James Tobin - Grundsätze der Geld- und Staatsschuldenpolitik


Seminararbeit, 2011
51 Seiten, Note: 1,00

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Zur Person James Tobin

3. Historischer Hintergrund

4. Die Grundsätze der Geld- und Staatsschuldenpolitik
4.1. Begriffsbestimmungen
4.1.1. Veränderungsmöglichkeiten der Verschuldungszusammensetzung
4.1.2. Die Definition und Rolle des Staates - Notenbank und Finanzamt
4.2. Die Grundzüge der makroökonomischen Portfoliotheorie von Tobin
4.2.1. Tobins q
4.2.2. Tobins makroökonomische Portfoliotheorie und ihre Unterschiede zur Theorie von Keynes
4.3. Einfluss und Wirkungen der Staatsschuldenpolitik in Tobins Theorie
4.3.1. Die Erhöhung der Staatsschuld durch Verbindlichkeiten auf Sicht
4.3.2. Die Erhöhung der Staatsschuld durch kurzfristige Staatsschuldtitel
4.3.3. Die Erhöhung der Staatsschuld durch langfristige Staatsschuldtitel
4.3.4. Veränderungen in der Verschuldungszusammensetzung
4.3.5. Die langfristige Staatsverschuldung im Bezug zur makroökonomischen Portfoliotheorie
4.3.6. Die Diskontsatz-, die Mindestreserven- und die Offenmarktpolitik
4.4. Effizienzsteigerung der Staatsschuldenpolitik
4.4.1. Das Management der Fristigkeitenstruktur
4.4.2. Die optimale Zusammensetzung der Staatsverschuldung
4.5. Inflationsgeschützte Anleihen

5. Exkurs: Die Tobin-Steuer

6. Schlussbetrachtung

7. Literatur

8. Internetquellen

James Tobin

Grundsätze der Geld- und Staatsschuldenpolitik

1. Einleitung

Im Zuge der Finanzkrise und aufgrund der Milliardenschweren Rettungspakete zur Rettung der Banken und Staaten gewinnt die Thematik der Staatsverschuldung einiges an Aktualität. Der Name eines Nobelpreisträgers für Wirtschafts-wissenschaften, James Tobin, war unlängst, zwar nicht aufgrund seines Grundlagenwerkes zur Staatsverschuldung, aber in Bezug auf seine sog. Tobin-Steuer, wieder in den Medien präsent. In seinem Werk „Grundsätze der Geld- und Staatsschuldenpolitik“ von 1963 geht Tobin zwar auf Steuern nur beiläufig - die Tobin-Steuer sollte von ihm erst später entwickelt werden – ein, dennoch liefert auch dieses Werk über die Staatsverschuldung grundlegende Überlegungen und Ansätze für eine Reduktion der Staatsschulden bzw. vor allem für eine Reduktion der Kosten der Staatsverschuldung. James Tobin unterteilte sein Werk „Grundsätze der Geld- und Staatsschuldenpolitik“ in die folgenden vier Kapitel: 1. Staatsverschuldung und ihre Zusammensetzung, 2. Monetäre Wirkungen von Änderungen der Höhe und Struktur der Staatsverschuldung, 3. Geld- und Staatsschuldenpolitik und 4. Anleihen mit Wertsicherungsklauseln. Am Schluss folgte noch eine Zusammenfassung und im Anhang wurde das Modell noch mathematisch erklärt. In der folgenden Arbeit versuche ich, die Einteilung Tobins in ihren groben Zügen beizubehalten. Als erstes gehe ich auf die Person James Tobin und seinen Lebenslauf ein. Im Anschluss liefere ich kurz einen Überblick auf die damalige wirtschaftliche Situation, um schließlich mit dem Hauptteil der Arbeit Tobins Werk „die Grundsätze der Geld- und Staatsschuldenpolitik fortzufahren. Dieser Unterabschnitt der Arbeit gliedert sich in vier Unterkapitel. Im ersten dieser Unterkapitel wird auf den Großteil der Definitionen einzelner Begriffe in Tobins Theorie, auf die Veränderbarkeit der Staatsverschuldung und auf die Definition bzw. die Rolle des Staates eingegangen. Im zweiten Unterkapitel wird Tobins makroökonomische Portfoliotheorie behandelt. Dabei werden auch das sog. Tobin q, eine wichtige ökonomische Kennzahl, und die Unterschiede von Keynes und Tobins Ansatz präsentiert. Diesem Unterkapitel folgt das Unterkapitel über den Einfluss und die Wirkung der Staatsschuldenpolitik in Tobins Theorie. Es wird dabei die Erhöhung der Staatsschuld durch Verbindlichkeiten auf Sicht, durch kurzfristige Staatsschuldtitel und durch langfristige Staatsschuldtitel behandelt. Schließlich wird in diesem Unterkapitel noch auf die Veränderung der Verschuldung, auf die langfristige Staatsverschuldung im Zusammenhang mit der makroökonomischen Portfoliotheorie und auf die Diskontsatz-, die Mindestreserven- und die Offenmarktpolitik kurz eingegangen. Im dritten Unterkapitel wird die Effizienzsteigerung der Staatsschuldenpolitik und in diesem Zusammenhang auch das Management der Fristigkeitenstruktur und die optimale Zusammensetzung der Staatsverschuldung abgehandelt. Im vierten und letzten Unterkapitel des Hauptabschnittes über Tobins Werk wird noch einmal auf inflationsgeschützte Anleihen eingegangen. Als vierter Hauptpunkt folgt ein kurzer Exkurs zur Tobin-Steuer. Schließlich werden im Schlusswort die wichtigsten Ansätze von James Tobin noch einmal kurz zusammengefasst.

