Emerson - die Entdeckung der Gewöhnlichkeit und die Anwendung der Perspektive der Gewöhnlichkeit auf die Filmanalyse von „It happened one night“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
21 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Emerson und die Entdeckung des Gewöhnlichen
2.1 Kurze Biographie Emersons und Darlegung einiger seiner Ideen
2.2 Gesellschaftliche Hintergründe und Rahmenbedingungen

3. Filmanalyse der Screwballkomödie „It happened one night“ unter Gesichtspunkten der Gewöhnlichkeit
3.1 Kurze Inhaltsangabe des Films und Einordnung als Screwballkomödie
3.2 Analyse unter Aspekten der Gewöhnlichkeit

4. Fazit

Emerson - die Entdeckung der Gewöhnlichkeit und die Anwendung der Perspektive der Gewöhnlichkeit auf die Filmanalyse von „It happened one night“

1.Einleitung:

In Anbindung an das Seminar „Medienphilosophie des Gewöhnlichen“ soll im Folgenden und innerhalb der thematischen Ausrichtung der vorliegenden Hausarbeit auf den amerikanischen Philosophen Emerson und seine Vision des Gewöhnlichen eingegangen werden und im Anschluß daran diese Theorie anhand des praktischen Beispiels der Filmanalyse der Screwballkomödie „It happened one night“ veranschaulicht werden. Auf die Hauptfragestellungen, die im Seminar beleuchtet wurden, wird hierbei ebenfalls, wenn auch am Rande, eingegangen.

Dazu zählt zum Einen die Frage nach der eigentlichen Essenz des Begriffs „Gewöhnlichkeit“, bzw. auch, in welchem (philosophischen, theoretischen, kritischen) Kontext Gegenstände des Gewöhnlichen untersucht werden können. Diese Fragestellung wird im Rahmen der Arbeit jedoch nur minimal behandelt.

Zum Anderen wurde innerhalb des Seminares auch die Frage nach der Existenz einer Theorie des Gewöhnlichen aufgeworfen, und inwieweit diese das Verständnis von Kulturwissenschaft und Kritik transformieren/ beeinflussen und somit zu einer veränderten Einstellung der Forschenden gegenüber ihren Gegenständen führe.

Die Anbindung an diese Fragestellung nimmt einen größeren Rahmen innerhalb der Hausarbeit ein, da Emersons Ideen zum Gewöhnlichen weitergehend thematisiert werden und am Beispiel der (betont subjektiven) Fimanalyse der klassischen Screwballkomödie „It happened one night“ von 1934 aufgezeigt wird, wie unter einer derartigen Perspektive Kunst bzw. Filmkunst analysiert werden kann.

Doch bevor noch genauer auf die Struktur der vorliegenden Arbeit eingegangen wird , sei zunächst einmal auf die Relevanz der vorliegenden, zunächst sehr abstrakt anmutenden Grundthematik, die Suche nach einer Theorie und auch die Suche nach einer Berechtigung dieser Theorie des Gewöhnlichen, und letztendlich auch ihrer Anwendung, verwiesen.

So mag der Titel „Medienphilosophie des Gewöhnlichen“ zunächst, gerade durch die darin zum Ausdruck kommende Wissenschaftlichkeit, sehr alltagsfremd wirken (zumindest erschien der Verfasserin dieser Arbeit dies zunächst so) und somit gerade nicht (wie eigentlich bezweckt) eine fortschreitende Annäherung der Wissenschaft(lichkeit) an den Alltag bzw. eine natürlichere Betrachtungsweise der in der Wissenschaft betrachteten Gegenstände symbolisieren. Dennoch scheint die dahinterstehende Forderung, die Wissenschaft solle gewissermaßen ein wenig mehr aus ihrem Elfenbeinturm hinaus - und auf das „Reale Leben“ bzw. Alltagsleben zugehen, diese beiden bis dato oftmals so unvereinbar scheinenden Pole sollten sich einander stärker annähern, durchaus berechtigt.

Betrachtet man z.B. auch die so häufig verwendeten sprachlichen Gemeinplätze wie z.B. „Carpe Diem“, sprich „Nutze den Tag“, so wird deutlich, wie relevant nicht nur im Wissenschaftsbetrieb, sondern auch im alltäglichen Leben eine (Rück-) Besinnung auf den Moment, auf die Gegenwart, auf eine natürliche und gegenwartsbejahende Ausrichtung erscheint.

