nicht jedoch Roths weitergehende Behauptung, das Seelenleben sei mit der genannten Aktivität bestimmter Hirnareale identisch.
Zutreffend ist hingegen die Beobachtung, dass das Seelenleben sich in der Gesamtheit des Erlebens von Körperlichem, Seelischem und Geistigem vollzieht. Wir erleben nicht nur unseren Körper, sondern auch die Signale des Unbewussten (z,B. im Traum), unser Gefühlsleben, unser Ich-Bewusstsein und unsere geistigen Aktivitäten.
Ausgeschlossen erscheint daher die Möglichkeit, den Seelen-Begriff - als „Weltseele“ - auf das Weltganze zu übertragen. Voraussetzung hierfür wäre, dass außerhalb der irdischen Biosphäre Leben nachweisbar wäre, was nicht der Fall ist. Das Weltall besteht aus Materie (Masse, Energie, Dunkle Materie), die allerdings nicht „tot“, sondern von entelechetischen Faktoren wie In-Form-Setzung, Freiheit und Assoziationsvermögen durchdrungen ist.
Von hier aus könnte sich vielleicht eines Tages die Möglichkeit ergeben, den Seelen-Begriff mit der Quantentheorie, speziell der Neutrino -Theorie, zu verbinden und den Begriff 'Weltseele' zu rehabilitieren. Neutrinos sind kleinste E-Teilchen mit erstaunlichen Fähigkeiten, so z.B., das gesamte Universum zu durchdringen, Informationen zu transportieren und dabei unermessliche Entfernungen zu überwinden.
Dazu heißt es in einem Wikipedia-Artikel vom 24.8-20246:
„Neutrinos als Botenteilchen aus dem Universum
Kosmische Neutrinos aus fernen Quellen wie aktiven galaktischen Kernen oder Gammastrahlenausbrüchen dienen als einzigartige Botenteilchen. Aufgrund ihrer geringen Wechselwirkung mit Materie können sie riesige Entfernungen nahezu ungestört zurücklegen und Informationen über die extremsten Orte im Universum liefern. Das IceCube-Observatorium am Südpol nutzt den antarktischen Eisschild als gigantischen Detektor, um hochenergetische kosmische Neutrinos nachzuweisen. Die ersten Ergebnisse bestätigen die Existenz dieser Neutrinos und eröffnen ein neues Fenster zur Beobachtung des Kosmos – die Neutrinoastronomie.
Bedeutung von Neutrinos für die Entwicklung des Universums
Neutrinos waren bereits Sekundenbruchteile nach dem Urknall von großer Bedeutung. Aufgrund ihrer schwachen Wechselwirkung entkoppelten sie sich früh vom heißen Urplasma und bildeten den kosmischen Neutrinohintergrund. Ähnlich wie der kosmische Mikrowellenhintergrund durchdringt diese Neutrinohintergrundstrahlung das gesamte Universum, konnte bisher jedoch noch nicht direkt nachgewiesen werden.
Da Neutrinos eine Masse besitzen, tragen sie auch zur Dunklen Materie im Universum bei. Allerdings machen sie nur einen kleinen Teil der gesamten Dunklen Materie aus. Der Hauptbeitrag muss von anderen, noch unbekannten massiven Teilchen stammen. Dennoch sind Neutrinos unverzichtbar, um die Entwicklung des Universums vom Urknall bis heute zu verstehen.
Fazit
Die Neutrinophysik hat in den vergangenen Jahrzehnten bemerkenswerte Fortschritte gemacht und sich zu einem faszinierenden Forschungsgebiet entwickelt. Neutrinos, einst als hypothetische Teilchen betrachtet, haben sich als Schlüsselelemente für unser Verständnis der Teilchenphysik, Astrophysik und Kosmologie erwiesen. Die Zukunft der Neutrinoforschung verspricht weitere aufregende Entdeckungen und Erkenntnisse über die grundlegenden Gesetze der Natur.
Trotz der beeindruckenden Fortschritte bleiben jedoch noch viele offene Fragen in der Neutrinophysik. Die genauen Massen der Neutrinos, die Natur der Neutrinomischung und die mögliche Existenz zusätzlicher steriler Neutrinos sind nur einige der Rätsel, die es noch zu lösen gilt. Die Beantwortung dieser Fragen erfordert fortschrittliche Experimente und theoretische Modelle, die unser Wissen über diese geheimnisvollen Teilchen erweitern werden.
Die Zukunft der Neutrinoforschung ist vielversprechend und wird zweifellos neue Erkenntnisse liefern, die unser Verständnis des Universums und der fundamentalen Wechselwirkungen vertiefen werden. Mit jedem neuen Experiment und jeder neuen Entdeckung kommen wir der Lösung der offenen Frage näher und enthüllen die verborgenen Geheimnisse der Neutrinos. Es bleibt spannend zu verfolgen, welche Überraschungen die Neutrinophysik in den kommenden Jahren noch für uns bereithält und wie sie unser Bild von der Welt der Teilchen und des Kosmos prägen wird.“
Literaturhinweise
BRUNO, Giordano 1993: Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen, Hamburg
KIRCHHOFF, Jochen 2017: Weltraum ist Weltseele. Eine empirische These (Video), https://www.youtube.com/watch?v=hXHxw0F008o
KRAUSE, Helmut F. 1989: Vom Regenbogen und vom Gesetz der Schöpfung. Das kosmische Schicksal der Menschheit. Wie dem lebensfeindlichen Wirken der Erdbewohner ein Ende gesetzt wird, Berlin
ROBRA, Klaus 2015: Wege zum Sinn, Hamburg
de.wikipedia.org/wiki/Neutrino [zuletzt aufgerufen am 26.08.2026]
de.wikipedia.org/wiki/Seele [zuletzt aufgerufen am 26.08.2026]
de.wikipedia.org/wiki/Timaios [zuletzt aufgerufen am 26.08.2026]
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1 https://de.wikipedia.org/wiki/Seele
2 In: de.wikipedia.org/wiki/Timaios
3 Bruno 1993, S. 29 f.
4 s. Robra 2015, S. 399
5 Krause 1989, S. 124
6 https://de.wikipedia.org/wiki/Neutrino
- Quote paper
- Dr. Klaus Robra (Author), 2026, Gibt es eine Weltseele?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1746823