2. Zur Person James Tobin

Am 5. März 1918 wurde James Tobin in Champaign im Bundesstaat Illinois in den USA geboren. Tobins Vater, Lous Michael Tobin, war Direktor für Öffentlichkeitsarbeit für Sport an der Universität Illinois. Margret Edgerton Tobin, die Mutter von Tobin, arbeitete als Sozialarbeiterin und legte ihre Arbeit für 16 Jahre nieder, um sich der Familie zu widmen. In den Zeiten der Weltwirtschaftskrise arbeitete sie wieder in ihrem Beruf, um das Familieneinkommen aufzubessern. Durch die Berichte seiner Mutter erlangte Tobin schon in jungen Jahren erste Eindrücke vom Elend und der Armut, die durch die Arbeitslosigkeit verursacht wurden. Tobin schloss seine Ausbildung an der High School in Urbana ab und bewarb sich – vom Vater dazu veranlasst – an der Aufnahmeprüfung für Harvard. Nach vier Jahren an der Harvard Universität erhielt Tobin seinen B.A. Aufgrund der Weltwirtschafskrise und der Ratlosigkeit der Ökonomen, die diese Krise nicht erklären konnten, entschloss sich Tobin Nationalökonomie zu studieren. Tobin konnte ein gewährtes Auslandsstipendium aufgrund des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges nicht mehr annehmen und verbrachte daher zwei weitere Jahre als graduierter Student an der Harvard University. Seine Professoren in Harvard waren u.a. Joseph Schumpeter und Wassily Leontief. Er hatte auch sehr begabte Mitstudenten wie etwa Paul Samuelson. 1941 verließ Tobin die Harvard University und trat eine Anstellung in einer Washingtoner Agentur an. Seine Arbeit bestand darin, Quoten für Mitarbeiter festzulegen und diese Quoten den Betroffenen zu erklären. Nachdem die USA in den Zweiten Weltkrieg eingetreten waren, meldete sich James Tobin zu Marinereserve und wurde dort als Marineoffizier ausgebildet. Auf dem Zerstörer U.S.S. Kearny tat Tobin vier Jahre lang Dienst. Anfangs als Front- und Artillerieoffizier dann als Navigator und leitender Offizier. Im Zuge seines Kriegsdienstes war Tobin u.a. an der Invasion von Nordafrika und am Italien-Feldzug beteiligt. Tobin schätzte die Zeit beim Militär sehr, da sie eine Abwechslung zur akademischen Arbeit waren. Nach dem Krieg erhielt Tobin zahlreiche Berufsangebote, aber er entschloss sich dennoch eine akademische Laufbahn einzuschlagen. 1946 heiratete er Elizabeth Fay Ringo, eine ehemalige Schülerin von Paul Samuelson. Das Paar bekam vier Kinder, eine Tochter und drei Söhne. In den Jahren 1946-1947 erlangte Tobin seinen Ph.D. Er schrieb eine Dissertation über die Theorie und die statistische Erfassung der Konsumfunktion. Sein Dissertationsthema beschäftigte ihn auch noch weitere Jahre nach dem Erlangen des Ph.D. Im Jahre 1947 wurde Tobin zum Junior Fellow der Society of Fellows gewählt. Durch diese Wahl wurden ihm drei Jahre freies Studieren, Forschen und Schreiben ermöglicht. In diesen drei Jahren holte Tobin in den Wirtschaftswissenschaften das auf, was er während des Krieges versäumt hatte und schrieb zudem noch einige Artikel zur Makroökonomie. In den Jahren 1949 bis 1950 wirkte Tobin in England am Richard Stones Departement of Applied Economics. Eine Tätigkeit an der Yale University folgte 1950. In Yale wurde er im selben Jahr zum Associate Professor ernannt. Im Jahre 1955 wurde Tobin die John Bates Clark Medal verliehen. Diese Auszeichnung wird an den besten Wirtschaftswissenschaftler unter 40 Jahren in den USA verliehen. In den 1950er Jahren begann Tobin auch Aufsätze über aktuelle wirtschaftliche Themen zu publizieren. Einige dieser Aufsätze wurden 1966 mit dem Titel „National Economic Policy“ veröffentlicht. Tobin war weiters von 1955 bis 1961 und von 1964 bis 1965 Leiter der Cowles-Stiftung an der Yale University. In der Zeit in Yale, als er Präsident der Cowle-Stiftung war, war Tobins Forschungsschwerpunkt, die Wirtschafstheorie von Keynes auf eine feste Grundlage zu stellen. Tobin war auch daran interessiert und bemühte sich, die Systematik der Makroökonomie und der monetären Theorie zu festigen und besser heraus zu arbeiten. James Tobin gehörte somit der Schule der sog. Post- oder Neokeynesianer an. Diese Schule versuchte die Theorien von Keynes weiterzuentwickeln. Die Rede Tobins „Geld und Finanzwirtschaft im makroökonomischen Prozess“ war in diesem Zusammenhang eine Art Abschlussbericht von Tobins Bemühungen um die Makroökonomie und die monetäre Theorie. James Tobin war Präsident mehrerer Vereinigungen wie etwa die Econometric Society, die American Economic Association und die Eastern Economic Association und von 1966 bis 1970 Vorsitzender der New Haven City Plan Commission. Professor Tobin war zudem Sachverständiger in zahlreichen Ausschüssen und fungierte auch als Politikberater – er war von 1961–1962 Mitglied im Beraterstab von Präsident Kennedy. In der Zeit als Tobin Berater von Präsident Kennedy war, verfasste er gemeinsam mit Robert M. Solow, Arthur Melvin Okun und Kenneth Arrow den Economic Report von 1962. Dieser Bericht wurde von der Presse später als „New Economics“ bezeichnet. Er bot eine Darstellung der Theorie und Praxis der Stabilitäts- und Wachstumspolitik. Bis 1965 konnten die wichtigsten Vorschläge des Beraterstabes des „New Economics“ umgesetzt werden, allerdings wurden die Erfolge dieser Umsetzungen von den negativen Auswirkungen des Vietnamkrieges und der Stagnation der 1970er Jahre beeinflusst. James Tobin wurden insgesamt mehr als 21 Ehren-Doktortitel verliehen und ab 1972 wurde er Mitglied der National Academy of Sciences. 1972 wurde Tobin einer breiteren Öffentlichkeit, durch seine weltweit vorgeschlagene (Lenkungs-)Abgabe auf spekulative internationale Devisentransaktionen, bekannt. Diese Steuer wurde daher auch Tobin-Steuer genannt. Im Bezug auf seine Steuer auf Devisengeschäfte wird oft behauptet, dass er die Einkünfte aus dieser Steuer über die Weltbank Entwicklungsländern zu Gute kommen lassen wollte. Tobin war in Wahrheit zwar nicht explizit dagegen, er verwies aber darauf, dass dies kein entscheidender Punkt in seinem Steuerkonzept war. Die Idee der Tobin-Steuer wurde von Globalisierungsgegnern in abgeänderter Form aufgegriffen. Im September 2001 gab Tobin in einem Interview im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ bekannt, dass er ein Anhänger des freien Handels war und, dass er den Internationalen Währungsfond, die Weltbank, die Welthandelsorganisation (alles was Globalisierungskritiker bekämpfen) befürwortete. Tobins Namen wurde somit nach seiner eigenen Einschätzung von den Globalisierungskritikern missbraucht. 1981 erhielt Tobin den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Den Nobelpreis erhielt er für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Portfoliotheorie und für seine Analyse der Finanzmärkte und ihrer Auswirkungen auf Ausgabenbeschlüsse und somit die Auswirkungen der Finanzmärkte auf Beschäftigung, Produktion und Preisentwicklung. Hauptforschungsgebiete Tobins waren Makroökonomie, Geldtheorie und Geldpolitik, Steuerpolitik, Arbeitslosigkeit, Inflation, Portfoliotheorie und Ökonometrie. James Tobin emeritierte im Jahre 1988. In seiner wissenschaftlichen Laufbahn schrieb er 16 Bücher, mehr als 400 Artikel und Aufsätze. Tobin schrieb Artikel und Aufsätze einerseits für Fachleute, andererseits aber auch für die breite Masse. James Tobin verstarb am 11. März 2002.[1]