Gerade auf diese Aspekte und Zusammenhänge wird im Folgenden, unter 2., noch eingehender verwiesen, indem auf einige Grundideen Ralph Waldo Emersons sowie auch auf seine Biographie, in 2.1, eingegangen wird, die zur Entdeckung des Gewöhnlichen führten bzw. diese beeinhalteten, und die wesentlich das amerikanische (kulturelle und philosophische) Selbstverständnis (gerade in Abgrenzung zum europäischen Selbstverständnis) prägten.

Im Anschluss daran wird in 3. die Screwballkomödie „It happened one night“ untersucht. Hierbei wird in 3.1 eine kurze Inhaltsangabe des Films dargelegt, um daraufhin in 3.2 kurz auf einige Hintergründe des Films einzugehen. In 3.3 wird schließlich die Analyse des Films, im Hinblick auf den besonderen Stellenwert des Gewöhnlichen ( und dieses mit Emersons Grundideen über die Natur in Verbindung stehend), vollzogen.

In 4. rundet ein Fazit und der aktuelle Ausblick die Arbeit ab.

2. Emerson und die Entdeckung des Gewöhnlichen

Ralph Waldo Emerson (1803-1882) war ein amerikanischer Essayist, Dichter und Philosoph, der unmittelbar sowohl mit der Begründung der Theorie des Gewöhnlichen (wobei das Gewöhnliche hierbei, wie bereits erwähnt, auf das Alltägliche, Banale bezogen gedeutet werden kann) als auch mit der philosophischen Richtung des amerikanischen Transzendentalismus zusammenhängt und als Schlüsselfigur der amerikanischen Ideengeschichte wie auch der frühen Moderne gewertet werden kann.[1] 2.1 Kurze Biographie Emersons Am 25. Mai 1803 in Boston geboren, waren sieben von Emersons Vorfahren Geistliche, sein Vater Pfarrer der unitarischen First Church in Boston. Emerson studierte an der Universität Harvard und arbeitete einige Jahre als Priester, bis er sein Amt 1832 aus Gewissensgründen niederlegte, nachdem er zu der Auffassung gekommen war, das heilige Abendmahl nicht länger als festes Sakrament betrachten zu können und es deshalb nicht mehr zelebrieren zu können.[2] Hier wird bereits deutlich was er später verlauten liess, und was er in seinem Leben und Denken immer wieder verkörperte:

“Whoso would be a man must be a nonconformist”

Oder auch

“Is it so bad, then, to be misunderstood? Pythagoras was misunderstood, and Socrates, and Jesus, and Luther, and Copernicus, and Galileo, and Newton, and everypure and wise spirit that ever tookflesh. To be great is to be misunderstood.”[3]

Nach dieser Zäsur in seinem Leben zog es Emerson nach Europa, und es verschlug ihn einige Zeit nach England, wo er mit einigen literarischen Persönlichkeiten wie Walter Savage Landor, Samuel Taylor Coleridge, Thomas Carlyle und William Wordsworth zusammentraf. Nach seiner Rückkehr 1833 ließ sich Emerson in Concord nieder und arbeitete von nun an als Dozent in Boston.

Die Basis seiner Vorträge über Philosophie (z.B. “The Philosophy of History, Human Culture, Human Life and The Present Age”) bildete eine Sammlung von Beobachtungen und Notizen, die er bereits als Student in Harvard aufgezeichnet hatte. Hierbei zeugt sein Essay “Nature” (1836), auf das im Folgenden noch eingegangen werden wird, wohl am stärksten von den Grundgedanken - und Auffassungen seines Glaubens.

Das zunächst anonym erschienene Werk fand anfangs kaum Beachtung, gilt heute jedoch als Emersons fundamentalstes Werk, das den Kern seiner Transzendentalphilosophie beschreibt. Diese idealistische Lehre kann als philosophisch- religiös- literarische Bewegung interpretiert werden, die in den 1830er Jahren in den intellektuellen Zirkeln von Boston entstanden war und die von Emerson, Henry David Thoreau und Margaret Fuller konstituiert wurde.[4]

Des Weiteren von großer Bedeutung war auch Emersons Rede “The American Scholar”, auf die auch im Rahmen des Seminars eingegangen wurde. In dieser Rede, die Emerson 1837 vor der Phi Beta Kappa Society of Harvard hielt, übertrug er diese Gedanken auf kulturelle und intellektuelle Probleme. So heißt es darin z.B.:

“We do not meet for games of strength or skill, for the recitation of histories,Tragedies and odes, like the ancient Greeks; for parliaments of love and poesy, like the Troubadours; nor for the advancement of science, like our contemporaries in the British and European capitals. Thus far, our holiday has been simply a friendly sign of the survival of the love of letters amongst a people too busy to give to letters anymore. As such it is precious as the sign of indestructible instinct."[5]

Hier wird bereits die deutliche Abgrenzung von der europäischen Kultur ersichtlich: Emerson kontrastiert alteuropäische Traditionen mit amerikanischen Gepflogenheiten (“people too busy to give to letters anymore”), und betont zugleich die Besonderheit und auch den Wert derselbigen, der eben besonderen amerikanischen Traditionen. Hier zeigt sich beispielhaft wieder der optimistische, idealistische Ansatz Emersons, der z.B. den ebenfalls amerikanischen Dichter Walt Whitman dazu inspirierte, das Gedicht „Song of Myself“ zu verfassen, in dessen erster Strophe es heißt:

I CELEBRATE myself, and sing myself,

And what I assume you shall assume,

For every atom belonging to me as good belongs to you.