3. Historischer Hintergrund

Tobins Werk wurde bereits 1963 in den USA publiziert und erst verspätet in Europa und speziell in Deutschland populär. Das zunehmende Interesse an Tobins Theorie entstand aufgrund des raschen Anstiegs der Staatsverschuldung in der BRD und aufgrund der (keynesianischen) antizyklischen Ausgaben- und Einnahmenpolitik, die die Rezession seit 1975, nach der ersten Ölkrise von 1973, bekämpfen sollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es wenige Untersuchungen zum Thema Staatsschuldenpolitik in der BRD, verglichen mit den zahlreichen Untersuchungen im angloamerikanischen Raum, in dem die Staatsverschuldung eine große Bedeutung hatte. Vorreiter waren hier vor allem die USA und Großbritannien. In der BRD stiegen die Staatsschulden bis 1970 fast unbemerkt und problemlos rasch an, weil man die Staatsausgaben für Sozialleistungen nicht senkte und die Steuern auch nicht erhöhte. Dies wären Keynes Empfehlungen bei guter Konjunkturlage gewesen, um das „Deficit-spending“ und die daraus entstandenen Schulden abbauen zu können. Die Wissenschaft vernachlässigte das Problem der steigenden Staatsverschuldung. Von 1974 bis 1977 stieg die Verschuldung der BRD um das Doppelte. Das bedeutete, dass die Verschuldung in diesen vier Jahren um den gleichen Betrag gestiegen war, wie in den 25 Jahren zuvor. Durch diese Zäsur wurde das wissenschaftliche Defizit in diesem Bereich deutlich und daher Tobins Werk so wichtig.[2]

Tobin zeigte in seinem Werk „Grundsätze der Geld- und Staatsschuldenpolitik“ von 1963, das sich auf die Verhältnisse in den USA bezog, aber in seinen Grundzügen auf die BRD übertragbar war, wie wichtig und wertvoll eine aktive Staatsschuldenpolitik im Bezug auf die Konjunkturstabilisierung ist und wo ihre Grenzen liegen. Des Weiteren untersuchte er die Mängel des damaligen Staatsschuldenmanagements und dessen Verbesserungsmöglichkeiten. Er behandelte auch die Rolle der Geldpolitik und den Beitrag, den sie leisten kann, um die Staatsschuldenpolitik zu unterstützen und wie weit die Geldpolitik in diesem Zusammenhang gehen darf. In seinem Werk entwickelte Tobin auch erstmals seine makroökonomische Portfoliotheorie, die sich durch das ganze Werk zieht. Die Arbeiten auf dem Gebiet der makroökonomischen Portfoliotheorie bildeten u.a. auch eine wichtige Grundlage für die wissenschaftliche Arbeit, für die Tobin 1981 den Nobelpreis erhielt. Im Unterschied zu wissenschaftlichen Publikationen in der BRD unterscheiden die Arbeiten im angloamerikanischen Raum nicht zwischen der Geld- und Staatsschuldenpolitik bzw. behandeln diese beiden Bereiche immer in Verbindung miteinander.[3]

4. Die Grundsätze der Geld- und Staatsschuldenpolitik

4.1. Begriffsbestimmungen

Die Staatsverschuldung setzte sich bei Tobin zusammen aus allen Arten verzinslicher Staatsschuldtitel, die im Besitz des privaten Sektors (zum privaten Sektor zählen Geschäftsbanken und auch Länder und Gemeinden) sind. Die Verbindlichkeiten des Staates (Forderungstitel gegen den Staat) können sich aus unterschiedlichen Arten zusammensetzen. Tobin unterteilte diese Arten in: 1. übertragbare Verbindlichkeiten auf Sicht, 2. kurzfristige und fungible Wertpapiere (leicht umtauschbare bzw. verwertbare Wertpapiere), 3. fungible langfristige Wertpapiere, 4. nicht-fungible Wertpapiere und 5. anderweitige Verpflichtungen. Zu den übertragbaren Verbindlichkeiten auf Sicht gehören alle Zahlungsmittel, die vom Finanzministerium und der Notenbank (Zentralbank) ausgegeben werden und die Sichtverbindlichkeiten der Zentralbank. Eine scharfe Trennung zwischen fungiblen kurz- und langfristigen Wertpapieren gibt es nicht. Hier reichen die Laufzeiten von 3 Monaten bis zu 40 Jahren. Bei Tobin waren die kurzfristigen Wertpapiere mit bis zu einem Jahr begrenzt. Kurzfristige Verbindlichkeiten wie z.B. Schatzwechsel und andere Finanzierungspapiere können bei der Zentralbank gegen Zentralbankkredit hinterlegt werden. Daher unterstellt Tobin auch eine relativ gute Substituierbarkeit[4] zwischen Kasse und Schatzwechsel, die für alle Formen der kurzfristigen Verschuldung zur Vereinfachung stehen. Eine Geschäftsbank kann sich mithilfe solcher kurzfristigen Verbindlichkeiten gegen die Marktunsicherheit und gegen Kreditfazilitäten (Überziehungskredite) absichern. Zur Kategorie der nicht-fungiblen Wertpapiere zählen vor allem Sparschuldverschreibungen (Bundesschatzbriefe), d.h. Wertpapiere die nur beim Finanzministerium erhältlich sind und die auch nur dort nach Vorlage, d.h. auf Sicht, zu genau bestimmten Werten einlösbar sind. Sparschuldverschreibungen können nicht von Privaten (von Tobin auch als Publikum bezeichnet) gehandelt werden. Zur Kategorie der anderweitigen Verpflichtungen zählte Tobin eine breite Palette von gesetzlichen Verpflichtungen, deren Höhe und Fälligkeit nur schwer berechenbar sind. Beispiele für solche Verpflichtungen sind die Sozialversicherungsleistungen, Pensionen, Zuschüsse an öffentliche Stellen usw. Tobin verwies darauf, dass diese Verbindlichkeiten wahrscheinlich in Zukunft eine größere Belastung sein werden, als die „normale“ Staatsverschuldung, die genau berechnet werden kann. Diese Verbindlichkeiten sind die Folge von gesetzlichen und politischen Entscheidungen und das Finanzministerium und die Zentralbank können diese nicht verändern. In Tobins Analyse sind die anderweitigen Verpflichtungen zur Vereinfachung ausgeblendet und somit nicht Teil der Staatsverschuldung. Einnahmen, wie z.B. Sozialversicherungsabgaben, wurden von Tobin als Einnahmen, mit denen die Staatsverschuldung reduziert werden kann, verbucht. Aufwendungen, die die anderweitigen Verpflichtungen betreffen, werden als Ausgaben verbucht, die die Staatsverschuldung erhöhen. Diese Einnahmen und Ausgaben müssten daher bei der Berechnung der Staatsverschuldung mitberücksichtigt werden. Da sie allerdings nicht genau berechenbar sind, wurden sie von Tobin vernachlässigt, was allerdings laut Dieter Duwendag, der eine Einführung zur deutschen Übersetzung von Tobins Werk schrieb, die Relevanz des Modells nicht beeinträchtigt.[5]

4.1.1. Veränderungsmöglichkeiten der Verschuldungszusammensetzung

Die ersten vier Formen der Verschuldung können vom Finanzministerium und der Zentralbank beeinflusst werden. Ziel in Tobins Theorie ist es, die Zinsbelastung des Staates zu senken. Dies kann laut seiner Theorie durch Umschuldung zwischen den ersten vier Formen der Verschuldung geschehen. Der Staat bzw. das Finanzamt und die Zentralbank haben dabei die Zinsstruktur des Marktes und alle möglichen anderen Faktoren genauestens zu überwachen und zu analysieren, um eine effiziente Umschuldungsstrategie umzusetzen und somit die Zinsbelastung für den Staat senken zu können. Die gesamte Staatsverschuldung setzt sich aus den Summen der Defizite und Überschüsse des Staatshaushaltes aus der Vergangenheit zusammen. Bei einem Defizit steigt die Verschuldung und bei einem Überschuss sinkt sie. Das Parlament bzw. der Gesetzgeber oder die Politik können die Erhöhung oder Verringerung der gesamten Staatsverschuldung beeinflussen, die Notenbank und das Finanzministerium nicht. Die beiden letztgenannten Organisationen können nur die Zusammensetzung und die Zinskosten dieser Verschuldung beeinflussen. Die konjunkturelle und monetäre Wirkung der Staatsverschuldung ist abhängig von der Zusammensetzung der Verschuldung, die sich im Besitz des Publikums befindet. Beispielsweise kann das Finanzministerium langfristige Wertpapiere, wenn diese zur Einlösung fällig werden, durch kurzfristige Verbindlichkeiten wie z.B. Geldmarktpapiere bzw. Schatzwechsel ersetzen. Denn die langfristigen Wertpapiere stellen im Fälligkeitszeitraum praktisch Verbindlichkeiten auf Sicht dar. Das Finanzministerium kann den vorzeitigen Rückkauf anbieten oder es kann die langfristigen Schuldtitel selbst zurückkaufen und in kurzfristige Schuldtitel umwandeln. Der Staat kann ebenso die Konditionen für nicht-fungible Verschuldungen attraktiver gestalten oder die Sichtverbindlichkeiten des Publikums vergrößern, indem er die Einlagen des Finanzministeriums bei der Notenbank verringert und dadurch Geld in den Wirtschaftskreislauf bringt und somit die Sichtverbindlichkeiten erhöht. In gewissen Grenzen ist es dem Finanzministerium auch möglich, neues Geld zu schaffen und somit die zinstragenden Staatsschulden zu verringern. Der Zentralbank ist es ebenfalls möglich, die Zusammensetzung der Staatsverschuldung durch Offenmarkgeschäfte zu verändern. Beispielsweise kann sie kurzfristige Wertpapiere am offenen Markt ankaufen, dadurch die Sichtverbindlichkeiten des Staates erhöhen, und daher auch die kurzfristige fungible Staatsverschuldung im selben Ausmaß verringern. Wenn die Notenbank langfristige Wertpapiere am offenen Markt verkauft, erhöht sie dadurch die langfristigen Verbindlichkeiten und vermindert zur gleichen Zeit die Sichtverbindlichkeiten um denselben Betrag. Kauft die Zentralbank kurzfristige Verbindlichkeiten und verkauft sie im selben Zeitraum langfristige Verbindlichkeiten, so kann sie die kurzfristige fungible Staatsverschuldung in langfristige Staatsschuldtitel (in Form von Anleihen) umschichten, wobei die Sichtverbindlichkeiten nahezu unverändert bleiben. Da die Zentralbank nicht direkt die Konditionen für die nicht-fungiblen Wertpapiere des Finanzministeriums festlegt, kann sie die Nachfrage nach diesen durch die Veränderung der Erträge für fungible Wertpapiere beeinflussen. Die Zentralbank legt auch den Diskontsatz fest. Zu diesem Zinssatz können sich die Geschäftsbanken Zentralbankgeld leihen. Sie legt außerdem den Diskontsatz für Wechsel fest, d.h. zu diesem Satz diskontiert bzw. rediskontiert die Zentralbank Wechsel der Geschäftsbanken und gewährt ihnen somit Kredit. Der Mindestreservensatz[6] wird ebenfalls, in gewissen gesetzlichen Grenzen, von der Zentralbank bestimmt. (Geldmarktpapiere wie Schatzwechsel sind jederzeit in Mindestreserven umtauschbar). Aufgrund dieses breiten Spektrums von Einflussmöglichkeiten zur Verringerung der Staatsverschuldung können, laut Tobin, die Tätigkeiten des Finanzministeriums und die der Notenbank bzw. die Geldpolitik nicht von der Schuldenpolitik getrennt betrachtet werden. Daher wird im Folgenden für die Organisationen Finanzministerium und Notenbank, wie in Tobins Theorie, der Oberbegriff Staat verwendet, wenn nicht näher auf die Möglichkeiten der einzelnen Organisationen eingegangen wird.[7]