I loafe and invite my soul,

I lean and loafe at my ease observing a spear of summer grass.

My tongue, every atom of my blood, form'd from this soil, this air,

Born here ofparents born here from parents the same, and their parents the same,

I, now thirty-seven years old in perfect health begin,

Hoping to cease not till death.

Creeds and schools in abeyance,

Retiring back a while sufficed at what they are, but never forgotten,

I harbor for good or bad, I permit to speak at every hazard,

Nature without check with original energy.[6]

Und auch ein europäischer Denker und Philosoph, wenn auch tendenziell eher pessimistischer Natur, Nietzsche, griff Emersons Gedanken als Zitat in seiner 3. Unzeitgemässen Betrachtung auf.[7]

Der erste Band von Emersons Essays (1841) enthielt einige seiner berühmtesten Abhandlungen zur Geschichte, Philosophie und Kunst (u. a. History, Self-Reliance, Compensation, Spiritual Laws, Love, Friendship, Prudence, Heroism, The Over-Soul, Circles, Intellect und Art); die bekanntesten Essays des zweiten Bandes (1844) sind The Poet, Manners und Character. In den Jahren zwischen der Veröffentlichung dieser beiden Bände schrieb Emerson für „The Dial“, die 1840 in New England gegründete transzendentalphilosophische Zeitschrift, deren Herausgeberin die Kritikerin Margaret Fuller war. Poems, Emersons erster Gedichtband, erschien 1847. 1847 ging Emerson erneut ins Ausland, und lehrte in England. Mehrere Vorträge Emersons wurden später in dem Band Representative Men (1850; Repräsentanten der Menschheit) veröffentlicht.

Von Emersons wachsendem Interesse an nationalen Themen zeugen seine Journals.

[...]


[1] Vgl. http://www.online-literature.com/emerson/, eingesehen am 3.06.2008

[2] Vgl. http://www.inkultura-online.de/bioemers.htm, eingesehen am 5.06. 2008

[3] Vgl hierzu auch Emerson: Repräsentanten der Menschheit. Zürich 1989. Hier betont Emerson die Bedeutsamkeit der Selbstwerdung im Hinblick auf aus seiner Sicht grosse Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte, und ließ diesbezüglich z.B. verlauten: Die Schöpfung scheint für die Vorzüglichen da zu sein. Die Welt wird durch die Wahrhaftigkeit guter Menschen erhalten: Sie sind es, die die Erde gesund und heilsam machen. Alle, die mit ihnen lebten, fanden das Leben froh und lohnend. Nur durch unseren Glauben an die Geeinschaft mit solchen Menschen wird das Leben süß und durch sie erträglich; und wir richten es stets so ein, daß wir wirklich oder im Geiste mit denen leben, die größer sind als wir., siehe S.7 ff

[4] Vgl. Schulz, Dieter: Amerikanischer Transzendentalismus. Ralph Waldo Emerson. Henry David Thoreau. Margaret Fuller.Darmstadt, 1997, S.l

[5] Emerson, Ralph Waldo: The American Scholar. In: Nature and Selected Essays, p. 83. New York 1982.

[6] http://www.princeton.edu/~batke/loer/loe 026.html, eingesehen am 10.06.2008; weitere Gedichte und Texte Whitmans siehe Whitman, Walt: Leaves of grass, New York 2006

[7] Vgl Schulz, S.1

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Emerson - die Entdeckung der Gewöhnlichkeit und die Anwendung der Perspektive der Gewöhnlichkeit auf die Filmanalyse von „It happened one night“
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V174787
ISBN (eBook)
9783640954643
ISBN (Buch)
9783640954506
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
emerson, entdeckung, gewöhnlichkeit, anwendung, perspektive, filmanalyse
Arbeit zitieren
Maria Elena Knolle (Autor), 2008, Emerson - die Entdeckung der Gewöhnlichkeit und die Anwendung der Perspektive der Gewöhnlichkeit auf die Filmanalyse von „It happened one night“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174787

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