4.1.2. Die Definition und Rolle des Staates - Notenbank und Finanzamt

Tobin definierte den Staat in seinem Werk nur als Gebietskörperschaft (Zentralbank und Finanzministerium). Tobin bezog in seinen Staatsschuldenbegriff auch die Notenbank mit ein, was in der damaligen üblichen[8] volkswirtschaftlichen Betrachtung üblicherweise nicht berücksichtigt wurde. Das bedeutet, dass Schulden des Staates bei der Notenbank nicht mit gerechnet werden, denn laut Tobins Betrachtungsweise leiht sich der Staat in diesem Falle das Geld selbst. Die Verschuldung ist somit austauschbar. Die Zinserträge bzw. alle Gewinne der Zentralbank fließen dem Finanzministerium zu. Als Folge dieser Betrachtung wird laut Tobin das Geld im Wirtschaftsumlauf bzw. das Zentralbankgeld, das letztlich den privaten Wirtschaftssubjekten zufließt, zur Staatsverschuldung gerechnet, da es sich hierbei um „auf Sicht fällige Schulden“[9] handelt. Diese auf Sicht fälligen Staatsschulden (das Zentralbankgeld) bestehen aus zwei Teilen. Zum einen aus dem Bargeldumlauf im Privatsektor inkl. der Münzen, die vom Finanzministerium ausgegeben werden, und zum zweiten aus den Netto-Zentralbankeinlagen der Banken. Die Einbeziehung der nicht-zinstragenden Verbindlichkeiten auf Sicht (z.B. wird Bargeld nicht verzinst, wenn es im Umlauf ist) ist normalerweise nicht üblich in der traditionellen[10] Haushaltsrechnung. Beispielsweise kauft der Staat Gold und finanziert diese Ausgaben über die Notenpresse, was ihm auch erlaubt[11] ist, aber in der traditionellen Sicht finden diese Ausgaben keine Berücksichtigung. Oder der Staat verkauft Gold und dann werden diese Einnahmen in der üblichen Betrachtung nicht berücksichtigt. Dem traditionellen Ansatz liegt laut Tobin die Theorie zu Grunde, dass der Staat ein gleichwertiges Gut (Edelmetalle) erworben oder verkauft hat. Andere Staatsausgaben werden durch Steuern oder Staatsverschuldungstitel finanziert, was sich in der Haushaltsrechnung niederschlägt. Laut Tobin wären daher auch Zinsen, die das Finanzministerium an die Notenbank für gewährte Kredite zahlt, keine Kosten, denn die Gewinne der Zentralbank fließen dem Finanzministerium zu. Daher bezieht Tobin die Notenbank in seine Sichtweise mit ein, denn die Schulden des Finanzministeriums und der Notenbank beim Publikum sind austauschbar und im Endeffekt die Schulden einer gemeinsamen Körperschaft, nämlich die des Staates.[12]

Die Netto-Zentralbankeinlagen der Banken setzen sich aus den Mindestreserven plus den Überschussreserven abzüglich der Zentralbankkredite an die Banken zusammen. Gerade durch die Einbeziehung der Zentralbank bzw. der Netto-Zentralbankeinlagen in die Staatsverschuldung wird die Untrennbarkeit zwischen Geld- und Staatsschuldenpolitik erkennbar. Die Staatsverschuldung ist identisch, nur spiegelbildlich, mit dem Privatvermögen. Das Privatvermögen besteht aus drei Teilen: 1. den privaten Forderungen gegen den Staat inkl. der Zentralbank d.h. der auf Sicht fälligen Staatsschuld, 2. dem Sachkapitalbestand bzw. dem Realkapitalbestand mit Ausnahme des Sachkapitalbestandes im Besitz des Staatssektors und 3. den Forderungen gegen das Ausland mit Ausnahme des Staatssektors. Die privaten Forderungen gegen den Staat nehmen bei Defiziten des Staates zu und bei Überschüssen des Budgets ab. Der Sachkapitalbestand, zu dem Tobin auch Aktien zählt, wächst mit den Bau- und Ausrüstungsinvestitionen und der Lagerhaltung. Zum Sachkapital zählen somit Aktien, Unternehmen, Rohstoffe, Grundstücke, Güter usw. Das Angebot an Sachkapital und die Güterpreise wurden von Tobin aufgrund analytischer Zwecke und zur Vereinfachung als gegeben angenommen. Die Forderungen gegen das Ausland nehmen zu, wenn Inländer Forderungen gegen Ausländer kaufen oder, wenn Inländer in Kapital und Grundbesitz im Ausland investieren. Die Forderungen gegen das Ausland nehmen hingegen ab, wenn Ausländer Forderungen gegen Inländer erwerben oder in Grund oder Kapital im Inland investieren. Bei Tobin wird der dritte Bestandteil des Privatvermögens als konsolidiert mit dem zweiten Teil gesehen bzw. vernachlässigt. Er unterstellt somit aus Vereinfachungsgründen eine geschlossene Volkswirtschaft. Innerhalb des privaten Sektors saldieren sich Forderungen und Schulden zu null, da Forderungen der Wirtschafssubjekte gleich den Verbindlichkeiten anderer Wirtschafssubjekte entsprechen, und eine Veränderung in der Höhe der Staatsverschuldung führt auch zu einer Veränderung des Privatvermögens. Aus diesem Grund sah Tobin in der Staatsschuldenpolitik das zentrale Instrument, um die Konjunktur zu beeinflussen.[13]

4.2. Die Grundzüge der makroökonomischen Portfoliotheorie von Tobin

In Tobins Theorie können die Wirtschaftssubjekte ihr Vermögen auf die zwei Vermögensblöcke - Finanzanlagevermögen (im Wesentlichen Verbindlichkeiten auf Sicht, Staatsschuldtitel und private Anleihen) und Sachkapital (Aktien, Grundstücke, Unternehmen, Rohstoffe, Grundstücke, Güter usw.) - aufteilen. Die Wirtschaftssubjekte streuen ihr Vermögen in ihrem sog. Portfolio auf beide Vermögensblöcke, um das gesamte Portfoliorisiko zu verringern. Für die Beeinflussung der Geld- und Staatsschuldenpolitik auf die Konjunktur bzw. für die Vermögensaufteilung der privaten Subjekte waren für Tobin zwei Ertragsraten, die mit dem Besitz von Sachkapital verbunden sind, wichtig. Zum einen die (erwartete) Grenzertragsrate bzw. die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals, (um in neues Sachkapital, das noch produziert werden muss, zu investieren, ist die (erwartete) Grenzertragsrate bzw. die interne Verzinsung dieses Sachkapitals wichtig). Die (erwartete) Grenzertragsrate ist kurzfristig eher starr und wirtschaftspolitisch sehr schwer beeinflussbar. Sie wird deshalb als gegeben angenommen, wobei sie vom jeweiligen technischen Stand, den Zukunftserwartungen der privaten Subjekte u.v.m. abhängt.[14]

Zum anderen ist die verlangte Rendite auf das bereits gehaltene Sachkapital eine wichtige Einflussgröße in Tobins Theorie. Das heißt, der Besitz von bereits existierendem Sachkapital hängt von der verlangten Rendite der Investoren auf dieses Sachkapital ab. Dabei variiert die verlangte Rendite auf das bestehende Sachkapital in Abhängigkeit vom Marktwert des Sachkapitals. Bei Tobin wird diese verlangte Rendite bzw. die verlangte Ertragsrate als Angebotspreis des Kapitals (Supply Price of Capital/SPC) oder auch als Marktertragsrate bezeichnet. Die verlangte Marktertragsrate ist die Mindestrendite, die Anleger, die Sachkapital halten, verlangen, um das Sachkapital weiterhin halten zu wollen. Steigt die Rendite von alternativen Sachkapitalinvestitionen, so steigt auch die verlangte Marktertragsrate der Anleger auf Sachkapital. Dieser Effekt wird auch als Ertragseffekt oder als Geldeffekt bezeichnet. Steigt allerdings der Anteil von Finanzaktiva (Geld bzw. Sichtverbindlichkeiten des Staates, Wertpapiere im Sinne von staatlichen und privaten Anleihen) im gesamten Portfolio der Anleger (das Portfolio besteht aus Finanzanlagevermögen und Sachkapital), so sinkt die verlangte Marktertragsrate auf Sachkapital, da nun das Risiko der Finanzanlagen im Portfolio überrepräsentiert ist. Ist das Finanzanlagevermögen überrepräsentiert und somit dessen Risiko höher, so lässt sich das Gesamtrisiko des Portfolios verringern, indem der Bestand an Sachkapital erhöht wird. Dieser Effekt wird auch als Risikoeffekt oder Vermögenseffekt bezeichnet. Das bedeutet, die verlangte Marktertragsrate auf Sachkapital ist abhängig von dem Ertrag alternativer Sachkapitalinvestitionen und von der Risikostruktur des gesamten Portfolios der Anleger. Die verlangte Ertragsrate der Investoren auf Sachkapital kann durch die staatliche Schuldenpolitik, d.h. durch die Veränderung der Risikostruktur des Privatvermögens, auch kurzfristig verändert werden und darum hat auch die Geld- und Staatsschuldenpolitik Einfluss auf sie. Im Folgenden werde ich für die verlangte Rendite der Investoren den Begriff Marktertragsrate, Angebotspreis des Kapitals oder verlangte Rendite bzw. verlangte Ertragsrate verwenden. Der Begriff Rendite wird im Sinne der internen Verzinsung verwendet und bezeichnet auch die (erwartete) Grenzertragsrate des Sachkapitals. Er steht allerdings nicht für die verlangte Rendite der Investoren, d. h. nicht für die Marktertragsrate.[15]

Ist die (erwartete) Grenzertragsrate höher als die verlangte Rendite des Sachkapitals, so ist dies ein Anreiz für die Investoren in Sachkapital zu investieren. Ist hingegen die (erwartete) Grenzertragsrate kleiner als der Angebotspreis des Kapitals, so besteht kein Anreiz in Sachkapital zu investieren. Die Differenz zwischen diesen zwei Raten bestimmt laut Tobin die ökonomische Aktivität. Um private Investitionen in Sachkapital zu fördern, muss daher die verlangte Rendite des Sachkapitals relativ zur (erwarteten) Grenzertragsrate des Sachkapitals gesenkt werden bzw. der Abstand zwischen beiden Renditen muss erhöht werden. Um Investitionen in Sachkapital bzw. die Konjunktur zu dämpfen, muss sich der Abstand zwischen beiden Renditen verringern. Das bedeutet, dass wenn die Investoren eine höhere Ertragsrate für Sachkapital verlangen, als es der gegebene Kapitalstock bzw. die erwartete Grenzertragsrate des Sachkapitals, unter Berücksichtigung der gegebenen Technologie und des Angebots an Produktionsfaktoren, bereitstellen kann, sinken die Investitionen und es stellt sich eine kontraktive Wirkung ein. Am Ende erhöht sich die verlangte Marktertragsrate der Investoren und es wird weniger investiert. Wenn das allgemeine Zinsniveau sinkt, sind die Wirtschaftssubjekte bereit, das vorhandende Realkapital zu einer niedrigeren verlangten Ertragsrate in ihren Portfolios zu halten. Daher steigt die Nachfrage nach vorhandenem Realkapital und daher ist der Marktwert des bestehenden Sachvermögens höher als der der Reproduktionskosten des Sachvermögens, denn die Reproduktionskosten werden laut Tobin durch die monetären Impulse nicht unmittelbar beeinflusst. Daher stellt dies ein Anreiz dar, zu investieren. Eine expansive Wirkung, d.h. dass am Ende die verlangte Marktertragsrate der Investoren sinkt und mehr investiert wird, wird erreicht, wenn die Investoren bereit sind, in Sachkapital zu investieren, weil ihre verlangte Ertragsrate unterhalb des Grenzertrages des Sachkapitals liegt. Die (erwartete) Grenzertragsrate für Sachkapital ist dabei vom technologischen Stand, dem Angebot an Produktionsfaktoren und den gesamtwirtschaftlichen Erwartungen abhängig. Man kann es auch so ausdrücken: Verlangen die Investoren nur eine niedrige Ertragsrate für existierendes Sachkapital im Vergleich zu dessen Grenzertrag, werden sie in Sachkapital investieren. Der Marktwert des Sachkapitals ist somit aufgrund der stärkeren Nachfrage nach Sachkapital höher als die Reproduktionskosten des Sachkapitals. Es ist diese Differenz, die für die Produzenten von Kapitalgütern ein Anreiz darstellt, die Produktion auszuweiten. Im gegensätzlichen Fall verlangen die Investoren eine hohe Ertragsrate im Vergleich zur Grenzertragsrate und investieren daher nicht so stark. Der Marktwert des bestehenden Sachkapitals wird daher niedriger als seine Reproduktionskosten sein, was die Produzenten abhält zusätzlich Sachkapital zu erzeugen.[16]

[...]


[1] Vgl. Marco Iezzi, Über den Nobelpreisträger James Tobin: Zur Person und Tobins Beitrag zu den Wirtschaftswissenschaften, Studienarbeit, Norderstedt 2006, S. 1-3 und o.A., James Tobin, in: Bücher LLC, (Hrsg.), Neokeynsianismus: James Tobin, Is-Lm-Modell, Paul A. Samuelson, Carl Fohl, John Richard Hicks, o.O. 2010, S. 11-12 und o.A., James Tobin, in: Books LLC (Hrsg.), Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften. John Forbes Nash Jr., James Tobin, Milton Friedman, Amartya Sen, Joseph E. Stiglitz, Liste der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, Paul Krugman, Friedrich August von Hayek, Elinor Ostrom, William Arthur Lewis, Reinhard Selten, o.O. 2010, S. 85-86 und o.A., James Tobin, o.D., in: [http://www.vwler.de/joomla/content/view/25/26/], 3.12.2010 und Manfred Borchert, Geld und Kredit. Einführung in die Geldtheorie und Geldpolitik, München/Wien 20038, S. 136-138 und S. 179-201.

[2] Vgl. James Tobin, Grundsätze der Geld- und Staatschuldenpolitik (Schriften zur monetären Ökonomie 6), Baden-Baden 1978, S. 3-7.

[3] Vgl. Tobin, Grundsätze, 1978, S. 3-7 und S. 19-27 und S. 119-129.

[4] Als Substitute bzw. substituierbare Güter bezeichnet man Güter (auch Anlagegüter wie Sach- und Finanzkapital), die sofort gegeneinander ausgetauscht werden können, weil sie denselben Nutzen erfüllen. Beispielsweise sind DVDs und Kinokarten Substitute zueinander, da beide das Sehen eines Filmes ermöglichen. Im Bezug auf die Portfoliotheorie bedeutet das, dass vollkommene oder perfekte Substitute sofort gegeneinander ausgetauscht werden können, sobald eines einen höheren Ertrag als das andere aufweist. Vgl. Robert Pindyck/Daniel Rubinfeld, Mikroökonomie, München/Boston/San Francisco/Harlow/Sydney/Mexico City/Madrid/Amsterdam 20097, S. 53-55 und S. 65-70 und S. 112-117 und S. 760-765 und Rainer Stöttner, Diskussionspapier zum Thema „Probleme der makroökonomischen Portfoliotheorie“ (Workshop „Ausgewählte Probleme der Makroökonomie“ der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, 1983, [http://cms.uni-kassel.de/unicms/fileadmin/groups/w_030109/Lehre/Kapitalmarktanalyse/makprod.pdf], 26.11.2010, S. 13.

[5] Vgl. Tobin, Grundsätze, 1978, S. 8-9 und S. 19-43.

[6] Damals wurden die Mindestreserveeinlagen der Geschäftsbanken bei der Notenbank nicht verzinst. Heute werden sie zu einem geringen Zinssatz von der EZB verzinst. Staatsschuldentitel wie etwa Schatzwechsel können jederzeit in Mindestreserven gewechselt werden.Vgl. dazu o.A. 3.2.2 Das Geldangebot, o.D., in: [http://www.makroo.de/Das%20keynesianische%20Modell/Der%20Geldmarkt/Das%20Geldangebot.htm], 3.12.2010 und o.A. Mindestreserven, o.D., in: [http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/mindestreserven/mindestreserven.htm], 3.12.2010 und o.A. Europäische Zentralbank, o.D., in: [http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/europaeische-zentralbank/europaeische-zentralbank.htm], 3.12.2010 und o.A. Zentralbank, o.D., in: [http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/zentralbank/zentralbank.htm], 3.12.2010 und o.A. Geldmarktpapiere, o.D., in: [http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/geldmarktpapiere/geldmarktpapiere.htm], 3.12.2010 und o.A. Schatzwechsel, o.D., in: [http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/schatzwechsel/schatzwechsel.htm], 3.12.2010.

[7] Vgl. Tobin, Grundsätze, 1978, S. 8-9 und S. 19-43 und S. 53-55 und S. 119-129 und Wolfgang Hirsch, Liquiditätstheorie, makroökonomische Portfoliotheorie und Neoquantitätstheorie als konkurrierende Erklärungshypothesen des Geldwirkungsprozesses in der Bundesrepublik Deutschland. Eine theoretische und empirische Analyse (Volks- und Betriebswirtschaft 5), Frankfurt am Main/Bern/Cirencester 1980, S. 82-108 und o.A. Diskontsatz, o.D., in: [http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/diskontsatz/diskontsatz.htm], 3.12.2010 und o.A. Diskontierung, o.D., in: [http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/diskontierung/diskontierung.htm], 3.12.2010 und o.A. Mindestreserven des ESZB, o.D., in: [http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/mindestreserven-des-eszb/mindestreserven-des-eszb.htm], 3.12.2010.

[8] Laut Duwendag und der Sekundärliteratur war eine solche Betrachtungsweise damals unüblich. In der Sekundärliteratur wird für die „klassische“ Sichtweise der damaligen Ökonomie auf Keynes verwiesen. Die Einbeziehung von Sichtverbindlichkeiten in die Staatsverschuldung ist auch in der heutigen traditionellen Haushaltsrechnung unüblich. Vgl. dazu Tobin, Grundsätze, 1978, S. 3-20 und S. 19-27 und Hirsch, Liquiditätstheorie, 1980, S. 82-108.

[9] Auf Sicht fällig bedeutet, dass die Schuldtitel gegen Vorzeigen einlösbar sind. Dies ist beispielsweise bei Geld der Fall.

[10] Siehe Fußnote 8.

[11] Ob heutzutage der Staat immer noch dieses Recht hat, war im Zuge der Recherche nicht herauszufinden.

[12] Vgl. Tobin, Grundsätze, 1978, S. 8-9 und S. 19-27 und Hirsch, Liquiditätstheorie, 1980, S. 82-108.

[13] Vgl. Tobin, Grundsätze, 1978, S. 8-9 und S. 19-35 und S. 53-55.

[14] Vgl. Tobin, Grundsätze, 1978, S. 8-12 und S. 30-35 und S. 53-55 und S. 119-129 und Stöttner, Diskussionspapier,1983, S. 9-12 und Borchert, Geld und Kredit, 20038, S. 136-138 und S. 179-201.

[15] Vgl. Tobin, Grundsätze, 1978, S. 8-12 und S. 30-35 und und Stöttner, Diskussionspapier,1983, S 9-12.

[16] Vgl. Tobin, Grundsätze, 1978, S. 8-12 und S. 30-35 und Hirsch, Liquiditätstheorie, makroökonomische Portfoliotheorie, 1980, S. 82-108.

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
James Tobin - Grundsätze der Geld- und Staatsschuldenpolitik
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Institut für Geschichte und Ethnologie)
Veranstaltung
Wirtschafts- und Sozialgeschichte I: Klassiker der Nationalökonomie
Note
1,00
Autor
Jahr
2011
Seiten
51
Katalognummer
V174714
ISBN (eBook)
9783640953707
ISBN (Buch)
9783640953943
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tobin, James, James Tobin, Staat, Schulden, Grundsätze, Finanzen, Wirtschaft, Markt, Geldmenge, Bank, Geldinstitut, Nationalbank, Anleihen, Aktien, Mikroökonomie, Makroökonomie, Ökonomie, Monetäre Systeme, makroökonomische Portfoliotheorie, Portfolio, Portfoliotheorie, Keynes, Mindestreserven, Tobin-Tax, Tobin-Steuer, Fristigkeitenstruktur, Inflation, inflationsgeschütze Anleihen, Offenmarktpolitik, Offenmarktgeschäfte, Notenbank, Finanzamt, Zinsen, Zinspolitik, Staatsschuldtitel, Rendite, Ertragsrate, interner Zinssatz, Erwartungen, Anleger, festverzinslich, Sichtverbindlichkeiten, Effizenz, Steigerung, Kosten, Tobins q, Verbindlichkeiten, Sicht, Devisentransaktionssteuer, Steuer, Spekulation, Wechselkurse, fixe Wechselkurse, Emanuel, Beiser, Emanuel Beiser, Finanzkrise, Krise, Wirtschaftskrise, Verschuldung, Staatsverschuldung, Geld, Management
Arbeit zitieren
Emanuel Beiser (Autor), 2011, James Tobin - Grundsätze der Geld- und Staatsschuldenpolitik , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174714

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